Beiträge von Loris

    Nun aber noch ein Bericht, wie der Abend mit unseren normalerweise Rotwein trinkenden neuen Bekannten hier in Frankreich lief, die waren gestern nämlich da. Vorgestern riefen Sie an, ob sie noch was mitbringen können, da habe ich ohne viel nachzudenken gesagt, gerne einen Salat, und falls sie Wein zum Essen wollen, selbigen, da wir uns inzwischen zu einem abstinenten Haushalt entschieden usw. Gekommen sind sie ohne Alkohol, mit Salat und einem kleinen nichtalkoholischen Geschenk, das sie extra noch besorgt hatten. Es war ein wunderbarer Abend, offene, gute Gespräche zum Thema Alkohol, Abstinenz, meiner Geschichte. Nach dem Essen habe ich einen Chai Massala mit frisch gemörserten Gewürzen (die unser indischer Kollege uns im Sommer frisch aus Indien mitbrachte) Und das kam dermaßen gut an: Er zu ihr mit seligem Gesichtsausdruck: "also das schmeckt toll, also das ist am Abend ja was Wunderbares, findest Du nicht auch? Ganz toll!"

    Sie hat sich dann gleich die Zubereitung notiert und es ist genau so wie Ihr mir alle prophezeit habt: wer kein Problem mit Alkohol hat, hat auch keines ohne. Es ist mein eigenes nasses Denken, das hier Befürchtungen hegt, dass den Gästen was fehlen könnte.

    Diesen Kontakt können wir schön weiter pflegen, wobei die jetzt im Herbst nur diese eine Woche da waren. Wir fahren vermutlich in zwei Wochen wieder nach Deutschland. Die Baustelle hat nicht ganz die erhofften Fortschritte gemacht, aber in Deutschland warten nun wieder andere Aufgaben. Heute ist mein 50. alkfreier Tag, nicht alle davon waren leicht bzw. ohne Trinkgedanken, aber ich setze darauf, dass sie irgendwann überwiegen werden. Marathon halt. Schön, dass wir zusammen laufen! Loris

    Liebe Tabsi, zu deiner Achtertrippelzahl sind ja nun schon wieder einige Tage dazugekommen, trotzdem nachträglich von mir noch einen Glückwunsch! Danke für Dein offenes Berichten Deiner Familiensituation! Du ahnst nicht, wie gut ich jedes Deiner Worte nachvollziehen kann! Die schweren Krankheitsgeschichten von zwei meiner 3 mittlerweile doch erwachsen gewordenen Kinder passen auf keine Kuhhaut. Mein Nikotin und Alkoholkonsum war jahrelang die vermeintliche Krücke, von der ich glaubte, dass sie mir helfen würde, nicht zusammenzubrechen. Anfang September nun ein schockierender neuer Befund, auch verbunden mit sofortigen teils nächtlichen Hilfseinsätzen, nächtlichen Autofahrten usw. Dir muss ich es nicht erklären...ab da war klar, Trinken ist keine Option mehr, mittlerweile 62 Jahre alt, brauche ich meine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit um weiterhin unterstützen zu können. Und auch ich bin froh, für mich nun die Voraussetzungen geschaffen zu haben, das weiterhin leben zu können. Aber es ist schwer. Wie sehr würden wir es unseren Kindern anders wünschen. Da sein, Hoffnung hochhalten solange es geht, Liebe geben in all der Ohnmacht, dazu wünsche ich uns beiden Kraft. Herzlichst Loris.

