Hallo liebe Jump!
Du schriebst zwar oben, dass es genug Hin und Her war, aber da danach noch weitere Beiträge kamen, ist hoffentlich okay, wenn ich auch noch was schreibe.
Ich hab lange mit dem Begriff Co-Abhängigkeit an sich gehadert, hab ihn erst von mir gewiesen, fand ihn unpassend, pauschalisierend, pathologisierend, abwertend, schuldzuweisend. Die typischen, so oft beschriebenen Verhaltensweisen - Flaschen kontrollieren, beim Chef verleugnen etc. - gab es bei uns nie. Aber schon viel Verhalten meinerseits, mit dem ich letztlich nur mich geschädigt und nichts erreicht habe. Auch Verantwortungsübernahme an seiner Stelle. Alles aus "Liebe" und Sorge um ihn, so dachte ich. Und da wird es doch auch schräg, vielleicht auch auf gewisse Weise"krank" (ich spreche nur für mich). Auf jeden Fall nicht gesund für mich selbst. Ich glaube, jede und jeder muss das ganz individuell für sich betrachten. Ich sehe mich nicht gerne so, aber mir hilft es nicht, es mir selbst schön zu reden. Ich hab mir in dieser Beziehung mit diesem Mann selbst Leid angetan, weil ich lange nicht in der Lage war, sie zu stoppen, obwohl sie mir nicht gut tat. Immer noch im Vergangenen fest hing. Verlustängste hatte, mich an Hoffnungen geklammert hab, auf meine Art Realitätsverleugnung betrieben hab. Und wenn jemand das Ganze als eine Art Sucht definieren würde, läge er - nur für mich gesprochen- vermutlich gar nicht so weit daneben. .
Mein Ex zog sich für seine Konsumphasen ja immer zurück, tauchte dann wie aus dem Nichts wieder auf, war dann fast schon über-zugewandt und aktivierte damit wieder mein Bindungsverhalten. Lange Zeit war ich in so Situationen sowas von erleichtert, dass er wieder da war, dass ich bereitwillig verdrängt habe, was er mir immer wieder zumutete. Dabei spielte seine manipulative Art natürlich eine Rolle. Ich will aber bei mir bleiben - warum hab ich das mit mir machen lassen? Ich hab ja längst die manipulativen Tricks erkannt, trotzdem war ich wie paralysiert, hab das Karussell nicht angehalten.
Mittlerweile sehe ich Co-Abhängigkeit als eine Art "Arbeitsbegriff". Mir macht er für mich klar, dass da etwas ganz gewaltig nicht gestimmt hat, dass ich auf der Suche nach Liebe und Zweisamkeit mich selbst verloren habe. Ich wollte diese Beziehung halten, wider besseres Wissen. Ob das symptomatisch für mich ist, weiß ich nicht. Ein wenig vielleicht, und vielleicht war es auch vor allem meiner jetzigen Lebensphase geschuldet. Ich hatte aber auch in jungen Jahren (kürzere) Beziehungen zu Männern, die zu viel tranken oder auch anderes konsumiert haben. Die straighten haben mich schlicht nicht so interessiert, so blöd und teenagerhaft das auch klingt. Vielleicht/vermutlich bin ich aus dieser unreifen Denke nie herausgekommen.
Welche Konsequenzen meine "Risikoneigung" in Beziehungen hat, durfte ich jetzt endgültig lernen. Bin kein EKA, und kann sagen, dass ich aus einer stabilen und fürsorglichen Familie komme, Ich sehe mich selbst dafür verantwortlich, da so mit offenen Armen hineingerannt zu sein. Ich habe meinen Ex als damals schon suchtgefährdeten oder bereits Süchtigen in meiner Jugend kennengelernt.
Bei anderen Betroffenen sind die Fälle natürlich wieder ganz anders gelagert. Viele müssen erleben, wie eine einst glückliche und unbeschwerte Beziehung durch Sucht eines/einer Partners/Partnerin immer mehr zum Scherbenhaufen wird und sich sehr mühsam ihren Ausgang suchen. Ich aber hätte es wissen können, dass es so kommt. Co-Abhängigkeit hat glaube einfach viele Gesichter.
Ich wünsche Dir einen guten Start ins neue Jahr. Les Dich immer gerne und freue mich auf den weiteren Austausch - auch 2026,
alles Liebe von Ella