Beiträge von Hartmut

    Ich erkenne meine Krankheit an bin aber froh sie gestoppt zu haben und ja ich bin schon ein kleines bisschen Stolz und dankbar auf mein 10 Monatige Abstinenz.

    War bei mir anfangs genauso, aber das habe ich mit der Zeit abgelegt ganz einfach, weil ich der Sucht nicht mehr Raum geben will, als unbedingt nötig. Es ist ja kein Wettbewerb, wie lange man nüchtern ist.

    Es ist eine Notwendigkeit, um sein Leben selbst bestimmen zu können.

    Mit Demut und Dankbarkeit in Bezug auf Krankheiten tu ich mich auch generell schwer. Und Stolz? Den verbinde ich eher mit sportlichen Leistungen oder bestandenen Prüfungen aber doch nicht mit einer Krankheit. Ich hatte neulich Corona, Omikron. Lief glimpflich ab. Aber stolz war ich darauf auch nicht.

    Am Anfang, wenn jemand noch etwas unsicher auf den Beinen steht, mag es auch mal gut sein, sich auf die Schulter zu klopfen, bis sich eine gewisse Stabilität eingestellt hat und wenn daraus eine Normalität entwickelt passt das alles .

    Für mich ist das keine Frage der Interpretation oder Auslegung, sondern eine nüchterne Erkenntnis. Der Wille allein reicht nicht aus, wenn es um Sucht geht.

    Jeder, der mal in seiner nassen Zeit abends beschlossen hat, nichts oder weniger zu trinken und es trotzdem getan hat, weiß, wie wenig der Wille gegen die Sucht ausrichtet. Auch die Versprechen gegenüber dem Partner, aufzuhören oder sich zu mäßigen, waren voller guter Absicht. Der Wille war da und hat trotzdem nichts verhindert.
    Und jetzt, beim Trockenbleiben, soll plötzlich derselbe Wille genügen? Oder hat der Süchtige zwei Persönlichkeiten ,eine, die im Rausch machtlos ist, und eine, die nüchtern alles im Griff hat? Wenn auf den Willen keine Handlung folgt, endet es im Rückfall.

    Ich frage mich auch, was es überhaupt bringt, darüber nachzudenken, ob ich aus Willenskraft oder aus Kapitulation trocken geworden bin. Und wenn es die Willenskraft war, wie lange hat es gedauert, bis die Kapitulation übernommen hat?

    Was will ich mir damit beweisen? Dass ich stark bin? Dass ich meine frühere Schwäche, suchtkrank geworden zu sein, relativieren kann? Das würde ja bedeuten, ich erkenne es nicht als Krankheit an. . Oder ich kein Opfer war, sondern ein Held? Ich weiß es nicht.

    Und ehrlich gesagt: Ich will es auch gar nicht mehr wissen. Ich bin einfach froh, dass ich heute trocken bin.

    Schönen Austausch noch.

    Aber man muss doch "wollen" Abstinent zu werden und zu bleiben und damit ist doch nicht automatisch ein Kampf damit verknüpft. I

    Der Wille war damals schon da, als ich dachte, die Sucht unter Kontrolle zu haben. Doch genau dieser Wille wurde von der Sucht ersetzt. Da konnte ich ankämpfen, so viel ich wollte, da war nichts mehr mit Willen. Und jetzt, in der Abhängigkeit, soll derselbe Wille ausreichen, um dauerhaft trocken zu bleiben?

    Nein, der Wille allein reicht nicht. Er ist zu schwach gegen eine Sucht, die sich tief ins Denken und den Alltag eingebrannt hat. Trocken zu bleiben bedeutet nicht, willentlich dagegen anzukämpfen. Es braucht Kapitulation statt Kampf.

