• Liebe bokins,

    danke für deinen ausführlichen Antworten. Ich lerne von dir.

    Dass du oft niemanden sehen willst und dich ausgelaugt fühlst, kann ich gut verstehen. Schließlich versuchst du pausenlos, es allen Menschen, mit denen du zu tun hast, recht zu machen. Da kommst du selbst mit deinen eigenen Anliegen oft zu kurz! Wer kümmert sich denn auch mal um dich? Gibt es jemanden, dem du auch wichtig bist, so wichtig, dass er/sie auch mal alles stehen und liegen lässt, um DIR etwas Gutes zu tun? Damit deine Seele sich freuen kann!

    Du gehst manchmal mit deinen Hunden raus, und danach kommst du glücklicher wieder. Du selbst weißt, wie du dir etwas Gutes tun kannst! Nur scheint es mir zu selten möglich zu sein. Ich wünsche dir, dass du häufiger solche Möglichkeiten hast oder sie dir schaffen kannst. Grenz dich mehr ab, wenn dir danach ist, auch deiner Mutter gegenüber. Meine Mutter wirkte nach dem Tod meines Vaters sehr unselbstständig und völlig verzweifelt. ABER: da wir alle weit weg von ihr wohnen, MUSSTE sie allein zurecht kommen, und sie hat es in bewundernswerter Weise gemeistert! Das hätten wir nie gedacht! Deine Mutter lehnt sich vielleicht zu sehr an dich an. Kann doch sein...

    Aber trotzdem finde ich, dass es auch jemanden geben sollte, der sich mal um dich kümmert. Man kann nicht immer nur geben und stark sein, vor allem, wenn man eigentlich gar nicht so stark ist, wie einen die anderen gern sehen.

    Das mit dem Reden abends vorm Schlafengehen kenne ich auch und manchmal ist es auch schön, aber meistens eher nicht, weil mein Partner oft dabei einschläft, und dann bin ich erst recht frustriert. :roll: Am liebsten rede ich mit ihm nachmittags beim Tee im Wohnzimmer, oder auch bei einem Spaziergang.

    Übrigens rührt es mich sehr, wie du von deinem Mann sprichst und dass du dir ein Leben ohne ihn nicht vorstellen kannst! Das ist doch in Ordnung! Das ist deine Entscheidung, weil du ihn liebst, ihn brauchst, ihn als Partner schätzen gelernt hast. Dass er einfach ohne zu murren mit dir ins Haus deiner Eltern gezogen ist, spricht auch für seine Gefühle für dich und eure Familie!! Sei froh, dass es so ist.

    Ich hoffe, wir "hören" wieder voneinander.

    Liebe Grüße,

    Oiseau.

  • Liebe Oiseau,

    da triffst Du eine wunde Stelle, wenn Du sagst dass meine Mutter es auch allein geschafft hätte. Über diese Meinungsverschiedenheit bin ich mit meinem Bruder in bisher ungelöste Konflikte gestürzt. Lange Geschichte, aber sehr traurig für mich. :cry:

    Ich glaube, dass sich niemand so recht um mein Wohl kümmert ist mein "Schicksal". Wenn ich nicht funktioniere, bricht ja alles zusammen. Finanziell, emotional und auch so. also funktioniere ich. Weißt Du was ich meine? Ich kann es mir einfach nicht leisten mal nicht zu funktionieren. Aber wie beschrieben, ich schnappe mir meine Hunde und geh ne Runde. Das mache ich konstant jeden Tag, die brauchen viel Auslauf. Hab momentan nicht so viel Zeit, schreibe morgen weiter.

    Ich wollte Dir noch sagen, dass ich mich immer sehr auf Deine Antworten freue, Du hilfst mir enorm, meine Gedanken zu ordnen. Danke und gute Nacht, bokins
    P.S. Ich freue mich natürlich auch immer über andere Antworten, nicht dass das jemand falsch versteht...

  • Hallo bokins

    Ich möchte dir jetzt mal antworten.
    Ich möchte ehrlich schreiben was ich ganz spontan denke, wenn ich deine Zeilen lese.

    Das du oft niemanden sehen willst macht mich sehr nachdenklich.......
    Das hört sich so nach Depression an? :(

    Deine Kraft wird irgendwann erschöpft sein.
    Wenn du so weitermachst wirst du bald nicht mehr funktionieren.
    Du rennst geradewegs darauf zu!

    Der einzige der sich um dein Wohl kümmern kann bist "du"!

