Beiträge von Mattie

    Danke für deine Geschichte, Stromer. Sie macht Mut, weiterzumachen und stark zu bleiben.

    So habe ich es geschafft, seit nun ca. 2,5 Jahren ein glückliches und absolut zufriedenes Leben zu leben. Mir ist aber bewusst, daß ich mein Leben lang wachsam bleiben muss und nicht leichtsinnig werden darf. Ich befasse mich täglich mit meiner Erkrankung und vergesse nie, das das erste Glas Bier nur eine Armlänge entfernt ist.

    Dafür hast du meinen vollen Respekt und meine Achtung! Ich mit meinen jämmerlichen vierzehn Tagen dagegen - ich wünschte, die Zeit würde schneller vergehen und ich könnte auch schon sagen, ein Jahr trocken oder so :)

    Deinen Worten entnehme ich, dass Du keinen wirklichen Tiefpunkt empfunden hast, um mit dem Trinken aufzuhören?

    Nicht in dem Sinne, wie ich es weiter oben geschrieben habe, also auf Leben und Tod etc. Sondern tatsächlich so, wie Rene es schreibt: Der tiefgreifende Gedanke - so will ich nicht mehr leben.

    Viele Grüße

    Mattie

    Was ist für Dich oder Deiner Meinung nach der tiefste Punkt?

    Tja, gute Frage. Der tiefste Punkt ist vermutlich für jeden ein individueller. Für mich wäre er erreicht, wenn ich durch alkoholisiertes Verhalten anderen erheblichen Schaden zufüge, wenn es um Leben und Tod geht, wenn ich meinen sozialen Status verliere, wenn sich meine Familie von mir abwendet. Dies nur mal so spontan aus dem Bauch heraus. Da fiele mir sicher noch einiges mehr ein.

    Und was ist für dich der tiefste Punkt?

    Zunächst zählst Du, nicht Dein Partner. Es ist Dein Weg. Dein Partner hat seinen eigenen Weg.

    Weiterhin stell Dir mal die Frage, was Du mit dem Alkohol zu Hause machen möchtest. Sammeln, trinken,anschauen? Meine klare Meinung: Hau weg die Scheiße!

    Klar, aber es gibt natürlich Berührungspunkte, die man diskutieren muss. Wir wollen beide auch für den anderen das Beste. Aber die Whiskyfrage hat sich ja schon geklärt: wird verkauft und von dem Erlös gibt es feines Restaurantessen für uns.

    Das gefährliche an den Fragen ist, dass dein Suchthirn da ordentlich die Finger mit drin hat.
    Manipulationsversuche vom Feinsten. Z.B.

    Ja, das sehe ich sofort ein. Deinen Beitrag lasse ich erst einmal sacken. Da steckt viel Nützliches fürmich drin. Danke.

    Ich hoffe, dass ich im Lauf der Zeit hier auch von den Langzeittrockenen lesen werde, die aufgehört haben, Alkohol zu trinken, ohne jemals an ihrem tiefsten Punkt gewesen zu sein. Mich würde interessieren, ob die Entscheidung vor allem aus rationalen Gründen getroffen wurde, wie auch immer diese Gründe aussehen könnten. Ich freue mich, mich weiter durch das Forum zu arbeiten. Die Beschäftigung mit dem Thema gibt mir gerade sehr viel Kraft.

    Viele Grüße

    Mattie

    Was ich wirklich schrecklich fand und finde ist das Gefühl der Unfreiheit. Ich habe eben nicht einfach mal so ein Glas (oder eine Flasche) getrunken, sondern ich hab’s ohne nicht mehr ausgehalten, und das alleine ist für mich schon Grund genug, mein Suchtmittel nie mehr in mein Leben zu lassen.
    Das dann nach außen zu vertuschen und die damit einhergehende Scham und das kaum noch vorhandene Selbstwertgefühl .. das kam dann noch dazu.

    Es kommt ja nicht drauf an, wie‘s nach außen wirkt, dein (mein) Trinkverhalten, sondern wie es sich innen drin anfühlt. Mir ist klar, dass ich so nicht mehr leben will, und das zu meiner höchsten Priorität mache. Damit ist meine Chance, trocken zu bleiben, genauso groß wie die einer jeden, die es sich ebenfalls zur obersten Priorität gemacht hat.


    Ja, diese Unfreiheit. Ich weiß genau, was du meinst. Es gab für mich keine einzelnen Tage ohne Alkohol. Entweder Trinkpause oder Weitertrinken, aber einfach so mal für einen Tag nichts trinken - das wäre mich nicht eingefallen. Zur Unfreiheit zähle ich auch diesen ständigen Beschaffungszwang: Obwohl noch Brot, Milch, Gemüse zu Hause sind, einkaufen müssen, weil der Alk zuneige geht. Und die Entsorgung der Flaschen! Wenn man es mal nicht rechtzeitig geschafft hat und der Besuch durch Zufall einen Blick auf die Flaschensammlung bekommt ...

