Beiträge von Oskar

    Das ist doch schön zu lesen! Das Tal ist durchschritten - von nun an geht's voran und wird stetig besser.
    Allerdings sind kleine und größeren Stolpersteine, Schlaglöcher und Untiefen möglich - darauf also eingestellt sein!

    Ich habe es durchlebt mit einem Mix aus aussitzen, laufen lassen (weiter auf den Körper hören), ablenken, selbst belohnen und stoisch ertragen.
    Sehr wichtig jetzt: Das aufkommende Gefühl der Leere auf jeden Fall füllen - am besten natürlich sinnvoll.

    Zum Empfindungsorchester im Oberstübchen: Das ist garantiert noch viel individueller im Vergleich zu den Varianten körperlicher Entzugserscheinungen. Das Orchester spielt mal Hard Rock, dann eine liebliche Romanze und ne Stunde später Trauermusik. Genre, Tonart und Lautstärke oft wechselnd oder auch tagelang anhaltend.

    Meine Sinne erschienen mir teilweise als überscharf, wie bei Fotos, die zu sehr nachgeschärft werden. Das Gehirn muss sich neu einjustieren, die Neurotransmitter neu reguliert werden für einen Zustand ohne Zufuhr von Nervengift. Dieser Zustand hat bei mir längere Zeit gedauert - 1-2 Monate... aber jeder Jeck ist anders!

    Geduld! -- Tag für Tag!

    Nanana, will den Teufel nicht in meine Träume gemalt haben. ;)

    Die prompte Pirouette weg vom Alk hat mich natürlich gefreut, irgendwie bestärkt. Der ganz kurze Moment der Gier wird aber nicht vergessen - er mahnt mich zur Vorsicht!

    Ich träume sehr intensiv, zum Glück nur seltenst schlecht. Wenige Alpträume, die ich erinnere, kann ich an einer Hand abzählen und lagen meist in der pubertären Zeit (schon wieder...). Daher hoffe ich mal, der Alk verschont mich in Zukunft dabei weitgehend.

    Wiederholt festgestellt: Meine manchmal wechselnden, aber recht tief gehenden Interessen tauchen dann alsbald in meinen Träumen auf. Bei schwerwiegenden Entscheidungen hatte ich auch schon öfter kleine "Wegweisungen", die ich ernst nahm und die sich als zutreffend erwiesen. Ich nehme den Traum also mal als gutes Omen.

    Hallo Biene,

    Du befindest Dich wahrscheinlich aktuell etwa am "Höhepunkt" - besser Tiefpunkt - des Entzugs. Die ersten 3-5 Tage sind die schlimmsten, dann schleicht es sich aus. Ist sehr individuell, bei jedem anders. Aber es wird dann von Tag zu Tag besser, die Symptome schleichen sich aus. Es kann aber auch (selten) schwache körperliche Spätausläufer geben (habe so etwas sogar nach einem Monat registriert).

    in den vorangegangenen Beiträgen steht alles aktuell Wichtige für Dich. Lies es Dir immer wieder durch!

    Durchbeißen ist jetzt angesagt - mit vollem Willen und Zähigkeit.
    Das erste Glas stehenlassen, wegdenken, gedanklich in den Müll werfen. Nur heute, Tag für Tag.

    Kann es sein,dass der Kopf verrüclt spielt beim Entzug?? Ich kann heute keinen klaren Gedanken fassen...

    Der Kopf wird noch deutlich länger verrrückt spielen als der Körper. Doch das kommt später - dazu gibt es hier sehr viel zu lesen.

    Ein Schritt nach dem anderen!

    In den ersten Tagen habe ich alle Gedanken völlig frei fliegen lassen ohne sie fassen zu wollen.

    Einziges Ziel: Weg vom Alk, Abstand gewinnen, Ruhe zulassen, dem Körper nachgeben, schlafen, wenn müde, Wasser trinken, wenn Durst.

