Beiträge von hiiumaa

    Hallo CartierRoyal,

    ich kann Deine Zerrissenheit und die momentane Überforderung gut nachfühlen.

    Du hast ganz zu Anfang mal geschrieben, dass Du keine körperliche Nähe mehr zu ihm möchtest.

    Glaubst Du, dass Du wieder körperliche Nähe wollen würdest, wenn er seinen momentanen Konsum halbieren würde?

    Ich glaube, unabhängig davon, ob der Partner suchtkrank ist oder nicht, ist es eigentlich in dem Moment entschieden, in dem man selbst merkt, dass man die Auswirkungen des Alkoholkonsums nicht ertragen kann. Seien es die Alkoholausdünstungen, der veränderte Gang, das nur-noch-zuhause-sitzen und trinken, das Lallen etc - unterschiedlich je nach Schweregrad.

    Das Problem von fast allen Angehörigen ist, dass man sich so gerne an die Hoffnung klammert, dass er ( oder sie ) ja vielleicht doch was ändert.


    Und was einfach richtig doll schmerzt ist die Fassungslosigkeit, dass der geliebte Mensch den Alkohol über einen selbst stellt. Diese Ohnmacht ist lange Zeit schwer zu verarbeiten. Für viele Angehörige ist das ein harter Prozess, durch diese Fassungslosigkeit zu gehen. Egal, ob es wirklich Sucht beim Partner ist, oder nicht. Die Tatsache, dass der Partner dem Alkohol den Vorrang gibt, ist unfassbar.


    Alles Liebe für Dich.

    Hallo ladnax,

    ich habe Deine Geschichte gelesen, und mich wiedergefunden in der Aussage „Wie geht man denn damit um, wenn man nicht aufgeben möchte?“.


    Ich erzähle Dir dazu kurz von mir: Ich lebe nicht mit meinem Partner zusammen, bin alleinerziehend mit einem Teenager aus voriger Beziehung.

    Mein jetziger Partner ist nicht nur Quartalstrinker, er hat auch eine narzisstische Persönlichkeitsstörung.

    Das bedeutet, er kann wundervoll sein und wir können tolle Zeiten haben - und dann kippt es wie aus heiterem Himmel und er verwandelt sich in einen wahrhaftig bösartigen Menschen.

    Man könnte von außen betrachtet sagen: „Du spinnst. Verlass ihn.“

    Aber in mir drin ist noch immer das „nicht aufgeben wollen oder können“, zumal er seit gut 1,5 Jahren in Therapie ist.

    Trotzdem bin ich gezwungen, mich sehr sehr deutlich abzugrenzen. Er hat immer wieder Rückfälle - trotz Therapie.

    Praktisch bedeutet das: Sobald ich den Verdacht habe, dass er getrunken hat, bin ich weg. Ich kommuniziere ihm freundlich sachlich, dass ich das Gefühl habe, dass er nicht nüchtern ist und ich deswegen keinen Kontakt möchte, bis er wieder nüchtern ist und mich das wissen lässt. Und dann ziehe ich es durch: Keine Begegnungen, kein Telefonieren, keine Textnachrichten.

    Das ist im gemeinsamen Haus natürlich schwieriger, aber ich glaube, sorrowful hat es schon angesprochen: Ein sicherer Rückzugsort innerhalb des Hauses für Teenager und Dich wäre hilfreich.

    Das würde bedeuten, dass Du ihr aus dem Weg gehen könntest, wenn sie trinkt. Aber auch Kontakt mit ihr haben kannst, wenn sie nüchtern ist.

    Ob das auf Dauer befriedigend für Dich ist und wie es sich auf euren Sohn auswirkt, steht auf einem anderen Blatt. Aber ich glaube, es ist für viele Angehörige ein Abgrenzungsprozess, der durchlebt werden muss. Der Punkt wird kommen, wo Du entweder merkst, dass „nicht aufgeben wollen“ leider zu nichts führt, weil Du kämpfst und Dein Gegenüber seine Arbeit an sich nicht machen möchte und Du daran verzweifelst und es Dir wirklich schlecht geht. Oder sie wirklich etwas ändert und Du merkst, dass sich das gut anfühlt und sich ganz deutlich etwas bewegt.


