Hallo ich bin Elara und momentan ziemlich verzweifelt.
Ich bin nach einer 28 jährigen Beziehung und gescheiterten Ehe mit einem Narzissten wieder an den „Falschen“ geraten.
Nach meiner damaligen Trennung vor 8 Jahren habe ich meinen jetzigen Mann kennengelernt und mein erstes Bauchgefühl war: ein depressiver Alkoholiker.
Leider hat er mich mit seinem Charme und seiner damals noch lustigen Art eingelullt und ich bin relativ schnell bei ihm eingezogen. Dass er damals sehr viel getrunken hat, habe ich auf seine noch frische Trennung von seiner damaligen Ehefrau geschoben bzw. verdrängt.
In der ersten Zeit haben wir wirklich sehr viel gemeinsam unternommen, sind das Wochenende weggefahren, er hat mich wieder zum Radfahren gebracht und es war alles gut. Leider ist die Alkohlabhängigkeit mit den Jahren immer schlimmer geworden. Er konnte nicht mehr arbeiten, wurde ausgesteuert, danach Hartz-IV und am Ende Frührentner. Danach kamen zwei Schlaganfälle und schwere Depressionen dazu.
Letztes Jahr war er 15 Wochen auf Langzeittherapie und davor 8 Wochen trocken und ich hatte echt die Hoffnung, dass doch noch alles „gut“ wird.
Nachdem er wieder zu Hause war, hat er nach einigen Wochen wieder mit dem Trinken angefangen. Angeblich war jemand schuld, der ihn schlecht behandelt hat und deshalb wieder „ein“ Bier getrunken hat, was dann letztlich wieder in dem normalen Alkoholkonsum geendet ist.
Dieses Jahr war er 5 mal zum Entgiften in Kliniken, aber wenn er wieder zu Hause ist, geht alles wieder von vorne los. Mittlerweile ist scheinbar seine Leber so geschädigt, dass er teilweise Delir hat (er wollte eine halbe Stunde lang von einer Tischlampe trinken, weil er dachte, es wäre ein Glas, hat sich in eine Zimmerecke gestellt und nicht verstanden, warum es nicht weitergeht usw.).
Aus seiner Sicht sind die Ärzte, die Gesellschaft usw. daran schuld, dass es ihm so geht, weil ihm niemand hilft. Mein Motto ist „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott“ (P.S.: ich bin nicht gläubig, aber das sagt man so). Das sage ich ihm relativ oft, weil man nicht warten kann, bis jemand kommt und einen rettet.
Ich versuche so gut es geht ihn zu unterstützen. Da ich berufstätig bin, lastet nebenbei der ganze Alltag auf mir (Einkaufen, Wäsche waschen, Wohnung sauber halten, Garten pflegen usw.) und es geht mir langsam die Kraft aus. Er ist den ganzen Tag zu Hause und schafft es mittlerweile nicht mehr, die normalen Tätigkeiten im Haushalt zu erledigen. Er duscht sich nur, wenn ich ihn extrem nerve, pflegt sich und seine Umgebung nicht und mittlerweile ekelt mich vor ihm. Neulich wollte er mich umarmen, da habe ich die Arme vor der Brust verschränkt und ihn abgewehrt. Seitdem ist er wieder beleidigt und frägt tausendmal, ob er sich zu mir setzen darf. Er versteht aber nicht, dass es an ihm liegt, dass ich eigentlich nichts mehr mit ihm zu tun haben will.
Nachdem es ihm richtig schlecht ging, ist er freiwillig in eine Klinik zur Entgiftung gegangen und bleibt dort vermutlich 2 Wochen (wenn er abbricht, ist er sein Leben lang gesperrt, weil er das schon öfter durchgezogen hat). Morgen wollte er mit dem Oberarzt sprechen, dass er länger bleiben kann. Heute morgen hat er sich beschwert, dass die sich nicht richtig um ihn kümmern, weil er „Rücken“ hat und er keine starken Schmerzmedikamente bekommt und er am liebsten abbrechen würde. Das ist immer sein Problem, dass es ihm nach ein paar Tage Entzug wieder relativ gut geht und dann wieder diese Überheblichkeit auftaucht, dass alles nicht so schlimm ist, dass er es lieber alleine schaffen will, weil ja alle doof sind ……
Aber zu der eigentlichen Frage aus meinem Titel: soll ich gehen oder bleiben. Aus einigen Forenbeiträgen, die ich so mitgelesen habe, aus Gesprächen mit meinen Kindern (aus erster Ehe), mit Freunden, Bekannten usw. weiß ich was ich tun sollte: gehen. Nur leider schaffe ich das nicht. Zweimal hatte ich mir schon eine Wohnung gesucht und war kurz davor, den Mietvertrag zu unterschreiben. Natürlich das übliche: Versprechungen usw., dass alles besser wird. Nur leider keine wirkliche Änderung.