    Liebe Kyra, liebe Bergfloh, danke dass Ihr fragt! Bei mir ist alles im grünen Bereich. Die letzten beiden Wochen waren sehr, sehr arbeitsintensiv. Ich bin dann abends oft bloß froh, wenn ich ein bisschen ausspannen kann. Ein paar mal kamen Gedanken an ein Bier hoch, aber es war gut beherrschbar für mich. Zur Zeit lese ich Rausch und Klarheit von Mia Gatow. Obwohl Ihre Biographie und Sozialisierung sehr, sehr unterschiedlich zu meiner ist, lohnt sich die Lektüre für mich. Besonders die Ausführungen zu den sogenannten Trinklegenden, dem storytelling rund um das Trinken z.B. die rotweintrinkende Französin (die in meinem Fall aber eine biertrinkende Bergkameradin ist😉) fand ich echt interessant. Sucht ist erfinderisch und zieht irgendwie alle Register. Das zu durchschauen, finde ich durchaus hilfreich. So, nun aber dringend Feierabend, passt auf Euch auf und seid lieb zu Euch LG Loris

    Liebe Naira, ein eigenes Zimmer als Rückzugsort zu haben, möchte ich mir langfristig auch "zulegen"...am Samstag ist mein Mann nun mit den Alkoholika aus unserem französischen Standort für ein paar Tage nach Deutschland ge-fahren. Wie ich heute mittag erfahren musste, hat er sie noch nicht an die Bekannten verteilt, was mich etwas säuerlich reagieren ließ. Ich hoffe, meine Rüge wurde verstanden.

    Einer sehr schön ettiketierten Flasche Absinth habe ich aber das ganze Wochenende nachgetrauert. Nicht dem Absinth sondern der Flasche. Überlegte sogar, ob man nicht den Absinth umfüllen und die leere Flasche auf dem ursprünglichen Platz auf dem Küchenregal lassen könnte. Weil sie so schön war, weil sich eine ganz besondere Erinnerung an meine Kinder damit verbindet usw. Diese anhaltenden Gefühle konnte ich natürlich als nasses Denken, als Gefühlsduselei der allerschlimmsten Sorte identifizieren. Trotzdem blieb dieses Gefühl das ganze Wochenende, dieses Nachtrauern. Heute morgen war der Spuk vorbei. Echt verrückt. Meinen Arbeitstag mit einem Bad im 15,5 Grad kalten Atlantik abzuschließen und danach heißen, gesüßten Tee zu trinken und Kekse zu essen, ist für mich eine gute neue Gewohnheit mit einem ähnlichen Aaah- Gefühl wie das frühere Feierabendbier. Ab November, wenn ich wieder in Deutschland bin, muss ich mir dann was Neues einfallen lassen. Oder ich bleibe einfach hier😉 Schpaaass😁morgen um 24h habe ich 4 Wochen geschafft. Es kommt mir viel länger vor. LG Loris

    Hallo liebe Kyra, herzlichen Glückwunsch zu Deinen 10 Monaten Alkfreiheit und herzlichen Dank für Deine Zusammenfassung! Klasse!

    Ich diskutiere auch nicht und beende aufkommende Gedanken, die womöglich in Begehrlichkeit ausufern könnten, mit einem innerlich scharf ausgesprochenen" Nein!"

    Das ist das Abbruchsignal, das ich bei meiner (Jagd-) Hündin einsetze, wenn sie im Begriff ist, einen Sch... zu machen, oder wenn ich merke, sie denkt dran.

    Das funktioniert bei mir auch😉😁

    Liebe Morgaine, so eine Freude von Deinen Erfolgen zu lesen! Ich finde das ganz toll! Gerade wenn das Verlangen in einer Situation, wo ich so gar nicht damit gerechnet habe, quasi aus dem Nichts daher kommt, ist es wirklich eine reife Leistung bei sich zu bleiben und der Sucht nicht das Steuer zu überlassen. Nach einem Jahr Rauchfreiheit, kene ich einige solcher Momente. Beim Alk werden sie noch kommen. Beim Thema unerfüllte Liebe wird Dir der Faktor Zeit und der Faktor Nüchternheit bestimmt ebenfalls helfen. Egal für welche Wege man sich auch immer im Leben entscheidet, zuviel Gefühlsduseligkeit, wie sie ja der Alkohol im Gehirn bei vielen verursacht, hat noch niemand geholfen. Deshalb hast Du mit Deiner Abstinenz alles wirklich alles richtig gemacht, der Rest wird darauf aufbauen können. Wir laufen einfach weiter! Herzlichst Loris

