Beiträge von Sebi882

    Elly

    Direkte Antwort: Keine Ahnung. Wie ich schonmal irgendwo schrieb, es fühlt sich wie ein kalter Entzug an, begleitet von Rückfällen. Immer wieder werde ich getriggert von "schönen" Momenten. Ich glaube, das geht hier einigen so. Und dann immer wieder Hoffnung, dass sich was ändert, dass sie sich Hilfe sucht, das Wissen, dass im Grunde diese Gemeinheiten nicht gegen mich gerichtet sind. Vielleicht bin ich zu emotional, aber ich sehe auch den Menschen, der dahintersteckt.


    sorrowful

    Praktisch heißt das, dass ich mich mit kleinen Schritten weiter lösen kann. Das ist meine derzeitige Taktik. Und irgendwann den Absprung schaffe.

    Nach einiger Zeit des stillen Mitlesens ein Update:


    Nach dem letzten Schlussmachen ihrerseits hat sich was getan in mir. Ich merke, dass der Abstand zu ihr größer wird und wie ich es immer mehr schaffe, mich abzuwenden.

    Es gab tatsächlich einige Tage Funkstille, dann kam sie wieder auf mich zu mit Versprechen wie trocken werden, Therapie usw. Nichts davon stimmt.

    Es gab auch ein paar nüchterne Tage, da war sie wie ausgewechselt. Das ist das, wo ich dran festhalte. Und ja, ich weiß, dass ist alles Fassade. Kurz danach war ich schon wieder der schlechteste Mensch der Welt, dann wieder der tollste.... ein zermürbendes Hin und Her.

    Aber ich schaffe es mehr und mehr mich davon zu lösen und mich immer mehr auf mich selbst zu konzentrieren. Komplett abbrechen und blocken kriege ich nach wie vor nicht hin, aber ich bin auf einem guten Weg, das merke ich. DAS WEIß ICH.

    Hallo Marilyn,


    vieles erkenne ich bei Deinen Schilderungen wieder.

    Bei meiner Freundin ist es genau so. Wüste Beschimpfungengen und Beleidigungen, sie weiß nicht, was sie fühlt, sie fühlt gar nichts für mich und gleichzeitig bin ich der tollste Mensch, den sie je kennengelernt hat. Und dann so tun, als ob alles in Ordnung ist.

    Meine Taktik ist gerade zu versuchen, nicht über ihr Verhalten nachzudenken und zu akzeptieren. Ich ziehe mich gedanklich zu mir zurück und wenn es ganz bunt wird, gehe ich (wenn sie mich nicht sowieso vorher rausgeschmissen hat).

    Mit der Aussage er wüsste nicht, was er für mich empfindet, ich sei quasi schrecklich und er bliebe nur wegen des Kindes und weil ich ein so guter Mensch sei. Nun sind fast alle Hüllen gefallen. Ich traue ihm keinen Millimeter mehr. Er tut so als wäre alles ok, mit guter Laune. Fast bekomme ich das Gefühl, ich bin mit einem Psychopathen verheiratet. Kennt irgendwer so ein Verhalten?

    Ich habe es tatsächlich geschafft, stark zu bleiben und so wenig Kontakt wie möglich zugelassen.

    Angeblich trinkt sie jetzt nichts mehr, will alles ändern, weiß, dass sie große Fehler gemacht hat, hat therapeutische Hilfe usw.

    Was ich davon glauben kann sei mal dahingestellt.

    Wir hatten vor ca. 2 Wochen ein "Abschiedsgespräch", wo sie sich nochmal ausdrücklich von mir getrennt hat, weil sie mich schützen will. Bei einer letzten Umarmung hat es sich meinerseits so angefühlt, als ob ich den "normalen" Menschen gehen lasse. Das tat ganz gut und hat sich nach einem Abschluss angefühlt.


    Jetzt hat sie mir einen Brief geschickt. In dem steht, dass sie das Problem erkannt hat, dass sie ihren Tiefpunkt erlebt hat ud diesen betäuben musste. Sie erinnert sich an die schönen Zeiten, arbeitet jetzt an sich selbst und alles wird besser.

    Innerlich knicke ich schon wieder ein, das Loslassen ist so verdammt schwer. Irgendwo hier habe ich gelesen, das ist wie ein kalter Entzug und genau so fühlt es sich an.

    Ich versuche diesen ganzen Abschnitt mit ihr auszublenden, mich auf das Jetzt zu konzentrieren, mir Gutes zu tun. Und dann kommt wieder irgendwas, wo ich nicht mit rechne und was mich erneut zweifeln lässt.

