Boss, Wenn das erste Bier den Tag beendet

  • Ich habe heute mit meiner Mutter seit Wochen wieder telefoniert (wir nähern uns gerade wieder an und sie wohnt nicht mehr in meiner Nähe). Aber ich habe es nicht geschafft, ihr zu sagen, dass ich Alkoholiker bin.

    Es ist ein Krankheit. Bei Diabetis, einer Lähmung einem Schlaganfall erzählt man es ganz normal. Sehr Schade das bei dieser Krankheit so ein Geheimnis draus gemacht wird. Ist bei mir ähnlich.

    Heute trinke ich nicht

  • Hey Leute,

    mir geht es soweit sehr gut. Gestern war mein letzter Arbeitstag, und seit heute beginnt offiziell meine Selbstständigkeit. Bisher schlage ich mich vor allem mit der Bürokratie herum. Ich schätze, dass ich noch zwei bis drei Wochen brauche, bis ich überhaupt in der Lage bin, ein Projekt anzunehmen. Naja, ich habe Zeit.

    Was extrem seltsam ist: das Gefühl, nicht mehr erreichbar sein zu müssen. Ich war sonst immer erreichbar. Ich habe ständig auf mein Handy geschaut und eigentlich immer irgendetwas für das Unternehmen gemacht. Krank war ich all die Jahre nie, höchstens mal erkältet, aber das hielt mich ja nicht vom Arbeiten ab.
    Das wird jetzt jedenfalls eine ziemliche Umstellung. Aktuell ist es ruhig. Sehr ruhig. Ich kann mich noch gar nicht richtig auf diese Stille einlassen.

    Aber und das ist das Wichtigste: Ich habe keinen Suchtdruck.
    Gestern Abend kreisten zwar wieder ein paar Gedanken im Kopf:
    "Es ist doch so einfach. Wärst du ein richtiger Alki, wäre es viel härter. Irgendwann kannst du bestimmt wieder mal was trinken."

    Halt, Stopp. Wer erzählt eigentlich diesen Bullshit? Ich? Ganz bestimmt nicht.
    Wenn es so "einfach" wäre, warum kreisen dann überhaupt Gedanken über Alkohol? Warum war es dann so verdammt schwer, nach Jahren endlich mal einen Abend ohne Alkohol zu verbringen?

    Dieser kleine Pisser namens Sucht kann sich sein Gesabbel dahin schieben, wo die Sonne nicht scheint.
    Ich bleibe nüchtern. Ist eh viel geiler.

    LG

  • Guten Abend zusammen,

    zunächst wünsche ich euch allen einen schönen zweiten Advent.

    Mir geht’s heute ganz gut, auch wenn ich bis morgens um sechs an meinen Themen gearbeitet habe. Eigentlich wollte ich mit meinem Sohn in einen Freizeitpark, für den wir beide eine Dauerkarte haben. Ärgerlich, dass das nicht geklappt hat, weil ich ausschlafen musste. Für den Moment ist es aber okay, weil ich mir gerade mein Fundament für die Selbstständigkeit aufbaue. Das soll noch vor Weihnachten stehen. Danach möchte ich nämlich ein paar Tage wirklich abschalten, bevor es nächstes Jahr hoffentlich zügig mit Projekten losgeht.

    Das Thema Alkohol ist wirklich ein Phänomen. Mal habe ich absolut keine Cravings, mal nicht einmal Gedanken daran. Und dann kommt plötzlich ein Tag wie heute. Ich habe gestern viel gearbeitet und dabei wieder diesen Druck im Kiefer aufgebaut. Ich habe mich zum ersten Mal intensiv mit meinen Finanzen und den Auswirkungen der Selbstständigkeit beschäftigt. Geld ist eigentlich gar nicht mein Thema, aber das, was steuerlich auf mich zukommt, hat mich schon beschäftigt. Ich habe verstanden, dass es viele Selbstständige genau daran zerreißt.

