Beiträge von Kyra

    Hallo Melodyx,

    ich bin ein Mensch, der sich immer alles rational erklären möchte, der die Lösung eines Problems im Durchdenken, Ergründen sucht, der seinem Kopf vertraut und seine Gefühle dabei übergeht, sie sich verbietet (das Zulassen von Gefühlen ist ein Teil meiner Suchttherapie).

    Hinsichtlich meiner Entscheidung zur dauerhaften Abstinenz reicht mir allerdings das Wissen,

    - welche negativen Auswirkungen der Alkohol hatte (z.B. auffälliges Verhalten in betrunkenem Zustand, ein besoffener Sturz, morgendliche Übelkeit mit Brechreiz, Lethargie, Auswirkungen auf meine Organe etc.)

    - und welche Vorteile ein abstinentes Leben hat ( mehr Elan, mehr Antrieb, neue Hobbys, mehr Kraft, mehr das Gefühl zu leben, mehr das Gefühl von Freiheit, keine Bedenken, ob ich noch Restalkohol im Blut habe, wenn ich Autofahren muss, keine Ausrichtung meiner Termine nach Trinkmöglichkeiten, Hautveränderungen, Gewichtsverlust, Leberschonung, etc.)

    Ich habe mir anfangs zwei Listen dazu gemacht, und ergänze die zweite Liste immer, wenn sich neue Vorteile bemerkbar machen.

    Mir wäre die Suche nach tiefgründigen Glaubenssätzen zu anstrengend. Da würden meine Gedanken ständig um diese Suche kreisen, ich würde mich irgendwann als Versagerin fühlen, wenn ich immer noch keinen (übertrieben geschrieben!) super tollen einprägsamen ausgefeilten rationalen Glaubenssatz entwickelt habe, und meiner Sucht aufgrund der Versagensgefühle wieder Raum geben.
    Mein neuer Glaubenssatz heißt einfach:

    „Abstinenz ist kein Verzicht, sondern ein Gewinn.“

    Ich will keinen Alkohol mehr trinken, weil dieser mir nur schadet. Ich möchte ein selbstbestimmtes zufriedenes Leben führen, was ich nur ohne Alkohol und mit Verhaltensänderungen erreichen kann.

    Ich wünsche dir, dass du auch, ohne dir den Kopf darüber länger zerbrechen zu müssen, einen passenden Glaubenssatz findest.

    LG Kyra

    Hallo Johanne,

    als ich noch trank, aber meinen Konsum reduzieren wollte, trank ich alkoholfreies Bier. Aber nach 2 oder 3 Flaschen davon kam der Wunsch nach einem echten Bier auf, ich kam mir wegen der fehlenden Wirkung veräppelt vor.
    Das alkoholfreie (was nicht zwingend alkoholfrei sein muss) Bier sieht dem normalen Bier zu ähnlich: Die Form der Flasche, das Plopp beim Öffnen, die Schaumkrone, ja sogar der Geschmack. Daher dachte ich ja, ich könnte meiner Sucht ein Schnäppchen schlagen, ihr vorgaukeln, ich tränke Bier, was allerdings kläglich misslang.

    Wenn ich mir nun ein alkoholfreies Bier nehmen würde, könnte sich alles in mir an das Biertrinken erinnern und die Suchtstimme wecken. Also lasse ich von all den alkoholfreien „Alkoholika“ die Finger, mache einen großen Bogen drum herum.

    Morgens trinke ich zum Frühstück ein kleines Glas Saft und in das Müsli schneide ich mir auch mal eine Banane. Nur verknüpft mein Gehirn diese Lebensmittel in keinster Weise mit dem Verzehr von Alkohol, so dass ich nie auf den Gedanken gekommen bin bzw. komme, den Verzehr dieser Lebensmittel mit Alkoholkonsum zu verbinden.

    Ich würde an deiner Stelle alles vermeiden, was auch nur im Ansatz an Alkohol erinnert, also z.B. nichtmals O-Saft aus einem Sektglas trinken. Denn warum sollst du es mir schwerer machen als nötig?

