Das Arme-Sau-Sydrom

  • Guten Morgen,

    vorhin, als ich ein paar der Postings in diesem Bereich hier las, wurde mir wieder einmal bewusst, dass wir uns in unserer Abhängigkeit von den Alkis gar nicht so sehr unterscheiden. Als mein Ex trank, war er immer voll des Selbstmitleides. Die Welt war schlecht und er hatte keine Chancen darin. Klar, wenn „mann“ jeden Tag nur spritig übersteht, ziehen Chancen logischerweise ungenutzt an einem vorbei. Ich sah mich dann als die arme Helferin, die hoffte und liebte und sich aufrieb im Hoffen und Helfen wollen.

    Wenn ich dann lese, wie sich Gedanken und Gefühle nur um den Alki drehen, bekomme ich wieder ein ähnliches Gefühl, wie damals ihm gegenüber. Für ihn war die Welt schlecht, weil sie ihm schlimme Dinge antat. Und für Co-Abhängige ist es der Alki, der schlecht mit ihnen umgeht. Der sie zum Opfer macht und dafür sorgt, dass ihr Leben aus den Fugen gerät. Nichts anderes als das Arme-Sau-Syndrom, nur in nüchtern. Keiner und Keine von uns Co´s ist dazu verurteilt, sich alles bieten zu lassen, was einem nassen Alki so einfällt. Aber es wird zu gern gelitten, als dass „frau“ oder „mann“ die eigene Situation, das eigene Leben in die Hand nimmt und Nägel mit Köpfen macht – sprich, etwas verändert.

    Zu gern werden dann die Menschen, die die Dinge beim Namen nennen, als herzlos verschrie(b)en. Klar, wieder sind die Leidenden die Opfer. Doch solange wir uns nicht aus unserer Opfermentalität lösen und UNSER „Arme-Sau-Syndrom“ kultivieren, wird sich für uns auch nichts ändern.

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen Ette,

    ja, Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. - Bloß keine Kritik oder direkte, wahre Worte hören wollen. Und wehe, es wagt sich jemand, mal was anderes zu schreiben, nicht ausnahmlos viel Kraft usw. zu wünschen. Oder sogar noch dasjenige darin bestärken.....in der Rolle zu verharren. Da wird man schnell als Besserwisser, aggressiv oder verständnislos bezeichnet. Schließlich will man seine Ruhe haben oder man erhofft sich ein Patentrezept, wie man seinen alkoholkranken Partner trocken zaubern kann, ohne bei sich selbst was verändern zu müssen. (Aber ich will doch bloß helfen, heul). Hinzu kommt, dass es oft vorkommt, dass ein Co dann noch von z. B. Schwiegereltern oder so unterstellt bekommt, er würde das jenige hängen lassen, wenn er das nicht mitträgt und kriegt wieder Schuldgefühle eingeflößt. Die es liebend gerne sehen, dass der Partner bei der Stange bleibt, weil sie selbst ebenso hilflos sind.

    Tja, in der Tat, das arme Sau-Syndrom scheint eine Kettenreaktion zu sein. Verharren wir bloß nicht darin, woher soll die Energie und die Kraft denn dann kommen? Ich finde übrigens auch, dass sich das Verhalten von Alkoholiker und Co deckt. Beide können an nichts anderes denken, sind gelähmt und in der Tat die armen Opfer.

    Morgendliche Grüße von Angelina

  • Morgen

    Ganz genau. Da kann ich nur zustimmen,
    Es ist so bequem in der Rolle zu verharren.
    Etwas zu verändern kostet so viel Kraft und auch ganz viel Ehrlichkeit zu sich selber.
    Aber vor dem was wir dann sehen könnten haben wir CO,s insgeheim auch ein bisschen Angst.

    Angst vor der Veränderung, Angst vor uns selber, vor dem was dann kommt.

    LG

    vergissmeinnicht

  • Tja, man hängt halt am gewohnten, denn das kennt man, da findet man sich zurecht.... da ist das unbekannte andere erstmal das viel unsicherere und auch das was uns mehr Angst macht, weil es uns fremd ist und wir vielleicht auch nicht wissen wie damit umzugehen ist...das ist wie ins Leere gehen...und das ist nun mal nicht einfach. Respekt vor allen die das schaffen. Aber ich glaube das sind teilweise sehr große Umwälzungen...da es auch heißt sich mit seinem ganzen vorherigen Kram auseinanderzusetzen und die erlernten Strukturen...auch die aus der Kindheit, umzukrempelt und zu ändern. Das ist ja auch nicht so wie: " Ach ja stimmt, da läuft was falsch, dann mach ich das doch mal so..." Erstmal muß man sich ja auch bewußt machen welche Punkte das genau sind und z.B. in unseren Reaktionen so gegenwärtig sein das wir in dem entsprechenden Moment anders reagieren können....etc. Mir fällt das alles sehr sehr schwer. Das Konsequent bleiben, Härte und Kälte auszuhalten..nicht immer gemocht zu werden...

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Das ist genau das was uns Co,s und die Abhängigen ausmacht.

    Wir sind von Natur aus nicht konsequent.
    Härte und Kälte sind für uns Fremdworte.
    Aber das macht uns auch als Menschen aus.
    Abhängige sind eigentlich immer total liebe Menschen.

    Die ARschlöcher dieser Welt trinken nicht, die können das anders kompensieren.

    LG

    vergissmeinnicht

  • Guten Morgen zusammen,

    allzu gern sieht der Co sich in der Opferrolle. Dadurch kann er sein jammern rechtfertigen. Der Alk ist ja so schlecht, es kann ja nichts funktionieren wenn er trinkt.
    Ich versuche ja etwas zu ändern aber er macht alles wieder kaputt usw.
    Mir hat es geholfen als ich den Satz hörte ER IST ERWACHSEN UND FÜR SICH VERANTWORTLICH.

    Denn da hat ich begriffen das ich auch Erwachsen bin und für meine Situation verantwortlich bin.

    Liebe Grüsse
    Elocin

  • Auf einem riesengroßen Spiegel an dem ich oft vorbeikomme steht geschrieben.

    DIESER MENSCH IST FÜR SEINE ZUKUNFT VERANTWORTLICH !!!

    Das ist das Leben, gar nicht so einfach das umzusetzen.

    LG vergissmeinnicht

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