    Ich stecke noch immer mitten in diesem Prozess. Ich habe fast drei Jahre gebraucht, bis bei mir wirklich durchgesickert ist, dass ich nichts tun kann, außer mich ( und mein Kind ) ganz deutlich abzugrenzen.

    Trotzdem freue ich mich jedesmal, wenn er nüchterne Phasen hat und wir uns begegnen können. Aber die Abstürze sind jedesmal wieder sehr sehr schmerzhaft. Ich frage mich immer wieder, ob ich das wirklich so mitmachen will, und ich habe immer wieder Momente, wo ich nah am „aufgeben“ bin und ihm den Rücken kehren möchte.

    Alles Liebe, hiiumaa

    Was für ein spannender Faden!

    Hallo an Alle!


    Ich habe mich beim Lesen gefragt, ob es nicht doch auch wieder das Trauma-Bindungsthema ist, das uns Co‘s hält.


    Ich glaube, dazu braucht es noch nicht mal einen trinkenden Partner, der missbräuchlich ist im Sinne von verbalen oder körperlichen Angriffen, sondern die Tatsache, dass man sich ständig auf einer Achterbahn der Gefühle bewegt, reicht wahrscheinlich schon.


    Ich kann nur aus meiner Perspektive sagen, dass mein Partner verbal und körperlich missbräuchlich war und ich - trotz deutlicher Abgrenzung - immer noch da bin, und ihn nicht verlieren will.

    Er ist ja nicht nur „der Trinker“ und „der, der richtig bösartig zu mir sein kann“. Er hat ja auch diese liebenswerte Seite und die Verletzlichkeit.

    Was also hält mich? Der mini mini Hoffnungsschimmer, dass er es schafft, vom Alkohol loszukommen und die liebenswerte Seite überhand bekommt?


    Ich könnte mir tatsächlich vorstellen, dass es in der Psyche der beiden Partner gewisse Punkte gibt, die sie zueinander hinziehen - trotz allem. Unbewusste alte Muster? Unbewusste Schattenanteile, die sich anziehen? Da könnte man jetzt tief eintauchen, aber ich wollte nur die Idee in den Raum werfen.

    Denn es scheint ja „etwas“ in einem zu wirken, das man nicht einfach verstandesmäßig überwinden kann.

    Alles Liebe, hiiumaa

    Hallo Arven,

    ich wollte Dir erzählen, dass ich die Thematik auch kenne, dass mein Partner online Kontakt mit anderen Frauen hatte. Er hat sie nicht nur angeschrieben, sondern auch ihre Selfies auf Social Media kommentiert, z.B. mit „Umwerfend!“.

    Ich wusste es damals gar nicht, bis eine Freundin mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass er auf Social Media als Single auftritt und ständig Herzchen und Umarmungsemojis und flirtende Kommentare unter die Selfies von fremden Frauen setzt.

    Da ging bei mir auch der Kontrollzwang los. Es hat mich so unglaublich verletzt! Ich habe lange gebraucht, bis ich es geschafft habe, das anzusprechen. Das Ergebnis war, dass er mir vorgeworfen hat, dass ich ihn ausspioniere und ich selber schuld bin, dass er das tut, weil ich mich nicht ausreichend um ihn kümmere und mich immer wieder zurückziehe. Er hat dabei offensichtlich „vergessen“, dass ich mich zurückziehe, weil er wieder mal eine Woche lang getrunken hat bis zur Besinnungslosigkeit.


    Inzwischen vermute ich, dass er noch einen zweiten Account hat, denn mit dem Account, der mir bekannt ist, herzt er keine Frauen mehr.