    Du hast ganz recht: es geht darum, wie es sich innen anfühlt. Ich will nie wieder so leben.

    Zum Thema Trinkpause: Ich hatte ja oben geschrieben, dass ich öfter mal unterschiedlich lang pausiert habe. Die ersten Mal habe ich im Familienkreis noch verkündet, so, ich trinke jetzt keinen Alk mehr. Zuerst bisschen Bewunderung, bisschen Skepsis, und dann der Hohn und Spott, wenn ich bei der nächsten Familienfeier doch wieder das Glas Wein in der Hand hatte. Sehr unangenehm. Ich bin dann irgendwann dazu übergegangen, meine nüchternen Phase von Anfang an als "Trinkpausen" zu bezeichnen, damit die anderen keinen Grund zur Häme hatten. Dabei war es doch in den meisten Fällen meinerseits tatsächlich der Versuch, für immer aufzuhören. Hat nur nicht funktioniert. Obwohl ich nun erneut den festen Willen habe, abstinent zu bleiben, fühle ich mich durch diese Vorgeschichte irgendwie in der Schwebe. Ich trau mir selbst nicht über den Weg.

    Mich erstaunt, dass die meisten hier von dieser Anfangseuphorie sprechen. Ich war tatsächlich so dumm zu glauben, dass das nur mir so geht: dieses Hochgefühl zu Beginn der Nüchternzeit. Ich war irgendwie stolz darauf, dass mich das Aufhören so positiv stimmt, aber jetzt weiß ich, das ist offenbar eine absolut übliche Phase.

    Viele Grüße

    Mattie

    Hallo, Sinnfinder,

    ich sehe mich nicht als die bessere Alkoholikerin. Ich hatte nur bislang praktisch keinen Kontakt zu Frauen, die auf die oben beschriebene Art in den Alkoholismus gerutscht sind und aufgehört haben zu trinken, während sie noch ein funktionierendes Umfeld hatten. Allerdings kenne ich massig Frauen, die viel zu viel Wein abends trinken, die aber immer leugnen würden, Alkoholikerinnen zu sein. Der Kontakt zu diesen Frauen hilft mir nicht weiter und ist keine Unterstützung für mich.

    Viele Grüße

    Mattie

    Danke für eure Antworten! Wir haben jetzt entschiedenen, wie von R/no vorgeschlagen, die Flaschen zu verkaufen und von dem Erlös edelst essen zu gehen, freilich ohne Weinbegleitung.

    Ich habe mich nun ein bisschen im Forum umgesehen und mitgelesen. Es ist sehr interessant, wie viele verschiedene Charaktere und Suchtgeschichten man hier findet. Ich freue mich auf Diskussionen mit allen, aber besonders schaue ich nach Frauen, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich: am Ende der Lebensarbeitszeit mit jahrzehntelangem abendlichen Weintrinken zum Runterkommen nach dem Job, ein gesellschaftlich anerkanntes Ritual, das schleichend aus dem Ruder gelaufen ist. Wo es also nicht mehr heißt: Ich WILL jetzt meinen Wein trinken, sondern: Ich MUSS jetzt meinen Wein haben. Ich staune immer wieder, wie weit verbreitet das abendliche Weintrinken ist. Es gibt praktisch keinen Fernsehfilm, in dem die Protagonisten am Abend nicht die Weinflasche öffnen, während sie auf der Kücheninsel Gemüse schnibbeln oder sich aufs Sofa lümmeln. Es ist so weit verbreitet, aber ich finde irgendwie selten diese Frauen, denen es wie mir geht. Ich war bislang in zwei realen SHG, eine davon eine reine Frauengruppe, aber auch da waren nur die Alkoholikerinnen, die irgendwann einmal ganz unten waren, sich selbst, Familie und Job komplett vernachlässigt haben.

    Ich lebe in einer stabilen Beziehung, habe zwei erwachsene Kinder und einen Job, der mir meistens Spaß macht und mich erfüllt. Ich habe diesen lebensgefährlichen Alkoholkonsum, aber ein Teil meines Verstandes meldet, macht doch nichts, ist doch sonst alles gut. So schlimm wie anderen wird es dir nie ergehen. Ein anderer Teil sagt, und wenn du so weitermachst, bist du schon bald tot, weil dein Körper die Mengen an Wein und Bier nicht mehr verkraften kann. Ich will nicht sterben, ich will in ein paar Jahren meine Enkelkinder noch genießen. Meine nicht hilfreichen Gedanken dazu: Aber würde ich wirklich sterben, wenn ich so weitermachen würde wie jetzt? Gibt es nicht genug Beispiele in meinem Umfeld von mopsfidelen alten Leutchen, die ihr Leben lang ihre Flasche Wein am Abend getrunken haben? Kernpunkt für mich also: Muss ich erst an meinem tiefsten Punkt sein, um eine Chance zu haben, dauerhaft abstinent zu bleiben? Kann ich es aus meiner (noch) recht komfortablen und gesellschaftlich (relativ) unauffälligen Situation heraus überhaupt schaffen, dauerhaft nüchtern zu bleiben?

