Harley67 - Frau eines Alkoholikers und co abhängig - Trocken und dann geht das Chaos erst richtig los

  • Hallo,

    ich freue mich hier zu sein. Mein Mann hat schon getrunken, als wir uns kennenlernten. Wirklich bewusst ist mir das aber erst seit ca. 2 Jahren, denn er war nie betrunken, hat nie gelallt, war beruflich sehr erfolgreich.
    Er war noch nie der Entertainer, also eher ruhig, aber humorvoll. Seit ca. 3 oder 4 Jahren wurde sein Humor zunehmend schwärzer und er zog sich immer mehr in sich zurück. Er funktionierte noch immer, aber irgendwann zog er sich, wenn er zuhause war nur noch in seine Welt zurück. An sein Glas geklammert starrte er auf unseren Fernseher, der gefühlt auf voller Laustärke dröhnte. Er meinte, dass er schwer hören könne. Ein Hörtest zeigte das Gegenteil…wach wurde er immer dann, wenn sein Glas leer war. Dann füllte er auf und versank wieder in seiner Welt. Unsere Ehe fand nicht mehr statt.

    Im Februar letzten Jahres hat er von einem auf den anderen Tag mit dem Trinken aufgehört. Ich war so erleichtert und dachte, dass jetzt alles gut wird. Aber es war genau das Gegenteil. Er war jetzt gar nicht mehr für die Außenwelt erreichbar. Er funktionierte nur noch im Job (dachte er).

    Beruflich hatte er seinen Schwerpunkt vor 5 Jahren in unsere Wohnortnähe verlegt. Er wollte nicht mehr pendeln oder in einer anderen Stadt arbeiten ( mit notdürftig eingerichteter Zweitwohnung und Heimfahrten an den Wochenenden). Als er mit dem Trinken aufhörte, wollte er plötzlich wieder voll „durchstarten“ und ging zum Arbeiten wieder in den Süden Deutschlands und mietete eine möblierte Wohnung an. Arbeitssucht gehört auch zu seinen Süchten.

    Wen wundert es, dass das Geschäftsverhältnis nur kurze Zeit anhielt. Alle waren doof… Das war eine Situation, die er nicht kannte, denn er wurde zum ersten Mal vor die Tür gesetzt. Bislang hat er die Arbeitsstellen gewechselt. Er war dann ein Jahr zuhause, um sich auszuruhen. Meine Bitte sich Hilfe zu suchen hat er abgelehnt. Er saß wieder vor dem Fernseher und ließ sich beschallen. Jetzt mit Wasser.

    Unser Verhältnis wurde immer schwieriger. Mir ging es sehr schlecht, weil ich seinen Zustand nicht ertragen konnte. Ich wollte etwas für mich tun, war aber wie gelähmt, denn ich hatte mein Leben ja komplett auf ihn ausgerichtet. Streit war an der Tagesordnung. Schuld war ich, weil ich ja immer nach Themen gesucht habe, um ihm Vorwürfe zu machen (seine Sicht). In meiner Welt hatte ich versucht ihm klar zu machen wie es mir geht. Ich war echt am Ende!

    Seit Februar (also nach einem Jahr Trockenheit) hat er wieder einen Job im Süden angenommen. Er ging einfach weg. Ich wusste zwar in welche Stadt er geht und in welcher Firma er tätig wird, aber auch nicht mehr. Er zog sich komplett zurück. Die Post liess er per Nachsendeauftrag zu sich umleiten, keine Kontobewegungen mehr, keine Nachrichten von ihm. Wenn ich mich meldete wollte er nur übers Wetter sprechen oder über seinen Job. Und plötzlich war er nicht mehr er selbst. So wie ich ihn dann am Telefon erlebte, habe ich ihn noch nie erlebt. Er war beleidigend, beschimpfte mich. Bislang haben wir zwar heftig gestritten, aber wir waren nicht beleidigend. Es war offensichtlich, dass er wieder trank und vermutlich mehr, als bisher. Er hat seinen Job sehr schnell verloren. Aber er kam nicht nach Hause, sondern wohnt seit dem in wechselnden Ferienwohnungen. Zumindest geht er jetzt zum Arzt. Einmal war er bei einer Selbsthilfegruppe…hat er erzählt. Er sagt, dass er jetzt Zeit für sich braucht. Er sagt auch, dass er wieder trocken sei. Er war vor 3 Wochen für 2 Wochen hier zuhause, um die Zeit zwischen zwei Wohnungen zu überbrücken. Seit einer Woche ist er wieder weg und es herrscht Funkstille…

    Ich weiß nicht wie ich damit umgehen soll. Es fällt mir wirklich sehr schwer und ich schwanke zwischen Trennung und Verständnis. Meinen Mann scheint es nicht mehr zu geben. Und ich habe das Gefühl, dass ich sein Feindbild bin, Schuld an seinem Elend.