    Ich will bei mir noch einen kleinen Rückblick auf die ersten 3-4 abstinenten Monate aufschreiben. Fand das auf- und ab des eigenen Gemütszustands nämlich hochinteressant (und z.T. zermürbend). In Summe habe ich für mich alles registriert, bin aber sehr vorsichtig mit Bewertung bzw. überhaupt mit Reaktionen umgegangen. Meine innere Devise war: alles merken aber erstmal Klappe halten und geduldig durchdenken. Geduld! Mit mir und ebenso mit meinen Gegenüber(s)...

    Was mich aber schade finde ist das meine xy und andere nicht mehr so viel mit mir anfangen können, ohne Alkohol kann man anscheinend keine guten Gespräche oder Spaß haben.

    Gute Gespräche/Spaß kann man definitiv ohne Alk haben. Ich würde - zumindest für mich - sagen, man kann auch ohne jeden Alk vor Glück förmlich trunken sein. Aber die Qualität ist eine andere, eine bessere - denn dieses Glücksgefühl entsteht ohne Hilfsmittel und hinterlässt keinen Kater.

    Geduld ... Die Anderen brauchen ihre eigene Zeit, die Lage neu zu beurteilen und neu zu leben.

    Bis heute immer noch kein Lebenszeichen vom Mann der Freundin, keine Antwort auf Text Nachrichten, wenn man sich im Supermarkt trifft smalltalk ala wie geht es Dir...

    Dieser Mann tauchte bei Dir schon mehrfach auf... Er scheint Dir wichtig zu sein. Aber was in seinem Kopf vorgeht, kannst Du nicht wissen. Vielleicht gibt es auch ganz andere Gründe?
    Wie wäre es, zu einem günstigen Moment mal das Gespräch darauf lenken, so in der Art "Ich habe das Gefühl, dass..."?

    So, nun hat es mich auch erwischt. Ich weiß nicht, ob das Lesen im Forum es beeinflusste ... hielt vorhin ein halbstündiges Nickerchen und hatte meinen ersten Traum von Alkohol, an den ich mich erinnere: Firmenveranstaltung, irgendwelche Präsentationen von Partnern, dann Pause, Imbiß wird gebracht. Ich biege um eine Ecke und da stehen Gläser mit Rot- und Weisswein zur Auswahl. Gestarrt, halber Schritt drauf zu, ein Impuls - Ahh, Geruch... Zugreifen wollen - Eine Sekunde, und dann entschlossen auf dem Absatz kehrt gemacht und mir von einer netten (und hübschen) Dame eine kühlen Orangensaft geben lassen. Leider piepste in dem Moment der Wecker.

    Von Tee + Teezeremonie habe ich dagegen schon zwei mal geträumt!
    Apropos: ich habe meinen Namen geändert. War ein komisches Gefühl, als Teesorte herumzulaufen. Empfehlung bleibt bestehen aber ein normaler Männername ist besser handhabbar. Ansonsten ist alles stabil und unverändert.

    Letztens hat iwona-w einen Beitrag veröffentlicht, der das Sortieren alter Familienfotos - Familiengeschichte - 2. Weltkrieg & tragische Folgen - Gegenwart - umriß. Mir fielen da sofort ein paar Bücher ein, die ich vor längerer Zeit las. Und auch: In den Staub mit allen Kriegstreibern!

    Stichwort: Transgenerationale Weitergabe von Traumata: Die unbewusste Übertragung von traumatischen Kriegserfahrungen auf die nächste Generation. Oftmals kaum oder unausgesprochen und seltenst be- und verarbeitet.

    Bode, Sabine:
    Die vergessene Generation: Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen
    Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation
    Nachkriegskinder: Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter
    Kriegsspuren: Die deutsche Krankheit German Angst

    Vielleicht besser ausleihen; viele Gedanken wiederholen/überschneiden sich in den Büchern natürlich.

    Dieser Tipp betrifft nicht unmittelbar Alkoholismus, mittelbar aber sehr wohl. Wer sich mit der eigenen Familiengeschichte beschäftigt, kommt fast unweigerlich mit dem Thema in Berührung. Und auch für die älteren unter uns (Kriegsenkel aka Boomer) dürfte einiges an Erziehung diesen "Verwerfungen" bei unseren Eltern/Großeltern geschuldet sein.

