Beiträge von Oskar

    In der Form habe ich so etwas nicht erlebt. Meine Trennung verlief anders (vor vielen Jahren, meinerseits). Trotzdem kann ich den Schmerz und die halbe Ohnmacht nachvollziehen, ebenso die möglichen Zukunftsbilder. In vollem Maß die Fragen der Perspektive in unserem Alter.

    Detaillierte Gründe der Trennung und Tiefe des Zerwürfnisses sind von außen bisher unklar. Und hier auch nicht richtig objektiv klärbar.

    Jetzt kam die Nachricht das sie vorerst keinen Kontakt mehr möchte, und eine Auszeit braucht.

    Respektiere/akzeptiere es vorerst in vollem Umfang.

    Ob und welche Heilungschancen die Beziehung hat, ist von außen ebenso völlig unklar. Und wahrscheinlich auch im Innenverhältnis. Vielleicht heilt die Zeit plus sicht- und spürbare stabile Veränderungen bei dir. Trotzdem: tue es nur für dich, ohne jede Erwartung.

    Du tickst nach meinem Gefühl ziemlich rational. Das ist/wäre hilfreich. Dann nimm die "Problemfelder" jeweils als gesonderte Schicht auseinander und betrachte sie separat. Zusammenfügen später. Zeithorizont 1 Jahr.

    >> Vorn ist das Licht!

    (Die Puhdys, 1973 - ein Lied meiner frühen Jugend)

    Moin Amun,

    ja, das ist gegenwärtig eine verzwickte Situation bei dir.

    Bei meinem Beitrag #85 an dich hatte ich noch mehr geschrieben, aber dann erst mal weggelassen weil es mir zu viel und zu früh schien:

    Jetzt meine reine Mutmaßung - völlig offen gedacht - nur als hypothetischer Warnhinweis.

    Die Trennung scheint dein Schockmoment gewesen zu sein. Stichwort Tiefpunkt. Daraus folgte Einsicht ff. Gegenwärtig verarbeitest du die Gesamtsituation. Das überlagert, schwächt bis verdrängt mal die Geister der Sucht, mal die Trennungsmisere.

    Wenn der Schock sich abschwächt und die Realität zeitweise stärker "anklopft", könnte die Sucht spürbarer werden. Dagegen wirkt auftretende Euphorie (aber das Gemüt ist in den ersten Wochen äußerst wechselhaft, kann auch in Gegenrichtung).

    Die Realität bleibt so, wird aber immer schärfer wahrgenommen … An solchen "Schnittpunkten" ist besondere Vorsicht geboten.

    Auch um dafür vorzubeugen, die innere Verfasstheit jetzt so stabil wie möglich gestalten - Stichwort Kapitulation.

    Übrigens finde ich, du liest dich gut strukturiert und durchdacht. Zudem ohne IAS-Syndrom.

    nur da vorne kann mein Ziel sein.

    Genau so!

    Soweit es irgendwie geht: Die Trennung von deiner Abstinenz gedanklich vollkommen separieren.

    Das freut mich für dich! :thumbup:

    In Abwandlung eines alten Werbespruchs:
    Drei Dinge braucht der Mann: Trockenheit, gute Laune und immer etwas Neugier im Kopf.

    Ich nannte/nenne das bei mir nicht Geocaching, weil es diese Bezeichnung früher gar nicht gab. Aber die Neugier - ohne jedes cache - auf alte Gemäuer, Wüstungen, Burgen, Bunker, Bergwerke, aufgegebene Industrieanlagen - nennt sich heute "Lost Places" - hat mich schon immer ziemlich gejuckt. Dahinter stecken Geschichten und Geschichte zum dazu lernen und staunen. Ideal für das Gehirn in Umbau ohne Alkbenebelung.

    Hallo Berry,

    jetzt hast du erstmal den Entzug vom Alkohol hinter dir. Gut so und weiter geradeaus!

    In den ersten Monaten habe ich mich voll darauf konzentriert, Abstand vom Alk zu halten. Wichtig ist es, die aufkommende Leere mit etwas Sinnvollem zu füllen, das dir Spaß macht. Andere Gewohnheiten, neue "Rituale" einführen - gewisse Veränderungen im Ablauf immer wieder tun, bis sie sich einschleifen.

    Ob das Gewicht jetzt hoch oder runter, die Gesichtshaut so oder so … da habe ich nicht groß drauf geachtet. Weil es in der ersten Zeit eh oft auf und ab geht - wie in Wellen - mit der Stimmung wie mit dem Körper.

    Es ist ein längerer Umstellungsprozess, also Geduld, Tag für Tag und das Kalorienzählen für später aufheben. Viel Trinken.

    Ich weiß nicht genau, ob ich jetzt gemeint war.

