Beiträge von EllaDrei

    Liebe wieweiter, Deine Geschichte beschäftigt mich auch - und ich möchte Dir zu dem Gedanken, ob Du nicht vielleicht mehr hättest tun können, noch etwas schreiben: Nein, das hättest Du nicht - unter keinen Umständen. Ich habe Deinen Faden von Beginn an gelesen. Dein Xy konnte unter Einfluss seiner Sucht den Wert eines gemeinsamen Lebens mit Dir nicht (mehr) erkennen und schätzen, so unverständlich es auch ist. Das hat der Alkohol ihm genommen. Er hat getrunken, obwohl es klar war, wie schlecht es um seine Gesundheit steht und Hilfsangebote für ihn da gewesen wären. Er hätte den Schalter umlegen müssen. Klick hätte es machen müssen, wie es hier häufig zu lesen ist. Das hat es leider nicht, und das ist sicher auch im Nachhinein noch schwer zu ertragen - aber Du hättest ihm das nicht abnehmen können. Nichts, was ihm vom Leben an Gutem gegeben wurde, hat ihm ausreichend Halt und Basis gegeben, um seinen Weg zu überdenken, zu ändern, positiver zu gestalten. Etwas ähnliches erlebe ja auch ich. Anfangs konnte ich nicht fassen, dass meine Rückkehr zu Xy nach vielen Jahren, die er sich angeblich so gewünscht hat, nichts Positives bei ihm bewirkt. Dass er nicht drum kämpft. Aber das ist einfach zu viel verlangt gewesen, und ich hab lernen müssen, dass ich von falschen Voraussetzungen ausgegangen bin. Vielleicht erging es Dir ähnlich - alles was Dich ausgemacht hat, Deine Zuneigung und ja, zum Schluss auch auch Deine Mühen mit ihm, konnte nicht mehr ankommen. Was hättest Du da ausrichten können.

    Das ist schwer zu begreifen, deshalb bleibt uns Co's glaub ich nur, es irgendwann zu akzeptieren und es als eine sehr intensiv traurige Erfahrung zu verarbeiten und zur Seite zu legen, es vielleicht ab und zu mal wieder anzuschauen. Vielleicht auch daraus zu lernen, was wir in Zukunft nicht mehr für unser Leben wollen. Auch wenn mein Xy noch lebt, stelle ich mich ja auf einen ähnlichen Verlauf ein.

    Bin ganz sicher , denn das lese ich aus Deiner warmherzigen, Art heraus, mit der Du hier schreibst und aus der - verzeih mir den gar nicht negativ gemeinten Begriff - sturen Beharrlichkeit, mit der Du ihn bis zum Schluss begleitet hast: Du hast alles getan, was Du konntest. Mehr als das. Du warst über Deine Grenzen hinaus. Du hast mehrmals geschrieben, dass Du nicht mehr kannst. Und das muss einfach reichen. Eigentlich ist es schon zu viel. Und es spricht für Deine große Stärke, dass Du überhaupt so weit gegangen bist. Ich wünsche Dir, dass es für Dich leichter wird mit der Zeit.

    Sorry, beim Senden ging was schief, jetzt ist meine überarbeitete Antwort futsch - neuer Anlauf:

    Danke Dir sehr, für Deinen guten Beitrag, Lebenskuenstler . Du bringst es exakt auf den Punkt, das hilft mir sehr.

    Und Du kannst ja, das wäre auch nachvollziehbar, durchaus sagen, er ist nicht so ein Arsch, dass ich ihn aus meinem Leben verbanne. Und wenn ich im Nachhinein das Gefühl habe, ich habe nicht mein Möglichstes getan, dann leide ich auf Dauer mehr darunter, als wenn ich jetzt, ebenfalls unter kämpfen, einen Schlussstrich ziehe.

