nein es löst keinen alarm aus. aber warum wartest du wenn es anfängt holperig zu werden?
dafür ist das forum da
Der Tag:
Alles fing entspannt an.
Kind in den Kindergarten gebracht, Rechner hochgefahren, ein bisschen im Forum geschrieben, parallel gearbeitet.
Erster Anruf: der Versicherungsmakler.
Den habe ich seit drei Monaten hingehalten, weil ich zum Jahresbeginn in die PKV wechseln will. Wollte mir erst Angebote einholen, mich einlesen, und er stand sowieso auf meiner To-do-Liste. Wir haben uns für 17 Uhr verabredet. Telefonisch. Dachte ich zumindest. Dazu gleich mehr.
Zweiter Anruf: Finanzamt.
Letzte Woche habe ich den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausgefüllt. Dreißig Seiten? Keine Ahnung. Gefühlt hundert. Und ehrlich gesagt habe ich 90 Prozent davon nicht verstanden. Also musste ich jeden einzelnen Punkt googeln. Für eine einfache freiberufliche Tätigkeit eigentlich völlig übertrieben.
Naja. Die Dame vom Finanzamt hatte meinen Fall auf dem Tisch und Rückfragen. Im Formular gab es die üblichen Schätzfragen: Umsatz dieses Jahr, Umsatz nächstes Jahr, Gewinn dieses Jahr, Gewinn nächstes Jahr.
Ich dachte, ich bin schlau und trage einfach überall null ein. Weil ich es tatsächlich nicht weiß. Und weil ich – ganz ehrlich – hoffte, dass ich die vierteljährlichen Vorauszahlungen erstmal umschiffe, wie es bei vielen Gründern passiert.
Pustekuchen.
Für dieses Jahr konnte ich ihr noch glaubhaft machen, dass ich nur Minus mache. Betriebskosten, Lizenzen, Versicherungen. Also hat sie 100 Euro eingetragen – weniger lässt das System nicht zu.
Aber beim nächsten Jahr hat sie mich nicht vom Haken gelassen.
Und Hand aufs Herz: Woher zur Hölle soll ich wissen, was ich im ersten Jahr verdiene?
Wenn es gut läuft, lande ich vielleicht bei 200.000 €. Wenn es schlecht läuft bei 100.000 €. Und wenn es richtig schlecht läuft, vielleicht bei zeroooo.
Es fühlte sich an wie Feilschen auf einem Basar.
Wir haben uns bei 80k Umsatz und 70k Gewinn „geeinigt“. Und ja: Das bedeutet Vorauszahlungen ab Q4 2025. Super Start.
Ich habe zwar vier bis sechs Monate Puffer. Aber Vorauszahlungen fressen mir davon locker ein bis zwei Monate weg.
Und dann kam 17 Uhr.
Es klingelt. Nicht mein Handy. Sondern meine Haustür.
Makler.
Ich mit einem Berg Bierflaschen im Flur. Konnte ihn unmöglich reinlassen. Ich improvisiert: “Ich renoviere gerade.”
Kein Café offen in der Nähe. Also ihn in die Stadt geschleppt. Unterwegs fiel mir ein Hotel ein, da gab’s mal ein Café. Natürlich zu. Also haben wir uns einfach in die Lobby gesetzt. Kennt mich ja eh keiner. Hat alles funktioniert, aber mein Stresslevel war komplett jenseits von gut und böse. Trotzdem ziemlich gut funktioniert. In Stresssituationen funktioniere ich tatsächlich am besten. Keine Ahnung warum.
Als ich wieder zuhause war und das Adrenalin runterging, kam’s:
BÄM.
Ein richtig fettes Craving.
So ein „Jetzt ein Bier und alles wäre gut“-Moment.
So ein richtiger automatischer Gedanke.
Ich habe alles in Frage gestellt. Eine Stunde lang lief mein Kopf Amok. Dann wurde es langsam besser. Ganz weggegangen ist es aber nicht.
Ich habe dann einfach weitergearbeitet: Buchhaltung, Papierkram – das ganze Zeug, das null Spaß macht und trotzdem erledigt werden muss.
Aber ich habe nicht getrunken.
Nur hatte ich weder Kraft fürs Forum noch für irgendwas anderes. War einfach durch.
Fazit des Tages:
Ich weiß jetzt ziemlich genau, was mich triggert: Stress.
Alkohol habe ich benutzt, um runterzukommen. Das ist jetzt weg.
Aber was jetzt?
Weihnachtsmarkt kann ich meiden.
Silvester kann ich meiden.
Aber den Alltag? Geht nicht.
Scheiße.