Beiträge von bokins

    Hallo,

    also irgendwie verstehe ich das nicht. Bei Lilly äußert sich ein CO-Verhalten, indem man nur über seine eigene Notfallstrategie nachdenkt, man solle aber mit dem Partner zusammen eine Strategie ausdenken, und in ihrem Falle ist es das Hinzuziehen eines Arztes. Bei Speedy widerum wird der rückfällige Partner nicht mal abgeholt, es wird ihm also gar nicht geholfen, im Gegenteil.
    Was ist denn jetzt CO-Verhalten? :roll:

    Ich schätze, eure Antworten spiegeln das Verhältnis zu dem alkoholkranken Partner, bzw, des Alkoholkranken zu seinem Partner, wieder. Da muss man sich schon achtsam das Richtige für sich rauspicken! Ich für mich würde in jedem Falle, und habe es auch schon getan, die Hilfe, die auf einen Rückfall folgt (folgen muss!) mit dem Partner besprechen. Wenn der Rückfall ausser Haus geschieht, ist es für mich selbstverständlich, meinem Partner zu helfen. Er ist krank! Oiseau, du besprichst die "Strategien" mit deinem Partner spätenstens nach dem ersten Rückfall mit der Frage: "Wie soll es weitergehen?" Ich wünsche dir aber, das du die Frage nie stellen musst. :wink:

    bokins

    Bokins

    Bin ein wenig verwirrt. bokins

    Liebe Oiseau,

    das ist ja wirklich schön, dass der Vorschlag mit dem Handy Früchte trägt. Und die Freundin anzurufen, halte ich als zweiten Schritt für sehr gut! Wenn sie das Problem kennt, kann sie dir im Notfall bestimmt gut und beruhigend zureden :wink: . Nicht jeder kann im Notfall auf eine gute Freundin/Freund zurückgreifen, und daher ist es nicht schlecht, auch an einer Strategie für "den Fall der Fälle" zu arbeiten. Obwohl jeder Rückfall wohl eine große Eigendynamik hat (wann, wie, wo und warum), und eine pauschale "Notfallstrategie" nur zufällig passen könnte. Wir sind ja auch nicht Rückfallgeübt (Gott sei Dank), sodaß ich vorschlage, lass es einfach auf dich zukommen, und du handelst in der entsprechenden Situation aus dem Bauch heraus und richtig. Oftmals überschlagen sich die Ereignisse dann, und man kommt gar nicht dazu, sein Notfallköfferchen zu öffnen. Wie wäre es mit einem "Hinterher-Notfallköfferchen"? Was ist, wenn dein Partner niemals einen Rückfall erleidet?

    Du hast es selbst erkannt: Liebe. Geduld. Vertrauen.

    Viele Grüße an alle, bokins

    Hallo,

    ich bin absolut der Überzeugung, liebe Oiseau, dass unsere Partner uns etwas schuldig sind!! Wir haben nicht wegen unserer Co-Abhängigkeit die "Eskapaden" erduldet, sondern weil wir sie lieben! Wir können nicht die Menschen, die uns nahe stehen und mit denen wir unser Leben verbringen möchten, nur wegen einer drohenden "Co-Abhängigkeit" im Regen stehen lassen. Mach du dein Ding, ich mach meins, so hört es sich hier oft an. Wir haben unseren Partnern beigestanden in schlimmen Zeiten, jetzt sind sie an der Reihe uns beizustehen. Und wenn sie tatsächlich nur ihr Handy mitnehmen und uns anrufen, wenn's mal später wird!