    Genau das ist es, er ist nicht so ein Arsch, hat sich aber mir gegenüber auch schon viel geleistet. Und ja, ich hab mich zu lange durchgewurschtelt

    Entscheidend ist aber jetzt, genau wie Du schreibst, wie weit man selbst gehen möchte. Meine Schmerzgrenze wird erreicht sein, wenn er nach der Reha wieder trinkt und/oder Drogen konsumiert. Dann trenne ich mich ohne Wenn und Aber von ihm. Das habe ich ihm in den vergangenen Wochen auch mehrmals deutlich gesagt - und auch, dass ich ihn, falls er weiter konsumiert, nicht in den Tod begleiten werde, weil es meine Kräfte übersteigt. Aus meiner Sicht hab ich dann mein persönliches Möglichstes getan, indem ich bis dahin an seiner Seite geblieben bin.

    Er wird nach der Reha immer noch große Probleme zu lösen haben und die Wahrscheinlivchkeit, dass er lieber wieder trinkt, ist hoch. Das siehst Du ja selbst so. Du glaubst ja gar nicht wirklich, dass er es schafft. Ich ganz nebenbei auch nicht. Aber hellsehen ist trotzdem schwierig.

    Und Du hast auch große Probleme, Nein zu sagen, bzw. bis jetzt hast Du es noch nicht geschafft, ihn konsequent aus Deinem Leben rauszuhalten.

    Du wünschst Dir ja, das es klappt, und deswegen bist Du zu allem möglichen bereit. Deswegen hast Du ja das Dauerdilemma. Das kann gehen, bis sich das Problem dadurch löst, dass er stirbt. Gibts ja hier im Fiorum, dann bist Du aber immer noch diejenige, die nur reagiert, dann reagieren muss.

    Ja, Lebenskuenstler , das ist zusammengefasst die Situation. Es stimmt, ich hab im Grunde meines Herzens den Wunsch noch nicht losgelassen , dass er es schafft und habe mich deshalb auch noch nicht abgewendet. Obwohl Selbstschutz an erster Stelle stehen sollte. Ich bin seit Jahren immer tiefer in so ein stetes Abwarten hineingeraten und in ein immer wieder enttäuschtes, trotzdem hartnäckiges Hoffen. Da will und muss ich raus.

    Zwischenfrage: ist er völlig aus eigenem Antrieb in die Reha, oder musstest Du durch sanftes Drängen helfen?

    Ein Drängen gab es zwar in dem Sinne von mir nicht,aber die Übergänge sind da ja fließend. Es ging ihm körperlich und psychisch immer schlechter, und er hat gemerkt, dass ich mich zunehmend distanziere. Das kann man vielleicht auch als eine Art indirektes Drängen sehen.

    Du hast ja jetzt Zeit, Dir erst mal ein ungeschöntes Bild über Deine Gesamtsituation machen und Dir dann überlegen, womit es Dir weniger schlecht geht.

    Ja, ich muss jetzt mal zu mir kommen und die Zeit für mich und genau solche Abwägungen nutzen, Du hast Recht. Er ist seit Mittwoch für zwei Wochen in Entgiftung und will direkt danach für drei Monate in Reha.

    Es tut mir leid, wenn ich so (zu) viel über ihn geschrieben habe. Will niemanden nerven damit. Ich wollte mich erklären und meine Gedanken ordnen. Aber vielleicht verstricke ich mich damit auch nur noch mehr.

    Hallo Silberstreifen,

    Mensch das macht mich auch wütend , was Du mitmachen musst, und zugleich kann ich zu hundert Prozent dieses völlige Ausgelaugtsein nachfühlen. Zu Beginn schriebst Du mal "Ich hatte mal Temperament..." - genau so geht es mir auch. Ich war mal ein zuversichtlicher, geselliger Mensch, der gerne gelacht hat. Jetzt fühle ich mich dauermüde, rückgratlos, zu leise, irgendwie seltsam unbeteiligt, allzeit bereit, jeden noch so großen Mist zu verzeihen, als wäre ich ein bisschen vertrottelt.

    Mein Freund hat mich zu Jahresbeginn mehrfach beklaut für Schnaps und Drogen, um es hier mal auszusprechen. Ich dachte, jetzt ist aber der Tiefpunkt erreicht, aber Pustekuchen, ich habe ihn nicht für immer rausgeschmissen, wie es angemessen gewesen wäre. Und mich dafür mal wieder vor mir selbst geschämt für meine Inkonsequenz. Irgendwie geht einem das Stoppschild verloren in so einer Beziehung. Du bist nicht allein! Irgendwie schaffen wir es da raus.