    Und dann kommen plötzlich diese verdächtigen Gedankengänge. Eben hatte ich zum ersten Mal so richtig einen Rückfall-Gedanken. Ich habe darüber nachgedacht, wie es wohl für jemanden wäre, den ich noch nie trinken gesehen habe, wenn er „mal ein Bier“ trinkt. Das hat mich völlig aus dem Nichts getriggert und für einen kurzen Moment war da dieser Wunsch zu trinken. Zum Glück hat sofort der Verstand eingesetzt: „Hier stimmt gerade etwas nicht in deiner Birne.“

    Heute ist Tag 22. Drei Wochen. Ohne euch und ohne das tägliche Reinschauen ins Forum wäre das nicht möglich gewesen.

    Die Situation eben im Kopf war richtig, richtig mies. Deshalb mache ich heute nichts mehr. Ich starte gleich Battlefield, das ich seit Tagen nicht angerührt habe, und versuche einfach mal abzuschalten. Vielleicht hole ich mir später noch ein Gyros.

    Aber eines passiert heute ganz sicher: Ich werde nichts trinken.

    LG

    Einmal editiert, zuletzt von Boss (7. Dezember 2025 um 17:20)

  • Hallo Boss

    Wie ich vorhin schon bei jemandem schrieb, einfach mal etwas die fahrt rausnehmen und kopf abschalten. Ich kann gut nachvollziehen wie es dir geht;).aber manchmal ist weniger mehr. Auch wenn es schade um den besuch im freizeitpark ist. Aber glaube mir das dein sohn um ein vielfaches mehr stolz sein kann auf dich als du bisher annimmst, wenn du es schaffst trocken und rational dein leben in den griff zu bekommen. Der freizeitpark rennt nicht weg und er wird es verstehen. Schalte ab und zock ne runde:mrgreen: so tankst du neue kraft für kommende aufgaben;)

    Gruss eternal

  • Hallo Boss

    Wie ich vorhin schon bei jemandem schrieb, einfach mal etwas die fahrt rausnehmen und kopf abschalten. Ich kann gut nachvollziehen wie es dir geht;).aber manchmal ist weniger mehr. Auch wenn es schade um den besuch im freizeitpark ist. Aber glaube mir das dein sohn um ein vielfaches mehr stolz sein kann auf dich als du bisher annimmst, wenn du es schaffst trocken und rational dein leben in den griff zu bekommen. Der freizeitpark rennt nicht weg und er wird es verstehen. Schalte ab und zock ne runde:mrgreen: so tankst du neue kraft für kommende aufgaben;)

    Gruss eternal

    Genau so ist es. Er ist mir auch überhaupt nicht böse. Ich habe ihm erklärt, wie es ist, und er weiß ja, dass wir sowieso nochmal dorthin fahren nur eben heute nicht. Zum Glück habe ich ihn bisher noch nicht wirklich enttäuscht, deshalb vertraut er mir. Und gestört hat es ihn ohnehin nicht besonders, er konnte dafür länger Minecraft zocken... :S:S

  • Eben hatte ich zum ersten Mal so richtig einen Rückfall-Gedanken. Ich habe darüber nachgedacht, wie es wohl für jemanden wäre, den ich noch nie trinken gesehen habe, wenn er „mal ein Bier“ trinkt.

    Ich vergleiche mich nicht mehr mit Nichtsüchtigen. Das sind 2 völlig verschiedene Welten. Sie haben es im Griff- ich nicht: Wenn das erste Bier den Tag bzw. die Woche beendet!! Von daher schaue ich nur auf mich, dass ich trocken bleibe. Der Rest interessiert zum Glück nicht mehr

    Heute trinke ich nicht

  • Hatte gestern leider auch eine richtige Krise, stand dem Rückfall ziemlich nah. Naja gut, war ein gebrauchter Tag. Abhaken. Nach vorne schauen.

    Brauche definitiv auch etwas zum entspannen. Vielleicht probiere ich es auch mal mit einer Maske.

    Hi Boss,

    ich habe diese Zitat von Dir mal Bibitor 66 zu Dir geholt.

    Und hätte dazu zwei Fragen. Sprichst Du von gestern Montag oder von Sonntag? Und wenn ersteres warum schreibst Du darüber nicht in Deinem Faden?

