Beiträge von Bibitor 66

    Hallo dorothea,

    ich möchte Dich einfach mal grüßen. Auch Deine Geschichte habe ich interessiert gelesen und bin begeistert von Deiner Stärke. Deine Küchenberichte finde ich umwerfend. Ich habe dieses Jahr auch einiges an Gemüse, Tomaten und Obst eingekocht. Zuvor ist vieles vergammelt oder ich hatte es bevor es vergammelt verschenkt. Nun erfreue ich mich an meinen schönen Einmachgläsern in der Vorratskammer. Und natürlich werden wir das auch essen. Ein gesunder Vorrat für den Winter.

    LG

    Bibi

    Tag 126

    Gedanken: Ich habe überlegt, ob ich mich bei irgendjemand für irgendwelche Ausfallerscheinungen meinerseits entschuldigen müsste. Mir ist nur eine Situation eingefallen, ich hatte in meiner Sturm und Drangzeit jemandem ins Auto gekotzt. Das ist ewig her (mindestens 30 Jahre). Ich weiß nicht mal mehr wer die Person war, die mich da nach Hause gefahren hat. Ich muss mich nur bei mir, meinem Körper und meinem Geist entschuldigen. Oft waren unsere Türzargen verengt und ich holte mir blaue Flecken am Türrahmen beim Versuch durch die Tür zu kommen. Bei meinem Mann habe ich mich unter Tränen entschuldigt. Aber auch er meinte, ich müsse mich nicht bei ihm entschuldigen. Ich hätte mit meiner Sauferei nur mir geschadet. Er sei aber froh, dass ich nun mehr im Hier und Jetzt lebe. Ich weiß inzwischen überhaupt nicht mehr was mir der Alkohol hätte geben sollen. Tatsächlich war er in meiner Jugend einfach ein Aufputschmittel um fröhlich zu sein. Die letzten Jahre war er einfach nur ein Verdrängungsmittel, damit ich mir über nichts Gedanken machen musste. Oder Schlafmittel wenn ich nicht einschlafen konnte. Positive Gefühle hat er bei mir schon lange nicht mehr ausgelöst. Auch bei meinen Kindern habe ich mich entschuldigt. Auch sie meinten, sie sind froh das ich nicht mehr trinke wegen meiner Gesundheit, aber sie hoffen das ich trotzdem so lustig und fröhlich bleibe, wie ich unter Alkohol eben auftrat. Ich brauche den Alkohol nicht mehr. Es ist in den letzten 126 Tagen so vieles besser für mich geworden. Gestern im Imbiss ist mir aufgefallen (ich hatte keine Lesebrille dabei), dass ich die Speisekarte super lesen konnte.

    Ich will mein weiteres Leben nüchtern verbringen. Natürlich läuft nicht immer alles rund, aber der Alkohol kann mir dabei nicht helfen die Situation zu verändern. Da muss ich nüchtern nach Lösungen suchen. Und das werde ich tun. Denn nur nüchtern findet man auch sinnvolle Lösungen für Probleme.

    LG

    Bibi

    Dieses ‚Es hat mir überhaupt nichts ausgemacht‘ kann sehr schnell trügerisch sein. Es mag dir in dem Moment nix ausgemacht haben, aber das Suchthirn, und das haben alle Alkoholiker, merkt sich solche Szenen mit Alkohol und kann dir das auch noch viel später um die Ohren krachen. Vielleicht sogar, wenn du die Szene schon wieder vergessen hast. Das zu wissen, hat mir geholfen mein ‚Es hat mir überhaupt nichts ausgemacht‘ immer auch kritisch und aufmerksam zu beobachten.
    Was im Moment nichts macht, kann eine Stunde später zum Rückfall führen…..oder noch später.

    Es freut mich, dass du einen so schönen Tag im Solebad hattest.

    Hallo Stern,

    ich hing gerade mal wieder an meinem Tablet und habe gesehen das Du mir geschrieben hast. Deshalb melde ich mich noch mal kurz an bevor ich zu Bett gehe. Danke für Deine Hinweise. Ich lege sehr großen Wert auf Deine/Eure Erfahrungen. Im Moment verhält sich mein Suchthirn wirklich artig. Es schweigt. Dennoch ist mir bewusst, dass es mich jederzeit herausfordern kann. Wenn es sich bemerkbar macht, werde ich alles was ich hier bis jetzt gelernt habe unternehmen, dass es zurück in seinen Schlummerschlaf geschickt wird. Ich werde dieses schlummernde Suchthirn schön im Auge behalten. Es darf mich nicht überlisten. Ich bin mir der Gefahr bewusst. Ich möchte nicht das es mich überlistet.

