Guten Morgen! Tag 13 liegt hinter mir und ich bin nüchtern!
Der Tag war recht durchwachsen. Ich habe die meisten meiner Aufgaben erledigt, damit bin ich auch recht zufrieden.
Dann kamen am frühen Nachmittag Stolpersteine: eine Nachricht aus der Schule, dass der Nachwuchs seit einigen Wochen überhaupt nicht mehr mitarbeitet und wir nun echt viel nachholen müssen und es öfter Handgreiflichleiten mit Mitschülern gibt (toll, wenn das Halbjahr so gut wie rum ist...)
Dann kam noch eine Nachricht vom Hort, dass am Montag wieder ein Kind von einem Fremden angesprochen wurde und ins Auto einsteigen sollte.
Es war schwer, ruhig zu bleiben, aber ich bekam es hin. Ich sprach noch einmal mit dem Kind, wie man sich verhält, wenn ein Fremder einen anspricht und plante unsere Nachmittage um, damit wir die Nachholeaufgaben schaffen, ohne, dass es uns beiden zu viel wird. Außerdem rief ich dem Kind in Erinnerung, Konflikte nicht körperlich auszutragen.
Nach dem Abendessen kam dann aber der Gedanke, dass in der Situation vor 2 Wochen in Panik verfallen wäre und getrunken hätte. Der Gedanke, trinken zu müssen, kam mir nicht, ich dachte mir nur: "Bloß gut, ich muss heute nicht trinken, sonst würde es morgen noch schwerer werden, den Berg in Angriff zu nehmen!"
Es kam dann aber doch ein Gedankenkarussell in Gang: Wäre das auch passiert, wenn ich vor 2,5 Monaten nicht getrunken hätte? Ist der Gedanke "Vor 2 Wochen hätte ich getrunken!" schon ein Versuch der Sucht, sich wieder einzuschleichen?
Es war schwer, mir nicht die komplette Schuld daran zu geben (Ich höre viel mit dem Appellohr) oder in Selbstmitleid zu verfallen, weil gefühlt wieder alles an mir hängen bleibt.(Schule ist meine Baustelle, Vater und Großies meinen, die Geduld nicht zu haben.) Ich versuchte, die Gedanken statt dessen in eine konstruktive Richtung zu lenken. Denn dass ich getrunken hatte, kann ich nicht mehr ändern, aber seit 13 Tagen läuft ja die Zukunft an und ich kann es anders machen.
Als dann noch eine Nachricht kam, die meine Planung wieder über den Haufen geschmissen hätte, wäre ich fast ausgeflippt. Es fühlte sich an, als wölle das Leben nicht, dass ich die dringend nötigen festen Strukturen schaffen und halten kann. Heute Hüh und morgen Hott ist für uns beide sehr anstrengend. Ich ließ die Anfrage erstmal liegen und formulierte heute früh eine höfliche Ablehnung.
Heute ist meine Stimmung etwas gedrückt. Ich habe beschlossen, den heutigen Vormittag ruhig anzugehen. Eine Aufgabe muss heute unbedingt erledigt werden, das mache ich auch. Dann werde ich etwas machen, das mir Freude bereitet. Vielleicht lese ich ein paar Seiten oder fange ein neues Häkelprojekt an oder mache an meinem Diamond-Painting weiter. Und ich werde mein Tagebuch strapazieren, um nicht ins Gedankenkarussell zu geraten. Denn was aufgeschrieben ist, kann aus dem Kopf raus. Meistens funktioniert das.
Liebe Grüße!