Mattie - Abstinent bleiben

  • Gerade weil es außerhalb manchmal weichgespült zugeht… gefällt mir als Co dieser strikte Kurs und die dazu passenden Spielregeln… die mir persönlich auch helfen, meinen Weichspülkurs zu hinterfragen…

    Danke für deinen Post.

    Es ist ja oft so, dass bei einem Beitrag wie "Ach, das wird schon, mach du mal, wie du denkst" meist die Herzchen und die Zustimmung von neuen Usern kommen, die darauf anspringen.

    Diese wundern sich dann, wenn sie rückfällig werden, weil sie das Ausmaß gar nicht in ihrem "nassen" Kopf erkennen können. Aber das macht nichts, dann müssen eben einige ein paar Runden schwimmen, wiederkommen oder eben beim saufen untergehen.

    Aber nun lassen wir diejenigen, die glauben, sie wüssten, wo es langgeht, den Thread wieder. Es ist ja nichts Neues, es ist Alltag hier.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Eine gewisse Ernsthaftigkeit sollte schon dahinterstecken.

    Du unterstellst jedem, der es nicht nach den Regeln dieses Forums machen will, kann, was auch immer, dass er seine Abstinenzversuche nicht ernst meint.

    Und das juckt mich persönlich, weil mir in den ersten Jahren in allen Gruppenformen jemand gesagt hat, dass ich es nicht ernst meinte.
    Und jede hatte ihr Patentrezept, und keine Gruppe mochte die Anderen.
    Man konnte überall was Anderes falsch machen?(
    Ich habs ernst gemeint, so lange sogar, bis mir keiner mehr was erzählen konnte.

    Regeln sind schon Ok, hier kommt nur rein wer, aber allen Anderen zu unterstellen, dass sie so, wie sie es machen, nicht trocken werden, ist ganz einfach sachlich falsch.
    Die größte Gemeinsamkeit, die ich bei denen erkenne, die es schaffen, ist "Dranbleiben" und sich interessiert damit auseinandersetzen und vom Trockenheitsentschluss überzeugt sein. Und dann an die eigene Selbstwirksamkeit glauben..
    Aber ich kenne auch nur diejenigen, die mir über den Weg geaufen sind, bin da auch nicht schlauer.
    Ich weiss nur, hellsehen kann ich nicht.

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

    Aber das Gras wächst.
    Sei sparsam mit dem Düngen:mrgreen:

  • Danke für den Beitrag Lebenskünstler. Empfinde das tatsächlich aktuell ähnlich, und das ist in meiner reealen SHG so garnicht der Fall. Ich empfinde das tatsächlich fast schon "dogmatisch" (benutze hier bewusst einen religiösen Ausdruck, weil ich ihn ob der Agrebi passend finde).

  • Gerade weil es außerhalb manchmal weichgespült zugeht… gefällt mir als Co dieser strikte Kurs und die dazu passenden Spielregeln… die mir persönlich auch helfen, meinen Weichspülkurs zu hinterfragen…

    Ich freue mich, dass du dich als Co in meinem Faden meldest Simsalabim

    Mich stört es ein wenig, wenn mein "Fall" nun der Anlass sein soll, ob man sich hier "weichgespült" oder "mit harten Fakten" auseinandersetzt. Selbstverständlich ist es hilfreich, wenn ein authentischer Erfahrungsaustausch stattfindet! Ich bin selbst ein offener Mensch und freue mich, auf Gleichgesinnte zu treffen, die nicht um den heißen Brei herumreden. Wenn man durch meinen Thread scrollt, kann man auch lesen, dass ich mir bereits eine Menge Hilfe von Langzeittrockenen, die ihren Weg verfolgen, geholt habe. So sehe ich es auch bei anderen Usern, die alle mit den strikten Regeln dieses Forums konform gehen und vermutlich hoffen, weiterhin Unterstützung zu finden. Ich kann allerdings weder im Reallife noch im Netz mit Zynismus, Herabwürdigung oder Selbstherrlichkeit umgehen und verlasse dann den Raum. Das heißt nicht, dass ich nicht für jeden Post dankbar bin, der mich auch einmal auf die unangenehme Art wachrüttelt, solange es meiner Abstinenz dient.

