Hallo Lilli,
ich habe das mit Hilfe einer Therapie gelernt, mit dem Austausch hier im Forum und durch viel Nachdenken und Üben.
Ich bin noch immer keine Meisterin, aber das wichtigste an diesem ganzen Prozess war zu lernen, meine Grenzen zu erkennen und auch zu verteidigen. Ich habe immer zu allem "ja" gesagt. Ein "nein" war unfassbar für mich, wenn ich wirklich mal "nein" sagen musste habe ich üble Gefühle gehabt und sofort einen Ausgleich angeboten. Eine Wiedergutmachung gewissermaßen.
Ich habe immer mit mir machen lassen, ich habe mich nicht getraut, mich auseinander zu setzen. Zu streiten. Das war in meiner Urfamilie verpönt. Ich habe nicht gelernt mich zu verteidigen, schon als Kind habe ich nachgegeben denn "der Klügere gibt nach" war das Motto, was meine Mutter mir eingeimpft hat. So habe ich Dinge gemacht die ich eigentlich nicht wollte, ich habe Dinge hingenommen, die mich verletzt oder gekränkt oder auch in meiner Person eingeschränkt haben. Ich habe immer gelächelt, gelacht dabei. So, als mache es mir nichts aus. Ich war schon beliebt dadurch, denn ich konnte gut "gebraucht" werden. Ich wurde ausgenutzt. Fand das sogar noch toll denn es gab mir ein Gefühl von gebraucht werden, von geliebt werden. Aber ich habe geschluckt. Denn es hat mir ja ganz oft nicht gepasst oder gefallen, was ich mir da aufgehalst hatte durch meine Jasagerei. Ich bin ja gar nicht mehr dazu gekommen, mein eigenes Leben zu leben sondern ich habe von anderen mich leben lassen...
Das Schlimme daran war, dass die anderen Menschen das ja nicht wussten, ich war immer lächelnd und immer bereit. Ich war tatkräftig nach außen hin und für nichts zu schade. Perfekt also für mein Umfeld. Nur ich bin auf der Strecke geblieben.
Das bisher schlimmste, was mir daraus passiert ist ist, dass ich die Familie meines Exmannes aus meinem Leben regelrecht rausgeschleudert und -gebrüllt habe. Mein Exschwager ist äußerst dominat, in meinen Augen ein Narziss, und ich habe immer geschluckt. Er hat sich in meine Ehe, in meine Erziehung, in mein ganzes Leben eingemischt. Unglaublich, ich kann es hier nicht erklären, das würde den Rahmen sprengen. Und meine Exschwägerin hat da mit reingehauen, immer ihrem Mann untertan. Irgendwann war es dann tatsächlich so, dass meine Exschwägerin mich anrief nach einigen Tagen Urlaub, den sie hatten. Und ich habe gebrüllt, konnte kaum reden vor Aufregung, Schmerz, Enttäuschung und Hass. Mein Hals war zu eng für alles, was da raus wollte nach 26 Jahren mit denen und schlucken. Ich war fast besinnungslos vor Anstrengung und Aufregung.
Mein Sohn, der das mit angehört hatte meinte dann " Muddi, jetzt warste das erste Mal ehrlich!".
Bis heute wissen diese Leute nicht, was mit mir los war. Sie haben es nicht verstanden und es kam für sie wie aus heiterem Himmel. Ich habe den Kontakt abgebrochen, nur noch in äußerst seltenen Ausnahmefällen treffe ich sie mal und dann nur kurz. Ich war hinterher fix und fertig. Das war sehr unangenehm. Ich möchte nie mehr so viel hinnehmen, dass so etwas passiert, denn das war echt nicht angenehm für mich. Ich hatte keine Kontrolle mehr über irgend etwas in mir, es kam wie Bombenexplosionen aus mir raus.
Also habe ich geübt und übe noch. Ich sage "ja" wenn ich es so meine und ich sage "nein" wenn ich es so meine. Ich erkenne meine Grenzen. Es macht mir noch immer unangenehme Gefühle, meistens. "Nein" zu sagen oder so. Aber das halte ich aus. Das ist echt ein Lernprozess. Ich habe dadurch aber mehr von meinem eigenen Leben und bin nicht mehr fremdbestimmt. Das "ja" kommt aus vollem Herzen und ist ehrlich gemeint. Meine Mitmenschen nehmen mich seitdem ernst...
Selbstbewusstsein und Grenzen erkennen und setzen, das gehört für mich zusammen...
Oha, ein Roman...
, hoffentlich kannst dir was daraus mitnehmen.
Liebe Grüße
Aurora