    Allerdings habe ich es inzwischen auch geschafft, weitgehend damit aufzuhören, ihn online zu kontrollieren. Es hat weiß Gott lange gedauert, weil es so schmerzhaft war!

    Ich habe mich auch ansonsten über die letzten eineinhalb Jahre immer besser abgrenzen können. Das gefällt ihm gar nicht und er ist mehr damit beschäftigt, die Beziehung mal wieder zu beenden, statt die Beziehung mit mir zu führen, aber mir selbst geht es ganz langsam Stück für Stück besser.


    Ganz viel Kraft! hiiumaa

    Hallo ich 82,


    Ich greife mal Aurora‘s Frage auf, was Du an einem Menschen liebst, der auf jede erdenkliche Weise gewalttätig Dir gegenüber ist.


    Ich glaube, dass das eine sehr wichtige Frage ist.


    Ich war ( bin? ) dreieinhalb Jahre mit einem Mann zusammen, der mich nicht nur ausgenutzt hat in jeder Hinsicht, sondern auch emotional mißbraucht hat und mir gegenüber körperlich gewalttätig wurde. Nicht so massiv wie Du es von Deinem Partner beschreibst - aber ausreichend, dass ich ihm im alkoholisierten Zustand auf keinen Fall mehr um mich haben möchte.


    Bei uns ist gerade mal wieder Funkstille. Er beendet fast jedesmal die Beziehung, wenn ich eine Grenze gesetzt habe, um dann wieder zurückzukehren.


    Seit eineinhalb Jahren werde ich in meinen Grenzen immer klarer. Wir wohnen zum Glück nicht zusammen. Das gibt mir die Kraft, zu meinen Grenzen zu stehen, auch wenn das bedeutet, dass er mich wieder Wochen- oder monatelang anschweigen wird und anschließend bei der Rückkehr das Opfer meines „Wut-Problems“ sein wird.


    Und genau da kommt Aurora‘s Frage ins Spiel. „Liebe“ ich diesen Menschen? Inzwischen glaube ich das nicht mehr. Ich dachte immer, es wäre die ultimative Seelenverbindung. Ich glaube, dass ich wahrnehmen kann, was für ein verletztes Kind in ihm steckt. Er wurde von seinem Vater brutal abgewertet als Junge und die Mutter konnte ihn nicht schützen, weil sie selbst Co-Abhängig war. Sie hat ihn als emotionale Stütze für ihre Eheprobleme missbraucht. Bis heute.


    Ich habe in der Illusion gelebt, was SEIN KÖNNTE, wenn er doch nur endlich mal klarsehen würde, wie toxisch seine Familie ist und er sich aus dieser Dynamik befreien könnte, die ihn in allen Lebensbereichen in den Abgrund zieht.


    Am Ende bin immer ich es, die seine Gewaltausbrüche emotional regulieren soll. Stehe ich dafür nicht mehr zur Verfügung, bin ich „kalt“ und „empathielos“ und „keine Partnerin“.


    Ich spüre mehr und mehr, wie mir bewusst wird, wie sehr ich benutzt werde. Und das auch noch mit Gewaltanwendung. Liebe ist das nicht.

    In meinem Fall ist das emotionale Abhängigkeit, die mir immer wieder vorgaukelt, dass es doch Stück für Stück besser werden wird, wenn doch nur…


    Und ich kann mich nur deshalb langsam davon frei machen, weil ich eine eigene Wohnung habe, einen sicheren Rückzugsort, und meine Grenzen inzwischen notfalls mit der Polizei durchsetze.

    Aber auch ich muss mir die Frage immer wieder stellen: Warum will ich überhaupt noch Kontakt?

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft! hiiumaa

    Liebe Johanna,

    ich habe angefangen, mich durch Deine Geschichte zu lesen. Ich bin zwar noch nicht fertig, aber ich wollte Dich bestärken, Dich mit guter Vorbereitung und bestmöglicher Absicherung räumlich zu trennen.