    LG :wink:

    vergissmeinnicht

  • Hallo vergissmeinnicht,

    (so ein süüüßer Nickname...! :) )

    das ist schon richtig, was du schreibst: jeder muss sich um sein Wohl selbst kümmern! Aber wie steht es denn mit dem Einfordern von z.B. Nettigkeiten, Gefälligkeiten, ZEIT, offenem Ohr, Zärtlichkeiten, Mithilfe z.B. im Haushalt? Wenigstens versuchen kann man doch, die andern mit einzuspannen, oder? Sicher, sie können einem die Unterstützung auch verweigern, aber dann kann man ja immer noch sein eigenes Ding machen! Was ich sagen will: Ich habe mich früher nie getraut, meinen damaligen Mann zu fragen/zu bitten, dieses oder jenes zu tun. Im Erraten war er sehr schlecht, und ich habe immer alles erwartet ... es kam nichts. Heute kann ich einfordern! (Allerdings brauche ich es nicht so oft zu tun, weil mein jetziger Partner vieles schon vorher weiß... :lol: Da habe ich Glück!) Über bokins mache ich mir schon auch Sorgen, da geht es mir genau wie dir. Nur denke ich, sie könnte die Familie weniger verwöhnen und mehr fordern und einspannen! Gerade, WEIL sie Haupternährerin ist. Hast du gelesen, bokins??? vergissmeinnicht hat Recht: Deine Kraft reicht nicht ewig. Sei egoistischer. Du sagst doch auch, dein Mann müsse jetzt DIR mal zuhören, wenn du reden willst, weil du ja unter ihm gelitten hast. Warum soll er dich dann nicht auch entlasten? Hast du ihn darum mal gebeten? Vielleicht denken alle, du seist so stark, weil du immer alles machst, und du bräuchtest keine Hilfe und Unterstützung! Fordere ein! Und suche dir weitere Entspannungsfelder! Dann werden wir hier bald von einer ganz "neuen" bokins lesen! :lol:

    Seid beide gegrüßt von

    Oiseau.

  • Hallo Ihr,

    lieb dass Ihr Euch Sorgen macht. Aber von deiner Depression bin ich meilenweit entfernt. Über all den Stress, über all den Kummer habe ich meinen Sinn für Humor niemals verloren. Ich glaube nur deshalb halte ich so lange schon so viel aus. :wink:

    Ich lache gern und viel und bin eigentlich für meine lustige Art bekannt. Das ich mir oft eine Auszeit von anderen Menschen hole, liegt daran, dass ich so gern meine "Powerspaziergänge" mache und dabei mit mir selbst rede. Klar, ich könnte nun anfangen mich "selbst zu verwirklichen", aber das will ich gar nicht. Ich habe definitiv ein Helfersyndrom und kann damit auch leben. Gut, es klingt hart wenn ich sage, dass ich immer funktionieren muss, aber so ist es nun mal.
    vergissmeinnicht, zöge ich aus Deinen Worten eine Konsequenz, müsste ich hier meine Sachen packen und irgendwo neu anfangen. Aber auch das will ich nicht. Ich möchte hier, mit meiner Familie leben. Ich müsste e öfter sagen was zu machen ist,wer mir wie helfen könnte, Oiseau, da hast Du vollkommen Recht. Das werde ich tun. Verspochen. Es müssen einfach alle auch mal ein bischen Rücksicht auf mich nehmen. Sie bemerken es nicht, weil ich immer funktioniere. Und ich bin auch kein Mensch, der sich beschwert. Ich habe genug Eigenverantwortung ,als dass ich die Schuld an meiner Situation bei einem anderen Menschen suche. Mein Mann ist sehr hilfsbereit, und er erledigt seinen Part (Kochen und Einkaufen) sehr gewissenhaft. Wenn ich ihn bitten würde das ein oder andere für mich zu erledigen, würde er es bestimmt tun. Aber ich bin so ein Typ, habe etwas schneller selbst erledigt, als es erst lang und breit erklären zu müssen. Oiseau, ich weiß nicht, was ich noch für mich tun soll, meine Zeit ist nun mal durch meine Arbeit sehr begrenzt. Ansonsten lese ich sehr viel, ich spiele mit unserem Sohn, stricke beim Fernsehen und treffe mich ab und an mit Freundinnen. Ich sitze oft Samstags und Sonntags im Büro, das läßt sich leider momentan nicht ändern.
    Ich bin sehr eingespannt, aber ich gehe abends auch zufrieden (mit mir) ins Bett. Vielleicht seht ihr in meinen Worten etwas, was ich noch nicht sehe, ich werde heute abend mal in mich gehen und über Eure Antworten genauestens nachdenken.