    Vom 01.05.2026 -03.05.2026 habe ich schon vorreserverviert in Bertingen.

    Ich melde auch mein Interesse an. Werde wohl am ehesten einen Tag kommen, ggf. 1 ÜN (Schlafsackplatz o.ä. würde mir reichen). Noch lege ich mich nicht fest, merke es mir aber fest vor.

    Mal die Leute hinter dem Avatar kennenzulernen finde ich auch gut. Daher hatte ich ernsthaft überlegt, dieses Jahr in B. vorbeizuschauen. Aber da war ich gerade einen Woche angemeldet und noch beim ersten Avatare-kennenlernen - es war mir zu frisch und zu früh.

    Meine Trinkmenge ist ja auch wieder auf Normalmaß. Das Ganze war im Winter; bin gespannt, ob ich in der warmen Jahreszeit wieder zu den bisher geliebten eiskalten Getränken greife oder ob sich auch das geändert hat.

    Diese "innere Waschung" habe ich eher als rituell eingestuft, an eine wirkliche "Entschlackung" o.ä. glaube ich nicht. Vor allem nicht 2-3 Monate nach Entzug. Es erinnert mich eher (als womöglich hinkender Vergleich) an meine Pubertät (letztens :) ), da habe ich 'ne Weile lang mehrmals täglich geduscht, endlos, sehr zum Missfallen meines Vaters. Bei meinen Söhnen konnte ich dieses Phänomen auch beobachten. Also eine "instinktive" Handlung ausgelöst durch eine innerkörperliche Umstellung - so erkläre ich mir das.

    Zum Tee fällt mir noch der Aspekt Koffein/Teein ein, könnte auch einen unbewussten Einfluß haben.

    Zum Thema Suchtverlagerung: da habe ich mir für's erste Jahr gesagt, ich lasse es locker laufen, aber beobachte genau. Alles Exzessive sollte sich nach gewisser Zeit einregeln oder ich steuere gegen.

    Hallo Paul, ich wünsche Dir einen nachhaltigen und anhaltenden Erfolg!

    Erstaunt bin ich über die "Lockerheit" der Durchführung. Aktuell Tag 3 und ich lese was von Kongress am Tag 2....
    Trotz Medikament(en) ... hast Du keine Entzugserscheinungen? Selbst wenn nicht: Ist das einfach so "en passant " erledigbar?
    Klar, Ablenkung kann womöglich hilfreich sein. Aber "funktionierst" Du, so wie zuvor im Job?

    Im Abgleich mit anderen sah ich an anderer Stelle auch, dass nach knapp einem Jahr der Saufdruck erstmalig heftig und unverhofft zuschlug. Und bei manchem sieht man gar nichts mehr, kann nur ahnen, weil er nicht mehr schreibt... Die Unberechenbarkeit ist mir bewusst und daher die Dauerhaftigkeit des Bemühens.

    Auch wenn ich weiter oben schrieb, keinen "richtigen" Tiefpunkt erlebt zu haben, so war die letzte Zeit mit Alk schon eine Zäsur für mich, ebenso die ersten Wochen nach dem Entzug - denn da hatte ich einen depressiven Zustand wie nie zuvor erlebt (hatte nie eine richtige Depression). Allein das will ich nicht wieder haben.

    Macht nichts, besser dort als hier, sonst verschwimmt dein Suchthread im Tee

    Ich hatte durchaus gezögert, so umfangreich zum nebensächliche Tee zu antworten. Es fehlt noch eine wichtige Sache dazu. Meine "Beschäftigung" mit Tee tat ich sehr bewusst: Als Ausgraben/Vertiefen meines alten Interesses, als Mittel zum Um-/Überschreiben meiner Trinkgewohnheiten durch ein andere Ritual und womöglich zeitweise der Tee als Surrogat (hat sich eingepegelt). Und als eigene Belohnung nach drei Monaten: schöne chinesische und japanische Teeschalen und Zubehör, erinnert mich täglich auf angenehme Art an meine Veränderung.

    ich einfach nicht weiß, welche ich kaufen soll.