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • Alles gut Boss. Und was es mich angeht hast Du keinen Alarm ausgelöst, ich hatte gestern keinen Saufdruck (und heute auch nicht).;)

    Mir ging es eigentlich nur darum, dass es durchaus sinnvoll ist, wenn ich Saufdruck habe oder hatte auch in meinem Faden zu schreiben.;)

    Liebe Grüße Kazik

    ------------------------------

    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

  • nein es löst keinen alarm aus. aber warum wartest du wenn es anfängt holperig zu werden?

    dafür ist das forum da;)

    Der Tag:

    Alles fing entspannt an.

    Kind in den Kindergarten gebracht, Rechner hochgefahren, ein bisschen im Forum geschrieben, parallel gearbeitet.

    Erster Anruf: der Versicherungsmakler.

    Den habe ich seit drei Monaten hingehalten, weil ich zum Jahresbeginn in die PKV wechseln will. Wollte mir erst Angebote einholen, mich einlesen, und er stand sowieso auf meiner To-do-Liste. Wir haben uns für 17 Uhr verabredet. Telefonisch. Dachte ich zumindest. Dazu gleich mehr.

    Zweiter Anruf: Finanzamt.

    Letzte Woche habe ich den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausgefüllt. Dreißig Seiten? Keine Ahnung. Gefühlt hundert. Und ehrlich gesagt habe ich 90 Prozent davon nicht verstanden. Also musste ich jeden einzelnen Punkt googeln. Für eine einfache freiberufliche Tätigkeit eigentlich völlig übertrieben.

    Naja. Die Dame vom Finanzamt hatte meinen Fall auf dem Tisch und Rückfragen. Im Formular gab es die üblichen Schätzfragen: Umsatz dieses Jahr, Umsatz nächstes Jahr, Gewinn dieses Jahr, Gewinn nächstes Jahr.

    Ich dachte, ich bin schlau und trage einfach überall null ein. Weil ich es tatsächlich nicht weiß. Und weil ich – ganz ehrlich – hoffte, dass ich die vierteljährlichen Vorauszahlungen erstmal umschiffe, wie es bei vielen Gründern passiert.

    Pustekuchen.

    Für dieses Jahr konnte ich ihr noch glaubhaft machen, dass ich nur Minus mache. Betriebskosten, Lizenzen, Versicherungen. Also hat sie 100 Euro eingetragen – weniger lässt das System nicht zu.

    Aber beim nächsten Jahr hat sie mich nicht vom Haken gelassen.

    Und Hand aufs Herz: Woher zur Hölle soll ich wissen, was ich im ersten Jahr verdiene?

    Wenn es gut läuft, lande ich vielleicht bei 200.000 €. Wenn es schlecht läuft bei 100.000 €. Und wenn es richtig schlecht läuft, vielleicht bei zeroooo.

    Es fühlte sich an wie Feilschen auf einem Basar.

    Wir haben uns bei 80k Umsatz und 70k Gewinn „geeinigt“. Und ja: Das bedeutet Vorauszahlungen ab Q4 2025. Super Start.

    Ich habe zwar vier bis sechs Monate Puffer. Aber Vorauszahlungen fressen mir davon locker ein bis zwei Monate weg.

    Und dann kam 17 Uhr.

    Es klingelt. Nicht mein Handy. Sondern meine Haustür.

    Makler.

    Ich mit einem Berg Bierflaschen im Flur. Konnte ihn unmöglich reinlassen. Ich improvisiert: “Ich renoviere gerade.”

    Kein Café offen in der Nähe. Also ihn in die Stadt geschleppt. Unterwegs fiel mir ein Hotel ein, da gab’s mal ein Café. Natürlich zu. Also haben wir uns einfach in die Lobby gesetzt. Kennt mich ja eh keiner. Hat alles funktioniert, aber mein Stresslevel war komplett jenseits von gut und böse. Trotzdem ziemlich gut funktioniert. In Stresssituationen funktioniere ich tatsächlich am besten. Keine Ahnung warum.

    Als ich wieder zuhause war und das Adrenalin runterging, kam’s:

    BÄM.

    Ein richtig fettes Craving.

    So ein „Jetzt ein Bier und alles wäre gut“-Moment.