    bokins

    Hallo,

    von Panikattacken zu reden, wenn ich mir große, sehr große, Sorgen mache, ist wirklich übertrieben, ich kann natürlich nur für mich sprechen, es handelt sich wohl eben eher um große Angst/Sorge.
    Selbst wenn man mit dem Partner über Verhaltensmaßnahmen nach einem Rückfall gesprochen hat, nimmt es einem nicht die Angst davor. Ich denke nie darüber nach, meinen Mann zu verlassen, sollte es zu einem Rückfall kommen (was übrigens bereits passiert ist), man hat einfach nur Angst vor der konkreten Situation. Plötzlich wieder einem betrunkenen, nicht wiederzuerkennenden Partner hilflos gegenüber zu stehen und ihn bestenfalls ins Bett manövrieren zu können. (einen "Absturz" mit Krankenhaus in der Folge kenne ich, Gott sei Dank, nicht). Ist erst mal ein Tag vergangen, und der Partner wieder nüchtern, sieht eh alles anders aus.
    Die Frage ist ja, was kann man gegen diese Ängste, die eben Ängste nicht vor einer Konsequenz sind, sondern Ängste vor einer ganz bestimmten Situation (so ist es jedenfalls bei mir), in den Griff kriegen.
    Darüber reden ist gut, mein Mann weiß auch über meine Ängste Bescheid, und er nimmt immer sein Handy mit, um erreichbar zu sein und mich erreichen zu können. Er ruft auch oft, nicht immer, an, wenn er sich verspätet, aber dieses Bauchgefühl, diese Angst, die einen plötzlich, wie eine böse Erinnerung überkommt, kann man dadurch nicht gänzlich abstellen.
    Ich bin der Meinung, es gibt kein Patentrezept, man muss damit leben, man lebt eben mit einem Partner, der eine Krankheit hat, bei der es zu Rückfällen kommen kann. Es gibt genug andere Krankheiten, bei denen es auch zu "Rückfällen" oder Verschlimmerungen kommen kann. Die Partner dort leben auch mit der Angst davor. Stellt euch vor, euer Partner hatte bereits einen Herzinfarkt. Es ist gerade noch alles gut gegangen. Die Ärzte sagen, es könnte jederzeit nochmal passieren, er solle vorsichtig sein. Ist man dann nicht jedesmal so ängstlich, wenn der Partner sich verspätet? Lernt man mit dieser Angst zu leben? Ich fürchte, das ist unser Problem, der alkoholkranke Partner kann nichts dafür. Er kann nur versuchen, für unsere Ängste und den daraus resultierenden "Kontrollanrufen" :roll: (als Beispiel) Verständnis zu zeigen.

    bokins

    Liebe Oiseau,

    ich habe mich sehr lange nicht gemeldet, weil ich dachte, ich lebe "sorgenfrei" mit einem trockenen Alkoholiker zusammen, also was soll ich hier? Aber als ich deinen "Faden" jetzt las, habe ich ganz spontan gesagt, ja, das fehlt. Eine wirklich gute Strategie gegen Panikattacken, wenn unsere Kontrolllämpchen mal wieder co-mäßig aufleuchten,die Sirenen angegehen, und man weiß sich nicht mehr zu helfen, versinkt in dieser Panik.
    Es gibt keine sicheren Strategien, wir werden damit leben müssen. Wir können uns nur einen Plan machen, wie wir im Falle eines Falles reagieren können und werden. Ich fürchte sogar, dass sich diese Co-Abhängigkeit in Form von Panikattacken auch auf andere möglicherweise folgenden Partnerschaften überträgt, denn wir neigen ja alle ein wenig dazu, unsere schlechten Erfahrungen mit dem einen Menschen auch auf den anderen zu übertragen.
    Ich wünsche dir auch einen (und viele weitere) panikfreie Abende, die "auferstandene" bokins 8)

    Liebe Gotti,

    auch ich wünsche dir einen erholsamen Urlaub, vielleicht die ein oder andere Erkenntnis bezüglich deiner Ängste und seines Verhaltens... im Urlaub ist man dafür ja bekanntlich entspannter.

    Ich muss noch 20x schlafen, dann kommt mein Mann wieder, und noch 25x, dann fahren auch wir in den Urlaub!

    Liebe Grüße, bokins

    Liebe Gotti,

    tut mir leid, trauriges von Dir zu hören, dabei warst Du doch schon so gut drauf! Aber ich glaube, zu der Krankheit gehören eben diese Auf-und Ab´s der Gefühlswelt. Man wähnt sich sicher, und doch läuft man bei der kleinsten Irritation aus dem Ruder. Oiseau hat Recht, man muss noch einige Monate abwarten, bevor man auch als Co aus der "Warte-Lauer-Haltung" entschwinden kann um das Leben wieder in vollen Zügen zu geniessen.