    Vielleicht habt ihr ja Ähnliches erlebt und könnt mir eure Erfahrungen mitteilen.


    Grüße

    Harley67

  • Ich wollte etwas für mich tun, war aber wie gelähmt, denn ich hatte mein Leben ja komplett auf ihn ausgerichtet.

    Ich glaube das ist der Kernsatz. Er hat keine Trennung ausgesprochen aber im Grunde hat er sich doch schon getrennt. Du schreibst viel über ihn, wie er ist, was er macht. Aber wer bist du? Was machst du gerne und beruflich? Hast du Freunde, Hobbies (ich hab da so ne Idee 😉) Interessen?
    Wie kannst du dir wieder ein schönes Leben aufbauen? Immerhin hat er dir kampflos die Wohnung überlassen- glaub mir, das ist verdammt viel wert.

  • Hallo Harley, herzlich willkommen,

    beim Lesen hatte ich die gleichen Gedanken wie AnnaBlume. Er hat sich gewissermaßen längst getrennt. Und du hängst noch immer dran.

    Das ist der Link für den Austausch: https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Klick ihn einfach an und bitte um Freischaltung. Dein Thema findest du dann im Bereich für Angehörige und Coabhängige. Das ist unsere Online-Selbsthilfegruppe und dort kannst du dich überall austauschen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Aurora 25. Juli 2025 um 13:23

    Hat den Titel des Themas von „Neu - Frau eines Alkoholikers und co abhängig - Trocken und dann geht das Chaos erst richtig los“ zu „Harley67 - Frau eines Alkoholikers und co abhängig - Trocken und dann geht das Chaos erst richtig los“ geändert.
  • Hallo Harley,

    du bist nun in unserer Online-Selbsthilfegruppe gelandet und kannst dich hier überall austauschen.

    Bitte schreibe aber die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich, dort, wo die Namen noch in rot erscheinen.

    Für deine 2. Anfrage habe ich dir eine Nachricht geschickt, guck bitte ganz oben bei Konversation, das sind die 2 Sprechblasen.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Hallo Harley 67, Willkommen. Ich glaube, wie man hier immer wieder liest geht es sehr vielen so. Es ist sehr schmerzhaft und erschreckend was der Alkohol mit Menschen die wir lieben und anders kennenlernten macht. Diese Ohnmacht und Hilflosigkeit. Es hilft mir aber sehr sich hier Austausch zu dürfen. Hast Du Freunde oder Hoppys?
    LG

  • Hallo Harley67 ,

    heftig, was Du beschreibst. Aber ich glaube, alle hier kennen das in verschiedenen Varianten. Bei uns fand der Rückzug immer in Form von Abtauchen und sich in der eigenen Wohnung verkriechen statt - über Tage, teils auch Wochen. Ich hab mich sehr zurückgewiesen gefühlt dadurch, aber es ging angeblich nicht um mich, wurde mir beteuert. Klar, xy wollte ungestört trinken und konsumieren, dabei brauchte er keine Zuschauerin.

    Es fällt mir wirklich sehr schwer und ich schwanke zwischen Trennung und Verständnis.

    Verständnis hieße möglicherweise, dass das so weiterlaufen würde auf unbestimmte Zeit - er zeitweise irgendwo und Funkstille. Kannst Du Dir das auf Dauer für Dich vorstellen? Ich habe das jetzt über Jahre mitgemacht, und es hat mich emotional ziemlich geschafft

    Nur vorsichtige Nachfrage, die Du natürlich nicht beantworten musst: war eigentlich auch mal was anderes als "nur" Alkohol im Spiel? Ich frage wegen dieser relativ plötzlichen Wesensverânderung die Du beschreibst....

    Und ich habe das Gefühl, dass ich sein Feindbild bin, Schuld an seinem Elend.

    Als Feindbild sieht er Dich vermutlich, weil Du das Trinken kritisch siehst und ihm - aus seiner Sicht - streitig machen willst. Beide Schuhe musst Du Dir nicht anziehen.

    Liebe Grüße

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