    Hallo Bergfloh, dieses Wochenende hast Du 50 Tage Alkfreiheit erreicht, darauf ksnnst Du mächtig stolz sein! Nichts ist wichtiger als das Erreichte weiter zu bewahren. Deshalb würde ich mir überlegen, evtl. wegen den Schikanen auf der Arbeit Deinen Arzt ins Vertrauen zu ziehen. Vielleicht ist eine Krankschreibung möglich um Dich da erstmal aus der Schusslinie zu holen? Oder er kann Dir donst irgendwie raten. Bei solchen Konflikten am Arbeitsplatz ist meine Erfahrung, dass das Besprechen mit dem Ehemann eher nichts bringt. Da kommt zu schnell: " da musst Du eben...Das würde ich mir niemals..." Das bestätigen mir viele Freundinnen, die zum Teil selbst in Leitungspositionen tätig sind, dass die, die am dichtesten dran sind, oft die schlechtesten Ratgeber sind. Auf jeden Fall drücke ich Dir die Daumen, dass Du an der Ecke eine Lösung finden kannst. Herzlichst Loris

    Liebe Morgaine, mit meiner noch frischen Abstinenz geht es mir ganz unterschiedlich. Es ist anders als bei den mehrmonatigen Trinkpausen, die ich mir in der Vergangenheit immer mal wieder auferlegte. Da wusste das Hirn genau, das geht vorbei...gutes Essen hilft mir auf jeden Fall. Wenn ich Arbeiten im Garten oder Haushalt mache, die mir mühselig sind, dann höre ich aktuell Hörbücher dazu, damit das Ganze vergnüglicher wird. Vermeiden muss ich einen Zustand, in dem ich mich als "geschundenes Opfer meiner Arbeiten" empfinde. Ich arbeite noch 60 Prozent, aber mit unregelmäßigen vom Kunden abhängigen Zeiten und mit zwei Haushalten und Gärten und familiären Belastungen, die viel care Arbeit bei erkrankten Angehörigen beinhalten, ist dies ein Gefühl, das hinsichtlich der Abstinenz brandgefährlich ist. Deshalb geb ich mir Mühe, mir selbst was Gutes zu tun. Bewusst Natur genießen, Lesen, auch mal Fernsehen, seit neuestem habe ich das Baden im Atlantik für mich entdeckt. Mal gehts mir damit sehr gut, mal stelle ich noch einiges an nassem Denken bei mir fest. Z.B. dass ich zwar nicht das Trinken, das Bier whatever vermisse, aber den Zustand, das Gefühl das sich dadurch einstellte.

    Aber ich erwarte auch nicht, dass gar nichts mehr in der Richtung hochkommt und vertraue darauf, dass es besser wird. Geholfen hat mir auch das Buch Nachtlichter von Amy Liptrot, welches ich vor meinem Ausstieg las. Da konnte ich viel für mich rausziehen und es hat mich ermutigt, dem Alkohol ganz und gar und für immer abzuschwören. Wenn es mir jetzt mal nicht so gut geht, muss ich mir nur wieder Episoden aus dem Buch in Erinnerung rufen, um meine Zuversicht zu stärken. Liebe Grüße Loris

    Das ist super, dann wirst du nicht ständig gefragt. Ich wünsch dir einen schönen Urlaub und wäre schön, wenn du berichtest!