    Hallo Hera,

    Ich würd den Kontakt blocken, solange er weg ist. Wie lang ist er weg? Ich könnte mich da gar nicht auf mich konzentrieren, weil mich das zurückwerfen würde.

    Das schaffe ich bisher aus unerfindlichen Gründen nicht. Irgendwie fühle ich mich manchmal wie gefangen in dieser schwierigen Bindung. Diese Wechselbäder aus Nähe, Distanz, Sorgen, Abtauchen, dann wieder Bedürftigkeit, freundlich- charmantem Auftreten, Manipulation, seiner zur Schau gestellter Verzweiflung und Hilflosigkeit, Selbstmitleid, ich kann gar nicht alles aufzählen... Ihn zu blockieren, hieße für mich, der Katastrophe seines Lebens ihren Lauf zu lassen, sage ich mal etwas theatralisch. Ich weiß, dass er erwachsen und für sich selbst verantwortlich ist. Trotzdem pack ich das nicht ganz. Mir wird immer klarer, wie sehr ich verstrickt bin.

    Hallo Morgenrot,

    Das macht mich jetzt stutzig, denn Paargespräche in der Entgiftung sind normalerweise nicht vorgesehen.

    glaube, da ging es ihm nicht direkt um die Entgiftung. War eher so vage dahingesagt, um guten Willen zu demonstrieren - und das Thema direkt danach dann wieder fallenzulassen. Wirklich relevant sind ja ohnehin nur seine Probleme.

    Vielleicht will er dir zeigen, was er alles wegen dir unternimmt. Dann hat er aber immer noch nichts verstanden. Ich würde mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht darauf einlassen.

    Das denke ich auch. Es geht ihm glaube generell darum, mich immer schön warmzuhalten. Sein ganzes Verhalten mir gegenüber ist darauf ausgelegt. Er hangelt sich an einer Grenze entlang, bis zu der er gehen kann , um mich nicht endgültig zu vergraulen, ist meist vordergründig freundlich, entschuldigt sich häufig usw. Das macht es mir auch echt schwer, die Beziehung klipp und klar zu beenden. Denn er ist ja dann plötzlich auch immer wieder so bemüht, etc. Dabei kann ich immer weniger unterscheiden, was davon aus ehrlicher Zuneigung geschieht und was einfach aus dem Grund, dass er niemand anderen mehr hat und er sich im Prinzip bei mir versorgen lassen möchte.

    Ich denke auch, dass er wenig bis nichts verstanden hat. Seine Motivation rührt aus Trennungsangst plus seiner gesundheitlichen Situation und daraus, dass er sich draußen nicht genug Alkohol beschaffen kann für das wenige Geld, das ihm zur Verfügung steht, denke ich mittlerweile. Unter diesem Druck muss er irgendwas unternehmen - also ab in die Reha. Wenn wir über die Beweggründe für die Reha sprechen,kommt von ihm sehr vage, dass es "so nicht weitergehen kann". Keine sehr klare Aussage...

    Wie sieht es denn mit anderen Drogen aus, die er konsumiert, hat er die auch angesprochen?

    Eine sehr gute Frage. Er verkauft das so, dass der Alkohol für ihn jetzt im Vordergrund steht. Ich weiß aber, dass das nicht vom Tisch und einfach erledigt ist. Und er weiß auch, dass mir das klar ist. Ich stelle mich definitiv drauf ein, dass der Punkt kommt, an dem ich meine Konsequenzen ziehen muss, da ich ihm ja auch gesagt habe, wenn er wieder anfängt - mit was auch immer - ist Schluss.