    Hilft sie sich wirklich ? Wird es besser ? Hat sich ihr Bewusstsein geändert ? Kann es dann funktionieren ?


    Gibt es eigentlich Fälle, wo beide das durchstanden haben und hinterher war alles gut ?

    Von Grund auf böse ist sicher niemand. Da spielen viele viele Faktoren rein, wenn sich jemand mies verhält.

    Alkohol ist aber nun mal ein Nervengift und verändert Strukturen im Gehirn und auch das Verhalten von Menschen, wenn sie Alkoholiker sind.

    Danke Panama. Jetzt kommt gleich wieder Hoffnung auf, Alkohol weg = radikale Ehrlichkeit.

    (Das war gerade ironisch, aber trotzdem danke für den Beitrag :))

    Sie ist süchtig und tut in dieser Rolle Dinge, die man nicht bis ins Detail erklären kann. Du bist derjenige, der das mit deiner Rationalität nicht akzeptieren will – und das ist alles. Es liegt nicht an ihr, sondern an dir. Sie ist nur das Werkzeug deines Denkens und Handelns. Leg das Werkzeug einfach weg, und die Sache ist erledigt.

    Rational genug?

    Ja, rational genug. Ich will halt irgendwie verstehen, dass sie nicht von Grund auf böse ist und andere nur vera****t. Weil ich immer an das Gute im Menschen glaube. Das fällt mir hier so schwer.

    Inwiefern, gab es Alkoholmissbrauch bzw. Sucht in Deiner Herkunftsfamilie?

    - Der Opa meines besten Freundes hat sich totgesoffen, als wir noch Kinder waren. Seine Oma war auch in dieser CO-Abhängigkeit gefangen und wollte sich sogar umbringen deswegen (das hat er mir neulich erst im Detail erzählt, als wir über meine Freundin sprachen).

    - Einer meiner besten Freunde von damals hat immer übermäßig viel getrunken und ist dann irgendwann in den falschen Kreis abgerutscht und dann kamen noch andere Drogen hinzu. Da habe ich rechtzeitig den Absprung geschafft und den Kontakt abgebrochen. Man muss dazusagen, ich habe während meiner Jugend auch sehr viel getrunken, aber immer rechtzeitig die Reißleine gezogen, wenn ich gemerkt habe, ich habe morgens keinen Kater mehr usw.

    - Ein guter Bekannter von uns hatte eine Kneipe und war selbst sein bester Kunde. Der hatte jeden Tag seinen Pegel und ist dann an Leberversagen gestorben.

    - Die Eltern meiner ersten Freundin waren Alkoholiker. Der Vater hatte das irgendwie noch im Griff, aber die Mutter ist komplett abgestürzt, das habe ich damals alles mitbekommen. Auch sie ist an Leberversagen gestorben. Kein schöner Anblick.

    - Der Vater meiner zweiten Freundin war Alkoholiker. Das habe ich aber nicht mitbekommen, der hatte sich von seiner Familie abgeschottet.

    - Der Ex-Mann meiner "Schwiegermutter" ist Alkoholiker. Er lässt keine Möglichkeit aus, um zu trinken. Nicht viel, aber stetig. Er lebt noch, aber hatte schon Schlaganfälle, schwere Stürze usw.

    - Im Sportverein haben die Alteingesessenen abends immer bis zum Exitus getrunken. Alles ganz normal, gehörte dazu. Hab ich mir nie Gedanken darüber gemacht.

    - Meine Eltern/Großeltern selbst haben auch mal ein Schlückchen genommen, aber alles im Rahmen, da gab es keine Sucht.


    Jetzt, wo ich das hier so aufliste......... oh Mann. Und das sind Erinnerungen, die in letzter Zeit öfter mal hochkommen. Vielleicht ziehe ich das an ?

    Meine Therapeutin sagt immer "Sie suchen sich immer die pychisch Angeschlagenen." ;)


    Nee, stimmt schon, was reizt mich daran ? Ich bin eher ein ruhiger Typ, vielleicht brauche ich dafür eine Gegenpol. Mit Alkohol bin ich eigentlich schon immer konfrontiert, aber seit dieser Beziehung noch nie so nah dran. Möchte ich auch nicht wieder. Und mein Bewusstsein dahingehend ist schon geschärfter.


    Ein bisschen "Helfersydrom" (blödes Wort) habe ich schon, aber es sollte halt ein Geben und Nehmen sein. Aber in der CO-Rolle ist es eben sehr einseitig und das ist das was nicht guttut, glaube ich.