    So ein richtiger automatischer Gedanke.

    Ich habe alles in Frage gestellt. Eine Stunde lang lief mein Kopf Amok. Dann wurde es langsam besser. Ganz weggegangen ist es aber nicht.

    Ich habe dann einfach weitergearbeitet: Buchhaltung, Papierkram – das ganze Zeug, das null Spaß macht und trotzdem erledigt werden muss.

    Aber ich habe nicht getrunken.

    Nur hatte ich weder Kraft fürs Forum noch für irgendwas anderes. War einfach durch.

    Fazit des Tages:

    Ich weiß jetzt ziemlich genau, was mich triggert: Stress.

    Alkohol habe ich benutzt, um runterzukommen. Das ist jetzt weg.

    Aber was jetzt?
    Weihnachtsmarkt kann ich meiden.
    Silvester kann ich meiden.
    Aber den Alltag? Geht nicht.
    Scheiße.

  • Hey Boss

    Zwischenzeitliche Pausen wirken Wunder.

    Sicher ist das nicht einfach, wenn Dinge erledigt werden müssen, wenn man im flow ist und einfach weitermachen will.

    Diese Aufgaben laufen nicht weg,wenn du geplant mal 30 Minuten an die Luft gehst, oder was feines ißt.

    Oder mal auf die Couch. Fühlt sich anfangs vielleicht wie Zwangspause an, fährt aber das stresslevel herunter.

    LG Bolle

    Der Weg ist das Ziel(Konfuzius)

    Seit 1.1.2014 trocken

  • eins vorweg, ich war auch mal selbsständig:roll: dass ist kein zuckerschlecken, vorallem wenn man erst in den startlöchern steht.damals hab ich aber noch gesoffen und das ganze ist mir irgentwann über den kopf gewachsen, aber sei es drum...

    das was du meines erachtens brauchst ist eine geregelte tagesstruktur, nicht einfach auf sich zukommen lassen und in den tag arbeiten/leben. weil dann sich genau das einschleicht was du beschrieben hast, "stress":idea: und dann ist der rückfall nicht weit. ich hab mir früher wenn ich abends zuhause saß dann auch gesagt, ach das war aber ein stressiger tag, überall ein häckchen gemacht war zufrieden mit mir selbst und da kann man sich ja mal einen gönnen, ja warum auch nicht 2 oder 3. das ganze führt zu nix und macht einen nur kaputt. ein beispiel, dass finanzamt<X hätte früher auch gedacht das ich es im griff hätte, ja ne pustekuchen und ich musste mir irgentwann eingestehn das ich wohl einen steuerberater brauche, weil ich ganz einfach überfordert war. was ich sagen möchte, versuche aufgaben abzugeben, es gibt leute die werden dafür bezahlt. strukturiere deinen tag, der dir auch mal pause gönnt mit festen zeiten wo du abschalten kannst. das nächste unangekündigte besuche oder termine. gibt es bei mir überhaupt nicht:idea: dafür hab ich ein terminplaner und so wie ich mich an absprachen halte und termine, haben das andere auch so zu tun. weil ansonsten bin ich schlicht und ergreifend einfach nicht da... ich hoffe du verstehst auf was ich hinaus will;)

    gruss eternal

  • Servus, mal pragmatisch gedacht. Es gehört auch dazu, etwas auszuhalten, sich dagegenzustellen und die Zeit abzuwarten, bis das Craving nachlässt. So ist es eben. Es geht vorbei, solange ich es nicht weiter füttere. Ein vorher aufgestellter Notfallplan hilft dabei. Was kann ich tun, wenn es kommt?

    Denn wenn ich nichts tue und mich zum Beispiel nicht melde, ist mein Kopf schon viel näher beim Saufen als beim Gegenhalten. Genau deshalb braucht Craving Vorbereitung.

    Ein richtig fettes Craving.