    Nur eine Frage: Warum möchtest du für besondere Anlässe alkoholfreien Wein oder Sekt trinken? Weil es eben üblich war, mit Sekt anzustoßen? Oder möchte deine Suchtstimme dich daran erinnern, dass man (du) da doch immer Alkohol getrunken hat? Wie wäre es, wenn du nach einem tollen komplett alkoholunabhängigen Getränk suchst, das du dann immer bei entsprechenden Anlässen als was Besonderes zelebrierst?

    LG Kyra

    Hallo Lumen,

    wenn du deine Adresse deinem Partner als Meldeadresse zur Verfügung stellst, obwohl er nicht die überwiegende Zeit des Jahres dort wohnt, könnte es sich um eine sog. Scheinwohnung, bei der Anmeldung um eine Scheinanmeldung handeln. Ihr würdet beide dann eine Ordnungswidrigkeit begehen, die mit einem sehr hohen Bußgeld (bis zu 50.000 €) geahndet werden kann. Auch dein Vermieter könnte dann, wenn er die erforderliche Wohnungsgeberbescheinigung ausstellt, obwohl dein Partner nicht mindestens 183 Tage im Jahr bei dir wohnt, ebenfalls ein hohes Bußgeld riskieren.

    Wärst du bereit, dieses Risiko auf dich zu nehmen? Zumal dir hier ja bereits mehrmals geschrieben wurde, dass dein Partner andere Möglichkeiten hat, also gar nicht auf eine Anmeldung unter deiner Adresse angewiesen ist.

    So stellen karitative Einrichtungen häufig eine offizielle Meldeadresse zur Verfügung, obwohl die Person dort nicht physisch wohnt. Dein Partner kann sich dann beim Einwohnermeldeamt als “ofW” registrieren lassen, was bedeutet, dass er offiziell keinen festen Wohnsitz hat, aber dennoch postalisch erreichbar ist.

    Wenn du weiterhin überlegst, ihm eine Anmeldung unter deiner Adresse zu ermöglichen, dann lasse dich bitte vorher rechtlich beraten (beim Einwohnermeldeamt?), unter welchen Voraussetzungen das erlaubt ist.

    LG Kyra

    Das war kein Thema weil ich laut meiner Frau kein Problem habe, ich kann trinken wenn ich möchte, niemand drängt mich etwas zu ändern, nur ich.

    Hallo Seppel,

    auch mich hat niemand gedrängt. Auch mein Mann sah mich anfangs nicht als Alkoholikerin. Nur ich allein entschied mich, dauerhaft mit dem Alkohol aufzuhören, weil ich allein mit meiner Situation immer unzufriedener wurde. Und das war genau das Richtige. Wenn ich auf Drängen eines anderen aufgehört hätte, wäre die Entscheidung nicht aus meinem tiefsten Inneren gekommen und für mich der Alkoholverzicht schwieriger geworden.

    Mein Mann akzeptiert nun meine Sucht, allerdings erst so richtig, als ich ihm die Aufzeichnungen der Suchtberatung zeigte und ihm im Detail beschrieb, warum ich Alkoholikerin bin.

    Vielleicht schaffst du es auch, deine Frau Schritt für Schritt zu sensibilisieren, damit sie zu deiner Abstinenz steht.

    Ich wünsche euch, dass ihr gemeinsam den Weg zueinander wieder findet. Denn die Situation ohne deinen Alkoholkonsum ist ja eine andere als vorher.

    LG Kyra

    Liebe Rennschnecke,

    danke für deine sehr bildlich dargestellte Schilderung.
    Sie bewirkt bei mir, dass ich nie überheblich, nachlässig werden darf, sondern immer auf mich achten muss.

    Allerdings habe ich vor so einem - ich nenne es mal - Anfall große Angst, da ich bisher ja gar keinen Druck verspürt habe. Wenn, dann kam mal in bestimmten Situationen kurz der Gedanke auf „Jetzt hast du sonst ein Bier getrunken.“, den ich aber mit „Ja, aber ich möchte kein Bier.“ wieder verstummen lassen konnte. In meiner SHG habe ich auch die anderen gefragt, wie sich so ein Saufdruck bei ihnen bemerkbar gemacht hat. Ergebnis: es gibt kein Muster. Bei einer Person begann es mit einer undefinierten Unruhe, die sich immer mehr steigerte, bei einer anderen kam sie nach 10 Jahren Abstinenz ganz plötzlich und ließ sie „Mauern überklettern“.