    Vorschlag...

    Einstieg:
    China Jasmin Chung Hao (Spezial)
    Morgentau (den originalen von R., Basis ist Sencha aus China + div. Blüten)

    Edle - bevorzugt mittels Gong Fu Cha (kann man aber auch mittels Teepott + Edelstahlfilter improvisieren):
    Grüntee ... Westlake Xi Hu Long Jing (China), Sencha Kirishima Yabukita (Japan)
    Oolong (China/Taiwan) ... Dark Pearl Oolong

    Schreib doch etwas dazu in den Getränkelink

    Das mache ich demnächst. Muß nur aufpassen, dass ich den Getränkethread dabei nicht sprenge...

    Ich habe bisher (aus Faulheit) Schwarztee getrunken.

    Ich trank bis zum Herbst auch eher Schwarztee aber nicht nur. Faulheit? Wohl dto. - weil ich die enorme Vielfalt des grünen Tees überhaupt nicht überblickte.

    Und eine Frage noch. Schüttest Du den ersten Aufguss weg? Und nach wie viel Sekunden?

    Dieses sog. "Waschen" halte ich bei normalem Grüntee für unnötig, da eher "weiche" Teeblätter.
    Bei Oolong-Tee ausprobiert (15 Sek.) - dto. unnötig, aber je nach Sorte ggf. Geschmackssache. Es geht ja bei dem darum, fest gerollte Teeblätter etwas aufzuweichen/entfalten.
    Sehr sinnvoll soll es beim Pu-Erh-Tee (China) sein - ein gepresster Tee ähnlich dem mongolischen Ziegeltee - noch nicht ausprobiert. Test steht noch an.

    Ganz wichtig bei Grüntee: max. 80°, sonst wird er bitter. Die feineren Sorten z.T. nur 55-60°, sonst bleibt alles Schöne auf der Strecke. Und nicht länger als 2(3) Min. ziehen lassen - sonst wiederum bitter. Mehrere Aufgüsse möglich - je nach Sorte 2..4.

    Bei Oolong jedoch 95-100° und bis zu 7..9! Aufgüsse möglich.

    Bei der chinesischen >>Gong Fu Cha 工夫茶 - Methode (& Zeromonie) nimmt man deutlich mehr Tee bei viel weniger Wasser und lässt z.T. nur ganz kurz ziehen (15 Sek. - 1 min je Sorte). Kann ich empfehlen, vielleicht springt meine Begeisterung über. Am besten ein Video gucken.

    Kaum ist man mal einen Tag weg, gehts hier los... sehr schön!

    *Rina* - Du warst nicht allein und es war gut so. Tee Begeisterung ist ansteckend!

    Das war bei mir ähnlich. Habe Unmengen an Sorten und habe ständig und überall Tee getrunken.

    Interessant - auch Dein Thread - da halte ich beim Lesen immer an der Stelle an, wo ich jetzt gerade bin und vergleiche Dein Protokoll mit meinen Erfahrungen zu dem ca.-Moment. Nun ist Vergleich einerseits Quatsch und ich gucke auf mich selbst, andererseits gibts Unterschiede wie Stärke/Vorhandensein des Suchtdrucks, aber auch Parallelen, wie die Unmengen Flüssigkeit in einer bestimmten Phase. Las ich öfter. Also mir kam das 1-2 Monate lang wie gieriges Teesaufen vor (da nehme ich bewusst mal das Wort; nie beim Alk so erlebt). Ich dachte mir, einfach mal 'ne Weile das System richtig gründlich durchspülen... Allgemein habe ich mich in den ersten Monaten wenig gezwungen und vieles einfach laufen lassen.