    Liebe Grüße

    Mattie

  • Diese wundern sich dann, wenn sie rückfällig werden, weil sie das Ausmaß gar nicht in ihrem "nassen" Kopf erkennen können. Aber das macht nichts, dann müssen eben einige ein paar Runden schwimmen, wiederkommen oder eben beim saufen untergehen.

    Aber nun lassen wir diejenigen, die glauben, sie wüssten, wo es langgeht, den Thread wieder. Es ist ja nichts Neues, es ist Alltag hier.

    Dogmatisch.

    Ob der Wortwahl fällt mir nur ein: ein gebissener Hund bellt....

  • Du unterstellst jedem, der es nicht nach den Regeln dieses Forums machen will, kann, was auch immer, dass er seine Abstinenzversuche nicht ernst meint.

    Nein, das ist Unsinn. Aber es überrascht mich nicht, dass du es so für dich interpretiert hast. Du bist eben einen anderen Weg gegangen, doch hier ist es unser Weg.

    Bei der Ernsthaftigkeit geht es zunächst um das "Eintrittsticket" für das Forum, das wir besprochen haben. Es richtet sich an bekennende Alkoholiker, die den Wunsch nach lebenslanger Abstinenz haben.

    Und es gibt einen Unterschied zwischen dem Absprechen von Ernsthaftigkeit und dem Infragestellen dieser. Einfach beim Kontext bleiben.

    Und wem es hier nicht passt, wer sich nicht identifizieren kann oder denkt, er ist in seinem Austausch behindert, weil die Grundbausteine immer wieder angesprochen werden, ist eventuell auch verkehrt. Es wurde bisher niemand gezwungen, unseren Weg anzunehmen, aber dieser ist zu respektieren. Jeder kann sich austauschen wie er möchte

    Also unnötige Stimmung jetzt zu machen, braucht es nicht.

    Und damit bitte ich, die Diskussion über unseren Weg und das Programm des Forums hier zu beenden.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Warum ich in den letzten Jahren nicht dauerhaft abstinent wurde, ist mir ziemlich klar: Ich habe allen Leuten meine Abstinenz als Trinkpause verkauft, und als dann das erste Mal richtig großer Saufdruck kam, war ich machtlos, weil ich mir den Ausweg ja sozusagen selbst schon parat gelegt hatte.

    Dieser Satz fiel mir gestern auf.

    Es mag eine Erklärung für Dich sein. Ist die vollständig?
    Das Dahinterliegende, d.h. die innerliche Verfasstheit mit offen gelassen Ausweg ist sehr einleuchtend.

    Aber ist das Outing tatsächlich die Absicherung bzw. ein abgeschwächtes ein Mitgrund?

    Ich bin schon in früheren Jahren bei engen Freunden und Familie offen mit dem Thema meiner Alkoholmenge/Trinkverhalten umgegangen und tue dies auch jetzt. Dabei bemerk(t)e ich aber immer wieder, dass die allerwenigsten sich tiefer mit Alkoholismus auskennen/tieferes Verständnis dafür haben. Typische Entgegnungen: Du doch nicht. So schlimm war das doch gar nicht bei Dir, etc. Es mag manchmal auch eigenes Schutzverhalten wg. eigenem Konsum dahinterstehen, d.h. kein böser Wille, eher Unkenntnis, fehlende Empathie oder schlicht Nichtakzeptanz eigener Trinkgewohnheiten + Überstülpen des eigenen Maßstabs auf andere zwecks "Selbstschutz".

    Wäre es für mich ein Gesichtsverlust, wieder in so einer Runde zu trinken?
    Dieses "eine kleine Gläschen, welches bereits das Loch in meine Festungsmauer schlägt, fällt im "Gewusel" doch kaum auf. Und wenn, wäre mein Mund beredt genug, die passende Begründung zu liefern. Von heimlich Trinken will ich gar nicht reden, das war auch nicht mein Ding.

    Würde mir dabei jemand in dem Moment hilfreich in den Arm fallen, um es verhindern? Die meisten Menschen sind höflich zurückhaltend, dezent oder auch weniger interessiert als sie tun. Außerdem würde ich, wenn ich es will, mir nicht vorschreiben lassen, was ich zu tun habe. Und der Prozess der aufgestauten Willensbildung dazu lief schon viel früher in meinem Kopf ab.