    Ich wünsche Dir, das Dein Mann durchhält und sich stetig weiterentwickelt, auch in kleinen Schritten zeigt sich der Erfolg!!
    Ihr seid auf dem Weg, hab das Ziel fest im Auge.

    Liebe Grüße, bokins

    Liebe Oiseau,

    lieb dass Du an mich denkst :lol: .

    Gestern hatte ich ein sehr schönes Telefonat mir meinem Mann. Als er mich fragte (!) wie es mir ginge, habe ich ganz fröhlich geantwortet:"Gut! Wir kriegen das hier prima hin. Du fehlst uns zwar, aber mach Dir mal keine Gedanken, wir schaukeln das Kind schon." Er wurde auch gleich fröhlich, und wir haben uns nur lustige Sachen erzählt. Ich habe nichts gefragt, ausser wie es ihm geht, und die Therapie war mal ganz aussen vor. Ich denke, Eure Ausführungen hier bewirken endlich mal was bei mir. Es geht mir zwar nicht besonders besser, aber ich versuche anders mit der Situation und den Gesprächen mit meinem Mann umzugehen. Ja ich bin verdammt glücklich mit meinem Mann, und ich war es auch vor der Therapie, aber natürlich lag immer der Schatten der tiefen Depressionen und des Alkoholmissbrauchs über uns. Vielleicht kann ich ja die Hoffnung haben, das nach seiner Wiederkehr alles besser wird. Aber ich habe eben genauso Angst, dass er aus der "anderen Welt" der Therapie zurückkommt, und der Alltag ihn zu hart packt; er ist dort doch wirklich in einer anderen Welt: malen, Gespräche, Gruppentherapien, Achtsamkeitstraining, Entspannung....rundum in Watte gepackt, auch wenn es für ihn ein harter Weg ist, aber eben wattiert.

    Ich bin ein elendiger Pessimist, nach schwarz kommt allenfalls noch dunkelgrau. Ich fühle mich im Moment jedenfalls so. Naja, ich werde die nächsten 4 Wochen noch irgendwie hinter mich bringen, habe ja genug zu tun, und das mit GEDULD!!!!
    Ich war richtig neidisch auf Dich, liebe Oiseau, dass Dein Mann so lange mit Dir telefonieren wollte, aber als ich gründlich darüber nachdachte fiel mir ein, dass ich dann auch wieder skeptisch wäre, dass es ihm nicht gefiel, dass sein Heimweh zu groß ist um sich auf seinen Genesung zu konzentrieren. Ach, in mir wohnen zwei Seelen :cry: .

    Wenn ich meiner Familie nun sagen würde, ja, mein Mann ist Alkoholiker, wäre es eventuell ja ganz einfach. Alle würden schlucken, ihn bemitleiden und gut. ODER alle würden ihn wie einen Aussätzigen behandeln, und mich, wie ein armes Aschenputtel. Schon eher, ich kenne sie ja. Wenn Du Deine Freunde schon lange kennst, kannst Du sie auch einschätzen?! Meinst Du, sie hätten kein Verständnis? Die Familie kann man sich ja leider nicht aussuchen, und glaube mir, wären ein paar davon nicht in erster Linie mit mir verwandt, ich hätte niemals Kontakt zu ihnen!! Aber Freunde, die kann man sich aussuchen. Sie kommen, bleiben eine Weile auf Deinem Lebensweg, gehen wieder oder bleiben auch länger oder für immer. Das sind dann gute Freunde, und die würden auch das Alkoholproblem verstehen und damit umzugehen wissen ohne dass es Dich verletzen würde. Die anderen werden eben Deinen Lebensweg an diesem Punkt verlassen,was im erstenMoment auch wieder Verlust bedeutet, aber Du wirst sicherlich neue Menschen kennenlernen, die zu Freunden werden. Langsam aber stetig.