    Es braucht eine echte Veränderung im Leben, anstelle eines bloßen „Ich will“. Ich muss handeln, nicht nur wollen, um trocken zu bleiben.

    ja bitte mach das, vielleicht liest du etwas ... das ich übersehe

    Wenn du mich fragst, ob du was übersehen hast, dann ist da meist schon ein Gedanke im Hinterkopf , entweder der Wunsch, wieder zu trinken, oder zumindest die Versuchung.;) Sonst würdest du nicht fragen. Oder liege ich da völlig daneben?

    Ich lese von ferngesteuertem Verhalten, mitgenommenem Wein, einem Freund, der sich über fehlenden Rum zum Kaiserschmarrn mokiert, und einer Hochzeit, bei der du glaubst, es habe dir nichts ausgemacht.

    Aber nüchtern werden ist eben kein Sprint , es ist ein Marathon. Und der verlangt mehr als sporadische Beschäftigung mit dem Thema. Austausch, Reflexion, ehrliche Auseinandersetzung.

    Auch wenn du schreibfaul bist, interessiert das die Sucht nicht. Sie schleicht sich in der nassen Zeit ein und tut das auch in der trockenen. Also such dir dann eine zusätzliche Gruppe. Stabilität entsteht nicht durch Schweigen, sondern durch ständigen Austausch.

    Mein Rat: Im ersten Jahr ein alkoholfreies Umfeld schaffen und ein Leben aufbauen, das mit der Sucht nichts mehr zu tun hat. Es bringt nichts, weiter in den alten nassen Kreisen, nassen Gedanken und nassen Tagesabläufen zu verharren. Und es hilft auch nicht, sich ständig zu fragen, ob man es schafft. Angst ist da kein Kompass.

    Mir hat es geholfen, mein Leben komplett zu verändern, neue Interessen zu entdecken und mich nicht mehr von den Erwartungen anderer abhängig zu machen. Nüchternheit hat oberste Priorität. Wer damit nicht klarkommt, kann gerne woanders hingehen.


    Zu direkt? Zu deutlich? Nimm es nicht persönlich es geht nicht um dich, sondern um die Sucht. Und wer sich am Austausch stört, hat noch nicht verstanden, worum es wirklich geht.

    Also, zuerst einmal habe ich nicht die Allround-Lösung, aber aus meiner Erfahrung und jahrelangem Austausch hier würde ich so beschreiben

    Hartmut du schreibst ja immer wieder ein Rückfall findet schon viel früher im Kopf statt

    Ein Rückfall beginnt nicht mit dem Griff zur Flasche, sondern mit einem Gedanken. Alltagssituationen wie Stress, Freude, Verzicht, Einsamkeit oder der Wunsch nach Belohnung lösen innere Dialoge aus wie: „Ein Glas wäre doch okay“, „Ich hab’s im Griff“ oder „Nur heute, zur Entspannung“.

    Diese Gedanken wirken vielleicht harmlos, sind aber aus nassen Zeiten nur allzu bekannt. Doch genau darin liegt die Gefahr. Die Sucht meldet sich nicht laut, sondern leise „nass gedacht“ mit Gedanken wie „Es wird schon nichts passieren“ und öffnet so die Tür zur Nachlässigkeit.

    Jeder hat sein eigenes System, um gegenzusteuern. Manche denken den Gedanken zu Ende, was passieren könnte. Ich halte davon wenig, denn ich weiß, was bei einem Rückfall passiert. Ich brauche keine Schreckensszenarien als Abschreckung, das war ich in der nassen Zeit selbst.

    Ein Rückfall ist auch kein plötzlicher Ausrutscher, sondern das Ergebnis eines mentalen Prozesses: Verharmlosung, Selbsttäuschung, Rechtfertigung.

    So, ich muss gestehen, dass ich deinen Thread nur überflogen habe, aber ich werde ihn mir mal in Ruhe durchlesen.

    Aber einen Kampf kann man doch auch gewinnen?

    Siehst du die Sucht immer noch als Gegner, als etwas, das man besiegen kann?