    Bei der Absicherung meiner Abstinenz verlasse ich mich exakt auf einen Menschen: ausschließlich auf mich selbst.

    Natürlich ist das durchdachte/abgewogene Outing bei den mir wichtigen privaten Menschen eine kleine Stütze. Ebenso wie unser Forum. Aber am Ende muss meine Abstinenz jederzeit auch ohne jede fremde Hilfe/Hilfsmittel stabil funktionieren.

  • Warum ich in den letzten Jahren nicht dauerhaft abstinent wurde, ist mir ziemlich klar: Ich habe allen Leuten meine Abstinenz als Trinkpause verkauft, und als dann das erste Mal richtig großer Saufdruck kam, war ich machtlos, weil ich mir den Ausweg ja sozusagen selbst schon parat gelegt hatte.

    Ich nehme deinen Satzt auch mal auf, Mattie und da ist sicher was dran und....

    Bei der Absicherung meiner Abstinenz verlasse ich mich exakt auf einen Menschen: ausschließlich auf mich selbst.

    Das sehe ich auch so.

    Abstinent werden wollen, aber nach Aussen eine Trinkpause verkünden, ist ein Konstruktionsfehler.
    Damit habe ich jederzeit die Möglichkeit dem Druck nachzugeben, ein Hintertürchen eben und dieses Hintertürchen kennt das Suchthirn besser als ich und es wird mir bei der nächsten Gelegenheit die Tür weit aufmachen.
    Eine Trinkpause bedeutet, ich habe nicht akzeptiert, dass ich (als Alkoholiker) nie wieder Alkohol trinken kann.

    Am Anfang meinte ich, es akzeptiert zu haben aber war es wirklich so? Da waren zu viele Fragen im Raum? Stimmt das wirklich mit dem einen Gläschen?
    Warum kann ein Alkoholiker nicht mehr kontrolliert trinken? Kann ich mit purem Willen gegen Suchtdruck gegenhalten, wenn ich es doch will? Und kann ich mich dann nicht trotzdem frei bewegen? Das Suchthirn war hochgradig engagiert, lauter Hintertürchen, oder sogar richtige Türchen aufzubauen, durch die es über kurz oder lang zum Ziel kommen könnte. Alleine das in Frage stellen war nasses Denken.

    Kann ich mich bei so vielen Fragen auf mich verlassen, wenn es darauf ankommt? Je mehr ich dem nachgegangen bin, desto eher war die Antwort "Nein".
    Nicht jetzt, nicht in 3 Monaten, vlt. in 10 oder einem Jahr. Hier habe ich gelesen, dass ich es fühlen werde, wann ich mir den nächsten Schritt zutrauen kann.
    So war es auch und ich füge hinzu, vorausgesetzt ich habe mich vor allen Dingen mir selbst gegenüber ehrlich gemacht und mich mit meiner Sucht intensiv auseinandergesetzt.

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          - abstinent seit 6.01.2024 -

  • Bei meinen Trinkpausen war mir selbst immer klar, dass es Trinkpausen waren.

    Mit den Trinkpausen habe ich angefangen, weil mich meine Frau irgendwann mal unter Druck setzte, ob ich nicht wenigstens mal einen Tag nichts trinken könnte, bis dahin habe ich jahrelang täglich getrunken. Ich sah in meinem täglichen Trinken überhaupt kein Problem, so lange ich nicht täglich sturzbetrunken war, und das war ich zu dem Zeitpunkt nicht.

    Ganz aufhören kam für mich überhaupt nicht in Frage, ich habe dafür viel zu gerne getrunken.

    Was ich wollte, war trinken, ohne dass es Folgen hatte. Das war dann auch der Sinn dieser Trinkpausen, Schadensbegrenzung. Ich hatte auch die Überzeugung, dass ich mit genügend Trinkpausen die Sauferei unter Kontrolle kriege, ich habe mich nicht als Abhängigen gesehen, der aufhören müsste.
    Und selbst wenn ich gesehen habe, dass es gesundheitsschädlich ist, war ich der Meinung, lieber ein paar Jahre früher sterben und Spaß dabei, als ein trauriges nüchternes Dasein fristen und dabei vielleicht ein paar Jahre älter werden.

