Hey, also ich hab immer wieder im meinem Leben gedacht, schon wieder Bier.
Partys, nach dem Sport mit den Jungs, am Wochenende beim Fußball usw.
Dann der Feierabendschoppen.
Im Urlaub mit der Familie dann gar nichts, weil wir waren wandern und da muss man ja fit sein. Da waren die Prioritäten immer andere.
2022 hab ich allein gewohnt und ohne Meckern und Kontrolle ist das natürlich angenehm, aber kann gefährlich werden. Da bekam ich Angst, dass ich es irgendwann nicht mehr ohne kann und Leberzirrhose bekomme. Dann hab ich aufgehört. Ziel war nicht für immer, aber erstmal für ne Zeit. Und das war so toll, dass dann erst ein, dann zwei bis zu drei Jahren wurde. Ein Jahr davon war die Beziehung toll, dann kamen Einsamkeit, lange Weile, Liebesfrust usw. dass ich wieder anfing.
Wie gesagt in guten Zeiten dann wieder nicht, weil war ja nix zum Kompensieren.
Jetzt nach der Trennung und Ortswechsel kommt es für mich auch nicht in Frage weil ich wieder Sport machen, mein altes Ich zurück will und die Depressionen mich runterziehen. Da der Alkohol zwar kurz wirkt, am nächsten Tag wieder alles doppelt so schlimm ist, hab ich es einfach wieder gelassen.
Da aber das Thema mit dem Bier immer wieder hochkam und es für sie auch der springende Punkt (für mich als Reaktion auf Verhaltensweisen und Einsamkeit) war, habe ich mir das schon zu Herzen genommen. Keiner will nen Besoffenen als Freund.
Und ich mich selber ja auch nicht, weil ich mich dann selber eklig finde.
Ich habe aber nie getrunken wenn ich was vorhatte, zur Arbeit musste, beruflich usw.
Eigentlich war das Thema Alkohol eher in der Beziehung ein Thema, meist am Ende wenn irgendwas nicht passte. Für mich vorallem fehlende Körperliche Nähe und eher fehlende Wertschätzung als Mensch, so nach dem Motto: der ist ja eh da, egal was ich mache.
Meine Frauen sind meist alle dominanter als ich gewesen. Das war auch gut, weil ich bei Entscheidungen nicht immer aus dem Bauch heraus entscheide.
Vorallem auch kann ich nicht allein sein, also ohne Partnerin. Dann kommt Angst hoch, ich finde nie jemanden oder auch hat es nie so gefunkt. Und diese Abende allein mit dem Bier vor dem TV haben mich dann am Ende genervt, weil die Frau klingelt ja nicht an der Tür und angetrunken funktioniert eh nichts. Das hin und her überlegen, hast du heute schon was? War gestern was passiert? Usw hatte ich irgendwann auch satt. Seitdem haben der Scham und die Selbstzweifel schlagartig aufgehört.
Es gab in der nüchternen Phase nicht einen Punkt, der negativ war. In Alkoholzeiten kaum ein positiver. Ich sehe es bis heute nicht als Verzicht, da ich keine 20 mehr bin und was verpassen würde. Für mich ist es eine Befreiung. Ich rauche auch seit 5 Jahren nicht mehr und Trauer dem ja auch nicht hinterher.
Ich sehe meine Zukunft eher schwierig weil ich mich ja als Mann in einer Beziehung nicht wirklich umpole. Wenn ich wen liebe mache ich alles für sie. In dem Fall war der Ortswechsel und das Abschalter der eignen Interessen ein Problem.
Uns ich kann beim Kennenlernen auch nicht erkennen, welchen Charakter die Person hat, das kam erst im Laufe der Zeit. Dachte das umgarnen, ständig Nachrichten und Aufmerksamkeit bleibt... Dass das über Tage dann einschläft und sie nicht mal an mich dachte, ich jede Sekunde, hat mich dann verletzt.
Medizinisch bin ich Alkoholiker weil der Alkohol eine Bedeutung für gewisse Situationen ist/war, die Nichttrinker ja nicht zum Alkohol greifen lassen. Der Grad der Abhängigkeit und das Verlangen, das sehe ich tatsächlich als sehr schleierhaft. Ich habe nie des Trinken Willens getrunken, sondern nur in Situationen mit seelischer Angespanntheit und Traurigkeit.
Auch als ich von ihrer Seite aus "durfte", habe ich es nicht gemacht und kein Verlangen gehabt.
Ist die Welt in Ordnung, geht es mir gut. Aber wehe sie wackelt.
Und gerade jetzt erlebe ich mit 40 Jahren die Hölle auf Erden. Da ich weiterhin nichts trinke muss es mir immer eine Warnung bleiben, dass es mit Alkohol nie besser wird und ich jetzt alles nüchtern verarbeiten muss.
Psychologisch soll es mir für das weitere Leben Kraft, Wissen uns Selbstbewusstsein geben, wenn diese Phase überstanden ist. Dass ich eben nicht wieder Fehler mache sondern bewusster mich mit Situationen auseinandersetze.
Ich sollte auch langsam mal lernen, mehr für mich zu leben, ein Gedanke der mit seit der Kindheit ausgetrichtert wurde.
Stattdessen Sparsamkeit, für andere da sein, eigene Interessen hinten anstellen, immer freundlich und hilfsbereit.
Leider ist das Leben anders. Ich werde zwar immer gemocht, habe aber nie gelernt eigene Gefühle und Interessen durchzusetzen.
Immer nur für andere funktioniert.