    XY ist nun in der Entgiftung. Uff und nocmals uff. Die letzten Tage waren ein einziges Zähnezusammenbeißen. Konsum und Betrunkensein miterleben, schlechte Stimmungen aushalten. Hab viel versucht, zu überhören und zu übersehen, oft auf Durchzug geschaltet. Das wurde aber immer schwerer. In was für einer miesen Realität wir inzwischen doch angelangt sind. Schnaps ständig griffbereit. Kein liebevolles Wort mehr, keine gemeinsamen Unternehmungen oder Erlebnisse,immer weniger, was noch verbindet. Er will das jetzt wettmachen, meldet sich mehrmals täglich, jetzt bin ich ihm wichtig. Redet von Paargesprächen. Was für ein Wechselbad. Ich kann meine eigenen Gefühle gar nicht mehr zuordnen. Bin nicht sicher, ob da noch mehr ist, als freundschaftliche Sympathie. Selbst die hat arg geltten die vergngenen Jahre. Es ist viel kaputt. Ich brauche Abstand, um für mich zu sortieren, Aber selbst mit Abstand bin ich so ausgelaugt, dass ich nicht weiß, was ich will.

    Aurora, Du hattest so gute Anregungen gegeben, danke Dir dafür. Da wir ja nicht verheiratet sind und nicht zusammen leben, muss ich zwar nichts spezielles regeln. Aber ich will mich um meine Gesundheit kümmern, wieder fitter werden und mein soziales Netz stärken, neue Bekanntschaften knüpfen, ein paar positive Erlebnisse sammeln. Ich glaube, das gehe ich jetzt mal an. Gedanken an ihn halte ich zurzit nicht gut aus, deshalb versuche ich mal, den Blick neu auszurichten

    Hallo Marilyn,

    die Sucht schlägt sich auf vielfältige Weise aufs Verhalten nieder, je nach Persönlichkeit des Betroffenen. Auch ich habe mich lange durch meinen Partner abgewertet und herabgesetzt gefühlt - weil er immer wieder über Tage oder ganze Wochen komplett verschwunden ist, mich ignoriert und in seinem Konsum vergraben hat. Anfangs wusste ich nicht, was mit ihm los war, schwankte zwischen Sorge und Wut.

    Es half mir, das immer weniger persönlich zu nehmen und mir klarzumachen, dass er suchtbedingt schlicht nicht mehr beziehungsfähig ist, und zwar weder im Kopf/Herz noch physisch. Der Konsum bestimmt den Tagesrhythmus, das Denken und Fühlen bei ihm. Emotionen sind verflacht, meist bestimmt der Frust über sich selbst seine Stimmungen.

    Vielleicht geht das ja auch Deinem Mann teilweise ähnlich. Vielleicht braucht er ein Ventil dafür, das bist dann Du. Aber Du bist nicht das eigentliche Problem, sondern der Alkohol. Es mag Gründe haben, dass er trinkt, doch die liegen in ihm. Versuche, seine Aussagen an Dir abprallen zu lassen und stattdessen zu überlegen, wie es für Dich weitergehen kann. Liebe Grüße!

    Hallo Luffi,

    kannst Du Dir vielleicht eine neutrale und verständnisvolle Person zu dem Gespräch als Unterstützung dazuholen? Warum fürchtest Du, mitverstoßen zu werden, wenn doch Dein Mann das Alkoholproblem hat - im Fall einer Trennung würde er ja dann sicher ausziehen, und sie könnten es doch eigentlich "zufrieden" sein. Denn für sie ändert sich ja nicht viel, falls künftig nur noch Du in der Wohnung wohnst. Vielleicht verbessert sich im Gegenteil einiges, weil das Konfliktpotenzial sinkt. So könnte man ihnen das vielleicht verkaufen. Auch Dir selbst dürfte es dann ja vermutlich eher besser gehen. Echt ne sehr schwierige Situation, dass Du in solch einer finanziellen Abhängigkeit auch Deinen wenig einfühlsamen Eltern gegenüber bist. Bei allen Schwierigkeiten kann es für Dich selbst villeicht auch ne Art Emanzipation als Tochter sein, reinen Tisch zu machen. Ich kenne solche Schwierigkeiten auch - habe selbst jahrelang die Probleme meines Freundes vor meinen Elten verbogen. Alles wissen sie noch immer nicht, aber zumindest über Alkoholpobleme und frühere Reha hatte ich mit ihnen gesprochen, was mir auch schwer fiel damals, aber auf mehr Verständnis stieß, als ich befürchtet hatte. Habt Ihr eigentlich einen Mietvertrag? Falls ja, können sie Dich zumindest formell nicht einfach vor die Tür setzen. Vielleicht wäre auch gut, sich mal vorsichtshalber nach so einer Ein-Zimmer-Wohnung umzuschauen. Mit Hund ist schwer, ich weiß, aber unmöglich ist es nicht.