    Mit der Zeit liefen eine Menge Probleme auf, weil ich vieles vernachlässigt habe, es mir auch schlecht ging, weil ich lieber getrunken habe und so weiter.
    Mit der Zeit war es kein Spaß mer zu trinken, es wurde mehr Zwang. Trotzdem hatte ich das Gefühl, wenn ich ganz aufhöre, dann habe ich überhaupt nichts mehr vom Leben.

    Also hab ich weiter versucht, mit möglichst wenig Schäden weiterzutrinken. Das hatte schon eine innere Logik bei mir.
    Und ich hatte immer große Vorfreude aufs Trinken, aber wenn ich anfing, währte die Freude wegen meiner Druckbetankung nur noch kurz, das wollte ich lange aber nicht wahr haben.

    Irgendwann kam halt der Punkt, wo ich gemerkt habe, ich höre nicht auf, bevor ich total besoffen bin, und ich kann das auch nicht mehr ändern, weil der Alkohol enthemmt und ich mit Alkohol im Blut bedeutend weniger Selbstkontrolle habe als nüchtern. Und wenn ich mal angefangen habe, geht es dahin, solange ich aber nüchtern bin, kann ich das willentlich steuern.

    Am Anfang habe ich nur eine Trinkpause verlängert, das konnte ich.
    Es war dann aber schnell was Anderes, als ich ganz aufgehört habe.
    Ich hab gemerkt, dass ich in den Trinkpausen einige Themen nur aufgeschoben hatte. Wenn ich inneren Druck hatte, dann hatte ich den nur bis zum nächsten Trinken aufgeschoben, ich bin ihn aber nie grundsätzlich angegangen.
    Und als ich aufgehört hatte, konnte ich Einiges nicht mehr betäuben und aussitzen, sondern musste grundsätzlich etwas an meinem Leben ändern.

    LG LK

    Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
    Das Gras wächst auch nicht schneller, wenn man es anschiebt.

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  • Hallo

    Für mich war ganz einfach eine Sache wichtig. " Erst wenn man versteht, dass Alkohol nichts bringt ist man frei". Wichtig ist es zu verstehen nicht einfach machen, weil man es so machen muss. Die ersten Schritte schauen bei jedem anders aus aber wenn die " Klarheit" kommt sollte man an das denken..Er bringt mir nichts außer Leid und Probleme. Hat er ja schon gemacht und von falschen Freunden trennt man sich. Leicht geschrieben aber Wahr.

  • lieber ein paar Jahre früher sterben und Spaß dabei, als ein trauriges nüchternes Dasein fristen und dabei vielleicht ein paar Jahre älter werden.

    Das sind wohl bei fast allen die Gedankengänge. Ein Leben ganz ohne, war für mich auch schwer vorstellbar. Allerdings waren viele Trinkpausen auch der Anfang vom Ende. Zumindest war es bei mir so, dass ich nach mehreren Pausen erkannt habe, ich bin wirklich abhängig und dann dauerte es noch ziemlich lange den Schritt in die Abstinenz zu gehen.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • In dem Zitat von Lebenskünstler " lieber ein paar Jahre..." steckt viel Wahrheit für unsere Sicht drin. Auch warum viele inclusive Mir das trinken ( exzessiv) begonnen haben. Ich möchte es mit drei Worten beschreiben. Innere Leere, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung auch die Scala der perfekten Sucht. Die Gründe dafür auszuschalten oder überhaupt zu finden ist super schwierig und kann auch eine Reise in seine dunkelsten Kammern sein. Trinkpausen sagt dir deine Logik,aber man hält sie nicht lang durch. Die Droge hat ja geholfen? Erst als ich meinen Rückfall mit einem befreundeten Psychologen aufgearbeitet habe wurde ich frei. Es war eine Reise zu meinen tiefsten Abgründen und Ängsten. Heilen kann man bestimmte Wunden nicht aber man kann sie reinigen und akzeptieren und nicht mehr weg sperren ( Heart Locker) eine Kammer in deiner Seele zu der du den Schlüssel weggeworfen hast. Mein Freund hat ihn gefunden und mich damit konfrontiert, das war echt grenzwertig zu erkennen was ich für Gepäck hatte. Es ist immer noch da aber viele leichter. So leicht, dass nur meine Brieftasche leichter ist.