    Denn dann könnte schnell die Nachfrage kommen: "Wie, ich denk, du trinkst nicht mehr?"

    Diese Art der Absicherung ist nicht meine.

    Natürlich "unterstützt" es womöglich ein bisschen, wenn die anderen wissen, dass ich dauerhaft abstinent lebe und warum. Aber das ist keine Garantie dafür, dass sie immer daran denken oder gar, dass sie mir den Arm festhalten würden, wenn ich zum Glas greifen würde. Ich verlasse mich da ausschließlich auf mich selbst. Meine innere Verfasstheit ist entscheidend.

    Was die Offenheit tut, ist mir meine Gelassenheit zu erhalten. Ich muss nicht irgendwelche Notlügen oder Vorwände erfinden - viel zu anstrengend. Gerade heraus, ohne Maske, und fertig.

    Im Übrigen ist vielen "der Anderen" doch gar nicht der Mechanismus der Sucht bewusst und sie wollen das meist auch gar nicht so genau wissen. Dazu kommen die Klischee-Bilder und vergleichendes "bei dir war es doch gar nicht so schlimm". Sie haben es ja nicht erlebt, weil ich allein trank.

    Ihnen wäre lieber, ich trinke mit, das lese ich hier oft. Die Leute fühlen sich sonst unwohl und beobachtet.

    Weißt du es von ihnen? Oder hast du die Forenmeinung übernommen und stülpst sie deinen Freunden gedanklich einfach über?

    Für mich besteht die ganz einfache Lösung darin, offen mit denen zu reden, die mir nah sind. Das tat ich weitgehend auch, als ich noch trank. (Wieder nichtzutreffendes Klischee: alle lügen/verheimlichen/verstecken doch …). Nein, ich sprach darüber.

    Alk gibt es bei mir zu Hause nicht, für niemanden. Das ist ein Tabu, das ich erst später in mein neues Denken integrierte. Im ersten halben Jahr Absinenz hatte ich noch die Vorstellung, später könnte ich dabei Ausnahmen machen, wenn die Gäste ihr Zeug mitbringen, danach wieder mitnehmen). Fand nicht statt und will ich nicht mehr.

    Offenheit heist für mich: Klar und deutlich NEIN DANKE. Bei Nachfrage - Erläuterung individuell je nach Nähe. Das Wort Alkoholiker verwende ich nur hier im Forum.

    Ja, richtig: Craving ist EIN Symptom unter mehreren. Das war unklar formuliert.

    Die Aufmerksamkeit für psychische Entzugserscheinungen ist hier doch gegeben!

    Die ganze Entzugs-/Entwöhnungsthematik sehe ich ähnlich wie bei der Kybernetik: ein hochkomplexes Steuersystem muss sich in weiten Teilen neu kalibrieren. Es kommt zu Wechselwirkungen, Rückkopplungen, Feinjustierungen. Es gibt Über- wie Untersteuerung - zu Anfang eben heftig (körperliche Entzugserscheinungen), dann immer feiner, leiser … bis sich mit der Zeit eine neue ausgewogene Balance herstellt.

    Dies betrifft vordergründig und länger das Gehirn (Neurotransmitter, Synapsen, Volumen). Aber ebenso regeneriert alles im Körper mitsamt Haut und Haaren und meldet zurück - wieder mit verbundenen Feinjustierungen. Die Leber z.B. braucht einige Monate bis zu einem Jahr (und hat sogar ihren eigenen kleinen Speicher für Gifterkennung).

    Besonders spannend ist die Veränderung im Gehirn und seinen einzelnen Arealen - Stichwort >> Neuroplastizität.

    Ich habe nur ein Gehirn. Manche haben noch ein Suchthirn. Jetzt kommst du mit deinem sozialen Hirn. Spannend. (Und ein Spaß. Jeder hat nur eins. Oder?)

    PAWS (Post-Acute Withdrawal Syndrome) (…) Ich konnte bisher hier im Forum dazu nichts finden.

    Doch, ich hatte das mal kurz mit einem Neuankömmling letzten Herbst.

    PAWS ist ein Begriff aus dem anglophilen Raum. In neueren deutschen Publikationen wird er inzwischen manchmal verwendet, wahrscheinlich weil Anglismen chic sind. :mrgreen:

    Letztlich meint er das, was in Deutsch als >> Psychische Entzugserscheinungen beschrieben werden (die ja durchaus ein halbes Jahr oder länger anhalten können! s. meine Anmerkung zum Gehirn). Möglicherweise fasst PAWS dies noch etwas weiter und schließt auch länger dauernde Folge-"Komplikationen" mit ein (z.B. eine ausgelöste Psychose (bei Mehrfachabhängigkeit), Panik-, Angststörungen).

    Craving meint etwas anderes: Suchtdruck und damit zusammenhängende Gefühle/Gedanken/Zustände.