    Hallo Dalida, da möchte ich mich Hera unbedingt anschließen. Wenn all Deinen Bekannten Deine Situation klar ist, können sie Dich bestenfalls unterstützen oder vielleicht zumindest versuchen, es Dir nicht noch schwerer zu machen. Obwohl ich mir AI Urlaub mit alkoholtrinkenden Freunden im mittelfristiger Zukunft nicht trauen würde, kann ich Deine Vorfreude aufs Tauchen sehr gut verstehen. Eine andere Welt unter Wasser. Du willst das Forum im Gepäck dabeihaben, ja unbedingt, falls Du Dich für Zeiten zwischen Deinen Tauchgängen zurückziehen musst um nicht in Versuchung zu kommen, werden Deine Berichte hier sicher mit großem Interesse gelesen. Ich wünsche Dir viele bunte Fischlein unter Wasser, pass gut auf Dich auf! Loris

    Seit es abends dunkel ist, wird eine Discokugel eingesetzt und ich fühle mich sooooo glücklich bei der Musik und den Bewegungen.

    ....


    Und ja, ich feiere das Leben, aber ohne Watte im Hirn.

    Du drückst das ganz wunderbar aus:

    das Leben feiern! Und ich ergänze in meinen Gedanken: das Leben zu dem beides gehört: Mangel an allem Möglichen, und auch die Fülle (nicht zu verwechseln mit voll sein😉), die Freude.

    Und denke weiter: Bei diesem Paar, das nicht ohne einander existieren kann, gibt es bei mir einen wesentlichen Unterschied: den Mangel muss ich nicht suchen, etwas fehlt ja immer...aber die Freude fällt oft nicht vom Himmel...okay manchmal schon...aber oft muss ich dazu einen Landeplatz bauen, wenn alterstechnisch (jaja die blöde Arthrose zwickt mich auch zunehmend) etwas Freudebringendes nicht mehr geht, eben was Anderes versuchen. Seit dem Wochenende habe ich bspw. mit Baden im Atlantik begonnen. Bei 16 Grad Wassertemperatur, allerhand Organischem was da so rumschwimmt, hätte ich das bis vor Kurzem für mich kategorisch ausgeschlossen... aber jetzt stelle ich fest, maximaler Wohlfühleffekt bei geringem Zeit und Kraftaufwand hier an unserem Standort. Und gelenkschonend. Viel Spaß uns Beiden!

    Liebe Morgaine,

    Du bist mir in Deiner Trockenheit 1 Woche voraus, ich bin quasi unter all den alten Hasen ein "Frischling" wie Du! Wie gut kann ich nachvollziehen, dass Du Angst hast, Dich gegenüber Deinen Ärzten und zu offenbaren. Mir ging es genauso und tatsächlich hat der "Druck" des Forums, nämlich keinen Entzug ohne ärztliche Begleitung zu supporten, mir zur Überwindung geholfen. Da ein familiärer Notfall meinen Ausstiegstermin mitverursacht hat, konnte ich schlichtweg nicht ein paar Wochen warten, bis ich ohne Arzt " durch" war. Die Belastung war zu groß, ich konnte nicht mehr trinken und brauchte das Forum sofort. So war das. Rückblickend bin ich sehr froh. Es ist keine Schande süchtig zu sein. Gerade wenn Du schon lange mit Depressionen, kPTBS zu tun hast, wird jeder vernünftige Mensch verstehen, dass die Sucht damit zusammenhängt. Ein guter Arzt sowieso. Und egal ob es eine Komorbidität gibt oder nicht, ist ein zur eigenen Sucht stehen, der erste Schritt, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen, der erste Schritt zur Heilung. Und ich spürte bei meiner Hausärztin, wie wichtig ihr es ist, mich dabei zu unterstützen. Vielleicht hilft es Dir auch, Dir vor Augen zu führen, dass gerade auch bei Ärzten Sucht sehr verbreitet ist. Die haben da unter sich auch viel zu tun (weiß ich aus sicherer Quelle 😉). Aber ganz egal wie Du Dich entscheidest, wünsche ich Dir Kraft und Geduld die momentan dunklere Zeit zu überstehen, auf dass sich unser Trocken- Abstand nie ändern möge! Wir schaffen das! LG Loris