    LG

    Bibi

    Hängen geblieben ist es aber. Auf dem Heimweg kam der Gedanke daran noch mal auf. Das ist am Anfang absolut normal, finde ich.

    lch habe auch alles wahrgenommen, was wo konsumiert worden ist. Mit der Zeit verliert sich das von selbst.

    Außer es ist jetzt eine grölende Faschingsgruppe, oder letztens eine Straßenbahn voller bechernder Fußballfans (also die meisten).

    Es ist gut, dass Du da so auf Deine Gefühle und Gedanken achtest.

    Hallo Alex,

    ich halte es auch für normal, dass in solch einer Situation Gedanken entstehen. Zumindest am Anfang. Bin ja noch nicht lange weg von dem Gift. Aber es fühlte sich recht neutral an. Fasching ist schon viele Jahre nicht mehr mein Thema. Eigentlich war es das für mich nur als Kind. Als unsere Kinder noch klein waren, ging man natürlich mal wieder auf Faschingsumzüge der Kinder wegen. Fußball interessiert mich überhaupt nicht. Außer es ist WM und Deutschland spielt. Aber das schauen wir dann nur im Fernsehen. Gut wenn man auf die Straßenbahn angewiesen ist, kann man so einer Situation nicht entkommen. Zumindest nicht während der Fahrt. Ich kann große Menschenansammlungen nicht leiden. Erstens wegen der Geräuschkulisse und zweitens passiert da immer viel zu viel. Da bin ich sehr vorsichtig geworden. In manche Ecken würde ich mich als Frau im Dunkeln überhaupt nicht mehr alleine trauen.

    LG

    Bibi

    Hallo liebes Forum,

    Solebad war herrlich. Ich musste nur aufpassen, dass mir keine Düse auf den geimpften Arm sprudelte. Das tat ganz schön weh. Für meine LWS war es sehr wohltuend. Durch meine jahrelange sitzende Tätigkeit ist da auch nicht mehr alles i. O. Bei der halbstündigen Wassergymnastik war ich auch voll dabei. Wasser war schon immer mein Element. Nach dem Solebad waren mein Mann und ich noch im Imbiss etwas essen. Und da hatte ich dann auch gleich meine Konfrontation mit trinkenden Menschen. An unserem Nebentisch wurde Bier und Wein verzehrt. Ich habe es lediglich zur Kenntnis genommen und habe mich gleich wieder meinem Salat mit Putenstreifen zugewendet. In diesem Moment gar keine Gedanken darüber. Erst auf der Heimfahrt dachte ich noch mal kurz drüber nach. Aber das waren Gedanken wie: Zum Glück musst Du dieses Gift nicht mehr trinken. Mein Mann fragte mich etwas und ich war sofort wieder weg von diesem Gedanken. Ich behaupte, es hat mir überhaupt nichts ausgemacht.

    LG

    Bibi

    Tag 125

    Es geht mir gut.

    Gestern habe ich mal wieder ein Schrankfach ausgemistet. Da fand ich doch tatsächlich meine 2 alten Tagebücher. Ich hatte von meinem 9 LJ - Mitte 20 Tagebuch geführt. Ich hatte die letzten Jahrzehnte immer mal wieder an die Bücher gedacht, wusste aber nicht wo sie sind. Hatte den Verdacht, sie sind entweder im Keller oder ich habe sie schon weggeschmissen. Ein Buch ist komplett vollgeschrieben und das andere zur Hälfte. Ich habe nicht reingeschaut. Das würde mich viel zu viel aufwühlen. Nun weiß ich wo sie sind, halte aber vorerst mal schön meine Augen davon fern. Ich habe mit meinem Mann besprochen, dass wir diese Bücher im Sommer mal in der Feuerschale verbrennen werden. Diese Bücher möchte ich auf keinen Fall als Nachlass hinterlassen. Dies zu lesen würde keinem meiner Familie gut tun.

    Mein Mann hat diese Woche Urlaub. Wir werden demnächst in ein Solebad aufbrechen und lassen uns von den Massagedüsen mal richtig schön massieren. Dort findet heute auch Wassergymnastik statt. An dieser kann man einfach teilnehmen. Mein Mann hat dazu keine Lust, aber ich werde mitmachen.

    LG

    Bibi

    Hallo Forum,

    ich habe gerade einen Artikel (aktuell von heute) gelesen: SWR: Verbraucherzentrale warnt: Teils Alkohol in Schoko-Adventskalendern. Von 80 Adventskalendern mit Schokolade-Füllung enthalten 37 Alkohol aber nur acht Hersteller weisen darauf hin. Wer Kinder beschenken will, sollte die Zutatenliste kontrollieren.

    Das wollte ich hier nur mal noch kund tun.

    LG und schönen Abend allen

    Bibi

    Hast du es dir denn jetzt eingestanden?