  • Ich möchte es mit drei Worten beschreiben. Innere Leere, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung auch die Scala der perfekten Sucht.


    Ich fürchte, da gibt es noch mehr Gründe, warum mit dem Trinken begonnen wird, z.B.:

    - Langeweile [ist das nicht geradezu DER "Klassiker" schlechthin?].

    - Gesellschaftlicher Zwang / "Usance".

    - Stressbewältigung.

    - Flucht vor Konflikten.

    und und und

    Gefährlich wird es meines Dafürhaltens dann, wenn ein derartiges Trinken zur Gewohnheit wird. Da hat es mich dann erwischt. Ich griff zum Glas / zur Flasche fast schon automatisch, oftmals (ich würde fast sagen "in der Regel") bei geradezu banalen Situationen, eben weil es so üblich war, z.B. nach der Arbeit in der Garage bevor ich in die Wohnung ging. Wirklichen Grund dafür gab es nicht, ich hätte auch nichts trinken können - theoretisch, aber dennoch tat ich es...

    Das schlimme Schlüsselereignis muss somit gar nicht zwingend der Grund der Beginn der Abhängigkeit sein, denke ich mal. Wie der stete Tropfen den Stein höhlt, reichen auch kleine immer wiederkehrende Muster, Schemata und eben auch Gewohnheiten, um früher oder später in die Abhängigkeit zu geraten.

  • Wie der stete Tropfen den Stein höhlt, reichen auch kleine immer wiederkehrende Muster, Schemata und eben auch Gewohnheiten, um früher oder später in die Abhängigkeit zu geraten.

    Das war bei mir definitiv so. Alkohol war schon immer präsent, in meinem Elternhaus. Es war ganz normal täglich zu trinken.

    Aus dem Grund kann ich heute auch nicht sagen, ab wann ich genau abhängig wurde.

    Es beschäftigt mich aber auch nicht, da es ja eh egal ist. Jetzt ist es so.

    Wo ich hingehe, dort bin ich.

  • Alkohol war schon immer präsent, in meinem Elternhaus. Es war ganz normal täglich zu trinken.

    Aus dem Grund kann ich heute auch nicht sagen, ab wann ich genau abhängig wurde.

    Kenne ich von mir auch. Ich habe mal mit meinem Therapeuten versucht, den genauen Grund für mein Abgleiten zu ermitteln. Es ist uns nicht gelungen.

    Hier im Forum habe ich mehrfach gelesen: "Zu viel gesoffen und den Absprung verpasst." Das trifft es genau.

    Es beschäftigt mich aber auch nicht, da es ja eh egal ist. Jetzt ist es so.

    Dem kann ich nur beipflichten. Es ist wie es ist und genau damit komme ich klar. Es hat aber schon ein Weilchen gedauert, bis sich das bei mir gesetzt hatte.

  • Hallo zusammen,

    ich bin wieder zu Hause und melde mich zurück. Ich hatte nur Tablet und Handy dabei, und auf beiden tippe ich nur mit einem Zeigefinger. Sehr mühsam, deswegen keine Posts vor mir in den vergangenen Tagen.

    Mir geht es gerade nicht gut, ein kleiner Familienkonflikt (hat nichts mit Trinken zu tun), der mich zu Hause erwartet hat, wirft mich überraschend aus der Bahn. Ich fühle mich schutzlos und zerbrechlich. Vermutlich hätte der Alk diese Gefühle verdeckt, nun treten sie offen zu Tage. Ich hatte vor einem Jahrzehnt mal eine behandlungsbedürftige Depression, ich hoffe von ganzem Herzen, dass sie nicht zurückkehrt und es sich nur um eine vorübergehende Verstimmung handelt. In meinem Kopf scheint Watte zu sein, und mir ist zum Heulen. Vielleicht hilft das Schreiben hier.

