Sind meine Eltern Alkoholiker?

  • Hallo liebe Roa!

    Morgen ist Vollmond, vielleicht liegt's daran, daß "es" mit mir durchgegangen ist...? :wink:


    Guten Abend Manfred,

    hab gerade nochmal in Ruhe gelesen. Ich finde, du machst das echt gut. Du merkst sofort, wenn dir jemand was ausreden bzw. was einreden will. Und was sagt deine innere Stimme zu dem Ganzen? Hat es sich inzwischen bissel sortiert?

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo, es ist Vollmond! :shock:

    Geht's euch allen gut?

    Roa, bei mir war es auf jeden Fall so, daß ich zunächst den 35 km - Abstand brauchte, und den etwa 5 Jahre lang, damit ich den inneren Abstand entwickeln und festigen konnte. Manche Leute kriegen das ohne räumliche Distanz hin, aber ich frage mich, ob die sich da nicht etwas vormachen? Vielleicht haben sie nur gut funktionierende Verdrängungsmechanismen... und irgendwann ein Magengeschwür...

    Ich finde es schön, daß du Geige spielst, Manfred. Da du nur wenige Sätze davor geschrieben hast, wie geräuschempfindlich du nach den Verbalattacken bist, kommt es mir vor, wie wenn du dich mit deiner Musik selbst heilst! Wie schön, daß du diese Möglichkeit für dich hast.

    Zitat

    Aber an erster Stelle muss stehen, was ICH brauche für meine Heilung. Nicht als Reaktion auf sie, sondern als Aktion für mich.

    Die Einstellung habe ich auch. Ich will agieren, nicht re-agieren. Und schon gar nicht will ich im vorauseilenden Gehorsam Dinge tun oder lassen, nur damit der schöne Schein gewahrt bleibt. Nee, die Zeiten sind vorbei!

    Zitat

    Naja, soviel zum Sortieren. Ist nicht wirklich sortiert, nä?

    Bei deinem letzten Absatz hab ich laut rausgelacht und gerufen:
    JA! Ich hab nämlich absolut den Eindruck, daß du dich durchgewurschtelt hast! Der Dialog mit den inneren Stimmen war ja wirklich klar und eindeutig. Und am besten hat mir diese Aufmüpfigkeit gefallen, da blitzt dein Humor durch! Gefällt mir.

    Nö! Aushalten muß hier keiner mehr was, so sehe ich das. Wir haben lange genug alles mögliche und unmögliche ausgehalten. Das reicht für 100 Mann und 1000 Jahre. finis!

    Alles Liebe, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Linde,

    Vollmond...wäre mir jetzt nicht aufgefallen, aber vielleicht wusel ich deswegen noch herum.

    ich will aber eigentlich nur kurz noch einmal auf das thema innere und äußere distanz eingehen.

    es kann schon sein, dass sich da viele was vormachen.

    aber ich habe mich ganz eindeutig schon lange bevor ich augezogen bin nach und nach von meinen eltern distanziert innerlich, anders hätte ich es gar nicht der durchgeschafft.

    aber ohne räumlichen abstand war die belastung die distanz auch aufrechtzuerhalten natürlich viel größer.

    also meine these: oftmals ist äußere distanz vorraussetzung für innere. zeitweilig kann aber auch zuerst von innen heraus als schutzmechanismus innerer abstand gewonnen werden, dieser bleibt aber meist nur dann erhalten, wenn auf die dauer auch räumlicher dazu kommt.

    ob es der frau nun ähnlich ging wie mir oder sich was vormacht, darüber kann ich nicht urteilen.

    eine schöne vollmond-nacht allerseits!

    Roa

  • Zitat

    "Ich glaub, es hackt!", sagt man hier im Norden.

    Und hier im Süden sagt man: "Ich glaub, es baggert!!"

    Hallo Manfred!