    Mein xy hat auch die NPD-Diagnose mit Alkoholismus als Komorbidität. Wir wohnen zum Glück nicht zusammen und mein Teenager ist nicht sein Kind.

    Aber es ist auch so schwer genug und es gab nicht nur emotionalen Mißbrauch, sondern auch schon zwei körperliche Vorfälle und einmal musste ich die Polizei anrufen, weil er nachts betrunken bei mir in der Wohnung war, total ausfällig mir gegenüber, und sich geweigert hat zu gehen.

    Mir kommt das alles sehr bekannt vor, was Du schreibst.


    Viel Kraft!! hiiumaa

    Hi Bessere Zeiten!

    Uhhh! Kontrollfreak! Diese Anschuldigung hat mein xy auch im Repertoire! Da bekomme ich Gänsehaut.


    Gut, dass Du mit Deinem Kind gehen konntest. Ich hatte schon befürchtet, dass Du bzw euer Kind bleiben musste.


    Ich habe einen Sohn im Teenageralter. Der Vater ist kein Alkoholiker, aber er war cholerisch und manipulierend und hat mich damals als ich - ungeplant - schwanger wurde erst körperlich und anschließend durch Psychoterror bedroht. Von ihm bin ich getrennt.


    Mein jetziger Partner hat eine narzisstische Persönlichkeitsstörung ( diagnostiziert - nicht nur mein Empfinden ) mit Alkoholismus als Komorbidität. Er ist Quartalstrinker. Alle paar Wochen ( wenn es „gut“ läuft, alle paar Monate ) kann er seine Ängste, Enttäuschungen etc. nicht mehr regulieren und betrinkt sich für bis zu vier Wochen bis zur Besinnungslosigkeit. In der Zeit liegt alles komplett brach.

    Als wir uns kennengelernt haben, hat er sich noch etwas zurückgehalten, aber im Laufe von 3,5 Jahren ist die verbale/ emotionale Gewalt immer massiver geworden, er hat mich auch körperlich angegriffen und einmal habe ich aus Verzweiflung die Polizei gerufen, weil er besoffen und aggressiv bei mir in der Wohnung war und nicht mehr gehen wollte.


    Ich war auch schon einige Monate von ihm getrennt, habe es grade aktuell aber wieder mit ihm versucht, weil er vier Monate trocken war und konsequent in Therapie.


    Trotzdem - zwei Wochen in seinem Elternhaus ( Wurzel des Übels ) haben gereicht, dass er wieder angefangen hat zu trinken und - wie könnte es anders sein? - die Beziehung mal wieder mit emotionaler Gewalt beendet hat, weil ich mich geweigert habe, mit ihm in Kontakt zu sein, solange er trinkt.


    Jetzt stehe ich wieder vor der gleichen Frage wie immer: Warum tue ich mir das an?

    Ich hoffe, Deine Anwältin bleibt klar gegenüber des Anwalts von der Gegenseite. Meine Anwältin hat mich bei dem Verfahren gegen den Vater meines Sohnes ziemlich hängen lassen. Am Ende bin ich alleine - ohne Anwalt nochmal vor die nächsthöhere Instanz gegangen. Da habe ich gewonnen. 😉

    Lass Dich nicht abschrecken! Ganz viel Nervenstärke und alles Liebe, hiiumaa

    Hallo Bessere Zeiten!

    Das hört sich wirklich nach einer sehr belastenden Situation an.

    Wie ging es denn weiter, nachdem die Polizei da war und er den Alkoholtest verweigert hat? Musstest Du eure Tochter bei ihm lassen? Oder bist Du jetzt auch wieder bei ihm der Wohnung?


    Ganz viel Kraft für Dich! Pass gut auf Dich auf! Diese eskalierende Gewaltspirale kenne ich leider auch. Liebe Grüße, hiiumaa

    Hallo Sternie,

    auch mir kommt das sehr bekannt vor. Das ist sehr belastend.