    Ich habe zu den blöden Sprüchen nichts gesagt, weil ich mir bei meinen Geschwistern eine "Stille" angewöhnt habe. Weißt Du, ich bin mit Abstand die Jüngste (meine älteste Schwester ist 11 Jahre älter), und glaube mir, ich kann alt werden wie eine Kuh, sie wissen immer alles besser. Ich bin und bleibe die kleine, unerfahrene Schwester. Die nimmt man doch nicht ernst. Und aus dieser Prägung heraus wurde ich der "Kasper" der Familie, ich wollte irgendwann von denen gar nicht mehr ernst genommen werden. So ertrage ich mit Großmut so manchen blöden Spruch :roll: .

    Ich würde mich auch sehr freuen, wenn unser offener Kontakt irgendwann mal inoffiziell werden könnte, denn ich kann mir gut vorstellen, dass wir uns vielmehr zu erzählen hätten!

    Ganz liebe Grüße, Bokins

    Liebe Gotti,

    vielen Dank für Deine Worte. Die Traurigkeit liegt momentan wie ein großer dunkler Schatten über mir :cry: , dabei weiß ich gar nicht, ob es die Einsamkeit ist, oder die Veränderungen, oder alles zusammen... Ich gehe bald mal in den neuen Indiana Jones Film. Mag ich doch Harrison Ford so gern...

    Nun lass ich Oiseau wieder den Vortritt, ist ja ihr Thread.

    Euch allen liebe Grüße, bokins

    Liebe Oiseau,

    zunächst mal auch von mir ein danke. Und liebend gern würde ich mit Dir eine Tasse Tee im Garten zu mir nehmen. Aber Süddeutschland ist ja auch sooo weit weg! Mailen (privat) wäre ja auch schon gut...Ich antworte Dir auch mal hier:
    Eine beste Freundin habe ich auch. Mit der rede ich momentan sehr viel, sie ist auch die Einzige, die alles weiß. Mit ihr kann man sehr gut reden!! Das tut auch gut.
    Ich bin sehr traurig, dass mein Mann am Telefon manchmal so abweisend klingt, und male mir natürlich alle Gründe aus. Ich kenn ihn doch sooo gut, und nun plötzlich gibt er mir Rätsel auf. Vielleicht hast Du Recht, und das habe ich mir ja auch schon oft gesagt, in unserer Ehe fehlte etwas :cry: . Aber ich war doch so glücklich, und er hat es mir auch immer gesagt. Ich sage ihm jeden Tag am Telefon, dass ich ihn vermisse, aber von ihm kommt das höchst selten, nur als Reaktion auf mich(ja, ich vermiss dich doch auch...). Aber weißt Du, meine Nerven liegen blank. Ich bin momentan überempfindlich und kenne mich selbst nicht wieder. Alles wurd gut, und ich nehme mir die wirklich beeindruckenden Worte von Lilly zu Herzen. Als Reaktion darauf habe ich mir schon vorgenommen, ihn nicht nochmal anzurufen, sondern auf seine Anrufe zu warten. Mir keine sarkastischen Bemerkungen "herauszuschrauben", sondern ihn erzählen lassen, wenn er mag. Ich werde ihm auch keine Löcher mehr in den Bauch fragen. Die Zeit schleicht dahin. Geduld, Geduld, Geduld.

    Ich vermisse den Alkohol für mich auch nicht wirklich, es ist doch sehr schön, immer alle Sinne beisammen zu haben!

    Liebe Grüße, bokins

    Liebe Crevette,

    ich habe gerade Deinen kompletten Beitrag gelesen, und bekam riesige Augen :shock: : Alkohol hin oder her, mal ganz aussen vor. Er war bei einer Prostituierten??? Bewusst??? Er geht dort wieder hin???
    Das wäre für mich das Ende. Ob mit oder ohne alkoholischen Hintergrund.
    Sorry, da können keine tiefgehenden Gefühle mehr sein.

    Mach Dir nur noch um Dich Gedanken.
    Tut mir leid, aber ich musste das einfach schreiben.

