Hallo Jana,
sooo viel, was hier geschrieben wurde und so wertvoll ist. Ich liebe meine, unsere Selbsthilfegruppe.
Ich hab mich nach 26 gemeinsamen Jahren getrennt. Vor nun 17 Jahren.Unglaublich, dass ich mich das getraut habe. Denn in mir waren ja ganz ähnliche Gedanken und alte Muster, wie du sie auch bei dir beschreibst.
Ich hatte noch ca 1 Jahr dauernd Kontakt zu meinem ersten Mann. Denn mit der Trennung wurde er nüchtern. Und nein, er war nicht mehr der, den ich geheiratet hatte. Ich glaube, er war noch nie der tolle Mann, den ich in den ersten Jahren in ihm gesehen hatte. Während der vielen Jahre, in denen er immer tiefer in die Sucht abrutschte, wurde auch sein wahres Gesicht immer deutlicher.
Das fand ich garnicht mehr toll. Und als er dann nüchtern war, war er so, wie er auch als nasser Alkoholiker gewesen war. Nicht ganz so krass, Alkohol enthemmt ja auch. Aber er war eben nicht mehr der, den meine rosarote Brille mir vorgegaukelt hatte.
Leider.
Ich empfehle keinem, das nachzumachen. Dieses Jahr in dem ich wusste, ich will ihn nicht mehr, er tut mir nicht gut, aber trotzdem halte ich noch fest. Ein Mann, den ich nicht leiden kann ist besser als garkeiner. Ich hab mir damit keinen Gefallen getan, es hat mich unglaublich Energie gekostet und auch unfrei gemacht. Und es hat in ihm Hoffnung erzeugt die ich nicht erfüllen konnte und wollte.
Nur aus Feigheit und Angst. Feigheit, für mich und meine Grenzen uneingeschränkt dazustehen, die schlechten Gefühle aushalten zu müssen. Und Angst, ihm Unrecht, ihm wehzutun. Lieber hab ich mir selbst Unrecht getan und mir wehgetan damit. Das war genauso schlimm wie der Trennungschmerz, vielleicht sogar noch schlimmer.
Heute hatte ich echt ein extremes Tief und war wieder versucht mich bei ihm zu melden - bin aber froh, dass ich letztlich widerstanden habe.
Darauf kannst du sehr stolz sein! Auch wenn der Druck groß sein kann es zu tun, tu es nicht. Ablenkung ist da gut. Es aushalten. Schreien, weinen, alles ist besser als nachgeben.
Liebe Grüße Aurora