    Ich schaffe es langsam immer besser, mich abzugrenzen, aber ich hänge auch immer noch drin in der Co-Abhängigkeit, obwohl wir auch schon einige Monate getrennt waren.


    Gerade werde ich auch mal wieder mit Beziehungsabbruch, Schuldverschiebung und anschließendem Schweigen abgestraft dafür, dass ich es gewagt habe, am Silvesterabend, als er ohne Zweifel stockbetrunken war, nicht auf seine Nachrichten und Anrufe zu antworten. Zudem scheint er wieder zu trinken.


    Ich habe Zeiten, da wünsche ich mir, die Kraft aufzubringen, endlich wirklich den Absprung zu schaffen. Und dann wieder merke ich, dass ich den guten Zeiten hinterher trauere und in der Hoffnung feststecke, dass irgendwann die guten Zeiten überwiegen.


    Ich wünsche Dir viel Kraft! hiiumaa

    Danke ihr Lieben!


    Ja, es scheint sich leider wirklich zu bestätigen, dass er wieder trinkt.

    Ich habe ihn heute an der Bushaltestelle gesehen, als ich mit dem Auto vorbeigefahren bin. Er hatte nicht seinen großen Rucksack dabei, den er normalerweise mitnimmt, wenn er zum Sport fährt, sondern die lederne Aktentasche. Die lederne Aktentasche ist leider sein Flaschen-Depot.

    Natürlich könnte es auch sein, dass er einen Behörden-Termin hatte - aber mit Jogginghose bekleidet eher nicht.


    Ich habe es geschafft vorbeizufahren. Ich habe nicht angehalten und gefragt, was los ist, ob ich ihn in die Klinik oder zum Arzt bringen soll. Es war verdammt hart, aber ich hab ihn sich selbst überlassen.

    Ob ich wohl jemals an den Punkt komme, wo ich es ganz loslassen kann?

    lumen, eine Sache fällt mir noch ein, weil mein xy da auch schon mal knapp dran vorbeigeschrammt ist: Man kann auch ohne eigene Wohnung oder ohne bei Familie/ Freunden etc. eine Meldeadresse zu haben, Unterstützung bekommen durch Sozialgelder, indem man bei Obdachlosenunterkünften, Beratungsstellen, Caritas etc gemeldet ist. Das geht.

    Deswegen… versuche, ein bisschen nach Dir selbst zu schauen. Dir geht es ja auch nicht gut.

    Hallo lumen,

    mir kommt dieses Muster sehr bekannt vor. Ähnlich ist es mit meinem Partner und meiner ehemaligen besten Freundin gelaufen: Ich habe mich bewusst zurückgezogen, damit er in die Selbstverantwortung kommen muss - und daraufhin hat sie die Retterin gespielt und ihm praktisch alles abgenommen.

    Es war extrem schwer für mich, das auszuhalten, da es bei ihm natürlich erst recht dazu geführt hat, dass er sich einreden konnte, dass ich eine schlechte Partnerin war, die sich nicht um ihn gekümmert hat und er damit auch nicht hinterm Berg gehalten hat.


    Meine Konsequenz daraus war aber trotzdem Rückzug und Abstand - von beiden.

    Ich kann es nicht verhindern, dass andere versuchen, ihn zu „retten“ - auch, wenn das manches nur noch schlimmer macht.


    Und ich kann auch nicht verhindern, dass er sich auf solche Angebote stürzt, um nicht selbst in die Verantwortung kommen zu müssen und er sich damit selbst eine Möglichkeit auf wirkliche Veränderung nimmt.


    Es war eine der schmerzhaftesten Situationen überhaupt.


    Alles Gute für Dich! hiiumaa

    Hi Aurora!