    Liebe Grüße!

    Liebe Aurora, danke für Deine Antwort. Mit dem Verstand ist mir das bewusst, und ich versuche, mich für die Situation zu wappnen, in der ich konsequent umsetzen muss, was ich ihm gesagt habe. Und ja, Du hast Recht, es gehört Mut dazu. Es geht um endgültige Entscheidungen, das macht mir auch Angst.

    Ich hbe mir in den vergangenen Jahren immer Hintertürchen offen gelassen, durch die ich wieder in die Beziehung reinschlüpfen konnte, wenn Frust, Ärger, Enttäuschung über irgendwelche Eskapaden wieder verraucht waren. Es ist halt das Vertraute, Naheliegende, und wir hatten ja auch immer wieder vermeintlich ganz gute Zeiten. Obwohl es mir nicht wirklich gut mit ihm ging, habe ich das erschreckend bereitwillig ausgeblendet. Ich muss für mich einen Plan nach vorne entwickeln und fühle mich zu erschöpft dafür.

    Hallo, ein kurzes Update: XY will in wenigen Tagen seine Entgiftung antreten, danach soll es direkt in Reha gehen. Mit Blick auf Vermeiden des kalten Entzugs wird bis dahin weitergetrunken. Er hat nicht genug Geld für den Alkohol, sodass er ihn sich durch Pfandsammeln finanziert, weil ich ihn nicht kaufen will, was aber auch nur eine Art Selbstvera... meinerseits ist. Denn er ist momentan fast durchgängig hier bei mir, lebt also zu großen Teilen auf meine Kosten, schafft sich so eigenen finanziellen Spielraum fürs Trinken. Eine schwierige Situation für mich: ich ermögliche ihm, sich selbst zu schaden, was er damit rechtfertigt, dass es ihm bei Entzug schlecht gehen würde und er sterben könnte...

    Ich will das so nicht stehen lassen, habe ihm gesagt, dass er künftig auf keine Unterstützung mehr hoffen kann, falls er nach Entgiftung und Reha weitermacht. Dass er sein komplettes Leben umstellen muss, ich bisher aber keinen ernsthaften Plan sehe. Habe ihm zudem gesagt, dass er sich schon während der Reha eine Lösung für seine Wohnung überlegen und die auch umsetzen muss, da ich nicht möchte, dass er danach bei mir einzieht und ich dadurch in Mitverantwortung für seine Abstinenz samt Druck und Abwärtsspirale gerate.

    Er nimmt das alles kurz, knapp, auch unterdrückt wütend zur Kenntnis, wie eigentlich alles, was ich zur derzeitigen Situation sage. Bügelt üblicherweise jedes Gespräch ab, wird laut und hektisch, verlässt den Raum. Ich gaube nicht, dass er eine Idee hat, wie er seine vielen Baustellen in den Griff kriegen könnte. Er hat eine riesen Angst davor, dass er weiter ins Nichts fällt. Gerade hat er mir erzählt, dass er trinkt, um Zeit rumbringen, um zwischendurch tagsüber immer mal ein, zwei Stunden schlafen zu können, und keine Ahnung hat, wie er künftig seine Tage positiv füllen soll.

    Ich selbst bin vor allem erschöpft, fühle mich emotional abgestumpft. Ich habe kaum noch Hoffnung für ihn. Ich weiß noch nicht, wie ich schaffen werde, stark zu bleiben. Aber muss es irgendwie packen.

    ...und weil es eben nicht von vorne anfängt, hat man eigentlich keine Zeit zu verlieren bei den Veränderungen. Ich bin auch schon Mitte 50, liebe Bergdohle. Wenn nicht jetzt aufraffen, wann dann, denk ich mir. Aber auch mir fällt es schwer nach weit über 30 Jahren, die wir uns kennen, davon 10 mehr oder weniger zusammen. Dieses durch Dick und Dünn ist echt Segen und Fluch zugleich. Schweißt zusammen, was längst mal hinterfragt und möglicherweise auch getrennt gehört hätte.