    Warum bist du überhaupt süchtig geworden? War es eine Schwäche, eine Niederlage? Und warum hat es jedes Mal nicht geklappt, wenn du versucht hast, abstinent zu bleiben? Ganz einfach, weil es kein Kampf ist, den man gewinnen kann, sondern ein Zustand, den man akzeptieren muss. Sucht ist kein Gegner, den man mit Disziplin oder Willenskraft besiegt. Das Zauberwort für Abstinenz ist nicht „Willenskraft“, sondern „Kapitulation“.

    Viele Rückfällige haben auch nie wirklich aufgehört ,sie wollten es nicht. Sie würden weiter trinken, wenn sie könnten. Für sie ist Aufhören keine Befreiung, sondern eine Niederlage. Und genau aus diesem Grund werden sie rückfällig

    Wenn du jedes Mal wieder von vorne anfangen musst, stellt sich doch irgendwann die Frage: Sich nach dem nächsten Rückfall totzusaufen oder es endlich anders anzugehen?

    Das beginnt im Kopf – mit der Entscheidung, nicht mehr zu kämpfen, sondern die eigene Machtlosigkeit anzuerkennen. Erst dann kann etwas Neues entstehen.

    Und was du mit dem alkoholfreien Umfeld machst, finde ich gut, um erstmal eine gewisse Stabilität zu erreichen.

    Was machst du stattdessen, anstatt zu saufen? Hast du dir neue Hobbys gesucht oder andere Freizeitaktivitäten ausprobiert? Vielleicht Sport oder etwas Ähnliches?

    Es gibt keine allgemeingültige Regel für Alkoholiker in Bezug auf Essig, Senf, Ketchup oder andere Soßen.

    Entscheidend ist, was mich persönlich triggert. Wenn etwas wie Alkohol aussieht, riecht oder mich beim Essen oder Trinken daran erinnert, dann weg damit. Sobald ich anfange zu überlegen, ob es „geht“ oder „schadet“, befinde ich mich schon im Rückfallmodus – testen, schönreden, relativieren. Also Alternativen suchen und nicht diskutieren.

    Trocken sein bedeutet auch beim Essen und Trinken, Verantwortung zu übernehmen und keine Ausnahmen zu machen.

    Willkommen auch von meiner Seite.

    a, und ich habe schon 3 stationäre Therapien gemacht, Selbsthilfegruppen besucht und an die 100 Entzüge- ich bin trockener Alkoholiker und habe keinen Bock mehr auf so ein beschissenes Leben wo es mir immer schlecht geht.

    Wenn dein Threadtitel stimmt, wundert mich nichts. Zig Entzüge, immer wieder Rückfälle, ständig am Anfang. Das ist kein Einzelfall, das ist das Muster. Und das Muster ändert sich erst, wenn du aufhörst, den Weg aus der Sucht als „Kampf“ zu sehen. Kampf heißt verlieren.

    Für mich war’s eine Erlösung, endlich nicht mehr saufen müssen. Endlich wieder Kontrolle , nicht über die Sucht, sondern über mein Leben. Der entscheidende Schritt war, die „nassen“ Gedanken von den trockenen zu trennen.

    Das alte Saufleben komplett hinter sich lassen. Neustart. Radikal. Raus mit den Trinkkumpanen, weg mit dem feuchtfröhlichen Umfeld, weg mit jedem Tropfen Alkohol, der noch irgendwo herumsteht. Und die Zeit, die früher fürs Trinken draufging? Neu füllen. Mit etwas, das dich aufbaut, nicht kaputt macht.


    Nicht die Hilfe hat mich trocken gemacht , sondern das, was ich aus der Hilfe für mich umgesetzt habe. Selbsthilfe heißt: Arsch bewegen. Nicht jammern, nicht abwarten, sondern tun


    Ja, und dann kam der Verzicht. Natürlich hat mich das frustriert. Die ersten Wochen waren ein ständiges inneres Abwägen zwischen alten nassen Gewohnheiten und dem Wunsch, endlich auszubrechen. Aber mit der Zeit wurde es weniger.