    Die klassische Medizin kennt nur Entgiftung, Entwöhnung, Therapie und Umgang.

    In keiner der genannten Form kommen die inneren Gefühle bzw Muster vor, die sich im Leben in vielen Bereichen eingeschlichen haben.

    Zwar habe ich selbst keinerlei Erfahrung mit dem klassischen Hilfesystem, auch nicht mit Psychologen.
    Jedoch habe ich mich intensiv mit Fachbüchern und noch mehr mit Schilderungen von trockenen Alkoholikern (Lebensweg wie Ausweg - u.a. mit Therapie, schriftlich wie mündlich) beschäftigt.

    Ich bezweifle es daher, dass Gefühle und Muster in solchen Therapien keine Rolle spielen sollen.

    Glückwunsch zum erledigten Entzug. Ein Anfang ist gemacht. Bleib dran, NUR FÜR DICH. Stoisch geradeaus, nur nach vorn schauen. Analyse später (leicht gesagt … zumindest aber unbedingt Gedankenkarussell(s) stoppen).

    Die Entzugsphase las sich eher leicht/glatt bzw. du schriebst wenig Details; Schlafprobleme bereits erledigt - erstaunlich. Wie geht es dem Kopf (Sinne, Denken, Merken, Stimmung)? Die graue/weiße Masse braucht viel länger als der Restkörper. Aber das ist bei jedem anders.

    Klarheit
    Im Rückblick: Nach etwa einem halben Jahr hatte ich das Gefühl, ein Weichzeichnungsfilter sei vom Objektiv geschraubt worden. Die Veränderungen waren in den ersten Wochen bis ca. 2-3. Monat am stärksten, danach immer feinere Nuancen, über ein Jahr hinaus.
    Ich rede nicht von Handlungsunfähigkeit/starker Einschränkung - das war bei mir zu keinem Zeitpunkt der Fall - sondern von wirklicher Klarheit und Schärfe des Denkens. Und von innerer Ruhe!
    (Heißt auch: weitreichenden Entscheidungen besser aufschieben.)

    SHG
    Probiere es aus. Mehrmals - schärft erst Blick/Gefühl. Gerade weil du auch Einsamkeit erwähntest. Außerdem ist es mMn. eine wichtige Erfahrung, sich in persona zu öffnen und nicht nur anonym-online.
    Ich war nur 3x da, habe aber schnell einen Kontakt zu einem Freund aus dieser Gruppe gefunden, der sogar gleich bei mir um die Ecke wohnt. Ist keine Freundschaft, aber verlässlich; ein zusätzliches "Sicherungselement".

    Therapie
    Ich habe null Erfahrung und kenne Psycho*x nur privat. Heißt, ich bin "ohne alles" stabil trocken geworden und zufrieden. Nur meine Erfahrung, keine Empfehlung. Finde ggf. Erfordernis für dich heraus. Ggf. später, wenn Ort klarer.

    Nachbemerkung zur Einordnung - nach Abklingen des Nachhalls.

    Peters gelingt ein seltener Spagat: spannend & literarisch anspruchsvoll; zugleich absolut realistisch UND hilfreich … den Ausweg aufzeigend.

    Kein Trinker-Epos, wenig Drama, keine Belehrung, kein Anti-Alk-Pathos.

    Es ist der Anti-Trinker-Roman, literarisch auf Augenhöhe mit den Klassikern.

    Hallo Amun,

    wie war dein Beratungstermin?
    Und - wichtiger noch - wie ist deine Stimmung?

    Ist gerade eine entscheidende Zeit bei dir: Volle Konzentration auf radikalen Abstand zum Alkohol. Stofflich und vor allem im eigenen Kopf - aller Misere zum Trotz.

    Ich persönlich neige weniger zu Amor fati (als quasi Schwert), sondern eher zum Schild: Stoische Seelenruhe (Ataraxie). Nicht als Dogma, nicht "angelesen", sondern mit den Jahren als Geisteshaltung aus mir und meiner Lebenserfahrung gewachsen.

    Das für immer ist meinem Empfinden nach ungewohnt (…)

    Immerhin hast du inzwischen vom "für immer" schon reichlich drei Monate ohne Alk "überstanden". Bewusst dieses Mühsam-Wort, weil deine Beschreibung noch mit gewissem inneren Widerstand und Skepsis behaftet ist.

    Immerhin waren dies aber die drei schwierigsten Monate (!), wo alles im Kopf im Umbau ist, sich neue Gewohnheiten einschleifen müssen, Gedanken an Alk, ggf. Suchtdruck noch häufig … die Rückfallquote am höchsten, etc.

    Erfolgreich absolviert! Gratuliere!

    Es wird leichter, die Zeit ist dein Freund. Dauer … bei jedem wohl etwas anders.