    Lieben Gruß und viel Kraft, bokins

    Liebe Oiseau,

    dass der Mann nicht reden möchte, vor allen Dingen nicht über seine Probleme, ist naturgegeben. Der Mann jagd, fischt, macht Beute, dabei muss man doch leise sein, oder?? Die Frau bereitet zu, das erfordert einen gewissen verbalen Austausch. Naja, das ist natürlich sehr platt :roll: , ich weiß, aber im übertragenen Sinne doch passend. Unsere Instinkte leiten uns, auch nach zigtausenden von Jahren. Unsere Instinkte haben mit der Zivilisation und dem Fortschritt nicht mitgehalten. Gott sei Dank, sonst kämen wir nie auf die Idee, Angst zu spüren.

    Mein Mann scheint Deinem wirklich zu ähneln, die Gespräche mit ihm verlaufen auch oft zäh. Gestern erst unterbrach er mich, als ich über ein Problem nochmal und länger reden wollte, er wolle jetzt mal spazieren gehen, und wir drehten uns ja nur im Kreis. Ich musste ihm Recht geben. Er ging "auf Jagd", ich machte die Wäsche.

    Dass Dein Mann Deinen Freunden eine mail schicken will, ist doch ein schönes Zugeständnis an Deinen Wunsch, den Kontakt zu halten und gleichzeitig das Problem Alkohol nicht zu verheimlichen.


    Wenn mein Mann wieder hier ist, habe ich mir fest vorgenommen, lange Zeit nicht über Alkohol, Depressionen, Klinikaufenthalt etc. zu reden. Ich will Normalität!!! Aber wie das immer so ist mit den guten Vorsätzen, erfüllen kann man sie meist nicht.

    Lieben Gruß, bokins

    Hallo an Alle,

    gestern war großes Familientreffen wg. Geburtstag. Habe alles mit stoischer Geduld ertragen. Mir wurden immer wieder diverse Alkoholika angeboten, und als ich beharrlich nein sagte, wurde vielsagend gelächelt. So langsam geht´s mir echt auf die Nerven. Kapieren die das nicht? Oder halte ich ihnen unverschämterweise mit meinem beharrlichen "Nichttrinken" einen Spiegel vor Augen? Wäre doch alles viel leichter, wenn sich alle gepflegt betrinken. Dann müsste man nicht darüber nachdenken, denn es tun ja schliesslich alle. So werde ich unbeabsichtigt zum Opfer auserkoren, dass nun nicht mehr trinken darf. Ob wegen eigenen Suchtproblemen, oder aus Loyalität zu meinem "vielleicht-ja-doch-Alki-Mann", ist eigentlich egal. Aber dass man keinen Alkohol trinken möchte, weil man es nicht möchte, darauf kommt keiner. O.K., ich habe früher ja auch mitgetrunken. Bin ja auch schwerst verdächtig. Ich brauch dringend mal Urlaub und Abstand!!!!! Aber das dauert noch 5 Wochen. Kopf hoch bokins, Du schaffst das schon.
    Hier im Keller ist es jetzt schön kühl, und ich hoffe, mein Kopf wird wieder selbiges.

