Beiträge von Matcha

    Hallo Perdita,

    Ich kann mir gut vorstellen, dass es der Besuch war. Während deine Freundin da war , konntest du nicht trinken, sie wusste Bescheid und hätte etwas gesagt. Jetzt bist du alleine mit deinen Erinnerungen und niemand passt auf dich auf.

    D.h. du könntest ja trinken.... Machste aber nicht!!

    LG Matcha

    Anna, mir geht das auch so, dass ich mir viel weniger Gedanken darüber mache, welchen Eindruck ich hinterlasse. Es wird schon gepasst haben, denke ich. Auch reagiere ich auf Kritik viel sachlicher und konstruktiver, im Job ist das Gold wert. Ich schleppe halt nicht mehr diese Scham mit mir rum und gefalle mir so, wie ich bin, manchmal auch im Spiegel;)

    Da auch vorsichtig sein. An Musik sind viele Emotionen geknüpft. Und gerne hängt sich da auch mal die Suchtstimme mit dran.

    Seitdem ich nicht mehr trinke, höre ich gar keine Musik mehr, ich habe keinen Zugang mehr dazu. Ratzefatz aus der Ton. Ein wenig vermisse ich das. Andererseits habe ich seitdem auch keine Ohrwürmer mehr, meist nach dem Hören der blödesten Lieder mit der plattesten Melodie hatte ich das über Tage.

    Das fällt mir jetzt erst auf, krass, erleichternd.

    Dankeschön Lebenskünstler,

    deine Erklärung kann ich nachvollziehen, so war das. Es musste solange getrunken werden, bis der Rausch, den ich wollte ( dieses Gefühl des Einseins mit der Welt, diese vermeintlich klaren Gedanken, die Musik im Ohr...) endlich da war.

    Und das brauchte dann immer mehr Gläser und der Körper ging dabei fast kaputt.

    Aus welchem Grund hast Du diese Überlegung? Würde das etwas ändern?

    Ändern täte das gar nichts, das stimmt.

    Ich habe schon in der Trinkzeit darüber nachgedacht, ich kam mir in meinem Tun so fremdgesteuert vor von dem Alkohol. Warum reicht das 1 Glas nicht, warum muss ich raus, ein zweites besorgen, dann nochmal das dritte, so war das bei mir. Ich hatte ja nie Vorrat zu Hause, das hatte ich schon lange abgeschafft.

    Der Film hat mich an diese Situationen erinnert. Der Typ ist schon sternhagelvoll, warum hat der nicht genug, wann ist der endlich "satt" ?

    Naja, für mich gilt: das 1. Glas stehen lassen, das ist viel leichter, als das 3. Glas stehen lassen

    Gestern habe ich auf Netflix den Film " One for the road" gesehen, der war wohl vor 2,3 Jahren hier im Kino, es ist ein deutscher Film. Ein Alkoholiker, der den Führerschein verliert und zur MPU muss. Es ist keine Doku und es darf auch mal gelacht werden. Die Hauptperson machte abends nach der Sauftour sturzbetrunken immer nochmal Halt im Späti um, wie immer, noch 2 Flaschen Bier zu kaufen für Zuhause. Der Film hat keinen Suchtdruck bei mir erzeugt ( denke ich mal unbedarft ...), aber schon nochmal den Alkoholkonsum verbildlicht, plastischer gemacht, also da ist heute mehr als die tägliche Gedankenübung in meinem Kopf. Gerade überlege ich, wie es dazu kommt, dass der bereits Betrunkene , der also "voll" ist, immer mehr haben muss, noch "voller" werden will. So war das bei mir, Alkohol hat den Wunsch nach mehr Alkohol erzeugt. Ich musste dann regelmäßig nochmal raus um mehr zu holen. Es gab keine Befriedigung. Gut, ich hatte nie einen Filmriss oder einen Verlust der Muttersprache, wie es Kazik gerade so schön ausgedrückt hat, aber trotzdem, es war immer mehr als geplant und dieses Verlangen nach mehr, das fand ich beim Trinken höchst interessant (wenn ich mich beim Trinken selbst beobachtet habe).

    Ja, ich weiss, es wird Kontrollverlust genannt, ich glaube, das gibt es nur bei der Alkoholsucht.

