Hallo liebe Jump!
vielen Dank, dass Du mir schreibst, das freut mich besonders, weil ich Dich so gerne lese. Und in Wirklichkeit muss jetzt ich mich ertappt fühlen, denn, wie Du es richtig erkannt hast, es geht weiter - und in letzter Zeit wieder verstärkt - hin und her in meinem Kopf - trotz mancher (alt)kluger Worte bei anderen...
Bedingt durch mehrere Krankenhausaufenthalte von xy und einen Notfall in seiner Wohnung - das alles während seiner Reha, - gab es zuletzt mehr Kontakt, als wir ursprünglich vereinbart hatten, und ich hab mich wieder zu weit aus der Deckung gewagt. Will heißen, ich war wieder zu nah dran, hab unterstützt, ein offenes Ohr gehabt. Mein Rückfall... Ich versuche zwar, mich ihm gegenüber sachlich und distanziert zu benehmen, zeige wenig Emotionen, aber innerlich sieht es anders aus. Also wohl nur eine Form von Selbstbetrug.
Der Plan, dass er in seine Wohnung zurückkehrt, steht. Der Berater kennt die Wohnung, ja, aber auch er weiß aus Erfahrung, dass er nichts ausrichten kann ohne Bereitschaft von xy, daran dauerhaft etwas zu ändern. Und diese Bereitschaft ist höchstens rudimentär vorhanden. Also wird sich die praktische Hilfe von dieser Seite wohl in Grenzen halten, und xy wird so darin leben müssen.
Aber selbst wenn er das irgendwie schafft, ist das keine Lösung für mein Problem. Es wird darauf ankommen, sich gedanklich zu lösen, wenn er denn wieder trinkt/konsumiert. Mir gar nicht erst das Hirn zu martern, OB er das wieder tut.
Du beschreibst ja sehr treffend, wie schwer auch Dir das fällt, obwohl Du - Hut ab! - die räumliche Trennung geschafft hast. Ein riesen Schritt, und ein Glück konntest Du diese Dynamik hinter Dir lassen, einen Rückzugsort für Dich schaffen. Aber verrückt, dass man es so empfindet und der endgültige gedankliche Absprung dennoch so schwer ist. Das kann ich gut nachfühlen.
Gibt es bei Dir und Deinem Mann eine ausdrücklich ausgesprochene Trennung?
Ich hab gemerkt, dass bei mir wieder Hoffnung gekeimt ist, wie so ein zähes Unkraut, nachdem ich mich schon mal gefühlsmäßig weiter entfernt hatte. Dabei kommen mir meine Hürden, alles abzuschütteln, lächerlich klein vor im Vergleich zu Deinen und denen vieler anderer hier. Ich bin nicht verheiratet, finanziell unabhängig, wir haben weder gemeinsame Kinder noch ein gemeinsames Zuhause. Trotzdem hänge ich in dieser Suchtbindung fest. Was hilft da heraus?
Ich glaube nur noch eine Art strikter Zwang mir selbst gegenüber. Trinkt oder konsumiert er wieder nach der Reha, folgen Trennung und Kontaktabbruch. Das ist ein Ultimatum an ihn, vor allem aber auch an mich selbst. Ich will nicht mehr zurück in diese Niedergeschlagenheit und Kraftlosigkeit, in der ich schon mal war. Das hat sich tatsächlich wie "ein bisschen sterben" angefühlt. Der Kopf wird dann trotzdem Zeit brauchen. Und viel Ablenkung und positive Erlebnisse.
Wie füllst denn Du Deine frei gewordene Zeit, Jump? Ich habe momentan Urlaub, konnte aber aus verschiedenen Gründen nicht verreisen. Hab angefangen mich etwas sportlich zu betätigen und war in den vergangenen Tagen größere Touren wandern. Das tat sowas von gut! Kopf war danach richtig frei, und ich hab mich gestärkt gefühlt.
Liebe Grüße!