    Hallo Stern,

    ja ich habe es mir nun eingestanden mit allen Konsequenzen. Das mein Umgang mit Alkohol nicht normal war, war mir schon lange klar. Aber Alkoholikerin zu sein kam mir nicht in den Sinn. Ich konnte ihn ja zu allen Zeiten einfach absetzen. Sprich für Termine die ich wahrnehmen musste oder oder oder. Aber die letzten 3 Jahre wurde der Konsum so hoch das mir klar wurde, der Alkohol kontrolliert mich und nicht ich ihn. Als ich Mitte 2024 dieses Forum fand und seitdem hoch und runter lese wurde mir klar ich bin Alkoholikerin. Es ist eine erschreckende Einsicht. Aber ohne diese Einsicht hätte ich mit Sicherheit nicht mehr viele Jahre auf meiner Lebensuhr gehabt. Aber ich möchte leben. Ich möchte gesund leben und meine Enkelkinder groß werden sehen. Meinen Mann nicht mehr traurig machen und in erster Linie mir mein Leben nicht mehr erschweren. Es ist zum Glück eine Krankheit auf die man selbst Einfluss nehmen kann. Nämlich die Sucht zu stoppen. Dafür will/darf/muss ich für den Rest meines Lebens die Finger von ihm lassen.

    LG

    Bibi

    hallo Bibitor 66

    kurzer tip, einige von diesen milchprodukten können spuren von alk enthalten, sowie zum beispiel bei kefir;)

    Puh. Noch mal Glück gehabt.

    üller-Kefir enthält keinen nennenswerten Alkohol, da er durch die Anpassung des Fermentationsprozesses und die Verwendung von speziellen Milchsäurebakterien (statt Hefepilzen) hergestellt wird. Nur bei der traditionellen Herstellung von Kefir kann durch Hefe ein kleiner Alkoholgehalt entstehen, der jedoch im industriell gefertigten üller-Kefir durch den Prozess kaum vorhanden ist.

    Trotzdem Danke. Da muss man nun ganz schön aufpassen.

    LG

    Bibi

    Hallo liebes Forum,

    das gemeinsame Frühstücken mit meinen Freundinnen war wunderschön. Ich wurde mit Komplimenten überhäuft. Ich hatte mich heute richtig aufgehübscht. In meinem Kleiderschrank fand ich beim Ausmisten zum Glück auch einige Klamotten, die mir vor der Abstinenz nicht mehr gepasst hatten. Hatte mir die Haare schön gerichtet und einen schönen Blazer angezogen. Der sich jetzt auch wieder zuknöpfen lässt. Die Freundinnen waren baff. Sie fragten sogar ob ich in einer Schönheitsfarm gewesen wäre. Das ging runter wie Öl. Nach dem Frühstück waren wir noch schön Spazieren und ich ging nach dem Treffen noch Einkaufen. Habe mich mit Ayran, Skyr, Buttermilch und Smoothies eingedeckt. Ein Freund von süßen Limonaden oder Cola war ich noch nie. Und nur Wasser, Tee und Kaffee ist auf Dauer auch nicht das Wahre.

    Mir geht es auf jeden Fall prima. Leider spüre ich die Impfung im Arm nun doch. Aber das ist normal. In einer Woche ist das auch wieder vorbei.

    LG

    Bibi

    4 Monate - Prio 1: Finger weg vom Alkohol

    Ich hatte eine recht unruhige Nacht. Mein gestriger schriftlicher Erguss, hat mich doch ganz schön aufgewühlt. Nach einem freundlichen Hinweis von oberer Stelle des Forums (Danke noch mal) ließ ich es wieder löschen. Will ja nicht, dass mir noch mehr auf die Füße fällt. Bei mir reicht es ja wirklich. Für die, die meinen ellenlangen Text gelesen haben nur soviel, sollte ich gesundheitlich wieder hergestellt werden, will ich eh dorthin zurück wo ich zuvor herkam. Nämlich in die freie Wirtschaft.

    Trotzdem war es für mich erleichternd das in Schriftform mal rauszulassen. Aber in diesem großen Forum muss man einfach vorsichtig sein. Alkis gibt es nun mal in sämtlichen gesellschaftlichen Schichten

    Heute ist wieder Frühstückstag. Ich treffe mich wieder mit meinen 2 Freundinnen. Wir gehen regelmäßig 1x im Monat zusammen frühstücken. Zum Austausch. Man sieht sich selten, da jeder mit seinem Leben und mit seinem Tun sehr beschäftigt ist. Ich für mich, komme mit dem ganzen Elend gut zurecht. Ich habe einen tollen Ehemann, tolle Kinder, tolle Enkel, tolle Freunde und ganz wichtig meine 2 geliebten Katzen.