    Mit der Sauferei geriet das mehr oder weniger in Vergessenheit

    Ja, das bedauere ich (auch), aber es ist Vergangenheit und gemachte Erfahrung. Vieles ist langsam eingeschlafen, so wie sich die Sucht immer mehr einschlich. Bei mir schätze ich es auf ca. 3-4 Jahre, wo der Alk mich immer intensiver beeinträchtigte.
    Interessant auch Dein Thread im Vergleich, aber Du bist ja dann leider im Untergrund abgetaucht... ^^

    Ja, auch Drachenbrunnentee genannt. Kann ich sehr empfehlen. Ist aber eine teuere Sorte und daher kein Alltagstee.

    Tee war mir ca. ab Monat 3 bis vor einer Weile eine gute Hilfe. Habe viele Sorten ausprobiert und zeitweise heftig mit der Menge übertrieben. Eine Zeit lang dachte ich, aha, das ist also meine neue Sucht ... oder eher oralen Ersatzbefriedigung... Hat sich inzwischen aber wieder gut einreguliert. Mein Sorten und Zubereitungs-"know how" würde inzwischen für einen Text in der Rubrik "Leben mit der Abhängigkeit" ausreichen. :D

    Oh je, verrechnet... hätte meine Finger benutzen sollen. Nun hoffe ich nicht, dass ich da irgendwas getriggert habe wegen Anstoßen und so. Falls ja bitte ich um Entschuldigung.

    Ich war zwar schon immer ein Teefan, aber grüner war sehr lange auch garnicht mein Fall. Erst letzten Jahreswechsel bin ich da tiefer eingestiegen (loser Blatt-Tee, keine Beutel - ist ne ganz andere Dimension). Da gibt es sehr unterschiedliche Geschmacksrichtungen, die überhaupt nicht an Grüntee erinern (z.B. Oolong).
    Aber ich will nicht missionieren. Es gibt so viele schöne Getränke, kalt wie heiß. Irgendwo hier ist auch ein Rezeptthread dafür - oder Suchen.

    Liebe Matcha, habe alles mal durchgelesen. Passierst in den nächsten Tagen ja einen halben Meilenstein - 6 Monate - sind doch was. Ein Grund ... (hätte man "früher" gesagt ..) ... für einen ganz besonderen Matcha zum Beispiel. Oder einen guten Gyokuro ... zur Belohnung (oder irgendwas anderes Schönes, falls ich ne falsche Assoziation hatte)! Blick auf das 1. Jahr geradeaus! Es wird besser und stabiler werden, auch wenn es zwischendurch holpern mag.

    "Nur psychisch abhängig", das war ich auch.

    Ick och! Die klare Erkenntnis hatte ich. Gut zur Beschwichtigung, weil da zitterte doch noch nichts. Nichtmal, wenn ich mit dem Fernglas die Sterne anguckte.
    Für die Wissenschaft als Kategorie/statistische Eingruppierung tauglich aber für den Betroffenen irrführend zu weiterem Leichtsinn. Seinen eigenen Dachschaden produziert man auch mit diesem Prädikat. Hoffentlich reparabel. Bei mir ging es noch etwas weiter ohne richtiges Zittern. Es zitterte nichtmal beim Entzug, aber da war anderes, was ich nie wieder haben möchte: Ein Kreislauf hart an meiner Alarmmarke. Plötzlich so ganz körperlich. Also sehr trügerisch diese Eingruppierung.

    Zum Vergleich der Trinkmengen etc. Ich glaube, es bringt gar nichts. Mein Quantum war lange wie Deines (1 Fl. Rotwein, manchmal auch ne zweite halb oder ganz). Kampfgewicht damals 100 kg Mann. Kann man nicht vergleichen mit womöglich einer halben Frau, also gewichts und enzymmäßig. Dto. nicht die Aus- und Nachwirkung, die Zeiten, bis dies und das wieder genesen ist oder das Aufkommen von Saufdruck - alles sehr individuell. Daher vor allem: Blick auf sich selbst.