    Hast du einen Tipp, wie man (äh ich) diese Angst in gesunde Vorsicht umwandeln kann?

    LG Kyra

    Rennschnecke ,

    du hast Recht, es geht um mich und nicht, was andere von mir denken.
    Aber diese Stimme meldet sich leider immer noch viel zu oft, obwohl ich weiß, wie sie entstanden ist. Vielleicht hilft da auchder Achtsamkeitskurs, dass ich mehr auf mich als auf die möglichen Meinungen anderer Wert lege.

    Thalia1913

    Ja, Handarbeiten ist ein schönes Hobby - Beschäftigung der Hände und Entstehung eines eigenen Werks.
    Ich freue mich auch schon, die Topflappen demnächst zu verwenden. Dann werde ich mich bestimmt einige Zeit daran erinnern, unter welchen positiven Umständen sie entstanden sind.
    Ich überlege auch schon, wen ich mit weiteren Topflappen beschenken kann :). Häkeln ist allerdings nur ein Einstieg, um zu schauen, ob mir vergessene Hobbys noch Spaß machen, da ich früher im Grunde viel lieber gestrickt habe. So habe ich noch eine weitere Sache, auf die ich mich schon jetzt freuen kann, und bei der ich in aller Ruhe überlegen kann, was ich als erstes nach Jahrzehnten stricken möchte.

    Und mir fiel gerade adhoc ein, ob ich nicht wieder anfange, Spanisch zu lernen. Auch dies war ein ehemaliges Hobby. An einen Tanzkurs habe ich auch schon seit längerer Zeit immer mal wieder gedacht, aber nie in Angriff genommen.
    Ich werde die Ideen, die mir zur Zeit kommen, zunächst mal aufschreiben, damit ich peu à peu in mich horchen kann, ob das (wieder) was für mich ist, ob ich die Idee umsetzen möchte. Denn im Moment habe ich genug mit all den Dingen zu tun, die ich bisher angestupst habe.

    LG Kyra

    Der Einkaufsbummel hinsichtlich Sportbekleidung fand gestern statt und ich bin fündig geworden. Was mich total freute, ich musste bei der Sportleggins eine Kleidergröße weniger als üblich nehmen.
    Auch mein Mann hat abgenommen. Als er gestern ein Sakko anprobierte, konnte ich richtig sehen, dass sein „Bierbauch“ kleiner geworden ist.

    Ich habe mir auch Garn besorgt, um erstmal zum Einstieg Topflappen zu häkeln. Muster im Internet gesucht - nur Stäbchen häkeln ist ja zu einfach und langweilig - und gestern Abend ging es los. Das Häkeln hat richtig Spaß gemacht. Und ich musste mich wegen des Musters auch sehr darauf konzentrieren, da blieb einfach gar kein Platz im Gehirn für irgendwelche Gedanken an Bier. 2/3 eines Topflappens war geschafft. Allerdings ist das innere Muster zu stramm geworden, so dass ich heute alles wieder aufgelöst habe. Statt aber sauer auf mich zu sein (wie konntest du nur diesen Fehler machen? Hättest doch auch schon früher sehen können, dass es zu fest wird!) freue ich mich, dass ich nun länger als 4 Abende was Schönes zu tun habe. Das heißt aber nicht, dass ich nun jedes Teil kurz vor der Fertigstellung wieder aufriffel :lol:.

    Ich habe mich auch zur Teilnahme an der Achtsamkeitsgruppe angemeldet. Es ist keine Gruppe mit Hauptaugenmerk auf den Umgang mit der Sucht, sondern auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers, der eigenen Gefühle, auf den achtsamen Umgang mit sich selbst. Ich bin gespannt, was mich erwartet.

    Das war ein kleines Update. Zwar ist nichts Weltbewegendes passiert (wer kauft nicht mal Kleidung oder Wolle?), aber für mich durchaus ein ereignisreicher Tag mit Elan.

    LG Kyra

    Hallo melodyx,

    ich Frage mich auch Grad wie ich hier ins Gespräch komme... Die Themen sind sehr lang, überfordert mich etwas und trau mich nicht richtig auf einmal was beizutragen

    am Anfang habe ich hier auch in anderen Fäden nichts geschrieben, da ich gar nicht wusste, was ich dort hätte schreiben sollen. Ich blieb einfach in meinem Faden, erzählte von mir, bekam dort Antworten und einen Austausch, wenn ich den wollte.

