Eine Frage allgemein: Habe heute Nacht so viel gelesen über Euphorie, Glücksgefühle usw. in der Anfangszeit der Abstinenz. Davon verspüre ich nix, eher das Gefühl, dass es mir zunehmend schlechter geht.
Hallo Scarlett,
als ich mich hier im Forum anmeldete, war ich bereits knapp 7 Monate abstinent. Dann, beim ersten Lesen hier, war ich verwundert, hatte den *Eindruck*, die Euphorie sei quasi "Standard" in der Anfangszeit der Abstinenz...
Bei mir war das absolut nicht so! Die ersten drei Monate waren stimmungsmäßig eine Berg- und Talfahrt, wobei die tiefen Täler überwogen, ja auch Höhlen vorkamen -- jedenfalls ziemlich grenzwertig; habe mich da einfach durchgebissen und es ertragen. (Ich denke, keine Depression im Leben gehabt zu haben, sicherlich aber depressive Episoden. Jedoch ohne jede Behandlung.)
Da Du in Behandlung bist, kannst Du diese Fragen ja bei Fachleuten loswerden. Außerdem ist es noch der Anfang. Es ändert (tendenziell bessert) sich von Tag zu Tag.
Ich hatte mich wegen meiner abweichenden Erfahrung eingehender informiert und folgendes in Erfahrung gebracht:
Die Euphorie in der frühen Abstinenz ("Pink Cloud" -- intensive Hochstimmung, sich befreit, energiegeladen, optimistisch fühlen, weil Alkohol nicht mehr die Wahrnehmung dämpft) ist kein universelles Phänomen.
Ich las, dass ca. 50–70 % der Abstinenten eine Euphoriephase erleben, aber Intensität/Dauer stark variieren. Faktoren wie Persönlichkeit, Konsummuster (+ Dauer/Menge), psychische Gesundheit und Lebensumstände spielen eine Rolle.
Das Alter scheint mir auch nicht unwichtig. Ich bin 60+ - und wenn ich meinen Ausstieg mit früheren Trinkpausen vergleiche, dann fallen mir erhebliche Unterschiede auf - also früher hatte ich Euphorie sehr wohl intensiv erlebt. Annehmen würde ich bei mir auch, dass zudem die erheblich gesteigerte Alk-Menge zum Ende hin ihren Preis hatte - sich auswirkte als längerer Prozess der Regeneration/Neukalibrierung vor allem im Gehirn.