    Die Gier, die Leere, das Gefühl, etwas zu verpassen all das verlor mit der Zeit an Macht. Und irgendwann hab ich kapiert. Trocken sein heißt nicht, auf Alkohol zu verzichten. Es heißt, mir meine Würde zurückzuholen. Mich nicht mehr kontrollieren zu lassen von einer Flasche. Mich selbst wieder ernst zu nehmen.

    Dir dazu ein gutes Gelingen.

    Der Rückfall war vor der Diagnose.

    Wenn du deinen ganzen Thread noch einmal durchliest, siehst du. Du hast permanent gekämpft. Und du standest immer wieder – selbst wenn nur gedanklich – kurz vor dem Rückfall. Der Rückfall beginnt nicht mit dem Glas, sondern lange vorher im Kopf.

    Die Sucht wartet nicht auf einen Auslöser, sie bastelt sich einen zurecht. Es gibt nicht den Moment, es gibt nur die Entscheidung, ob man dem inneren Sucht -Drehbuch folgt oder es durchbricht.

    In deinem Thread steht genug. Lies ihn noch einmal. Und wenn du das nächste Mal das Glas ansetzen möchtest melde dich vorher hier. Denn wenn du es nicht tust, dann willst du wieder saufen So einfach ist das.


    Das ist kein Vorwurf, sondern die Realität. Und wer damit nicht klarkommt, sucht sich wieder einen Mosaikstein. Du kennst das Spiel, aber auch den Ausstieg. Alles Gute dafür.

    Heute darf ich wieder nach langer, langer Zeit mein Leben in vollen Zügen geniesen. Ich verzichte auf nichts und bin total glücklich und zufrieden.

    Auf etwas zu verzichten und diesen Verzicht zu spüren, war anfangs immer ein Balanceakt für mich. Ich war ja überall dabei, ein echter Hans Dampf in allen Gassen und auf fast jedem Fest präsent.

    Zu Beginn, als ich noch keinen Alkohol brauchte, war es das gleiche Fest wie später, als ich ihn dann brauchte.

    Das hat mich hin und wieder ins Grübeln gebracht, aber bewusst verzichten zu müssen, um zu erkennen, worauf man verzichten kann, ist ganz hilfreich, um andere neue Dinge für sich zu entdecken. ;)

    Bitte bei diesem Thema bleiben und keinen neuen Thread eröffnen. Ich habe es zusammengeführt.

    Und willkommen bei uns!

    Die ersten wichtigen Schritte hast du getan: stationäre Entgiftung, das Erkennen, Alkoholikerin zu sein, und dann noch die lebenslange Abstinenz. Das nenne ich einen Bilderbuchstart in ein neues Leben!

    Ziehe mal die Entgiftung durch, berichte uns, wann es rum ist, und wir unterstützen dich gerne bei deinem Vorhaben..

    Dann sind alle Grundvoraussetzungen für den Austausch hier gegeben.:thumbup:

    Einfach unten auf den Link klicken, kurz in der Bewerbung um Freischaltung bitten, und der nächstmögliche Moderator kümmert sich darum. Danach wirst du an die richtige Stelle des Forums verschoben und kannst dich überall austauschen.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/


    Darf ich fragen wie viel du früher getrunken hast? Wie lange ca und wiebalt du warst als du aufgehört hast?

    Hast du irgendwelche Langzeitschäden?

    Nun, wie viel es genau war, weiß ich nicht. Es war sehr exzessiv, schon in der Jugend, und der zunehmende Alkoholmissbrauch hat natürlich Spuren hinterlassen. Erst mit 40 konnte ich langsam aufhören, allerdings erst nach einem massiven Rückfall.

    Ob oder welche Krankheiten und wie das alles zusammenhängt, weiß ich jedoch nicht.

    Ja, habe auch schon mit Ärzten gesprochen.