    Ich setzte mich auch zu Beginn selbst unter Druck mit der Aussage, dass man nur in den geschlossenen Bereich aufgenommen wird, wenn man sich u.a. im offenen Forum rege beteiligt. Aber was schreiben, nur um was zu schreiben, finde ich doof. Also interagiere ich in diesem Forum in meinem eigenen Tempo.

    Ich lese z.B, wenn immer es möglich ist, die neuen Beiträge, und wenn ich mich irgendwie persönlich angesprochen fühle, auch den Faden des Schreibenden. Ich ackere also nicht das ganze Forum durch, das wäre für mich total überfordernd und muss für mich auch gar nicht sein. Hin und wieder, wenn ich Lust habe, stöbere ich aber auch mal querbeet.
    So langsam entwickelt sich bei mir ein Personenkreis, dessen Entwicklung/Berichte ich intensiver verfolge, sowohl im Alkoholiker- als auch im Co-Bereich.

    Langsam schreibe ich nun, nach ein paar Wochen, auch mal was bei anderen, aber immer noch selten.

    Mache dir also nicht zu viele Gedanken, wie du hier ins Gespräch kommst. Das kommt einfach und findet doch auch schon statt.

    LG Kyra

    Hallo Seppel,

    auch mein Mann hielt mich anfangs nicht für eine Alkoholikerin, da ich doch tagsüber nicht getrunken habe, überwiegend Bier, mal Wein und selten einen Ouzo, einen Baileys oder Ähnliches. Außerdem hätten meine Hände ja auch nicht gezittert, wenn ich mal ein oder zwei Tage nichts getrunken habe.

    Geholfen hat uns ein längeres Gespräch über meinen Besuch bei der Suchtberatung. Ich hatte Aufzeichnungen der Beraterin u.a. mit den 6 Fragen in Bezug auf Sucht (Entzugserscheinungen, Verlangen, Kontrollverlust etc.) Anhand dieser Aufzeichnungen habe ich ihm auch mit Beispielen erläutert, welche Punkte aus welchen Gründen bei mir zutreffen, und ihm gesagt, dass ich danach Alkoholikerin sei. Das brachte ihn ins Grübeln.

    Mir ist wichtig, dass er meine Krankheit akzeptiert, damit er nicht meine Anstrengungen konterkariert oder sogar meine Suchtstimme unterstützt, wenn sie sich meldet.

    LG Kyra

    Ich habe eine Münze, auf der einen Seite steht das Datum, seit ich trocken bin mit einer Sonne und auf der anden Seite der Satz:"Der Tag, an dem mein Leben neu begann" mit einem Baum Die Münze trage ich immer bei mir.

    Das finde ich schön. Hast du dir die Münze anfertigen lassen?

    Zur Frage im Forum hinsichtlich der Bedeutung des Datums, der „Geburtstage“, auch wenn es bei mir ja erst gut 6 Wochen sind:
    Am Anfang habe ich mich gar nicht an das Datum erinnert, sondern nur die Tage gezählt. Nun erinnere ich mich an das Datum, zähle aber nicht mehr die Tage. Im privaten Bereich spielt das Datum keine Rolle, sondern nur für mich persönlich, um immer mal festzustellen, wie lange ich „schon“ abstinent bin, und um mich zu bestärken, dass ich diese bisherige abstinente Zeit nie wegwerfen will. An meinem 1. Jahrestag werde ich mir aber irgendwas Schönes gönnen (z.B.ein besonderes Schmuckstück), das allein für mich ist.

    Hey, ist doch zunächst mal toll, dass du den Nikotin- und Zuckerentzug nicht durch Alkohol ausgeglichen hast.

    Und das mit der Ungeduld verstehe ich vollkommen. Ich fühle mich auch sooo motiviert, das Rauchen am liebsten sofort zu beenden, da das mit dem Alkohol ja bisher gut funktioniert, warum nicht 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen? Und eine komplette Ernährungsumstellung wäre ja auch erstrebenswert.
    Aber, wie du mittlerweile gemerkt hast, funktioniert eben nicht alles auf einmal.