    Normal. Was soll eine Sucht denn sonst machen? Es ist ihr Job, dich in jeder Situation daran zu erinnern, „endlich mal wieder zu saufen“. Sie kann ja nicht wissen, ob du gerade mitten im stress steckst oder ob ein friedliches Ereignis ansteht. Für die Sucht zählt nur eines, ihren alten Platz zurückzuerobern. Sie flüstert dir zu „Mensch, Boss, sauf endlich wieder.“

    Alkohol habe ich benutzt, um runterzukommen. Das ist jetzt weg.

    Aber was jetzt?

    Wieder saufen. Oder doch nicht ? Das war früher die „Lösung“, die dich in die Sucht getrieben hat. Was kann ich ändern? Nicht gedanklich hin und her springen, nicht von Thread zu Thread schleichen, sondern wirklich etwas verändern. Mehr bei mir bleiben.

    Austasuch reicht nicht.

    Weihnachtsmarkt kann ich meiden.
    Silvester kann ich meiden.
    Aber den Alltag? Geht nicht.
    Scheiße.

    Alltag meiden? Unsinn. Es geht darum, nur das zu meiden, was wirklich triggert. Zwei Situationen haben das Suchtgedächtnis aktiviert, mehr nicht. Kurz anschauen, als Nebenwirkung der Sucht einordnen und abhaken. Das ist kein echter Alltag, das ist ein alter Reflex.

    Wenn ein Versicherungsmakler da ist, bekommt er Vertrauen. „Mach mal“ – alles online rüber, erledigt. Das Finanzamt kommt jedes Jahr, völlig normal. Wer selbständig ist, gibt vieles ab. Keine Kontrolle über jeden Cent mehr, alles digital über den Steuerberater. Und wenn eine Rechnung fehlt, dann fehlt sie eben. Ein paar Euro Unterschied sind nichts im Vergleich zu dem, was früher bedenkenlos versoffen wurde. Belastendes wird ausgelagert, fertig.

    Es geht darum, Lösungen zu schaffen, statt dem Suchtgedächtnis Raum zu geben, das alte „Wegsaufen“-Muster vorzuschlagen.

    Probleme verschwinden nicht im Glas. Verantwortung liegt nicht bei Maklern, Behörden oder sonst wem. Der Suchtdruck entsteht im eigenen Kopf, und dort wird er auch beantwortet: mit Struktur, Klarheit und echtem Handeln statt Ausreden.


    Das mal kurz zusammengefasst, auf den Punkt gebracht, was ich denke, was zu tun ist. Vielleicht ist auch für dich etwas dabei.

    Tun muss man tun.:whistling:

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • ich lass mal nen Link da

    Das Forenteam
    27. August 2021 um 21:40

    Über mich - Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt. – Mahatma Gandhi

  • Weihnachtsmarkt kann ich meiden.
    Silvester kann ich meiden.
    Aber den Alltag? Geht nicht.

    So empfinde ich es auch. Mein größtes Risiko bin ich selbst, nicht die gängigen Veranstaltungen, nicht saufende Freunde. Den Alltag muss ich meistern und andere Wege finden, um runterzukommen - und ja, ich bin auch selbständig mit allen Höhen und Tiefen.

    Alkohol habe ich benutzt, um runterzukommen. Das ist jetzt weg.

    Ich habe für mich Alternativen gefunden - laute Musik aufs Ohr mit den ganz dicken Kopfhörern, im Relaxsessel mit Kuscheldecke schmökern, Schwimmen, Yoga, Badewanne, aber ich bin auch immer noch offen für neue Ideen, die mir so einfallen. Eine längerdauernde Suche, aber ich denke, es lohnt sich. Und manchmal ist es tatsächlich einfach ein Durchatmen und Durchhalten. Die Stimmung verfliegt auch wieder. Wenn man das oft genug erlebt hat, weiß man, dass man sich darauf verlassen kann.

    Ich mit einem Berg Bierflaschen im Flur.

    Was hat das noch an offenbar so prominenter Stelle im Flur zu suchen? Jetzt bring das Zeug halt mal zum Container.

    Mattie

  • Hi Hartmut ,

    ich finde deinen Beitrag im Allgemeinen ziemlich gut und da sind ein paar Betrachtungsweisen drin, die ich so noch nicht hatte.

    Genau deshalb braucht Craving Vorbereitung.