    Die Telefongespräche mit meinem Mann werden immer zäher. Ich:"Wie geht es dir?" Er: "Gut!" Ich: "Was machst Du so den ganzen Tag?" Er: "Ooch, so dies und das" Ich:"Ja, bei mir ist auch alles o.k". Er: "Gut!" ........
    So schleppend kommen wir dann mal auf den Punkt: Mir geht´s irgenwie schlechter als sonst, ihm geht´s immer besser. Ist ja auch gut so. Er erzählt mir auch nicht mehr alles, weil ich ein paarmal sarkastisch geworden bin. Ich glaube, diese Ader mag er an mir nicht mehr so doll. Er ist dort zum großen Frauen-und-überhaupt-Problem-Versteher geworden. Seine ruhige Art, seine große Erscheinung und sein Humor hat dort wohl vielen Patienten auf den Weg der Besserung verholfen. Er hält hier mal eine Hand, führt dort mal jemanden über einen Weg, den dieser vorher nicht zu gehen vermochte, bringt anderen das Schwimmen bei, heitert die Essgestörten mit fröhlichen Bemerkungen auf, rundum, er wird dort gebraucht. Er fühlt sich wohl dabei, klar würde ich auch. Ja, ich weiß, es ist wichtig dass er sich wohlfühlt, zu sich kommt, Selbstvertrauen tankt, ich sollte da gar nicht groß drüber nachdenken (Jenny: loslassen!!). Tu ich aber. So, und nun? Ich hab doch keinen Knopf in mir, den ich nach Belieben an,aus oder umstellen kann. Ja bokins, du musst an dir arbeiten, du musst die Zeit jetzt für dich nutzen. Tu dir mal was Gutes. Jajaja. Ich gehe mit meinen Hunden (ist wirklich was Gutes) und denke die ganze Zeit daran, wessen Hand er wohl jetzt halten muss, damit es der Person endlich wieder besser geht. Bescheuert, ich weiß. Wisst ihr was ich glaube, eher fürchte? Das Gefühl des Gebrauchtwerdens hatte er bei mir nicht. Ich bin lange Zeit die große Schulter gewesen, obwohl ich insgeheim oft selber eine benötigte zum ausheulen. Ist das ein Auseinanderleben, was jetzt geschieht??? Sagt es mir, schont mich nicht, ich muss es wissen.
    Genau davor habe ich große Angst. Er lernt nun, wie es ist, wenn man direkt und sofort gebraucht wird, Ich brauche ihn auch. Als gleichwertigen Partner, als Menschen auf meiner Höhe, als Liebhaber, als Versteher, als Schulter und auch als Mensch, den ich stützen kann. Hat er das nie gemerkt? Oder mach ich mir jetzt Ladylike viel zu viele Gedanken???

    Frauen sind anders als Männer, und das ist wohl das größte Problem der Menschheit.

    Liebe Grüße und einen schönen, unwetterfreien Sonntag, bokins.

    Hallo Lilly,

    hab trotzdem alles verstanden :)

    Weißt Du was ich glaube? Die sind alle selber hart an der Grenze zum Alkoholismus, aber in der "feinen" Gesellschaft heißt das Stresswegtrinken mir einem guten Roten.... Haben ja alle soviel Arbeit, soviel Stress, ich bin wirklich richtig sauer. .
    Ich werde sie einfach ignorieren, ich darf mich über soviel Bildungsdünkel und Intoleranz nicht mehr aufregen. Aber gerade in dieser vollgedünkelten Welt lebt und brütet die Intoleranz. Wir sind schliesslich alle viel zu intelligent, um Teufel Alkohol nicht im Griff zu haben. Und wehe da tritt einer aus der Reihe, insgeheim wird gelästert, nach aussen darf es bloss keiner wissen. Puh, mir wird schlecht dabei.
    So long, ich werde auch damit lernen umzugehen,
    und jetzt, da könnte ich mir richtig einen trinken.Tu ich aber nicht, bin schliesslich viel zu intelligent :mrgreen:

    Liebe Grüße, bokins

    Hallihallo,

    (hört sich fröhlicher an als ich bin.. :? )
    Ich erwäge wirklich einen Therapeuten aufzusuchen, nur um mal Klarheit in meine momentan sehr verwirrende Gefühlswelt zu bekommen. Habe ich bisher eigentlich immer alleine geschafft, aber ich muss wohl eingestehen, dass ich hier an meine Grenzen gestossen bin.

    Ich habe heute eine bittere Erfahrung machen müssen. Meine Familie weiß nichts von dem Alkoholmissbrauch meines Mannes. Heute kam irgendwie das Thema darauf,ohne direkte Verbindung zu meinem Mann, und ich merkte sehr schnell, dass sie alle ablehnend reagierten. Alkis sind Menschen mit Stigma, ohne Selbstbeherrschung, arme Irre, Menschen die unter Brücken schlafen :shock: ... Aber so etwas gibt es ja Gott sei Dank nicht in unserer Familie. Ich war echt fertig. Es wird nun getuschelt, ob mein Mann nicht vielleicht doch... oder?.. Aber nicht doch! Es ist bestürzend, und für mich, durch die wohnbedingte Nähe zu meiner Familie ein kleines Drama. Manchmal bereue ich meine "gute Tat", wieder so nah an meine Familie gerückt zu sein. Darüber bin ich sehr traurig.Soviel Intoleranz hätte ich nie vermutet. Dabei sind es alles Akademiker, gebildete Leute, trinken selbst ganz gern ein Gläschen mehr.Das muss ich erstmal verarbeiten. Gut, mein Mann ist ja nun nicht auf Entzug, er ist nicht wegen des Alkoholproblems in der Klinik, sondern wegen der Probleme, die ihn hauptsächlich zum Alkohol geführt haben. Es ist ja sehr verzahnt. Ich werde mich jetzt natürlich noch mehr hüten, irgendetwas zu erzählen, aber es belastet mich doch sehr.
    Das wollte ich nur kurz erzählen, bevor ich mich wieder bis in die Nacht in die Arbeit stürze...
    Immer wieder neue Probleme!