    Hallo Bergfloh,

    ich schließe mich deinen vielen Vorgratulanten an und wünsche Dir ebenfalls alles Gute und viel Erfolg im neuen Job! Heute Abend viel viel Spaß beim Zumba🪇das ist auf jeden Fall eine tolle Alternative um alkoholfrei zu einer guten Laune zu kommen. Ich habe das vor 15 Jahren auch gemacht, bis dann leider eine Haglundferse der Tanzerei ein Ende setzte. Genieße es!!! LG Loris

    Liebe Forumianer und liebe(r) KW,

    hoch die Hände, Wochenende! Die letzten 4 Tage war viel los, wir sind Mittwochs nach Frankreich gefahren, Dienstag letzte Vorbereitungen, dann 1250km fahren, wie immer bei der Ankunft blankes Entsetzen, wie schnell die grüne Wildnis in wenigen Wochen explodiert, und heute bereits erster Muskelkater vom Jäten. Das Gefühl von Anspannung ist deutlich zurückgegangen. Ich würde es aktuell eher als Gefühl der Nüchternheit bezeichnen. Das ist ungewohnt aber nicht schlecht. Ich bin gelinde erschüttert, dass mir das fremd vorkommt, heißt es doch, dass ich Jahre und Jahrzehnte vom Alkohol besäuselt mein Leben lebte. Dabei war ich ja immer so darauf bedacht, mir und den anderen zu beteuern, dass ich keinesfalls betrunken war. Von wegen. Diese neue Nüchternheit gefällt mir morgens sehr gut. Deshalb stehe ich tendenziell früher auf, und gehe auch früher ins Bett. Die neue Nüchternheit ist abends noch schwieriger, da ist es ganz gut, den Abend kürzer zu halten. Mein Mann zieht gut mit und trinkt abends mit mir Tee, Bitter Lemon, Eistee...was ich ihm hinstelle. Das passt. Euch allen ein schönes Wochenende! LG Loris

    Yep, die Computer Analogie taugt für mich ebenfalls am besten. Beim Lesen im Forum bin ich unlängst auf eine Diskussion gestoßen, ob es sinnvoll ist, sich die " Suchtstimme" als etwas außerhalb meiner Person Existierendes vorzustellen (quasi ein externer Verführer) oder eben nicht. Für mich sind solche Diskussionen wertvoll weil:

    1. es eine gute Sache ist, zu begreifen, dass wir trotz vielem, was für alle AlkoholikerInnen übereinstimmt, doch auch verschieden sind
    2. es mich anregt, meine eigenen Gedanken dazu zu präzisieren.

    Im Ergebnis kam ich dabei am Sonntag ziemlich genau zu dem Bild, wie Du es beschrieben hast😁 ein zweites Bild benutze ich für mich gern, wenn es um den heiklen Moment geht, wenn dieses Programm in meine Wahrnehmung gerät, sich auf den Bildschirm schiebt durch Trigger bspw. die Zeitspanne, die bleibt, um zu verhindern, dass ich draufklicke. Da stelle ich mir gern mein Gehirn als autofahrende Person vor. Ich muss Verknüpfungen, Gefühle, Verlangen auf Abstand halten, umlenken, dagegenhalten. Timing ist hier bei mir alles. Wenn die Sucht erst mal am Steuer sitzt und Vollgas gibt, dann wird das Programm gestartet und alles war vergeblich.

    Gestern war obwohl kein eigentlicher Suchtdruck da war. Ein Sch....Tag. Bei der Arbeit schon ab dem Nachmittag extrem genervt und gereizt gewesen, dann auch den ganzen Abend. Obwohl für einen Montag das Ausmaß der Anforderungen und Fehlerbilder normal war. Möglich, dass das eine Auswirkung des Entzugs ist. Naja. Dann ist das eben so. Mal sehen, wie es heute läuft. Dir und allen Mitlesenden, wünsche ich einen guten, sonnigen Tag!