    Ich danke Euch, lieben Gruß, bokins

  • Hallo boskins

    Wenn du zufrieden bist mit deinem "funktionieren",
    Dann ist das OK!
    Wenn du mit deiner Familie leben willst, dann kann ich das absolut verstehen. Aber willst du das so? Glauben kann ich dir das nicht.
    Irgendwann wirst du einbrechen, dann wird dein Kartenhaus zusammenfallen, da bin ich mir sicher.

    Oiseau: Vom Anderen Hellseherei zu erwarten ist echt zuviel, da kann ich dir nur beipflichten.
    Man muss sagen was man möchte!!

    LG

    vergissmeinnicht

  • Hallo, bokins,

    wie ist denn dein aktiver Sonntag so verlaufen?

    Ich glaube, alles kann man über das Internet auch nicht raten! Also sollten wir (die wir dir Rat erteilt haben) auch ruhig zugeben, wenn wir uns mal geirrt haben in unserer Einschätzung. Einiges, was vergissmeinnicht schreibt, war auch mein Eindruck. Aber wenn du selbst schreibst, dass du nicht depressiv bist, dann sollten wir anderen froh sein, uns geirrt zu haben. Dennoch höre auch ich eine Überforderung aus deinen Beiträgen heraus und darum ist die Auszeit, die du dir täglich nimmst, für dich so wichtig. Aber das hast du ja selbst erkannt. Schön finde ich, dass dein Mann auch seinen Teil in eurer Partnerschaft erledigt und aktiv ist. Darüber bist du sicher glücklich. Hat er das auch in seiner nassen Zeit gemacht, oder musstest du dich da um alles allein kümmern?

    Ich finde es bewundernswert, wie souverän du dein/euer Leben meisterst und wünsche dir viel Glück und Kraft dabei. Dein Mann scheint ja auch lernfähig zu sein und du gibst ihm die Zeit, die er braucht auf seinem Weg in die Trockenheit. Wann kann er mit seiner Therapie beginnen?

    Liebe Grüße,

    Oiseau. :D

  • Liebe Oiseau,

    mein aktiver Sonntag verlief "geruhsam". Ich bin morgens eine große Runde mit den Hunden und einer Freundin spazieren gegangen. Anschliessend sind wir Essen gegangen, weil wir alle keine Lust aufs Kochen hatten.(Mein Mann und meine Mutter wechseln sich mit dem Kochen ab, müssen ja beide was zu tun haben!) Dann habe ich ein paar Stunden im Büro verbracht und abends "rumgelungert". Du siehst, ich nehme mir schon meine Auszeit.
    Wie Du schon sagst, wir kenne uns nicht wirklich, und nur durch das Austauschen hier, lernen wir die anderen auch nicht wirklich kennen. Daher habe ich das Wort "Kartenhaus", was vergissmeinnicht wohl für mein Leben wählte, auch nicht persönlich genommen. Ich wäre sehr traurig, wenn mein Leben, mein ganzes Streben, meine Zukunft und meine Liebe ein Kartenhaus wäre, was jeden Moment zusammekrachen wird.
    Klar bin ich manchmal überfordert. Klar bin ich manchmal genervt. Klar möchte ich manchmal die Brocken hinwerfen, weil ich das Gefühl habe nur noch funktionieren zu müssen. Aber geht das nicht allen verantwortungsbewußten Menschen so??? Dem einen halt mal mehr, dem anderen weniger. Ich liebe mein Leben mit meiner Familie, ich fühle mich auch Wohl in der Rolle der "Ernährerin", bin auch stolz auf mich. Das man im Laufe seines Lebens mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen hat, sollte uns allen bewußt sein. Das bei uns der Kampf mit dem Alkohol dazugehören würde, haben wir uns alle nicht ausgesucht.

    Mein Mann wartet auf den Termin in der Klinik, man sagte ihm, es könne durchaus noch 1-2 Monate dauern. Nun müssen wir wieder einmal geduldig sein...

    Er war ins einer nassen Zeit auch so hilfsbereit, er hat ja nicht permanent getrunken, sondern nur phasenweise, aber dann exzessiv. In der letzten Phase seiner nassen Zeit, war es für ihn nicht mehr so möglich seinen Part zu übernehmen, aber das ist nun wieder völlig o.k.

    Aber depressiv bin ich wirklich nicht !!!! Das ist so, würdet ihr mich persönlich kennen, müsstet ihr über diese Einschätzung sicherlich schmunzeln.
    Ich schrieb ja auch mal, das ich nicht genau weiß, wie ich meine Gefühle und Einschätzungen in Worte fassen soll, ohne das man mich missversteht. Das ist halt übers Netz nicht so einfach.