    LG

    Bibi

    Bono59   Kazik Ja es entlastet mich tatsächlich. Das war für mich echt eine harte Zeit. Von der Psyche her, habe ich den ganzen Mist zum Glück schon weitgehend verdaut. Ich bin froh diesen Vogel nicht mehr sehen zu müssen. Das allerbeste ist meine Trocknung. Denn die gibt mir gerade am meisten Kraft. Das Leben geht weiter.

    Sicher könnt Ihr Euch vorstellen, dass durch diese ganze Situation auch mein Bierkonsum immer mehr wurde. Ein Alki weiß sich ja nicht besser zu helfen. Danke für Eure Worte.

    LG

    Bibi

    Hallo Ihr Lieben,

    Impfung hat gut geklappt. Habe heute den anderen Arm hingehalten und bis jetzt tut er noch nicht weh. Mensch wenn ich könnte, würde ich wirklich hüpfend und pfeifend durch die Gegend laufen. :) Hüpfen geht wegen der Kniee nicht und Pfeifen kann ich leider seit ca. 15 Jahren nicht mehr. Da ließ ich mir meine komplette Kauleiste oben überkronen. Aber ich saß glücklich und grinsend in meinem Auto mit schöner Musik. Empfand kein Stressgefühl bei der Parkplatzsuche und auch nicht im Wartezimmer beim Arzt. Und was mir noch auffiel, kein einziger Gedanke darüber, ich könnte was vergessen haben. Das plagte mich nämlich auch oft.

    Ich bin da und ich bleibe. Das Leben ist schöööööön.

    LG

    Bibi

    Guten Morgen Tag 8

    Heute fühle ich mich gut sowohl körperlich als auch emotional.

    Guten Morgen lieber marc01,

    na siehst Du?! Es wird wirklich von Tag zu Tag besser. Einfach nur dran bleiben, sein Ziel verfolgen und an sich glauben. Vieles was Du hier in Deinen ersten Tagen erlebt hast, war bei mir ganz genauso. Ich konnte zu Beginn auch nicht gleich Bücher lesen oder einen Film im Fernsehen verfolgen. Da war einfach zu viel anderes in meinem Oberstübchen los. Da war ich auch nicht in der Lage mich auf etwas zu fokussieren. Gehe Deinen Weg einfach weiter und Du erlebst täglich neue Aha-Erlebnisse.

    Bleibe dran.

    LG

    Bibi

    Tag 123

    Gedanken: Warum hat sich bei mir, bei den zahleichen Selbstversuchen trocken zu werden und zu bleiben, nicht dieses Gefühl des inneren Friedens eingestellt? Sehr sehr lange habe ich darüber gestern nachgedacht. Dann kam ich auf die hier oft erwähnte "Faust in der Tasche." Ich glaube zu verstehen was damit gemeint ist. Ich habe mir ja nie eingestanden, wirklich Alkoholikerin zu sein. Ich dachte tatsächlich ich hätte den Alkohol im Griff. Selbst bei meiner längsten Trockenphase (1 Jahr/Führerscheinbedingt)stellte sich dieses befreiende Gefühl nicht ein. Klar. Ich wollte nur meine Pappe wieder haben und habe mich nicht mit meiner chronischen Erkrankung auseinandergesetzt. Ich wartete nur ab das ich das Jahr überstehe und mich wieder betanken kann. Diesmal ist es anders. Wenn man nicht zu der Erkenntnis gelangt alkoholkrank zu sein, würden sämtliche eigenmächtige Trocknungsversuche mit der "Faust in der Tasche" ablaufen. Ich habe keine "Faust in der Tasche." Ich fühle mich befreit. Ich werde nicht aufhören an mir und meinem Umfeld zu arbeiten. Ich möchte nie wieder zurück in dieses stressige Leben das nur von Selbstbetrug getragen wurde.

    Heute Vormittag hole ich mir noch meine zweite Gürtelrose-Impfung ab. Ich hoffe mir tut mein Arm nicht wieder eine Woche lang weh. Die Nadel war schon verdächtig lang. Im Vergleich zu meinen kleinen Thrombose-Spritzen, die ich mir nach der OP selbst in den Bauch jagen durfte. Ein paar meiner Kollegen/innen hatten Gürtelrose. Auch jünger wie ich. Das muss sehr schmerzhaft sein. Eine hat sogar einen bleibenden Nervenschaden davon getragen. Durch deren Erfahrungen, habe ich mich mal wieder eingelesen. Ich hatte als Kind auch Windpocken. Also bin ich gefährdet. Interessant beim Einlesen war für mich, dass diese Gürtelroseimpfung wohl auch gegen Demenz vorbeugend wirkt. Na dann. 2 Fliegen mit einer Klappe.

    LG und ich hoffe es geht Euch allen gut

    Bibi