    Ich für mich versuche, zumindest bewusster zu rauchen, mal zu sagen „Ich rauche erst, wenn ich dieses oder jenes gemacht habe. Ich rauche erst in der übernächsten Werbepause.“. Es funktioniert ohne Druck und Entzugserscheinungen insoweit, dass ich meinen Zigatettenkonsum zumindest auf 3/4 reduzieren konnte, Bei den Süßigkeiten versuche ich, mal Möhren und Kohlrabi alternativ zu knabbern.
    Nur wenn das bei den Zigaretten und Süßigkeiten nicht klappt, dann bin ich nicht sauer auf mich. Ich freue mich einfach über jeden Moment, jeden Abend, an denen meine Versuche funktionierten, und bin mit dem Status Quo derzeit zufrieden.

    LG Kyra

    Hallo,

    gestern habe ich die Mitteilung erhalten, dass in der zu mir passenden Sportgruppe noch ein Platz frei ist. Am 19.01. geht’s los. Da werde ich nun am Samstag mit meinem Mann einen kleinen gemütlichen Einkaufsbummel machen, um mir passende Sportkleidung zu besorgen.

    Heute war ich zum ersten Mal bei einer SHG vor Ort. Am Freitag telefonisch Kontakt mit der Gruppenleitung aufgenommen wegen einer für mich notwendigen Mitfahrgelegenheit, am Samstag Nachmittag Problem gelöst.
    Die Fahrerin, die gar nicht weit weg wohnt, war super nett. Wir verstanden uns auf Anhieb sehr gut. In der Gruppe dachten sie, dass wir beide uns schon länger kennen und sie mich zur Gruppe geholt hätte.

    Obwohl die Gruppe grundsätzlich für alle Süchte und Angehörige offen ist, waren heute nur Alkoholiker da. Es war eine gemischte Gruppe, abstinent von Monaten bis Jahrzehnte.
    Ich fand zwar nicht jede Person auf Anhieb sympathisch, aber das ist, denke ich, normal. Ich wurde aber sehr herzlich empfangen, konnte Fragen stellen, wurde auch gefragt. Insgesamt kam ich mir gar nicht wie ein Eindringling in eine schon lange zusammengewachsene Gemeinschaft vor.
    Gerade wird ein Schnupperkurs für die SHG in Tai Chi organisiert. Eine Person aus der Gruppe bietet Kurse an und würde einen für die SHG leiten. Es gab auch eine Bastelgruppe, die sich allerdings zuletzt wohl nur für ein bestimmtes Projekt zusammengefunden hatte. Und da kamen bei mir Gedanken an ein weiteres früheres Hobby (neben puzzeln) auf, dem ich auch schon zig Jahre nicht mehr nachgegangen bin: Stricken oder Häkeln. Meine Liste von Alternativen wächst.

    Die SHG ist in einer WhatsApp-Gruppe organisiert, an die man sich auch wenden kann, wenn man in akuten Situationen Hilfe benötigt.

    Ich werde auf jeden Fall am Ball bleiben.

    Sie empfohlen mir auch die Teilnahme an einer (geschlossenen) Achtsamkeitsgruppe, die nächste Woche beginnt und 8 Termine (je einmal wöchentlich) umfasst. Da werde ich morgen in der Suchtberatung mal nachfragen.

    Positiver Nebeneffekt: ich habe nun einen Grund, endlich mein Zubettgehen und Aufstehen auf normale Zeiten zu ändern, da der Sport und die Achtsamkeitsgruppe vormittags sind.
    Also sage ich nun gute Nacht.

    LG Kyra

    Hallo Abstinenzler ,

    auch ich will mit dem Rauchen aufhören. Die Therapeutin (früher ebenfalls nikotinsüchtig) riet mir dringend davon ab, da der Stopp beider Süchte mich überfordern könnte. Ich solle erst in Bezug auf Alkohol eine gewisse Stabilität erlangen, bevor ich die Nikotinsucht angehe.

    Und ich werde ihren Rat befolgen. Ich möchte mich nicht doppeltem Stress aussetzen und am Ende rückfällig sein. Allerdings fange ich an, mich auf den Rauchstopp vorzubereiten.

    Da du selber ja schreibst, dass du momentan Suchtdruck beim Alkohol verspürst, würde ich an deiner Stelle - wie die anderen schon geschrieben haben - eins nach dem anderen angehen.