    Danke für Deine Worte und das Teilen Deiner eigenen Erfahrungen. Es hat mich gerade wirklich erschüttert, dass ihr sogar noch Silberhochzeit gefeiert habt, bevor es dann richtig übel wieder losging.

    Die Tatsache, dass er konsequent in Therapie gegangen ist und sogar annehmen konnte, was sein Therapeut ihm gesagt hat, hat mich zu sehr in Sicherheit gewiegt, dass es DIESMAL klappen könnte. Er hat ja schon mal fast ein Jahr lang ohne Alkohol durchgezogen.

    Ich werde jetzt mal abwarten, ob er anfängt zu trinken oder nicht. In mir ist eine vage Hoffnung, dass er vielleicht in den nächsten Tagen ohnehin einen Termin bei seinem Therapeuten hat und es mit dessen Hilfe ohne Saufabsturz geht. Der Therapeut scheint einen guten Draht zu ihm zu haben.

    Fängt er an zu trinken, bleibe ich weg. Ich frage mich nur, was ich tun soll, wenn er nachts wieder betrunken vor meiner Haustür liegt und sich nicht wegschicken lässt.

    Ich stelle mir natürlich selbst immer wieder die Frage: Was hält mich grundsätzlich?

    Denn man merkt ja, das Trinken allein ist es nicht. Durch seine psychische Erkrankung ist er auch nüchtern in seinen dysregulierten Zuständen nicht einfach nur „schwierig“. Das ist wiederkehrender emotionaler Mißbrauch mir gegenüber.

    Ich entwickle zwar eine gewisse Routine, um damit umzugehen, weil das Muster immer gleich ist - aber will ich das mittragen, bis die Therapie da irgendwann wirklich zu Verhaltensänderungen in den entscheidenden Situationen verhilft?

    Ich habe gemerkt, dass er in den letzten vier Monaten gewisse Situationen anders handeln konnte als vorher. Momente, in denen er sonst wieder mißbräuchlich geworden wäre, hat er anders lösen können.

    Aber ganz offensichtlich ist der Bezug zur ( toxischen ) Familie und dem Alkohol noch immer stärker als der Wunsch auf nachhaltige Entwicklung.


    Will ich das noch weiter mittragen?

    Hallo ihr Lieben,

    ich war lange nicht hier. In meinem Leben - unabhängig von meinem xy ist viel passiert, das mich sehr belastet. Inzwischen ist sogar schon 2026. Ich bin regelrecht erschrocken, als ich gesehen habe, wieviele Neuzugänge es in der Zwischenzeit gab und wieviele Betroffene es gibt.


    Heute habe ich das Bedürfnis, mal wieder über xy und wie es mir damit geht, zu schreiben.

    Er war jetzt vier Monate trocken. Wobei ich nicht hundertprozentig sicher bin… im Herbst war er ein paar Tage bei seinen Eltern, Tante, Schwester ( EU-Ausland ) und dort ist „ein kleiner Drink“ zu jeder Mahlzeit Standardprogramm und xy hat es noch nie geschafft, dort zu sein ohne mitzutrinken - sonst könnte sein Vater ( edit, bitte keine "Diagnosen" für Angehörige hier einstellen, danke ) ja denken, sein Sohn wäre ein Weichei…


    In diesen vier Monaten hatten wir fast täglich WhatsApp-Kontakt und irgendwann haben wir auch wieder angefangen, uns für einen Spaziergang oder einen Tee in der Stadt zu verabreden.

    Kurzer Einschub: Er wollte unter keinen Umständen, dass ich zu ihm nach Hause komme. Diejenigen, die schon länger mitlesen, wissen, dass er seit Sommer 25 im Haus meiner ehemalig besten Freundin wohnt und sie jetzt seine Vermieterin ist. Die Freundschaft zu ihr ging brutal in die Brüche, als sie angefangen hat, die Beziehung zwischen xy und mir zu beeinflussen. Nun hasst sie mich abgrundtief und lässt xy gegenüber kein gutes Haar an mir. Das hat dazu geführt, dass er Angst hat, mich in seine Wohnung - die in dem Haus ist, in dem sie auch lebt, einzuladen. Bei mir zuhause wollte ich ihn aufgrund meines Teenagers auch nicht haben.