    Solange ich darüber nachdenke, ob meine Abhängigkeit körperlich oder psychisch bedingt ist, habe ich meine Alkoholkrankheit noch nicht vollständig akzeptiert. Es erinnert mich an früher am Stammtisch, wo ich mein Trinkverhalten mit anderen verglich und mir einredete, dass es nicht so schlimm sei, schließlich gab es Menschen, die noch mehr tranken als ich.

    Ich erinnere mich auch gut. Paradox wird es, wenn einer der Freunde am Tisch selbst Arzt ist... (der hat damals im späteren Zwiegespräch abgewiegelt, als ich ihm sagte, eigentlich sind wir nach dem gängigen Maßstab doch auch schon Alkoholiker... Inzwischen trinkt er nichts mehr, das Thema wird aber eher vermieden). Es sind auch nur Menschen...

    Damit stelle ich nicht seine fachliche Kompetenz in Frage - der ist richtig gut in seinem Fach.

    Mir ist direkt bis "hart & herzlich" deutlich näher als die grassierende Hypertoleranz.
    Mein Ziel ist eine zufriedene stabile Abstinenz, ohne geballte Faust in der Tasche - unverkrampft trocken, nicht kampftrocken. Deshalb bin ich ja hier hergekommen und werde bleiben.

    Es ist wohl ein Langstreckenlauf. Den ersten kleinen aber schwersten Teil habe ich alleine bewältigt. Allein war eigentlich unnötig, risikobehaftet und ist keine Empfehlung wert (bin eben so gestrickt und ziehe daraus auch Kraft und Tiefenwirkung, auch bei anderen Themen).
    Ganz allein stimmt aber auch nicht ganz. Etwa 6 Wochen nach Alkoholstopp war ich an einem Punkt, wo ich merkte, es wird wackelig, wenn ich jetzt nicht rede/Hilfe habe, dann könnte ich demnächst weich werden. Also bin ich zu meiner alten AA-Gruppe gegangen, die ich vor vielen Jahren ein Vierteljahr lang besuchte. Dreimal war ich da, dann war das Tal durchschritten. Dafür bin ich dankbar. Aber die Monologe dort sind auf Dauer nicht meins, da ist mir die direkte Entgegnung hier lieber - noch dazu jederzeit, besonders falls Not am Mann.

    Die Wegstrecke ist noch lang, wobei für mich mit 60 + auch manche Option abgelaufen ist (oder scheint) oder mir nicht mehr reizvoll erscheint. Aber es gibt noch viel zu entdecken, Vieles interessiert mich, bin immer wieder neugierig wie ein kleiner großer Junge - es würde für mehrere Leben reichen.

    Respekt ist ein sehr treffendes Wort, das ich mir auf den Wanderstock für meinen weiteren Weg schnitzen werden.

    Gestern war wirklich ein wunderbarer Tag. Das zurückgenommene Denken tagsüber habe ich am späten Abend intensiv nachgeholt. Meine innere Zustandsbeschreibung korrigiere ich:

    Null Druck, Null Verlustgefühl -- trifft vollkommen zu und ist stetig. Der Alkohol ist mir wirklich gleichgültig geworden.
    Aber das Gefühl "frei zu sein" streiche ich vorerst. Denn für diese Freiheit brauche ich noch mehr Zufriedenheit mit meinem Leben und Stabilität - eine wieder ausgewogene innere Mitte. Ich bin noch nicht in Balance, aber habe mich schon deutlich stabilisiert gegenüber den ersten drei nüchternen Monaten.

    Die spürbaren Veränderungen werden wohl noch weitergehen. Bei einigem, was ich bemerke, bin ich mir nicht sicher, ob es bereits vor dem zunehmenden Alkoholkonsum vorhanden war, durch ihn nur verstärkt oder durch ihn erst ausgelöst wurde. Jedenfalls scheint er nicht die Ursache "für alles" zu sein. Diese Überlegung ist kein Hintertürchen - der Entzug und die ersten 2-3 Monate haben mir bestätigt und drastisch vor Augen geführt, dass ich ein Alkoholiker bin.