    LG Kyra

    Hallo und ein frohes Neues Jahr hier ins Forum.

    Ich hatte gestern meinen Termin bei der Suchtberatung. Es war ein richtiger Schritt.
    Ich habe zunächst wöchentliche Termine. Wenn ich Interesse habe, könnten wir auch Hypnose versuchen, damit ich wieder mehr meinen Körper fühle und nicht nur mit dem Kopf arbeite. Es sei keine Hypnose mit „Schnipp, du bist wieder da“, sondern eher ein von ihr geleitetes In-mich-Fühlen, bei dem ich jederzeit die Kontrolle über mich behalte.

    Die Therapeutin hat mir auch in Bezug auf Prozesse im Gehirn sehr verständlich erklärt, warum Verhaltensänderungen so wichtig sind, warum „einfach nicht mehr trinken“ nicht ausreicht, um dauerhaft abstinent bleiben zu können. Grob gesagt erklärte sie im Ergebnis, dass sich mein Gehirn hinsichtlich der durch Alkohol verursachten Dopaminausschüttung und damit verbundener Zufriedenheit im Laufe der Zeit eine Autobahn gebaut habe, die es immer wieder befahren will. Ich müsse neue Verknüpfungen (neue Wege)im Gehirn herstellen und ausbauen, deren Nutzung alternativ zum Alkohol zu einer Dopaminausschüttung und damit zu meiner Zufriedenheit führt. Diese neuen positiven Verknüpfungen entstünden aber nur durch neue Verhaltensweisen, die mir Spaß machen.

    Da dachte ich an dich Soapstar , an deinen Bericht, dass du mit deinem Leben ohne Alkohol irgendwie unzufrieden bist. Die Therapeutin sagte mir, wenn ich z.B. Lesen total doof finde, dann wird das neue Verhalten „Lesen“ nicht zu einer neuen Verknüpfung mit Zufriedenheitsempfinden führen. Ich würde ein Buch lesen und mich dennoch nicht zufrieden fühlen und die Autobahn vor der Tür sei weiterhin da.
    Je gefestigter die neuen Verbindungen im Gehirn werden, desto mehr baue es die Autobahn zu einer Bundes-, Landes-, Gemeindestraße zurück. Ein Pfad werde aber für immer bestehen bleiben, den mein Gehirn auch wieder ausbauen könnte. (Mir hat diese Erläuterung geholfen, meine Sucht besser zu verstehen. Und es ist ein schönes Bild für mich, mir vorzustellen, wie die Straße im Laufe der abstinenten Zeit zurückgebaut wird.)

    Also heißt das für mich, alte liebe Hobbys, die ich vernachlässigt habe, zu reaktivieren. Darüber hinaus habe ich festgestellt, dass mir Gesellschaft, der Kontakt zu anderen Menschen fehlt. Deshalb werde ich ab nächste Woche eine Selbsthilfegruppe besuchen. Diese Gruppe ist offen für alle Suchtformen, für Abhängige und Angehörige und es finden unabhängig von den Gruppenabenden gemeinsame Aktivitäten statt, Auch gibt es eine Gruppe, die sich einmal im Monat zu einem zwanglosen gemeinsamen Frühstück trifft. Da werde ich ebenfalls reinschnuppern. Eine Nachbarin fragte mich mal, ob ich nicht hin und wieder Lust hätte, auf einen Kaffee vorbei zu kommen. Ich habe ihr Angebot nie angenommen. Ich werde das nun umsetzen.

    Ich habe gestern mit meinem Mann ausführlich über das Gespräch geredet. Ich erklärte ihm, welche von den 6 Punkten (Entzug, Verlangen, Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, soziale Belange, medizinische Belange) bei mir warum zutreffen und dass ich danach definitiv Alkoholikerin bin. Ich hatte das Gefühl, dass er anfängt, das zu verstehen, für sich zu akzeptieren, und welche Konsequenzen sich für mich daraus ergeben. Ich glaube auch, dass er selbst ins Grübeln gekommen ist.
    So lehnte er den Vorschlag der Therapeutin, dass er sich immer nur zeitnah das Bier besorgt, was er samstags abends trinken will, nicht einfach ab, sondern erklärte, dass wir das so machen sollten, wenn es mir helfe. Und er fängt samstags immer später an und trinkt dann immer weniger. Heute meinte er sogar, dass es gar nicht richtig Spaß mache, allein oben in einem separaten Raum Bier zu trinken, und hat sich vorhin nur 2 Flaschen mitgenommen. (Er trinkt in meiner Anwesenheit gar nicht mehr.) Zu Silvester fragte er mich, ob ich Lust hätte, aufs Neue Jahr mit einem Fruchtsaftmix mit ihm anzustoßen. Wir haben beide den Jahreswechsel komplett ohne Alkohol gefeiert.
    Es fühlt sich gut für mich an, wie es gerade läuft.