    Wenn ich meinen Beitrag jetzt so durchlese, dann frag ich mich, ob ich hier im Forum überhaupt richtig bin....
    lieben und nachdenklichen Gruß, und danke, Oiseau für Deine lieben Worte, bokins

  • Hallo bokins,

    habe hier mal heute Deinen Thread durchgelesen und war sehr erstaunt, das Du erst CO-Abhängigkeit weit von Dir wiest, so als sei es ein schlimmes Schimpfwort.
    Dabei war sie schon in den ersten Beiträgen von Dir deutlich herauszulesen.

    Mal zu einigen Dingen meine Meinung, wenn erlaubt. :wink:

    Du sprichst von einer Symbiose, in der Du mit Deinem Partner lebst. Ich weiß nicht, ob Dir bekannt ist, das eine Symbiose meist aus Abängigkeit besteht, bis an den Rand von Parasitismus. Meist ist einer der Wirt, der andere der Symbiont. Ich möchte niemals in einer Symbiose leben, sie würde mir die Luft zum atmen abschnüren. Aber dafür sicher gern in einer engen Partnerschaft mit einem geliebten Menschen, dafür muß man aber keine Symbiose eingehen, denn das bedeutet auch Abhängigkeit.

    Dazu fand ich ette`s Worte sehr schön, die ich mir rauskopiert habe:

    Zitat

    Stell dir zwei Blumen vor, die eng nebeneinander gepflanzt sind. Wenn sie nicht genug Raum haben, zu wachsen, werden sie nur halb so gut entwickelt und blühend sein, wie die gleichen zwei Blumen, die du mit einem gewissen Abstand in die Erde setzt, damit sie genug Licht, Luft und Raum haben sich in all ihren Facetten und ihrer Schönheit zu entfalten.


    Das finde ich sehr viel schöner und ich glaube, genauso ist das.

    Dann weist Du Depressionen weit von Dir, als sei auch das ein Schimpfwort.
    Angehörige von depressiven Menschen sind aber immer mitbetroffen und können auch selbst dadurch depri werden und somit dem anderen nicht mehr helfen. Der einzige Schutz davor ist, weiterhin ein eigenes Leben zu führen, sich mit Freunden treffen, was schönes unternehmen, was für sich zu tun, aus dem man wieder neue Kraft schöpfen kann. Ansonsten wird es beiden immer schlechter gehen.

    Auch versuchen Depressive oft, ihre Krankheit mit Alkohol zu „behandeln“. Das entpuppt sich aber irgendwann als Teufelskreis. Hat was mit den Hormonauasschüttungen zu tun, die dem Depressiven ja fehlen (Serotonin und Noradrenalin) oder die vor bzw. während der depressiven Episode zu wenig ausgeschüttet werden. Dafür gibt es aber sehr gute Medikamente, um das in den Griff zu bekommen. Der Alkohol kurbelt diese Hormonausschüttung an, das Wohlgefühl setzt ein, die Depression wird so übertüncht. Leider verkehrt sich diese Wirkung irgendwann ins Gegenteil, man wird noch viel depressiver und evtl. zusätzlich alkoholabhängig. Man sagt, das 50 % aller Alkoholabhängigen auch unter Depris litten oder leiden.

    Bei der Behandlung muß meinen Recherchen zufolge IMMER als erstes die Alkoholkranheit in den Griff bekommen werden, erst muß der Patient trocken werden. Und manchmal verschwindet dann auch eine Depression. Die Zusammenhänge sind also sehr eng.
    Wenn bei Deinem Mann da nur von Missbrauch gesprochen wird, kann es sein, das er nicht ganz ehrlich zu seinem Arzt war.

    Dann mal zum „reden“.
    Ich bedränge nie Menschen, mit mir zu reden, mir zu erzählen, was in ihnen vorgeht. Denn ich denke, das sie sich dann schon automatisch dagegen sperren. Ich denke, ich überschreite damit eine Grenze, wenn ich bis in ihr innerstes vordringen will, und das steht mir nicht zu.
    Ich habe keinen Anspruch auf die Gedanken anderer, wenn sie sie mit mir teilen, ist das sehr schön, wenn nicht, dann eben nicht.
    ABER ich habe die Erfahrung gemacht, das sie sich mir gern anvertrauen, aber weil sie es von sich aus so möchten. Dann höre ich gerne zu und berate, wenn erwünscht.
    Desweiteren halte ich reden in einer Partnerschaft für das wichtigste überhaupt, aber immer nur dann, wenn es beide Partner so möchten. Jemanden da in eine Ecke zu drängen, wo er nicht mehr weg kann (abends im Bett, wo der andere schon halb schläft, halte ich für überaus ungeeignet :roll: ) sowas mag ich gar nicht. Unter so einen Druck gesetzt würde man auch aus mir kein Wörtchen mehr herausbekommen, ich würd wohl nur was daherquatschen, weil ich meine Ruhe haben wollte und der Partner endlich aufhört. :?
    Besser wären Gespräche zu einem Zeitpunkt, wo BEIDE Partner reden möchten und auch wach und fit sind. :wink:

    So, liebe bokins, das alles ist nur meine persönliche Meinung, ich will Dir damit auch nicht irgendwie zu nahe treten oder was böses, sondern höchstens zum Nachdenken anregen.
    Und vielleicht solltest Du an Deinem Helfersyndrom arbeiten ? Das kommt immer irgendwoher, meist fühlen sich Menschen nur wertvoll und geliebt, wenn sie es ausleben können. Und das ist einfach nicht so, man wird immer wegen einem selbst geliebt, nicht weil man anderen hilft. Das eine hat mit dem anderen nix zu tun.
    Und vielleicht magst Du Dich wirklich mal ein bisschen mehr abgrenzen und Dinge für Dich tun, die auch wirklich nur für Dich sind ? Oder bekommst Du dann ein schlechtes Gewissen ? Brauchst Du aber nicht, jedem Menschen stehen Freiräume zur Entfaltung zu. Ja, ich weiß, ist leichter geschrieben als getan, aber nen Versuch wäre es wert, oder ? Ansonsten wieder ungesunde Symbiose, Abhängigkeit, keine Luft zum atmen… :(

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

  • Liebe Lilly,

    vielen Dank für Deine vielen Gedanken.

    Zunächst verstehe ich unter dem Begriff Symbiose
    (griechisch symbionn = zusammenleben) das Zusammenleben zweier Arten zum wechselseitigem Nutzen. So sehe ich auch meine Partnerschaft. Mein Mann ergänzt mich und ich ergänze ihn. Wir nutzen uns gegenseitig, und für mich sicherlich nicht ungesund.

    Da ich seit vielen Jahren mit einem depressiven und unter einem PTBS leidenden Menschen zusammenlebe, weiß ich durchaus, dass der Partner Gefahr läuft auch depressiv zu werden. Ich bin sehr stolz darauf, es nicht geworden zu sein. Ich würde niemals das Wort Depression als Schimpfwort benutzen, dafür hat mir diese Krankheit bei meinem Mann zu oft ihr Gesicht gezeigt.Ohne meine Hilfe hätte mein Mann sicher nicht den Schritt in seine trockene Phase geschafft, da ich auch wie Du einen engen Zusammenhang zwischen Depression und Alkoholismus sehe. Das ich in einer speziellen Definition CO-abhängig bin, wurde mir hier erst nach und nach bewußt, daher wies ich es am Anfang von mir. Ich hatte da eine andere Definition im Kopf. Ich bin sicherlich CO-abhängig. Daran versuche ich auch zu arbeiten.

    Wenn ich mit meinem Mann abends im Bett rede, dann ist es von mir ein Instrument gegen seine Verhaltensmuster zu agieren. Er läuft gern weg, flüchtet in den "Alltag", und nur vorm Schlafen kamen bisher gute und für unsere Symbiose nuztvolle Gespräche zustande. Jeder mag da sein eigenes Patentrezept haben, aber ich glaube ich weiß,wann ich meinen Mann zum reden bewegen muss. Ich bedränge ihn nie.
    Nur ich denke, dass wir unsere Ängste (z.B. vor einem Rückfall) nicht verdrängen dürfen, indem wir unseren Partner machen lassen, und wir unser Ding machen, das ist es ja eben nicht was ich will.
    Die Grenze zu ziehen ist sehr schwer, und da muss sicherlich jeder seinen eigenen Weg finden. Es wäre mal ganz interessant, was mein Mann dazu sagt, ich werde ihn mal fragen. Denn über ein "Helfersyndrom" meinerseits und dessen Auswirklungen auf mich und auf ihn haben wir noch nie gesprochen. Ich machs dann auch mal nicht im Bett :lol: Ist er auch Deiner Meinung, würde mich das zwar sehr erstaunen, aber dann hast Du sicherlich Recht, muß ich dringend an mir arbeiten und mein Leben neu überdenken.

    lG, bokins

  • Hallo bokins

    Dein Kartenhaus

    Damit meine ich deine Lebenssituation.
    Dein Sein. Deine Liebe. Deine Zukunft. Dein Streben.
    Du kannst doch nicht auf Dauer "alle Fäden" in der Hand haben. Irgendwann wird das zuviel für dich.

