Christoph Peters – Entzug (März 2026)
Mein Eindruck:
Nach einem einleitenden ersten Teil (Zuspitzung des Trinkens, Fallen in die Sucht, die Einsicht, Alkoholiker zu sein) beschreibt der autobiografische Roman im langen zweiten Teil den 14-tägigen Prozess des Nüchternwerdens auf einer Entzugsstation.
Die Abläufe – auch medizinisch und therapeutisch – werden eindringlich geschildert, ebenso wie die Entstehung und Analyse von Suchtstrukturen. Kurzporträts der Mitpatienten sind aufschlussreich für das breite Spektrum der Betroffenen.
Die Sprache ist schonungslos und inhaltlich sehr realistisch. In puncto Alkoholismus wählt Peters einen straff sachlichen Stil, der zeitweise – für einen Roman ungewöhnlich – etwas pädagogisch dozierend wirkt.
In gutem Kontrast dazu stehen die Reflexionen der Gedankenwelt des Autors. Neben biografischen Rückblicken, Ausblicken, Ängsten und Zweifeln driftet er öfter auch ins Surreale ab und verdeutlicht so die widersprüchlichen inneren Dialoge und seelischen Abgründe des Trinkers („hochkomplexe Lügenlogistik“). Diese Stilebene hebt die literarische Qualität deutlich.
Die Handlung endet unmittelbar mit der Entlassung aus der Klinik. Der reale, lange Prozess des Trockenwerdens bleibt offen.
Mir gefielen Inhalt und Stil sehr gut; das Buch ist spannend und flüssig zu lesen. Auch ein wenig Humor ist enthalten – trocken und dem Thema angemessen. Meine volle Empfehlung!