    Nun bezog sich meine Frage auf die körperliche Entgiftung, ob das mit dem Arzt abgeklärt wurde, damit es nicht zu einem kalten Entzug kommt, der gefährlich werden kann, bis hin zum Delir oder sogar Tod.

    Weiß der Arzt, dass du momentan nichts trinkst? Begleitet er deine Entgiftung? Und das letzte Mal war vor einer Woche – aber wie viele Tage sind das genau her?


    Will da endgültig ausbrechen, weil ich einfach endlos genervt bin von dem Ganzen.

    Das ist schon mal gut. Ich war Hardcore-Säufer und bin jetzt seit 18 Jahren trocken, und wenn ich es geschafft habe, schaffen es andere auch.

    Dazu bekommst du hier Unterstützung, jedoch erst nach der Freischaltung für die anderen Bereiche.

    Die erfolgt aber erst nach der körperlichen Entgiftung.

    Muß zugeben, bis jetzt der ultimative Angriff des Alkoteufels....aber durchgehalten, was kann noch passieren...🤔❓

    Unabhängig davon, dass ich keinen Alkoholteufel kenne, da ich ihn nur als Suchtmittel betrachten kann – er schadet mir nicht, solange ich keine Konfrontation suche. Er läuft mir schließlich nicht hinterher.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, hast du bisher keine Veränderungen im Vergleich zu deinem früheren nassen Leben vorgenommen, als die Rückfälle passiert sind, außer dass du den Schalter im Kopf umgelegt hast? Du lebst ja noch in deinem alten "nassen Leben"? Wenn ich das richtig zusammenfasse – ich habe jetzt nicht die ganze Entwicklung gelesen ;)

    was ich jetzt nicht ganz verstehe . Hattest du Craving, oder kommt es gerade auf?

    Grüße an alle Leidensgenossen

    Willkommen bei unserer Alkoholiker-Online-SHG. Nun bin ich kein Leidensgenosse mehr, denn ich muss nichts mehr trinken. ;)

    Aber jetzt zu dir. Es ist gut, wichtig und richtig, das Trinkverhalten und die daraus resultierenden gesundheitlichen und gesellschaftlichen Probleme zu hinterfragen. Das ist der erste und ein bedeutender Schritt.:thumbup:

    Nun hast du dich hier in einem Alkoholikerforum angemeldet, das sich nur an bekennende Alkoholiker richtet, die eine lebenslange Abstinenz anstreben.

    Wie sieht es da bei dir aus?

    Bist du Alkoholiker und ist das auch dein Wunsch?

    . Es war nicht das gesellschaftliche Leben als solches, das war ich allein. Es hat mich keiner gezwungen.

    Sagt ja keiner.

    Du hast aus freien Stücken gesoffen. Wenn nicht allein, still und leise zu Hause im Kämmerlein, dann eben mit Menschen um dich herum. Das hat immer Einfluss auf ein Trinkverhalten, und es ist eben auch mit gewissen Situationen eingebrannt, unterbewusst suchtgesteuert, in Arealen, die eben nicht greifbar sind.

    Suchtkrank heißt auch, dass ich die Kontrolle verloren habe.

    Bedeutet konkret, dass mich eine geschäftliche Verpflichtung im nächsten Monat aus meinen vier Wänden zwingt

    Mich zwingt niemand zu etwas, wenn ich krank bin oder außerstande wäre, etwas zu tun, das mir im Nachhinein schaden könnte. Das liegt immer alleine meiner Verantwortung.

    Ich kann zwar verstehen, dass es immer einen inneren Konflikt gibt und man glaubt, handeln zu müssen, damit alles um einen herum nicht zerbricht.

    Aber es sind nicht die Umstände, der Beruf oder die Sucht, die krank sind – das bin nur ich selbst.

    Dir dazu ein gutes Gelingen.