    Unsere Zufriedenheit, unsere Liebe, unser Leben ist ein sensibeles Gefüge das ganz leicht aus dem Gleichgewicht gerät.
    Es bedarf manchmal nur einer Kleinigkeit, wie ein Tüpfelchen auf dem "I", dann bricht es zusammen.

    Ich hoffe du verstehst mich nicht falsch, ich habe auch oft Probleme die richtigen Worte zu finden. :?

    LG

    vergissmeinnicht

  • Hallo bokins,

    ich freue mich, dass du einen schönen Sonntag hattest. Das, was du beschreibst über euer Zusammenleben klingt für mich ziemlich positiv. Ich bin sicher, dein Mann wird durch die Therapie stabiler und ihr werdet eine "trockene" Zukunft miteinander haben. Das mit dem Kartenhaus ist ein Beispiel, das eigentlich auf jedes Leben zutrifft. Zum einen gerät jedes Leben aus den Fugen, wenn irgend ein Teil darin plötzlich nicht mehr so funktioniert wie üblich, z.B. durch Krankheit oder Unfall oder Arbeitslosigkeit oder oder... Das finde ich normal und zum Leben dazu gehörig. Zum anderen mag es für die meisten Co-Abhängigen richtig und wichtig sein, sich von ihrem Partner zu trennen, vor allem bei zu großem Leidensdruck und wenn der Alkoholiker seine Lage nicht sieht und nichts zu tun bereit ist. Davon gibt es im forum eine ganze Menge. Aber du hast dich entschieden zu bleiben und mit ihm die schweren Zeiten durchzustehen, denn du siehst ja, dass er bereit ist sich helfen zu lassen und seinen Part in eurem Leben zu übernehmen, so gut er kann. Und er trinkt seit längerem nichts mehr - ein großer Schritt und eine Entscheidung von ihm!! Da spürt man die Liebe zwischen euch. Also, ich will dir mal Mut machen deinen Weg weiter zu gehen - nicht jede Geschichte muss automatisch in einer Trennung enden. Wer merkt, dass er in einer Beziehung zerbricht, vor die Hunde geht, der muss gehen, das sehe ich auch so. Aber dir geht es ziemlich gut, du bist stabil, humorvoll, siehst nach vorn und hast Power! Ich bin sicher, ihr schafft das! Allerdings meine ich nach wie vor auch, dass du mehr Mithilfe einfordern solltest. Aber auch da bist du auf dem Weg.

    Bis später.

    Oiseau.

  • Hallo Ihr,

    ich hatte das Wort Kartenhaus wohl missverstanden. Klar kann alles plötzlich zusammenbrechen. Wenn ich mir vorstelle, dass bei uns nun auch noch eine andere Krankheit auftreten könnte, würde mein "Kartenhaus" sicherlich zusammenbrechen. Aber momentan stemme ich die Situation ganz gut, und ich spüre auch, dass ich dabei wachse und fortkomme, und auch daraus lerne, für mich und mein Leben, mein ganz persönliches Leben. Also reibe ich mich doch nicht nur für andere auf...
    Danke Oiseau für Dein "mutmachen". Mir geht es gut, meistens. Und ich sehe immer nach vorn. Nur dann kann man auch einschätzen was auf einen zukommen könnte und ist gewappnet. Ich habe gerade in Deinem threat gelesen, und Dein Statement bezüglich der Trennung fand ich richtig gut. Genauso sehe ich das auch. Zusammenhalten kann man nur, wenn an beiden Seiten gearbeitet wird, und man sich als gleichwertigen Partner in einer Partnerschaft sieht.Man darf sich nie erniedrigen lassen!!! Das würde ich für mich auch nicht zulassen.
    Vergissmeinnicht, ich habe Dich jetzt schon verstanden, mir geht es auch so, hier nicht immer die richtigen Worte finden zu können. Und wenn ich meine Antwort eingestellt habe, meine ich oft es auch besser anders ausdrücken zu können.Aber bei längerem Nachdenken habt Ihr ja vielleicht in einigen Dingen auch mehr Recht als ich zugeben mag(Stichwort Aufgabenverteilung).Ich denke heftig drüber nach. Dazu ist der Austausch ja schließlich da.Habe heute z.B. in einem Forum für Burn-Out Patienten geschnuppert, da stehen auch einige interessante Dinge, die auf mich zutreffen...