    In den ersten Jahren kamen mir Trinkgedanken, wenn ich in Situationen kam, die früher eng mit dem Trinken verbunden waren. Diese Verknüpfung musste erst gelöst werden. Hatte ich mich im Vorfeld darauf vorbereitet, blieb anschließend zumeist alles ruhig

    Hallo Carl Friedrich, auch Dir noch schnell einen schönen Gruß geschickt und Deine Worte beruhigen mich echt. Dass es mit Vorbereitung im Vorfeld sgar meistens ruhig blieb, ist toll, ermutigend, und so hoffe ich es für mich auch! Hab einen schönen Sonntagabend, so jetzt muss ich aber los, die Küche ruft

    Du hast den Alk ja auch nicht nur wegen dem Geschmack getrunken, oder? 😉

    Nee, da hast Du freilich recht. Wie alle AlkoholerInnen eben. Es wurde mit der Zeit die bequemste, und gefühlt beste, schnellste Belohnung. Ich muss erst wieder lernen, was Normales wie gut schmeckendes Essen als Belohnung zu empfinden und zu genießen. Das ist zumindest bei mir kein Selbstläufer. Meine Krautwickelproduktion geht jetzt in die zweite Runde: Füllen und zubinden. Morgen Abend heißts dann genießen...

    Und glaub mir, gern schnell und einfach...der Satz könnte von mir sein, und ich freue mich schon jetzt auf den Zeitpunkt, wo ich nicht mehr soooo intensiv gegensteuern muss, und alkoholfrei mein neues Normal wird. Dann wird man Loris nicht mehr viel in der Küche stehen sehen, und wenn doch, würde es mich wundern, obwohl man weiß ja nie, irgendwie auch nett diese Kochaktion, ähm ein bisschen😉

    Danke Euch für Eure Bestätigungen!

    Heute Nachmittag ist mein Mann bis morgen Abend zu einem Klassentreffen gegangen. Beim Gassigehen im Wald merkte ich wie Gedanken ans Trinken aufkamen. Vor 1 1/2 Jahren wäre ich den ganzen Abend rauchend und trinkend auf der Terrasse gesessen und hätte die "Gelegenheit ausgenutzt" Aus den Gedanken wurde zum Glück kein Suchtdruck. Aber ich bin sehr schnell alarmiert wenn ich solche Gedanken registriere. Nach dem Gassi im Supermarkt schaute ich auch schnell weg, wenn Flaschen in meine Optik gerieten. So habe ich glatt den Apfeldirektsaft vergessen den ich für das Frühstück am Wiederaufbautag am Sonntag brauche. Kann passieren. Wenn ich merke, dass die Sucht schon mal die Hand ausstreckt um womöglich in mein Lenkrad zu fassen, beschäftige ich mich u.a. intensiver mit Essen. Das funktioniert bei mir vermutlich aus folgenden Gründen:

    1. denke ich über Kochen, Einkaufen, Essensplanung nach, bleibt weniger Hirnkapa für Suchtgedanken.
    2. oft habe ich mit einer Zigarette den Zeitpunkt zur nächsten Nahrungsaufnahme rausgezögert, oder mit dem ersten Bier vor dem Kochen, das Kochen gleich ganz überlüssig gemacht.

      Anders rum funktioniert dieser Mechanismus bei mir aber auch relativ gut. Das kann ich nutzen.

    3. meine allererste Sucht beginnend im Alter von 6, 7 Jahren war Süßigkeiten Naschen. Heimlich, mit Geld das ich meiner Mama aus dem Geldbeutel klaute. Exzessiv,immer wieder, mit schwerem Scham- und Schuldgefühl. Da hatte ich dann am Tisch natürlich keinen Hunger, vor allem auf die weniger attraktiven Gerichte. Deshalb kann es passieren, dass wenn ich einfach so aus Packungen snacke oder nasche, unvermittelt krasse Traurigkeitsgefühle auftauchen. Nicht zwangsläufig, aber die Gefahr besteht. Lakritze ist die Ausnahme, hab ich als Kind nicht gekannt/ gemocht.