    LG

    Stromer

    War das eine Psychotherapie? Wenn ja, eher eine Verhaltenstherapie, eine tiefenpsychologisch fundierte Therapie oder systemische Therapie? Reichte Alkoholismus als Diagnose für die Bewilligung aus? Brauchtest du ein Attest von einem Arzt?
    Ich war in der Vergangenheit bereits in psychotherapeutischen Behandlungen. Da brauchte ich immer für die Genehmigung einen Arztbericht sowie - nach ein paar Probesitzungen - einen ausführlichen begründeten Antrag des behandelnden Psychotherapeuten.

    Ich hatte Dir ja schon mal etwas zu dem Verhalten Deines Mann Dir gegenüber geschrieben. Musst Du wissen, was Du daraus machst.

    Hallo Stromer,

    ja, ich weiß noch, was du mir geschrieben hast. Nur, wenn er selbst Alkoholmissbrauch betreibt, dann ist sein Verhalten nicht einfach nur eine egoistische mangelnde Rücksichtnahme mir gegenüber.

    Bist Du bei einer Suchtberatung? Gehst Du zu einem Therapeuten? Ich würde mal über eine Langzeitterapie nachdenken. Das geht auch ambulant. Das ist zwar nicht so hilfreich wie eine Selbsthilfegruppe aber ich hatte dabei doch einiges, was mir heute sehr hilft.

    Wie ich bereits schrieb, habe ich nächste Woche einen Termin bei der Suchtberatungsstelle und will dort das Thema ansprechen. Ich sehe ja durchaus das Problem, bin aber allein für mich bei dieser Frage einfach vollkommen überfordert. Auch deshalb hole ich mir ja die Unterstützung vom Experten.
    Und ich schrieb ja auch schon, dass ich meinen Mann zum zweiten Termin dann mitnehmen will (das wird keine Schwierigkeit sein, da er bereits von sich selbst aus gefragt hatte, ob er mich zum ersten Termin begleiten solle).

    Ich denke auch, dass ich mit der Beraterin über den Beitritt zu einer Selbsthilfegruppe reden werde, und hoffe, dass ich eine passende Gruppe finde.

    Was verstehst du unter einer ambulanten Langzeittherapie? Was kann ich mir konkret darunter vorstellen? Danke dir im Voraus für deine Erläuterungen.

    LG

    Hallo Lebensmut,

    ich habe gestern deinen Faden gelesen.

    Als ich das mit deiner Katze las, war ich sehr traurig. Denn ich habe eine eng verwandte Person, die wie du 2 Geschwister-Kater im Alter von nur wenigen Wochen (einzig überlebende Findlinge) zu sich genommen hat und ihnen mit ganz viel Liebe ein schönes Zuhause gibt. Gerade, weil sie so jung zu ihr gekommen sind, besteht eine sehr tiefe Verbindung zu ihren Katern. Wie geht es mittlerweile deinem Bruder-Kater?

    Ich bewundere dich, dass du neben der Abstinenz auch deine Ernährungsumstellung angegangen bist und das mit so viel Erfolg. Als du schriebst, dass auch das Rauchen noch eine Baustelle ist, du aber dachtest, Alkohol und Nikotinentzug nicht gleichzeitig anpacken zu können, kam mir der Gedanke, dass das auch von mir hätte sein können. Ich werde diese Baustelle aber wohl aus Gesundheitsgründen in nicht allzu langer Zeit ebenfalls bearbeiten müssen. Nein nicht nur müssen, ich will es auch. Nur habe ich hier wesentlich größere Angst, den Absprung nicht zu schaffen, als beim Alkohol. In einer Woche habe ich ja meinem Termin bei der Suchtberatungsstelle. Und die Beraterin ist nicht nur auf Alkohol, sondern auch auf Nikotin spezialisiert. Da kann ich das Thema ja auch ansprechen.