    Die Woche im Hotel ist gut gelaufen. Ich hatte erzählt, dass ich in früheren Zeiten immer Wein mit aufs Hotelzimmer genommen habe. Diesmal hatte ich Eistee und diverse Snacks dabei und es hat gut funktioniert. Der erste Abend war gewöhnungsbedürftig, da ruckelte es noch ein bisschen, aber schon am zweiten fühlte es sich vertrauter an.

    Die schwierigsten Situationen kamen für mich überraschend: Nach der vierstündigen Hinfahrt mit dem Auto habe ich zum ersten Mal seit vielen Jahren in dieser Situation nicht nach dem ersten kühlen Bier des Tages Ausschau gehalten, sondern bin gleich zu meinen Leuten zum Kaffee. Auch nach der stressigen Rückfahrt habe ich mich nicht mit Glas Wein in den Relaxsessel gesetzt, sondern Tee gemacht. Das fühlte sich auch gewöhnungsbedürftig an, aber ich habe das hinbekommen, und von richtigem Saufdruck kann ich eigentlich nicht sprechen. Es war nur anders als sonst, eben, wie oben schon einmal erwähnt, ein "Überschreiben der Software". Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass solche Situationen mit der Zeit immer leichter zu bewältigen sein werden.

    Ich habe darüber nachgedacht, dass das größte Risiko für mich ich selbst bin. Es gibt, abgesehen von dem weiter oben beschriebenen Weißwein-Trüppchen, kaum Leute in meinem Umfeld, die mich zum Trinken zu animieren versuchen, im Gegenteil, die haben alle kaum etwas mit Alkohol zu tun. Es gab in der vergangenen Woche ein Jazzkonzert, und auf dem Hinweg kam mir der Gedanke, hui, wie blöd, du wirst dich da nicht an der Flasche Bier festhalten wie sonst, sondern Cola trinken. Das habe ich innerlich nur mit mir allein abgemacht, ich brauchte nirgendwo eine Erklärung abzugeben, denn die Leute, in deren Begleitung ich war, trinken sowieso bei solchen Anlässen nur Wasser.

    Ich bin dafür gewappnet, in den nächsten Wochen weitere innere Auseinandersetzungen zu führen und mir Strategien vorab zu überlegen. Wobei ich manches voraussehe, anderes mich überrascht. Auch darauf muss ich vorbereitet sein. Und ich hoffe sehr, dass sich die Euphorie wieder einstellt, die mich in den ersten drei Wochen getragen hat. Aber auch wenn nicht, halte ich das aus, bis es wieder besser wird.

    Als schwierig entpuppt sich für mich dieser verdammte Gedanke "Wie jetzt, wirklich für IMMER keinen Wein mehr?" Ich lese das auch in anderen Fäden, dass andere damit hadern. Mein Konzept dagegen ist jetzt, daran zu denken, was es bei diesem neuen Leben auch niemals mehr wieder geben wird: Der erste Bier schon um 14 Uhr, obwohl ich noch arbeiten muss; auf Partys der Blick auf die Weingläser der anderen, um bloß nicht mit zu schnellem Trinken aufzufallen; die Peinlichkeit, wenn um 22 Uhr jemand anruft, und ich kann kaum noch sprechen; die rot unterlaufenen Augen, die rötliche Gesichtsfarbe; die Flaschenbatterie in meinem Leergutversteck ...

    Übrigens hatte ich die leeren Flaschen bei uns im Keller für mich als Mahnmal noch stehengelassen, und das hat eigentlich auch funktioniert, weil ich immer beim Hingucken dachte, da will ich nicht mehr hin. Gestern Abend noch habe ich nun alle entsorgt, und - Schock - da war noch eine volle Flasche Rotwein dabei!!! Mir ist das Herz in die Hose gerutscht, aber es war dann doch relativ einfach, den Inhalt mit zugehaltener Nase ins Waschbecken zu kippen.

    Mein Fazit also der vergangenen Woche: Saufdruck blieb aus, aber die Umgewöhnung läuft nicht geschmeidig, sondern ruckelnd. So wie es jetzt ist, ist es auszuhalten. Und ich hoffe, meine Stimmung verbessert sich bald. Das Lesen im Forum hat mir in den letzten Tagen Unterstützung bedeutet, und das heutige Schreiben tut mir auch gut.

    Bis bald und viele Grüße

    Mattie

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