    Es grüßt Euch ganz herzlich und wünscht einen angenehmen Abend, bokins

  • Liebe Kathrin,

    Deine Worte machen mich sehr nachdenklich. :?
    Wie lebst Du denn heute? Bist Du immer noch in der Rolle der starken Retterin? Oder hast Du den Schalter umgelegt?
    Wenn es möglich wäre, meinen Schalter mal umzulegen, alles an Verantwortung mal abzugeben, ich weiß nicht ob ich es täte...
    Wäre mein Leben noch ausgefüllt? Ich habe mich mal gefragt, was wäre wenn? Wenn mein Mann nicht mehr da wäre, wenn meine Familie so gar nicht existieren würde. Mein Beruf nicht so "ausfüllend", was täte ich dann?
    Ich weiß darauf keine Antwort. Weil es nie zum Stillstand kommt. Weil mein "Kartenhaus" ja noch steht. Ich kann mich nicht in eine andere Situation für mich hineinversetzen. Der Gedanke an eine Veränderung, die ich nicht bewußt herbeiführe, macht mir Angst. Also bin ich glücklich alles unter Kontrolle zu haben. Muss ich mir die Frage stellen,ob ich Heldin und Retterin der Anderen bin, und mich deswegen in der Rolle so wohl fühle, oder tue ich alles für mich und meinen Seelenfrieden? Ich fühle mich nicht als Retterin, ich tu doch nur was ich meine tun zu müssen. Hast Du dich so gefühlt?
    Die Frage tut mir auch weh.
    An wen könnte ich mich schon wenden, wenn es bei mir nicht mehr rund läuft. Dann bräche mein "Kartenhaus"sicherlich zusammen.
    Das Leben ist eben so. Die Starken tragen die Schwachen mit.


    Einen "leisen" Gruß an Dich
    bokins

  • Hallo bokins,

    ich sehe, dass du gerade online bist und befördere dich mal wieder an erste Stelle.

    Zu den anderen Zuschriften hier schreibe ich mal nichts. Da fällt mir gerade nichts ein.

    Habe aber deinen Beitrag bei kaltblut gelesen und kann dich gut verstehen. Auch ich lese viel, süchtig hin oder her, :oops: und habe zu manchen Beiträgen Ideen und Antworten, aber traue mich oft nicht mich einzumischen, weil ich die anderen zum Teil für viel kompetenter halte als mich selbst. Was mich an deinem Beitrag interessiert, und darum schreibe ich hier und nicht bei kaltblut: Warum drehst du dich im Kreis und kommst zu keinem Ergebnis? Weißt du nicht was du selbst eigentlich willst, oder weißt du nicht, ob du deinem Mann vertraust bzw. zutraust trocken zu bleiben, oder fühlst du dich überfordert mit allem? Schreib doch einfach davon, vielleicht wird es dir beim Schreiben klar. Ich würde dir gern helfen aus deinem Mauseloch herauszukommen, denn das, was du schreibst, hat mich auch schon oft zum Nachdenken angeregt und mich weitergebracht. Also, vergrab dich nicht und ärgere dich nicht über Leute, die anders sind und anders schreiben als du. Man muss ja nicht alles verstehen. :twisted: Denke ich mal.

    Gibt es bei euch was Neues?

    Bei uns hat sich so ein wenig der Alltag wieder breit gemacht, wir unternehmen im Moment wenig zusammen, weil ich beruflich stark eingespannt bin und nächste Woche ein paar Tage wegfahren muss. Da sitze ich momentan zwar viel am PC, habe aber selten Zeit oder Lust hier zu schreiben. Lesen tu ich schon oft, wie du. Da relativieren sich die eigenen Probleme so manches Mal, finde ich, wenn man von anderen Schicksalen liest. Das bringt mich manchmal auf den Boden zurück...

    Ich wünsche dir, dass du auf deine Fragen bald Antworten finden kannst und grüße dich herzlich!

    Oiseau

  • Liebe Oiseau,

    habe gerade erst dein posting gelesen, da ich nach meinem "Geschreibsel" bei kaltblut weg musste.

    Habe gerade auch erst kaltbluts Antwort gelesen. Ich werde jetzt mal in mich gehen, und Dir morgen auf deine Fragen antworten.