    […]

    Für die Sucht zählt nur eines, ihren alten Platz zurückzuerobern. Sie flüstert dir zu „Mensch, Boss, sauf endlich wieder.“

    Wieder saufen. Oder doch nicht ?

    Genau diese Vorbereitung findet seit zwei bis drei Tagen statt. Das Rechnen bei R/ no im Faden hat etwas freigesetzt.

    Nämlich diesen Gedanken:

    Junge… die Leute hier im Forum haben zwei, drei Flaschen Wein drin. Zehn, fünfzehn Bier. Oder ein, zwei Flaschen Wodka. Zwanzig Bier und mehr.

    Und ich?
    Ich soll Alkoholiker sein?
    Vier, fünf Bier am Tag?
    Manchmal weniger, manchmal mehr?

    Wenn du mal hin und wieder trinkst, dann…

    Tja. Was dann?

    Bisher habe ich versucht, den Gedanken nicht zuzulassen. Was passiert, wenn ich jetzt trinke?

    Wieder saufen? Oder doch nicht?

    Also spiele ich es mal durch.

    Trinke ich heute?
    Dann stehe ich morgen auf. Leicht verkatert. Voller Scham.
    Mit einem richtig kaputten Gewissen.
    24 Tage?
    Weg.

    Aber gut. Angenommen, es wäre so.

    Wie geht es dann weiter?
    Trinke ich dann wieder drei Wochen nicht?
    Oder trinke ich direkt morgen Abend wieder?Wie wahrscheinlich ist es, dass ich morgen überhaupt standhalte, wenn das nächste Craving kommt?
    Kommt das Craving wieder?

    Und was dann?
    Wieder trinken?
    Und was ist übermorgen?
    Wieder trinken?
    Wieder den Abend wegsaufen?
    Wieder das Leben beenden, sobald die Sonne untergeht?

    Also nochmal: Wieder trinken? Oder nicht?

    Und was ist mit dem, was jetzt schon besser ist?

    Ich konnte am Anfang gar nicht mehr einschlafen. Während des Trinkens konnte ich nicht mehr durchschlafen. Bin jeden Morgen aufgewacht mit diesem Gefühl:

    „Oh Gott… was hast du gestern wieder getan?“

    Also?
    Zurück?
    Wieder trinken?
    Wieder rein in den Kreislauf?
    Und dann?
    Noch mal zehn Jahre so weiter?

    Die Antwort:

    Ich komme aus der Nummer nicht mehr raus.
    Ich habe mir die Krankheit angesoffen.
    Wenn ich weitermache, füttere ich sie.
    Ich halte sie am Leben.
    Tag für Tag.

    Schachmatt.

    Gehe ich zurück?
    Dann geiselt mich die Scheiße weiter.
    Gehe ich nach vorne?
    Dann muss ich mit diesen Situationen leben.

    Na gut.
    Wenn es so sein muss.
    Dann bitte schön.
    Cravings. Kommt vorbei.
    Dann muss es wohl so sein.
    Zurück gehe ich aber nicht mehr.

  • Also spiele ich es mal durch.

    Ich war da immer völlig anders eingestellt. Saufgedanken bis zum Ende durchzuspielen, wenn ich das Ergebnis ohnehin kenne, halte ich nicht für zielführend. Das kranke Gehirn lässt sich ja nicht einfach abschalten und sobald sich der Gedanke einschleicht „ach, so schlimm war es ja nicht“, steht man schon mit einem Bein im Rückfall.

    Wenn Saufgedanken kamen, habe ich bewusst nicht weitergedacht, sondern sofort etwas anderes gemacht. Ich bin süchtig, ich muss dem nicht auch noch freiwillig Boden geben. In der nassen Zeit hat Grübelei sowieso nichts gebracht , der alte Film läuft weiter, sobald man wieder auf Play drückt. Mein Kopfkino stoppte ich nicht, wenn ich den alten Film abspielte, sondern nur, indem ich einen anderen Film einsetzte. Mal als Metapher.

    Übrigens, ich kenne keinen Saufdruck mehr. Ich bin auch selbstständig, was meine pragmatische Art im Umgang mit geschäftlichen Dingen erklärt.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

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