    Allein diese Konstellation sagt schon viel.


    xy hat in den letzten Monaten mehr und mehr entdeckt, wie extrem zwanghaft meine ehemalige Freundin ist und hat den Kontakt zu ihr eingestellt bis auf Hallo und Klärung von Dingen, die die Wohnung betreffen.


    Wir hatten eine Weile eine gute Zeit. Er war regelmäßig bei seinem Therapeuten, obwohl er eine Stunde Fahrtzeit mit dem Zug hat und hat regelmäßig davon erzählt.

    Ich war ganz guter Dinge.


    Dann kam Weihnachten und Silvester. Seit ich xy kenne, ist er über diese Zeit immer extrem abgestürzt und die Sauforgie war schlimmer als die sonstigen Sauforgien. Diesmal wollte er 14 Tage bei der Familie im Ausland verbringen. Ich war hin und hergerissen. Einerseits habe ich gehofft, dass ihn das vor dem Totalabsturz in dieser Zeit bewahrt, denn vor der Familie muss der Schein gewahrt werden. Andererseits ist seine Familie der Ursprung seiner Traumata und der Entwicklung seiner Persönlichkeitsstörung. 14 Tage am Stück in diesem Umfeld - das konnte ihm nicht gut tun. Zumal dort wie gesagt täglich Alkohol konsumiert wird und xy nicht nein sagen kann vor der Familie.

    Es kam wie befürchtet. In den ersten Tagen hatten wir noch netten WhatsApp Kontakt. Dann kam auf eine meiner Nachrichten plötzlich eine abwertende Rückmeldung. Da wusste ich schon, dass er emotional dysreguliert ist. Ich habe mich daraufhin rar gemacht und Bilder von der Familie etc nur noch mit Daumen hoch gelikt. In der Silvesternacht kamen dann Textnachrichten der Art, wie sie nur kommen, wenn er betrunken ist. Endlose Nachrichten, die im Sekundentakt wechseln zwischen Lovebombing und Abwertung. Ich habe nicht geantwortet. Mitten in der Nacht noch drei Anrufe. Ich bin nicht drangegangen. Er hat mich in dreieinhalb Jahren Beziehung NUR angerufen, wenn er betrunken war. Es gab kein einziges Telefonat im nüchternen Zustand. Ich bin nicht drangegangen.


    Am nächsten Tag kam eine halbwegs nüchterne Gutes Neues Jahr Nachricht, auf die ich nur „Dir auch“ geantwortet. Am Abend kamen wieder wirre Nachrichten und die Frage wie es mir ginge. Darauf habe ich mit „nachdenklich“ geantwortet.


    Am Tag darauf kam er zurück nach D und das Ganze ist eskaliert, als er nachgefragt hat, warum ich nicht zurückgerufen habe. Ich habe ihm erklärt, dass ich keinen Kontakt will, wenn er in diesem Zustand ist in dem er in der Silvesternacht war und dass ich erst sicher sein muss, dass dieser Zustand vorüber ist. Es folgte, was nach 14 Tagen Elternhaus folgen musste: Vorwürfe, dass er im Heimatland „Krisen“ gehabt hätte und ich nicht da war. Dass ich nicht nach seiner Familie gefragt hätte und dann nur noch wüste Anschuldigungen und Schuldumkehr und die Ansage, dass die Beziehung beendet wäre. ER hätte alles versucht, ICH wäre nicht mit ihm in Verbindung getreten.

    Ich habe ihn einmal freundlich darauf hingewiesen, dass das alte Muster wäre und jetzt eine Chance auf Änderung da wäre. Aber nein. Die Beziehung ist beendet und seine Vermieterin hätte in manchen Dingen in Bezug auf mich doch recht gehabt.