    Aber jetzt weiss ich nicht mehr, wie ich weiter machen soll. Ich bin wie gelähmt.

    Hast Du nahestehende Menschen, die Dich zusätzlich zu dem hilfreichen Schreiben hier unterstützen können? Hast Du mal Kontakt mit einer Beratungsstelle aufgenommen, zB mit der Caritas oder ähnlichem? Die beraten meist auch Angehörige von Suchtkranken und könnten vielleicht auch konkrete Schritte mit Dir erarbeiten. Auch eine Selbsthilfegruppe vor Ort kann zusätzlich hilfreich sein, weil sie nochmal ein Schritt aus dieser Hilflosigkeit und Isolation heraus ist. So hab ich es jedenfalls empfunden. Vielleicht magst Du Dich mal umschauen, was es da in der Nähe gibt.

    Du hast anfangs beschrieben, dass Dein Mann aggressiv wird, wenn er getrunken hat. Solange Du mit ihm ein Zuhause teilst,, bist Du belastet, vielleicht muss man sogar sagen: So lange bist Du nicht sicher. Aber ein gutes, angstfreies Leben ist eigentlich Dein gutes Recht.

    Liebe Grüße

    Liebe wieweiter,

    vielen lieben Dank. Ich habe hier von Deinem Verlust gelesen und bin sehr berührt, finde aber auch beeindruckend, wie Du die herausfordernden vergangenen Wochen gemeistert hast. Ich kann mir vorstellen, dass das ein echter Kraftakt für Dich war und ist. Wünsche Dir sehr, dass Du gute Wege findest, zur Ruhe zu kommen, aufzutanken und auch wieder nach vorn zu blicken. Hast Du Unterstützung durch nahe Menschen?

    Ich wünschte mir oft, dass er mich mal fragte wie es mir ging, was ich wollte.

    Genau so geht es mir so oft. Manchmal kommt so eine Frage ansatzweise, doch die Antwort wird nicht wahrgenommen oder genervt abgebügelt, falls ich sage, dass es mir wegen unserer Situation nicht gut geht.

    Heute ist er seit einer Woche weg. Kein Lebenszeichen seit Samstag, da war mein "jährlich wiederkehrendes Ereignis". Er hat denkbar knapp per WhatsApp gratuliert, sonst nix. Für mich keine Katastrophe, aber dennoch lieb- und achtlos. Dieses Mal bleibe auch ich stumm, frage nicht nach, reiche nicht die Hand. Es bringt ja nichts.

    Anfangs hatte ich solche Angst in so Situationen, dass ihm wirklich was passiert ist oder er sich etwas angetan hat. Wir hatten uns ja jeweils nur kurz zuvor noch wie ein verliebtes Paar verabschiedet, also kann er doch jetzt nicht grundlos verschwinden ohne jedes Lebenszeichen, war immer meine Auffassung. Doch, konnte er, um in Ruhe konsumieren zu können. Manchmal dachte ich auch, er sonnt sich noch in meiner Aufmerksamkeit und krassen Sorge, mit der ich nachts mit klopfendem Herz wach gelegen und gegrübelt habe, was mit ihm ist . Vielleicht war es ihm auch einfach völlig egal.

    Es hat sich etwas verändert. Ich warte nicht auf seine Rückkehr, und ich "arbeite" hier mit und dank Euch, und das tut gut.

    LG EllaDrei

    Hallo,

    das kenn ich auch, mein Xy hat auch seit Jahren angeblich prima Leberwerte, er kam mehrfach ganz beschwingt vom Arzt. Vielleicht gibt es ja tatsächlich verzerrte Werte.

    Hat Dein Mann mal einen Ultraschall von der Leber machen lassen? Da kam dann bei meinem xy was ganz anderes, weniger erfreuliches raus. Kann ja auch nicht anders sein, bei manchmal ein bis zwei Flaschen Schnaps am Tag... Denke auch, Du liegst absolut richtig mit Deiner Wahrnehmung. Gerade dass er die angeblich guten Werte so thematisiert, sagt viel aus. Und noch mehr, dass er seinem Arzt erzählt, dass er "gerne" trinkt.