    „Gesellschaftliches Leben“ – klingt harmlos. Aber ist es nicht genau das Leben, das damals zur Sucht geführt hat? Wo fängt man an, Unterschiede zu machen? Wie viele Gläser sind „okay“? Und woher weiß ich, dass es nicht wieder genauso endet, wenn ich mittendrin bin?

    Am Anfang des nüchternen Weges ist das alte, nasse Verhalten noch tief verankert. In Gedanken sind Feste, Feiern und Begegnungen automatisch mit Alkohol verknüpft. Man hat sich jahrelang darauf eingerichtet, immer griffbereit, immer versorgt.

    Wenn ich jetzt einfach wieder ins "gesellschaftliche Leben" zurückgehe, ohne etwas verändert zu haben, dann ist das kein Neustart.

    Es ist besser eigen nasse Gedanken neu ausrichten: Es gibt ein gesellschaftliches Leben auch ohne Alkohol. Erstmal stabil werden. Nicht in Konfrontation gehen. Und nicht Strategien entwickeln , wo früher die Trinkpausen endeten.;)

    Natürlich bedeutet der Anfang auch Verzicht. Natürlich ist Frust dabei, wenn man nicht überall dabei sein kann – obwohl das Wollen noch tief verankert ist. Ich kann mich auch entscheiden, wieder zu saufen Dann mache ich einfach weiter wie früher. Oder ich halte kurz inne und frage mich: Warum habe ich eigentlich aufgehört? Oder besser noch , warum musste ich aufhören?

    Wenn ich im Supermarkt einen Bekannten treffe und er zufällig im Weingang steht und mich rüber winkt dann gehe ich da natürlich hin, wenn er mich dann auch noch fragt welcher Wein denn gut wäre bzw. welchen ich empfehlen würde, könnte ich das ohne Probleme.

    Es ist nicht die Frage, ob ich es kann, sondern warum ich es machen soll.? Ich habe mit Alkohol abgeschlossen, deshalb gebe ich auch keine Tipps.

    Höchstens, weil ich als Abstinenzler mich nicht ausgeschlossen fühlen möchte oder mir eine Tür offen halten will, falls ich doch wieder saufen würde, damit ich selbst den richtigen Wein kaufe.

    sondern von Situationen aus dem alltäglichen Leben.

    Nun habe ich heute Morgen jemanden Zigaretten kaufen sehen, und ich als ehemaliger Raucher konnte mich aber nicht dazu bewegen, ihm einen Tipp zu geben, welche Marke er rauchen soll, welche besser schmeckt oder schneller zur Lungenkrebs führt.

    Warum sollte ich jemandem Alkohol empfehlen, wenn ich selbst fast daran zugrunde gegangen wäre oder süchtig geworden bin?

    Immer wieder mal ein Thema hier.

    Am Anfang steht die Sucht. Und irgendwann kommt der Moment: Ich will da raus. Wie man dahin kommt, ist unterschiedlich , ob durch einen Tiefpunkt, eine Laune oder einfach, weil klar wird: Wenn ich so weitermache, verrecke ich.

    Dann kommt der Stopp. Entgiftung. Und das trockene Leben beginnt. Erst Euphorie, alles neu, alles besser. Aber dann knallt die Erwartungshaltung gegen die Realität .„Jetzt müsste doch was passieren!“ Nur kommt da nichts Magisches. Da ist plötzlich Alltag. Da ist nüchtern.

    Und das ist oft genauso trist wie vorher fühlt sich so an nur ohne Pegel. Genau da meldet sich die Sucht zurück: „War doch früher auch nicht besse .“ Sie bietet sich wieder an. Für mich war Trockenwerden kein Upgrade. Es war eine Notwendigkeit. Ein Überlebensmodus.

    Und auch die Erwartungshaltung der Co-Fraktion der Familie, Kinder, Partner ist oft überhöht. Wenn der Partner endlich aufhört zu saufen, wird alles besser.


    wie habt ihr das erlebt ?