    Ich bin jemand, der für alles eine rationale Erklärung braucht, so bin ich halt....... Aber Rationalität ist hier schwierig, das konnte ich schon diverse Male rauslesen.

    Warum hängst Du so sehr an einer Beziehung, die Dir nicht guttut?

    Ganz ehrlich ? Keine Ahnung. Eine Bindung ist immer noch da, schließlich ist auch Liebe mit im Spiel. Und Liebe kriegt man nicht einfach so abgeschüttelt.

    Das macht die Zeit, ich weiß. Und ich bin auf einem guten Weg dahin.

    Danke für die letzten Beiträge. Auch an dich Hera , das ist eine gute Sichtweise. Wenn ich nicht da bin, hat sie Zeit, sich um sich selbst zu kümmern. Ob sie das tut, ist eine andere Frage. Ich befürchte nicht.

    Jedenfalls ist immer noch Funkstille. Und ja, ich mache mir Sorgen. Aber es wird besser. Und mir geht es bald NOCH besser.


    Könnt ihr mir eine Frage beantworten ? (Ich hoffe, das ist nicht zu detailliert für das Forum)

    Sie lügt sehr viel. Offensichtlich nicht immer im Bezug zum Alkoholkonsum. Ereignisse werden sich ausgedacht, Leute häufig kontaktiert, zu denen sie nicht viel Kontakt hat. Urlaube, die nie stattgefunden haben. Andere hätten was zu ihr gesagt, was sie nie getan haben. Dinge bestellt, die nie ankommen....

    Im Grunde kenne ich sie überhaupt nicht, weil ich nie weiß, was in ihrem Leben wirklich passiert ist.

    Zudem braucht sie für alles eine Bestätigung, ob alles richtig ist, was sie so macht.

    Gehört das alles zum Krankheitsbild ? In einer Parallelwelt leben, um sich das Leben schön zu reden ?

    Den gleichen Gedanken hatte ich auch sofort, alles Taktik.

    Die letzten Tage hat sie wieder wirres Zeug geschrieben, wahrscheinlich ist sie fröhlich am Trinken. Es ist ja keiner da, der sie hindert.

    Heute kam gar nichts, mal gucken, wie die nächsten Tage werden.


    Bei der letzten Umarmung hat es sich jedenfalls angefühlt, als ob ich den „echten Menschen“ gehen lasse und nur noch die andere Seite von ihr präsent bleibt. Der Gedanke hilft ein bisschen beim Loslassen.


    Ich bleibe stark !

    Ich war gerade nochmal bei ihr, sie wollte mit mir reden, weil sie heute ein Gespräch mit einer Therapeutin hatte. Am Telefon klang sie gar nicht gut.


    Tja, was soll ich sagen ? Sie hat sich endgültig von mir getrennt, sie hat ihren Alkoholkonsum absolut eingesehen, dass das ihr Leben bestimmt und dass sie mir damit unendlich schadet und wehtut. Und um mir weiteres Leiden zu ersparen, sei es vorbei, obwohl sie mich sehr liebt.

    Es war sehr emotional und das Ehrlichste, was sie jemals gesagt hat, glaube ich. Und es klingt endgültig.

    Sie hat sich Adressen für Entgiftungskliniken rausgesucht und will das in den Griff bekommen. Es klang sehr einsichtig.


    Und jetzt ? Man könnte sagen "manche Probleme lösen sich von selbst", aber es tut gerade echt weh. Trennungsschmerz halt.

    Das ist wahrscheinlich der Grund, warum ich noch nicht wirklich loslassen konnte. Aber das ist mir nun abgenommen worden.


    Da muss ich jetzt durch und schon bald wird es mir bestimmt besser gehen.

    Jetzt schreibt sie mir eine E-Mail (!), dass wir uns ein paar Tage nicht sehen sollten, jedoch jeden Tag ein "Guten Morgen" und "Gute Nacht" wären schön. Mit Herzchen hinter.

    Ich glaube tatsächlich, sie hat wieder getrunken heute. Und ein paar Tage nicht sehen, heißt, dass ich es nicht mitkriege und sie mich an der Leine hält.


    Gruselig.


    Für euch klingt das alles offensichtlich und mein Kopf sagt auch "da hat sich gar nichts geändert". Aber beim Schreiben merke ich, wie unwirklich sich das für mich anhört.

    Wie eine schlechte Netflix-Serie.