    Ich danke Euch für Eure Unterstützung

    bis bald, bokins

    Hallo Ihr Lieben,

    @ oiseau: fernsehfrei, das ist gut! Ich bin schon seit ca. 1 Jahr so gut wie fernsehfrei. Ich schaue höchstens mit meinem Sohn mal "Kim Possible", liebt er, und freut sich, wenn ich mitschaue. Ist auch ganz witzig. Ansonsten geniesse ich mein fernsehfreies Leben, man bekommt soviel mehr von der Umwelt mit.
    Ich welchem Forum kann man denn privat mailen? Wenn man das hier erwähnen darf, bin nicht so sicher, sorry.
    Die Mitpatientinnen meines Mannes sind auch vielfach essgestört, auch lt. seiner Beteuerung nie sein Fall, aber darum geht es auch nicht. Selbst wenn ihm eine gefällt, erwarte ich doch Treue, oder soll ich denken, na gut, Gott sei Dank ist dort keine die ihm gefällt, sonst wär es passiert. Was ich meine ist eher die emotionale Distanz. Weißt Du, Menschen die einen verstehen, die Ängste und die veränderten Bedingungen während des Klinikaufenthaltes nachempfinden können, kommen einem doch schon verdammt nahe. Kann man diese Gefühle vielleicht missverstehen?
    und somit zu Lilly, ja ich klette. ich klette emotional. Das habe ich heute auch meiner Freundin gesagt. Ich muss lernen loszulassen, aber es ist nach soo langer Zeit sehr schwer. Wir waren füreinander immer der Mittelpunkt, er wird therapiert, ich nicht. Ich wünschte mir, das sowohl ihm als auch mir jemand "neutrales" die Gefühle des anderen näherbringt, um Verständnis wirbt. Er hat das ja vielleicht, ich nicht. Ich hänge hier rum, und hadere mit meinen Ängsten und Befürchtungen. Ich werde mir auch mal einen Therapeuten suchen, Gruppe ist nicht so mein Ding.

    Lilly, es tat gut, die aufmunternden Worte zu lesen, er wird sich "einfügen". Denn davor habe ich ja die größte Angst, dass wir uns nicht mehr "einfügen", auch wenn das Wort bescheuert ist. Ich werde es beherzigen, nicht einzugreifen, und ihn mit meinen Problemen einfach noch die nächsten Wochen in Ruhe lassen. Nur hat er nach so langer Zeit der "Ruhe" danach Kraft wieder ins geballte Leben zurückzukehren? Wie man´s macht, man macht´s verkehrt.
    @ karotte: ich bin mir nicht sicher, ob ein Motivationsprogramm für Kinder für eine 42-jährige gestandene Frau das Richtige ist...wie hast Du das gemeint?

    Liebe Grüße Euch allen, bokins

    Liebe Oiseau,

    schön mal wieder ganz oben zu sein :) . Und ich finde es auch schade, dass man sich nicht mal persönlich kennenlernen kann. Wir hätten bestimmt viel zu erzählen!