    Und mal noch eine Frage.... hier fühle ich mich auch verantwortlich... er hat am Samstag Geburtstag..... Ich habe das Gefühl ich müsste das mit Ihm feiern, aber innerlich wehrt sich alles dagegen. eigentlich will ich hier eine Grenze setzen, das er merkt, das ich das alles nicht mehr kann und auf der anderen Seite will ich Ihm den Tag nicht versauen.... wie soll ich mit dieser Situation umgehen????

    Heute ist Samstag und er hat Geburtstag.

    Du hattest gefragt , wie du dich verhalten sollst, darauf wusste ich keine Antwort und wollte nichts Falsches schreiben. Ich hoffe, du hast für dich eine Lösung gefunden.

    ......eigentlich habe ich mich innerlich schon verabschiedet, komme nur noch nicht in die Umsetzung, weil ich Angst vor seiner Reaktion habe und Angst vor Schuldgefühlen habe.

    Hallo Herzilein56, schlimm, was du da gerade durchmachen musst, völlig unverschuldet (!!!). Ich fürchte, du hast dich da auf etwas eingelassen, was man nur bewältigen kann, wenn man gemeinsam eine gute Basis hat und auch gute Zeiten erlebt hat. Du hast ihn kennen gelernt als er schon alkoholkrank war und eine Krebserkrankung hoffentlich überstanden hat. Der Krebs war höchstwahrscheinlich auch durch Alkohol und Zigaretten bedingt, nichtmal das war im eine Lehre. Was du jetzt erlebst ist nur der Anfang vom Ende, so sehe ich das. Liebst du ihn genug und hast du die Kraft, das durchzustehen und dabei heil zu bleiben? Geht das überhaupt, ich habe da Zweifel.

    LG Matcha

    Ich bin nach Hause gegangen und habe mir schnellstmöglich etwas zu essen gemacht. Käsetoast und Rührei, ich brauche dann warmes, sättigendes Essen. Mein Fehler war es, hungrig loszuziehen.

    Ich danke sehr für eure Rückmeldungen. Das hier loszuwerden hilft mir sehr, das schafft eine Zäsur und ich kann aus der Distanz emotionsloser (trotzdem liebevoll :wink:) auf mich schauen

    Eine Frage dazu: Was hast du anstatt zu saufen dann gemacht? Aus eigener Erfahrung ist es in so einer Situation hilfreich, etwas als Ersatz zu machen, entweder eine andere Getränk zu trinken oder mit etwas anderen erstezen damit sich das Suchtgehirn langsam daran gewöhnt, nicht bei jeder Gelegenheit an Saufen zu denken.

    Ist dieser akute Suchtdruck denn noch aktiv? Glaubst Du Deiner Suchtstimme denn tief in dir drin, dass dein Leben ohne Alkohol auf Dauer freudlos ist?


    Ich fürchte, das ist der Fall, der Suchtdruck ist aktiv und ohne einen Weg zu finden, ihn zu befriedigen, meldet er sich. Bevor ich mit dem Alkohol angefangen habe ( das passierte schleichend über den Lebenspartner) hatte ich ein Problem mit dem Essen. Ich glaube rückblickend, dass ich bulimisch war. Ein Loch muss gestopft werden. Ich habe schon viele Kurse gemacht mit Meditation und Yoga, aber wenn ich da sitze, werde ich hibbelig. Was mir hilft, ist zu essen, also dieses Loch zu stopfen. Das ist nicht so tragisch, ich bin schlank und kann ruhig mal mehr essen.

    Gestern hatte ich in Gedanken einen "nassen" Tag, wie ihr das hier immer so schön beschreibt. Ich bin morgens wie von der Tarantel gestochen aus dem Bett aufgesprungen nachdem ich den Wetterbericht gelesen hatte. Mein Plan war ja, etwas Gartènarbeit zu machen. Das habe ich vor dem Regen schnell erledigt,Dann noch In die Stadt für Besorgungen und da kam so heftig der Gedanke auf, mich für die ungeliebte Gartenarbeit mit Alkohol zu belohnen, krass. Ich konnte mich kaum beherrschen etwas zu kaufen, habe es aber nicht getan. Ich bin dankbar für mein alkoholfreies Zuhause, sonst wäre das gestern nicht gut gegangen. Ich habe unruhiger geschlafen als sonst und bin heute auch früh wach. Die Gedanken kreisten die ganze Zeit um Alkoohol. Wie schwierig das ist, abstinent zu sein. Ob ich mir nicht doch zur Belohnung mal etwas gönnen kann. Das Leben ohne Alkohol ist doch freudlos, so ging das in Dauerschleife.