    Ich weiß, was jetzt kommen wird. Vielleicht hält er noch ein paar Tage durch, aber dann wird er wieder abstürzen und die nächsten Wochen trinken bis zur Besinnungslosigkeit. Sein einziger Weg, um die Zeit im Elternhaus und die Tatsache, dass ich nicht zur Emotionsregulierung zur Verfügung stand, zu „verarbeiten“.


    Sein Satz, dass seine Vermieterin doch recht hatte in Bezug auf mich, lässt befürchten, dass er den Kontakt wieder aufnimmt zu ihr und mit ihr trianguliert.


    Wie geht es mir? Ich bin traurig. Es hat mich nicht völlig umgehauen so wie früher. Es ist immer das gleiche Muster. Aber traurig bin ich trotzdem, weil da einfach gar nichts zu machen ist.

    Liebe Foxi,

    ich lese hier regelmäßig mit, habe aber selbst gerade so viel in meinem Leben, dass ich wenig schreibe.

    Deine letzten Nachrichten hier - und auch die der anderen - haben mich sehr berührt. Wahrscheinlich, weil ich das Thema gut von mir selbst kenne: Dieses Gefühl, dass immer noch was oben drauf kommt und man das nicht mehr tragen kann - gleichzeitig aber auch die Realität aus den Augen verliert.


    Ich kann Dir den folgenden Text schreiben, weil ich selbst schon durch solche Phasen gegangen bin und weiß, wie es sich anfühlt - nicht, weil ich eine große Heldin im Umsetzen des Ganzen bin. 😉


    Wo fange ich an? Vielleicht damit, dass Verlust in unserer Gesellschaft grundsätzlich ein schwieriges Thema ist. Wir werden damit groß, dass wir lernen, dass wir alles irgendwie halten, „retten“, anhäufen müssen. Alles wird hundert mal abgesichert. Materielles und Beziehungen. Menschen ( und Tiere ) dürfen im Alter nicht gehen, sondern müssen zwanghaft so lange wie möglich am Leben erhalten werden etc.
    Das führt dazu, dass Abschiede für uns kaum zu ertragen sind. Egal, ob es das Loslassen eines Kindes, eines Elternteils, eines Partners, eines Tieres etc. ist - manchmal nicht mal durch Tod, sondern durch die Tatsache, dass die entsprechende Person eigene Wege gehen will, die wir nicht gut finden. Es geht da oft darum, dass wir dazu neigen, Fremdverantwortung zu übernehmen - vielleicht, weil das leichter, als bei uns selbst hinzuschauen.


    Eine Traumatherapeutin hat mir mal ein Bild gezeichnet. Ein buntes Mosaik aus herrlichen unterschiedlichen Farben. Jede Farbe stand für etwas in meinem Leben. Manche Farben haben geleuchtet. Andere waren grau, schwarz, düster… Sie hat mir gesagt: „hiiumaa, es fällt oft sehr schwer, aber Übung hilft mit der Zeit: Wenn eins Deiner leuchtenden Mosaiksteinchen im Leben sich dunkel verfärbt, decke eine Decke darüber. Sag Dir und dem Steinchen: Okay, ich sehe, hier ist gerade ( oder nie mehr ) etwas zu machen. Ich und mein Leben bestehen aber noch aus vielen anderen leuchtenden Steinen, und ich wende mich diesen jetzt zu. Alles andere ist nicht in meiner Hand.“


    Foxi, ich betone noch einmal: All das hat mich Jahre an Therapie gekostet. Inzwischen kann mein Verstand das sehr gut erfassen und verstehen. An der Umsetzung hapert es oft genug noch gewaltig. Aber es ist tatsächlich so: Üben hilft, auch wenn es oft genug verdammt schwer ist.

    Ich wünsche Dir viel Kraft auf Deinem Weg und alles Liebe, hiiumaa