    Danke euch fürs 'Zuhören'. Es tut gut, das einfach mal so auszuformulieren.

    Viele Grüße

    Mattie

    Wie sieht es bei dir mit einem alkoholfreien Zuhause aus?

    Hallo Nayouk,

    tja, das ist aktuell ein Thema für mich, deswegen antworte ich gleich.

    Ich lebe mit einem Partner zusammen, mit dem ich glücklicherweise voll auf einer Linie liege, was Alkoholkonsum angeht. Er trinkt auch zu viel (Bier & Whisky), wenn er trinkt, und er ist immer sofort dabei, wenn ich anfrage, ob wir mal wieder aufhören sollen. Wir sind also aktuell beide seit vierzehn Tagen ohne Alkohol.

    Der Unterschied zwischen meinem Partner und mir: Er ist einen Tacken stärker als ich. Ihm macht es nichts aus, wenn Alkohol im Haus ist. Er trinkt trotzdem nicht, wenn er sich das so vorgenommen hat. Ich hingegen muss jedes Mal, wenn ich mal wieder versuche, abstinent zu werden, sämtlichen für mich gefährlichen Alkohol (Bier & Wein)entfernen. Fast ein Ritual, dass ich dann den (nicht allzu teuren) Wein in den Abfluss kippe.

    Nun hatte mein Partner im vergangenen Monat Geburtstag und von Freunden & Familie, die seine Vorliebe kennen, drei sehr teure und mit liebevollen Glückwünschen versehene Whiskyflaschen bekommen. Die stehen bei uns rum. Whisky triggert mich nicht stark, bei mir sind es, wie gesagt, Wein & Bier, aber dennoch macht es mir ein mulmiges Gefühl, dass diese drei Flaschen da stehen, und zwar für die Fälle, wenn ich mal eine Nacht nicht schlafen kann und um halb drei Uhr morgens daran denken sollte, wie einfach es wäre, sich mit dem Whisky schläfrig zu machen ...

    Ich kann doch von meinem Mann nicht verlangen, das teure Zeug wegzuschütten oder weiter zu verschenken, man hat das mit Bedacht für ihn ausgesucht. Ihr werdet sagen, doch, kannst du. Aber dennoch finde ich das schwierig.

    Viele Grüße

    Mattie

    Hallo,

    ich habe dieses Forum gerade gefunden und will nun etwas über meine Situation schreiben. Ich bin sechzig Jahre und trinke seit meinem 20. Lebensjahr. In den letzten Jahren lag mein Konsum ziemlich konstant täglich bei zwei Bier am Nachmittag und einer Flasche Wein am Abend. Ich weiß, dass dies Hochkonsum ist und ich Alkoholikerin bin.

    Ich hatte in den letzten vierzig Jahren mehrere "Trinkpausen", die längste davon elf Jahre, mit Beginn meiner Schwangerschaft und während der Erziehungszeit meines Kindes. Ich höre immer mal wieder auf, mal für ein halbes Jahr oder drei Monate, mal für zwei Wochen. Jedes Mal geht es mir dann hervorragend, ich genieße die Zeit, aber dann bricht es wieder ein und ich fahre los und hole mir eine Flasche Wein für den Abend und hänge wieder drin. Deutlichstes Zeichen dafür, dass ich Alkoholikerin bin, ist für mich die Tatsache, dass ich nicht aufhören kann, wenn ich einmal angefangen habe. Schlusspunkt der täglichen Trinkerei ist für mich, ins Bett zu fallen und sofort einzuschlafen. Ich habe keine größeren Aussetzer in Gesellschaft anderer, da schaffe ich es, den Konsum mit Wasser zu strecken. Den fehlenden Rest trinke ich dann, wenn ich wieder allein zu Hause bin.

    Jetzt fange ich an zu schreiben und könnte ewig weitermachen :) Aber man soll sich ja kurz halten in dieser Vorstellung, also halte ich mich erst einmal zurück.

    Mein Hausarzt ist über mein Trinkverhalten informiert. Mein Blut wird regelmäßig kontrolliert, da ich an einer weithin verbreiteten chronischen Erkrankung leide. Leberwerte schwanken, je nachdem, ob ich gerade Trinkpause habe oder nicht.

    Ich möchte dauerhaft abstinent leben. Der größte Hinderungsgrund dabei ist: sobald während der Abstinenz der Saufdruck aufkommt, blinkt in meinem Kopf DU KANNST JA JEDERZEIT WIEDER AUFHÖREN auf. Und dann ziehe ich los und besorge mir die nächste Flasche Wein.

    Aktuell trinke ich seit vierzehn Tagen nicht.

    So sieht's aus. Ich freue mich, hier gelandet zu sein, und auf einen freundlichen, unterstützenden Austausch.

    Viele Grüße von

    Mattie