Vor zwei Wochen hatte ich einen Fahrradunfall und liege momentan mit einer Streckschiene zu Hause und kann mich nur humpelnd versorgen. Als er noch da war, hat er mir immer wieder versichert, dass er für mich da ist und sich um mich kümmern wird, weil ich das ja auch immer für ihn mache. Wenn ich ihn aber dann um etwas gebeten habe, war die Stimmung schon nicht mehr so toll. Und dann hat er sich nach 3 Tagen in die Klinik verkrümelt. Dass ich mit 3 Katzen und 2 Hunden alleine zu Hause bin, war ihm egal. Ich habe auch nichts gesagt, weil ich nicht, wollte, dass er „wegen mir“ wieder seine Bedürfnisse zurück stellen muss.
Aber er fragt nicht wie es mir geht, ob ich alleine zurecht komme …. bei den Telefonaten geht es nur um ihn, dass ihm langweilig ist, dass sich ja niemand wirklich um ihn kümmert usw ….
Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich zwar verheiratet bin, in Wirklichkeit aber eigentlich alleine bin und zurechtkommen muss. Da frage ich mich schon manchmal, was der Unterschied zum wirklichen Alleinsein ist: ich müsste mich nur um mich kümmern und hätte ihn nicht mehr am Hals. Es tut mir leid, dass ich so denke, aber ich habe einfach keine Kraft mehr. Ich habe meine Hobbys, bin oft alleine unterwegs, aber selbst wenn wir im Urlaub sind, bin ich alleine, weil es ihm so „schlecht“ geht und er nicht mitkommen kann oder will. Und wenn er mitkommt, ist es eigentlich nur stressig, weil er entweder dauernd auf Toilette muss oder keine Muße hat. Ich bin ein Mensch, der die Kleinigkeit am Wegesrand sieht und darüber glücklich ist, ich genieße die Natur, die Ruhe, die Aktivität, die Stille und ihm ist alles egal. Er interessiert sich für nichts mehr. Nur seine Krankheiten, Schmerzen, Probleme sind für ihn wichtig. Oft denke ich, dass er ein Hypochonder ist, weil er immer was anderes hat und sicher daran „sterben“ wird.
Warum ich dann nicht gehe?
Ich habe Angst davor, alleine zu sein, wieder gescheitert zu sein, das nicht alleine zu schaffen, mich wieder breitschlagen zu lassen….
Manchmal bin ich selbst überrascht, dass ich vor 8 Jahren alles hingeschmissen habe, da waren auch noch meine Kinder im Spiel, aber ich war so verzweifelt, dass ich einfach nur geflüchtet bin, sonst wäre ich in der Beziehung zugrunde gegangen. Aber die Zeit danach, mit all den Zweifeln, Schmerzen, Traurigkeit, Selbsthass usw. …. ich weiß nicht, ob ich das nochmal schaffen kann.
Als ich vor einem Jahr gehen wollte, habe ich mit meinen Kindern darüber gesprochen und sie waren dafür, dass ich gehe. Als ich dann wieder einen Rückzieher gemacht habe, haben sie mich nicht verurteilt, aber ich habe gemerkt, dass sie nicht verstehen, warum ich geblieben bin.
Jetzt habe ich niemanden mehr, mit dem ich mal reden kann. 
Meine Überlegung ist aktuell:
- ich suche mir in Ruhe eine neue Bleibe (nicht überstürzt, sondern wohlüberlegt)
- danach sage ich meinem Mann, dass ich ausziehe
Aber ob ich das wirklich durchziehe …..?
Ja es ist wahrscheinlich die 100.000te Geschichte, die sich immer wieder ähnelt, aber es ist auch immer wieder ein total verzweifelter Mensch dahinter, der so oder so leidet….egal wie man sich entscheidet.
Liebe Grüße
Elara
P.S.: Ich bin eine Löwin, die es gelernt hat zu kämpfen, aber dabei oft die eigenen Grenzen überschreitet.