    Aber vorab, mir erging es wie Dir, viel lesen, wenig schreiben. :roll:

    Lieben Gruß und morgen einen schönen Tag wünscht Dir bokins

  • Liebe Oiseau,

    bei uns hat sich einiges getan. Mein Mann kommt am 06.05. in die Klinik. Leider sehr weit weg,570 km, aber eben eine Spezialklinik, sein Therapeut nannte sie den Mercedes unter den Kliniken. Ich habe sehr zwiespältige Gefühle wenn ich daran denke, zum einen freue ich mich für ihn und hoffe sehr dass ihm dort geholfen werden kann. Zum anderen, und das macht mich auch widerum sehr nachdenklich, freue ich mich auf die Herausforderung, ohne ihn für einige Wochen zurecht kommen zu müssen. Manchmal glaube ich, dass ich Probleme magisch anziehe, weil ich deren Lösung liebe. Weil ich mich dann einfach besser fühle. Und da komme ich zum Thema "sich im Kreis zu drehen". Da geht es nur um mich, um meine Art an die Dinge heran zu gehen. Ich bin sehr direkt, und sehe jedem Problem eigentlich auch offen entgegen. Eine Lösung hat sich bisher immer gefunden. Als mir mein Mann das ersten Mal gestand, mit dem Alkohol ein Problem zuhaben (ist viele Jahre her), war ich geschockt, habe aber gleichzeitig gedacht, schön, wieder ein Problem das du lösen kannst. Ist das nicht schizophren? Ich bin nicht der große Retter, ich fühle mich nicht aufgewertet, wenn ich helfe oder organisiere, ich bin einfach nur ich. Mit meinen Stärken und Schwächen. Und ich drehe mich im Kreis, weil sich bei mir einfach nichts ändert. Ich lese hier, und schüttele oft den Kopf, bin manchmal ensetzt, oft glaube ich auch nicht was ich lese, weil es außerhalb meiner Vorstellungskraft liegt, aber ich lerne nicht wirklich daraus. Alles geht seinen gewohnten Gang, alles ist o.k. Also frage ich mich oft: habe ich überhaupt Grund mich zu ändern? Ist das überheblich? Was suche ich hier überhaupt? Oder bin ich so festgefahren in meinem Leben, dass ich diejenige bin, die dringend einen Therapeuten benötigt? Habe ich meine Angehörigen mit meiner Liebe zu dem gemacht was sie sind? Bin ich wesentlich an der Alkoholsucht meines Mannes beteiligt? Weil ich diejenige bin, die immer alles hinkriegt, die immer Lösungen für alle Probleme zu wissen scheint. Weil ich meinen Mann zum Reden dränge, wenn ich meine dass es Zeit dafür sei?
    Ich bin das Gegenteil einer duckmäuserischen Ehefrau, die aus Angst vor finanziellen Verlusten und moralischen Konsequenzen die Alkoholsucht des Ehemanns erträgt.Ich liebe mein Leben, und habe akzeptiert, dass dazu eben ein alkoholkranker Mann gehört.Ich sagte mal, ich fühle mich symbiotisch mit ihm verbunden. Daher suche ich Lösungen hier für mich, die ich nie finden werde. Und das meine ich mit "im Kreis drehen".
    Mein Mann liebt sein Leben mit mir auch,da bin ich sicher.Ich bin nicht seine erste Ehefrau, und wir sprechen oft über unsere Beziehung.
    Nein, überfordert fühle ich mich selten. Vielleicht ausgenutzt, aber das ist meine Schuld, habe wir ja schon angesprochen, ich delegiere ungern. Siehst du, Oiseau, ich kenne nicht mal die Fragen auf die Antworten die ich suche. :roll:

    Nun bin ich gespannt auf die Zeit des Klinikaufenthaltes....
    Ich wünsche Dir eine gute Zeit,
    lieben Gruß, bokins

  • Hallo bokins,

    Du hast ja nun eine ganze Menge erarbeitet und Fragen an Dich, Dir Hausaufgaben angedacht. Wenn Dein Mann mit edelsten Sternen bearbeitet wird, kommt ja Gewaltiges in Bewegung und das wird dann auch nicht vor Dir halt machen.

    Wie denkst Du denn die Zeit für Dich sinnvoll zu nutzen? Ich lese bei Dir, daß es nicht mehr um Ponyzureiten geht, sondern daß Du Dich auf eine gewaltige Lawine schwingen wirst und die wird Dich gespannt packen.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Hallo kaltblut,

    ja, eine gewaltige Lawine wird kommen,egal ob mit edelen Sternen oder mit vier Ringen, das spüre ich. Wie ich die Zeit nutzen werde? Und das auch noch sinnvoll? Keine Ahnung. Ehrlich, ich weiß es nicht. Dachte eben so, dass ich mir viel zu wenig Gedanken um mich mache. Ich versuche ja immer an mir zu arbeiten, aber irgendwie klappt das nicht. Mir sind die Probleme anderer lieber...Sind es dann meine?
    Habe große Angst vor dem Gewaltigen, dem ich nicht entfliehen kann..werde also die Zeit nutzen, um zu lernen wie ich an mir arbeiten kann um auf der Lawine zu reiten, und nicht unter ihr begraben zu werden.


    LG bokins

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