    Wir hatten jedenfalls ein komplett alkoholfreies Weihnachten. Heute ist Tag 33 - ich erlaube mir das Wort „Schnapszahl“. (Ich dachte gerade, mal zu googeln, wie dieses Wort entstanden ist.)

    Ich finde es übrigens super, dass dein mann so mitzieht

    Nun ja, nicht total. Wir haben zwar ganz viel Alkohol weggekippt. Aber in der Garage steht noch Buer und im Keller Wein. Nach der Aktion erklärte ich ihm, dass damit mein Risiko minimiert wurde, im Fall eines Verlangens nach Alkohol davon zu trinken. Richtigerweise antwortete er, dass ich mir dann wohl eher aus der Garage ein Bier holen würde. Daraufhin sprach ich darauf an, dass wir darüber auch reden müssten. Seine Reaktion war im Tonfall etwas heftiger. Er werde auf sein Bier nicht verzichten, das sei Genuss für ihn. Heute ist Samstag. Er wird also heute Abend (nicht nur ein oder zwei, sondern neun oder zehn) Bier trinken.
    Tja, da werden wir die Samstag Abende künftig in verschiedenen Räumen verbringen.

    Ich werde mir aber von ihm (eher von mir selbst) kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Zumindest werde ich es versuchen. Denn ich bin so aufgewachsen, dass ich an vielem die Schuld hätte, wenn ich nicht wie erwartet funktionierte oder mal an mich dachte. Mein Vater war Akoholiker und meine Mutter hat mich bereits in Kndesalter als Kummerkasten benutzt. Dann war sie irgendwie das Kind und ich die Mutter. Noch heute schrecke ich auf, fühle mich ertappt,wenn mein Mann nach Hause kommt und ich nicht irgendwas im Haushslt mache, sondern lese oder rätsel. Ich muss mich zwingen, nicht hastig aufzuspringen und Geschäftigkeit vorzutäuschen. Aus dieser Erziehung resultiert bei mir auch ein Minderwertigkeitsgefühl. Und ich fühlte mich als Jugendliche in der Clique wie du unter Alkoholeinfluss lockerer, lustiger, dazugehörend.
    Ich habe kaum Kontakte aus Angst, man werde mich eh nicht mögen. Ich ertappe mich immer noch bei dem Gedanken, was andere wohl von mir denken, wenn ich z.B. erst mittags die Rolladen hochfahre. Das geht soweit, dass ich extra dafür früh morgens aufstehe, um danach wieder ins Bett zu gehen. Auch mein Perfektionismus resultiert aus dieser Erziehung, da ich beispielsweise bei einer 1- von meinem Vater kein Lob, sondern Vorwürfe bekam, warum es keine glatte 1 geworden sei. Meine Mutter jammerte nur immer und verlangte von mir z.B. die komplette Bügelarbeit oder am Wochenende den gesamten Hausputz. Müßiggang war eine Untugend. Wenn ich nicht funktionierte, war ich daran Schuld, dass sie wieder Migräne bekäme, weil sie das nun selber machen müsse. (Das heißt nicht, dass sie faul war, im Gegenteil.) Ich wollte es meinen Eltern immer recht machen. Deshalb habe ich auch wohl Angst vor der Konfrontation mit meinem Mann in Bezug auf ein alkoholfreies Zuhause.
    Wie du, möchte ich mich nicht von meinem Mann trennen, da ich ihn liebe. Mir wurde hier geschrieben, dass man es mit einem trinkenden Partner neben sich nicht geschafft hätte, abstinent zu bleiben. Zur Zeit verursacht das bei mir keinerlei Suchtdruck, sondern der Biergeruch widert mich eher an. Und dann denke ich, ich würde jemandem, der das täglich erleben muss, auch sagen, dass ich das nicht könne. Irgendwie ganz schön quere Gedanken. Wie geht es dir mittlerweile mit dem Trinken deines Mannes?

    Ich muss nun aufhören. Mein Mann kommt gerade nach Hause und er soll nicht sehen, dass ich hier schreibe.

    LG