Nach meiner LZT Mitte der 90er war ich 19 Jahre trocken, ca 18,5 Jahre stabil. Dann der Rückfall im Kopf, den ich damals zwar teilweise wahrnahm, aber nicht ernsthaft wahrhaben wollte. Das war mein erster Fehler. Ich kam mit bestimmten Gefühlen nicht zurecht. Trennung aus einer wunderbaren Beziehung, die von mir ausging, weil ich mit einer Sache dieser Beziehung nicht zurecht kam (hatte nichts mit Alkohol zu tun). Sorgen um meinen Sohn und den Enkel (auch nichts mit Alkohol). Sehr unangenehme Gefühle ballten sich in mir, Traurigkeit, Hilflosigkeit, viele Versuche zu helfen, die nur teilweise gelangen, Verzweilfung. Auch Wut. Auf Menschen die ich mag und liebe, und diese Wut hab ich unterdrückt, weil etwas in mir sich schämte, auf Menschen, die ich liebe, wütend zu sein. Scham also auch, und Wut auf mich. Zu meiner Hausärztin bin ich, hatte das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden ---> auch kein schönes Gefühl, fühlte mich abgelehnt.
Ansonsten habe ich mich niemandem anvertraut. SHG hatte ich nicht. Ging ja all die Jahre auch so und das gut, trotz zeitenweise sehr schwierigen Phasen und schlimmen Erlebnissen. Hatte nie Alkohol zuhause und Familie und Freunde tranken in meiner Gegenwart nie. Es ging sehr lange gut, vielleicht habe ich mich auch zu sicher gefühlt.
War damals öfter im Ausland im Urlaub bei einer Bekannten, die mir schon öfters Wein vom Weingut ihrer Eltern anbot. Hab immer abgelehnt, auch darüber nachgedacht ihr zu erzählen warum ich ablehne, dies aber nicht getan. Nächster großer Fehler. Obwohl ich fast immer sehr offen mit meiner Alkohlkrankheit umging, in dem Fall tat ich es nicht, vielleicht war der Rückfall im Kopf da schon passiert.
Dann war ich also wieder bei ihr, es wohnten dort auch auf Zeit immer wieder andere Menschen, nette, tolle Leute, wie auch meine Gastgeberin. Glaube nicht, daß da jemand ein Alkoholproblem hatte. Spielt aber auch keiner Rolle. Bin früh wie immer aus dem Haus und kam am Abend zurück. Die Menschen dort haben entdeckt, daß ich an dem Tag Geburtstag hatte und eine kleine Überraschungsparty veranstaltet, mit gutem Essen und natürlich Wein. Meine Gastgeberin bot mir an, ich nahm ein Glas. Das wars. Hab mir am nächsten Tag Wein im Supermarkt gekauft und auf meine Tagestour mitgenommen, und zuhause weitergemacht. Mein schlechtes Gewissen mir selbst und den Menschen gegenüber die mir vertrauten hab ich ignoriert und "weg gedacht" - kennt jeder, diese Gedanken: ich kann ja morgen aufhören. Konnte ich nicht mehr.
Soviel erst mal ... Grüße,
ST