      Essen planen, normale Lebensmittel selber verarbeiten kann ich glaub für mich getrost unter wie war der Ausdruck? Trockenheitsarbeit? einordnen. Arbeit allein schon deshalb, weil ich es überwiegend als mühevoll empfinde, selten als etwas das mir so richtig Spaß macht. Wobei das auch abhängig davon ist, wie sehr ich gestresst bin bzw. ich mir selber unnötig Stress mache, weil ich zuviel in den Tag packe.

      Auf jeden Fall hat es auch heute funktioniert. Der Abend ist rum, wieder ein Tag geschafft und morgen kommt eine liebe Freundin. Die vermisse ich in Frankreich immer sehr. Den Tisch fürs Teetrinkeen habe ich schon gedeckt. Ich bleibe beim Tee ohne Kuchen, letzter Fastentag ist morgen...(yeah!)

      Alk braucht kein Mensch. Es gibt soviel gutschmeckende Sachen, die man sich einverleiben kann, die einem gut tun anstatt schaden.

      Ich sag bloß Krautwickel. Die Fäden habe ich vorhin schon zugeschnitten. Gute Nacht liebes Forum und schlaft schön 🌠

    Habe nachgedacht: um es dem Teil in mir, dem es total wichtig ist, dass Gäste bei mir sich schön versorgt fühlen, einfacher zu machen, mache ich es so: am Tag des Abendessens rufe ich meine Bekannte an , berichte, dass wir mittlerweile einen alkoholfreien Lebensstil eingeführt haben. Die Gründe werde ich in diesem Fall nicht nennen, da es ziemlich neue Bekannte in Frankreich sind. Ich werde aber anbieten, dass mein Mann für sie gerne etwas besorgen kann, wenn sie mir sagt was. (eigentlich weiß ich, dass es trockener Rotwein ist, aber man darf sich auch mal doof stellen)

    Aufgrund ihres Berufes, und wie ich die Bekannte einschätze, bin ich 95% sicher, dass sie ablehnt, und versichert, dass das gar nicht notwendig ist und er für sie nix extra kaufen braucht. Sogar 98%. Für die restlichen Prozent bleibt als Lösung mein Mann hat es leider zeitlich nicht geschafft. Damit fühle ich mich entspannter als beim Platz nehmen, jemand zu konfrontieren, der sich auf ein anderes Angebot gefreut hat. Noch wichtiger ist, das sind (noch) nicht Freunde, aber ein wichtiger Kontakt für uns, da es dort wenige Deutsche gibt, und die Sprachbarriere die Nachbarschaftskontakte für mich einschränkt. Da ist für mich noch nicht der Zeitpunkt für zuviel Offenheit, aber es braucht trotzdem eine Information im Vorfeld, damit das eingeschränkte Angebot nicht falsch interpretiert wird, z.B. dass wir ihnen gegenüber knauserig sind...bei unseren restlichen Freunden muss ich nicht so rumeiern, aber in dem Fall fühle ich mich sicherer so. Und dann sieht man eh, ob es zu einem erneuten Treffen kommt oder nicht.

    Ach und die Hauptinitiatoren der Christbaumgruppe, zwei Ehepaare mit denen wir lose befreundet sind, wissen bis dahin eh schon Bescheid. Ihnen wird mein Mann die Alkoholika vorbeibringen.

    Er muss damit zwar einen Invest abschreiben, aber er darf da gerne ein bisschen in sozialer Bestätigung und Anerkennung baden. Ich habe den Forumsartikel zu den Grundbausteinen und wie essentiell die Unterstützung durch Partner und Familie ist, glaub gut rübergebracht. Das wird er sicher berichten, und er hat eine Steigerung seines Ansehens. Deal. Warum bin ich nicht früher drauf gekommen, dass ich einfach wie ein Betriebswirt denken muss, wenns um die Wurst geht. Nein im Ernst, ich umgebe mich bloß mit Leuten, die mir liegen und wo ich sicher sein kann, dass es menschlich passt. Und da kann man auch sagen, ich bin Alkoholikerin und bin trocken und will es bleiben.