    Zu meiner Mutter: Ich habe noch 4 Geschwister, die sich nun um die Gunstverteilung bemühen. Es ist alles ein wenig kompliziert bei uns, wie Menschen halt so sind. Ich habe mich durch den Umzug ja schon in den Vordergrund gedrängelt, obwohl ich da eine ganz andere Sichtweise habe, aber Fakt ist, sie bügelt für mich, und putzt die Küche, die mal ihre war. Das finde ich auch schon großartig, und so ein klein wenig Eigenverantwortung für meine Wohnung will ich auch noch behalten, sonst find ich nachher nichts mehr wieder, und es ist nun schließlich meine Wohnung. Die Hausaufgaben mit unserem Sohn gestalten sich manchmal ein wenig, naja, ich drücke es vorsichtig aus, kompliziert, weil er nicht sehr motiviert ist. Also mache ich das, da muss man auch schonmal ein wenig strenger sein...

    Jetzt ist mein Mann also weg, und ausser dass ich ihn physisch und psychisch sehr vermisse, hat er seine Aufgaben im Haushalt doch Feen-mäßig erledigt. Ich muss nun einkaufen, wirklich ätzend... wie teuer das alles geworden ist! Manchmal komme ich mir wirklich wie Kaspar Hauser vor, immer im Keller...eingesponnen im Kokon aus Arbeit und Sorgen, schnief.
    Nun, ich versuche mir das Leben erträglich zu machen. Morgen früh treffe ich eine Freundin auf einen Spaziergang, und meinen Zahnarzttermin, liebe Oiseau, habe ich auf August verschoben!!

    Die Telefonate mit meinem Mann sind manchmal Wasser auf meine Angst-Mühlen. Er interessiert sich momentan gar nicht für mein Leben. Ich habe die Befürchtung, dass er sich innerlich distanziert. Und tatsächlich hat er viele Menschen kennengelernt, denen es genauso geht wie ihm, die ihn viel besser verstehen können als ich. Was soll ich denken? Als wir dort waren, haben alle unseren Sohn begrüsst mit den Worten: "Von dir haben wir aber schon viel gehört", von mir offensichtlich nicht...Mein Mann wurde überall begrüsst wie ein bester Freund, den man nach Jahren wieder trifft. Ich fühlte mich dort richtig, richtig fehl am Platze.
    Trotzdem war es sehr schön ihn wiederzusehen, und ich bin mir auch sicher, dass es ihm ähnlich ging. Nun kam halt gestern der Anruf noch 5 Wochen. Ich war soooo traurig. Na ja, ich kann es nicht ändern, darf nicht mal klagen, könnte ihm ja ein schlechtes Gewissen bereiten.

    Ich wünsche Dir, lieber Oiseau und allen die hier lesen einen schönen Restabend mit viel Entspannung, macht sie euch einfach, lest mal ein gutes Buch, das tu ich jeden Abend.

    Ach, Oiseau, wir könnten ihn den anonymen Bereich gehen, dort kann man glaube ich auch persönliche Mails austauschen, oder?

    Liebe Grüße, bokins

    Liebe Oiseau,

    danke für Deine Ideen :wink: . Ich mache mir jeden Tag einen Plan, hake ab, aber am Ende des Tages ist immer noch was übrig. Ich arbeite alleine, so bleibt ja alles an mir hängen. Nur den Haushalt, den muss ich jetzt auch noch stemmen. Meine Mutter wohnt auch hier, ja, aber auch sie hat noch immer große Probleme durch den Tod meines Vaters. Das muss ich auch wieder auffangen...
    Ich schaff das schon. Irgendwie geht immer alles. Und in den Sommerferien machen wir 2 Wochen Urlaub, so Gott will. Da freue ich mich schon drauf. Meine Ängste, einen völlig veränderten Mann, nach dann immerhin 8 Wochen wiederzubekommen, sind sehr groß, und erinnern mich an Deine ersten Zeilen hier. Was kommt? Was wird? Wie geht es weiter? Liebt er mich dann noch? Warum zweifele ich daran?
    Aber gut, ich will Deinen Thread nicht für mich missbrauchen, meiner ist schon in der Versenkung verschwunden... 8)

    Ich hoffe, Du kommst mit dem Problem des outen/nicht outen bald klar, und wenn Du es einfach nur als kleine Schwäche Deines Partners akzeptierst.
    Sei lieb gegüßt und geniesse die sommerlichen Temperaturen! Mein Büro ist leider im Keller, ich bekomme vom Wetter nicht viel mit.
    bokins