    "nichts ist für die Ewigkeit" (…) Aufgrund diesem Motto muss ich wohl oder übel den Entschluss immer wieder neu fassen, was aber auch den Vorteil hat, dass man nie vergisst was war und warum man diese Entscheidung täglich neu trifft.

    Vorerst womöglich ok, so lange du täglich das erste Glas stehen lässt. Auf Dauer unnötig kräftezehrend (Ausnahmesituationen mal ausgenommen).

    Es ist viel einfacher, die innere Verfasstheit für das Gift auf dauerhaft & stoisch = NULL zu setzen. Völlig loslassen. Stichwort Kapitulation. Mit welchen, womöglich eigenen, Worten du das deinem Gehirn beibringst, bleibt dir überlassen. Ich hatte bei unserem Freund Soapstar was dazu geschrieben, weil ihn auch solche Gedanken quälten.

    Aus dem Ursprungsbeitrag geht für mich nicht hervor, was jetzt konkret der Grund für das Nichtberührenkönnen war.
    stef2303 was war da genau?

    Alles danach sind Vermutungen, die aber in sich hilfreich sein können, wenn man an so eine Stelle "empfindlich" ist.

    Das Thema dürfte höchst individuell sein und ich achte genau drauf, was mich auch nur im Ansatz triggern könnte. Gläserformen sind es nicht. Wobei ich seit meiner Abstinenz "aus Prinzip" bestimmte Gläserformen meide. Kein Dogma, aber einfach gedacht: alles, was mich an alte Alk-Trinkrituale erinnert, lasse ich - wenn möglich - weg.

    Auch ein bisschen off-topic: bei jedem einzelnen Versuch, eine PET-Flasche aufzuschrauben und logischerweise den Deckel abzureissen, damit ich vernünftig eingießen kann, geht in meinen Gedanken ein stiller Fluch gen Brüssel. Den Deckel schraube ich trotzdem immer auf die (auch leere) Flasche und tat dies schon immer.

    Bin mir selbst glaub genug Gesellschaft derzeit, hoffe das bessert sich wieder, will kein "grantlger alter Sack" werden.

    Bin noch ein Stück älter als du. "Alter Sack" ist unter meinen Freunden durchaus mal eine augenzwinkernd gemeinte Anrede. Allerdings nie in Verbindung mit grantig/kauzig! Eher so Richtung "alter netter weiser Mann". (Sarkastisch gegen den verdrehten Zeitgeist gemeint; vor allem aber mit Betonung auf weise. Oder zumindest weiser als im Vergleich zum Zustand 25 Jahre früher.)

    Die (zunehmende) Weisheit steht doch in direktem Zusammenhang mit dem "Ich bin mir selbst genug". Das beinhaltet auch: ich kann frei entscheiden, fühle mich nicht gezwungen, "muss" nicht; habe Geduld, Gelassenheit …
    auch, mich vorerst von Risiken völlig fern zu halten, bis ich echte Stabilität gesichert fühle. Und später, mit der Zeit, mit Bedacht, die eine oder andere Aktivität wieder aufzunehmen.

    Christoph Peters – Entzug (März 2026)

    Mein Eindruck:

    Nach einem einleitenden ersten Teil (Zuspitzung des Trinkens, Fallen in die Sucht, die Einsicht, Alkoholiker zu sein) beschreibt der autobiografische Roman im langen zweiten Teil den 14-tägigen Prozess des Nüchternwerdens auf einer Entzugsstation.

    Die Abläufe – auch medizinisch und therapeutisch – werden eindringlich geschildert, ebenso wie die Entstehung und Analyse von Suchtstrukturen. Kurzporträts der Mitpatienten sind aufschlussreich für das breite Spektrum der Betroffenen.

    Die Sprache ist schonungslos und inhaltlich sehr realistisch. In puncto Alkoholismus wählt Peters einen straff sachlichen Stil, der zeitweise – für einen Roman ungewöhnlich – etwas pädagogisch dozierend wirkt.

    In gutem Kontrast dazu stehen die Reflexionen der Gedankenwelt des Autors. Neben biografischen Rückblicken, Ausblicken, Ängsten und Zweifeln driftet er öfter auch ins Surreale ab und verdeutlicht so die widersprüchlichen inneren Dialoge und seelischen Abgründe des Trinkers („hochkomplexe Lügenlogistik“). Diese Stilebene hebt die literarische Qualität deutlich.

    Die Handlung endet unmittelbar mit der Entlassung aus der Klinik. Der reale, lange Prozess des Trockenwerdens bleibt offen.

    Mir gefielen Inhalt und Stil sehr gut; das Buch ist spannend und flüssig zu lesen. Auch ein wenig Humor ist enthalten – trocken und dem Thema angemessen. Meine volle Empfehlung!