    Meine Trigger habe ich jetzt besser identifiziert, Entspannung und Belohnung, wer will schon auf Belohnung verzichten. Im Moment fällt mir keine Ersatzbelohnung ein, ein schöner Tee......., lächerlich.

    Meine Woche verlief völlig ruhig. Kein Suchtdruck, viel Zeit auf der Couch, Küche weiterhin nicht geputzt. Kurzum, der Energieschub lässt auf sich warten. Aber glaubt nicht, dass ich darunter leide ;). Auf der Couch lese ich im Forum.

    Ich war aber in 2 Wochen 3x im Fitnessstudio, im Herbst möchte ich an einem Volkslauf teilnehmen und dafür muss ich jetzt anfangen zu trainieren. Dabeisein ist für mich nicht alles, ich möchte ein respektables Ergebnis.

    Liebe Heuel, ich finde es völlig normal wie du dich aktuell fühlst. Der Alkohol hat unser Gehirn über die Jahre so umgebaut, dass nur er, der Alkohol/ das Gift, bei uns Zufriedenheits-und Glücksgefühl auslösen kann. Bis sich das Gehirn wieder umgebaut hat und auf nomale, schöne Situationen uns das Gefühl von Zufriedenheit und Glück spüren lässt, das dauert einige Zeit.

    Ich bin nach 8 Wochen Abstinenz eigentlich zufrieden, spüre aber auch nicht Glück und habe total wenig Energie, d.h., wenn ich keinen Termin habe oder arbeiten muss, liege ich auf dem Sofa rum. Das wird aber besser werden, da bin ich zuversichtlich.

    Heute quäle ich mich zum Fitnessstudio||

    LG Matcha

    Da muss ich dir ein wenig widersprechen. Psychotherapie ist nicht passiv sondern aktive Arbeit an sich selbst-

    Danke für deinen Antwort, da hast du selbstverständlich Recht damit. Ich bin eher ein Mensch, der seine Probleme selber löst und Hilfe schlecht annehmen kann, das ist auch nicht immer gut. Ich hatte bei meiner Bemerkung eben das andere Extrem vor Augen und nicht die goldene Mitte.

    Seit der Zeit, die ich in diesem Forum bin, beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Alkohol und lese viel darüber. Erst jetzt ist mir aufgegangen, was für eine verflixt teuflische Droge Alkohol ist und welches riesige gesamtgesellschaftliche Problem ( auf der ganzen Welt) dadurch vorhanden ist.

    Alkohol müsste eigentlich verboten sein, aber nein, es ist überall " Kulturgut" und legal. Klagen gegen Hersteller sind rar und werden von den Gerichten nicht anerkannt. Stigmatisiert wird der Einzelne, es wird als Schwäche angesehen, dem Alkohol zu verfallen.

    Skuril: einem Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln wurde verboten damit zu werben, dass sein Produkt gegen alkoholbedingten Kater hilft, da der Kater eine Krankheit ist und es verboten ist, dass bei Lebensmitteln damit geworben wirdd, dass sie gegen Krankheiten helfen. LMIV (Lebensmittelinformationsverordnung, hoffentlich erinnere ich das jetzt richtig). Aha, Kater ist eine Krankheit.

    Die Recherchen verwirren mich zunehmend.

    Hallo Dante, ich bin eine von den Neuen und habe den Sonntagvormittag genutzt, deinen Thread durchzulesen. Sehr interessant, danke dafür, dass du deinen Weg mit uns teilst. Ob ich trocken bleiben kann, auch wenn auf meinem Weg Steine und Schicksalsschläge den Weg unwegsam erscheinen lassen und ein Glas Wein zum Verweilen lockt......, das weiss ich noch nicht. Vielleicht ist mir dann alles egal.

    Dir war das bislang nicht egal, trocken zu bleiben, das steht bei dir nach so vielen Jahren immer noch als eine Säule unter der Lebensscheibe. Vielleicht ist das die 5. Säule Spiritualität: wachsam bleiben, auf sich und andere achtgeben, trocken bleiben.

    Dieses Bild mit den 5 Säulen in deinem Thread hat mir gut getan und hilft mir weiter.

    LG Matcha