    Wie war dein Wochenende mit Grübelauszeit? Mir geht's ähnlich: manchmal muß ich alles erst mal sacken lassen, bevor ich wieder 'input' zulasse.

    Mein Kopfweh ist besser, nur die Müdigkeit ist noch grenzenlos. Vielleicht ist in deinem Kopf noch zu viel, was da nicht hingehört, sondern ins Herz, den Bauch oder die Muskeln? 8)

    Alles Liebe und einen guten Wochenanfang,

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred!

    Ist das Kopfweh weniger geworden? Also rein mechanisch denke ich, daß telephonieren schon auch anstrengend ist. Klar hat man so Phasen, wo man stundenlang reden will. Aber am Telephon ergibt sich ja durch das Halten des Hörers so eine Art Zwangshaltung, die vielleicht im Schulter-Nackenbereich Verspannungen auslöst und die Kopfschmerzen mitverursacht. Aber vielleicht ist es auch der Inhalt der Telephonate....? oder gar der Gesprächspartner... ?

    Ich kann die Vorweihnachtszeit richtig genießen! Die Lichter, die Ruhe. So nach und nach werde ich, wie auch die letzten Jahre, anfangen mein Häuschen zu schmücken. Ich mache das nicht auf einmal, sondern von Woche zu Woche kommt etwas dazu. Freue mich schon sehr darauf!

    Zu etwas, was du geschrieben hast, habe ich ein Bild bekommen:

    Zitat

    Ich hatte früher teilweise kleine Wutanfälle, d.h., wenn ein Gegenstand z.B. nicht wollte wie ich bin ich gleich sehr ungehalten geworden in Form von schnellen aggressiven Bewegungen (schwer zu beschreiben). Irgendwann wurde mir klar, dass diese Handlung Aggression gegen MICH ist


    Ich habe die Assoziation, daß du als Erwachsener die Szenen wiederholt hast, die dir selbst als Kind widerfahren sind. Wenn du den "Gegenstand, der nicht so wollte" gleichsetzt mit dir als kleiner Junge. Und wenn nicht du die schnelle aggressive Bewegung machst, sondern deine Eltern. - Dann bist du in der alten Situation. Und du hast recht: es ist Aggression gegen dich.

    Daß du an diesem Punkt weitergekommen bist, freut mich sehr. Es reicht, wenn uns in der Vergangenheit Aggression widerfahren ist. Wir müssen uns nicht auch noch selber wehtun.

    Gelassenheit, das gelingt mir auch immer besser. Ich glaub, wir sind echt auf einem guten Weg inzwischen, auf UNSEREM. :D

    Grüße von einer Nachteule, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred.

    Mir tut der 'Briefwechsel' mit dir auch gut. Es ist nicht dieses Hin-und Her im Minutentakt, das manche hier pflegen. Das hat zu gegebener Zeit auch etwas für sich. Ich schätze an unserem Austausch diesen ruhigen Fluß der Gedanken.

    Mir ist auch aufgefallen, daß ich zwar noch immer viel in anderen Threads lese, aber ich hupse nicht mehr auf alles an. Es kehrt Ruhe ein. Du hast recht, wenn du sagst, daß die Geschichten hier zum Teil richtig aufwühlen und an die eigenen alten Erlebnisse erinnern. Es ist wie eine Zeitreise: ich kann mich in den verschiedensten Alters- und Reifestufen wiedererkennen. Und manchmal möchte ich "eingreifen", weiß aber, daß jeder seinen Weg gehen muß. Das Überspringen von Entwicklungsschritten ist wohl Utopie. Es geht nicht, jemanden durch Worte zu einer Einsicht hinzubringen, wenn er sie nicht bzw. noch nicht aus sich selbst heraus leben kann.

    Gestern abend ging ich früh ins Bett, schlief bis etwa 24 Uhr, wachte auf und konnte nicht mehr einschlafen. Dann setzte ich mich an den Computer, die Katze kam auf den Schoß gesprungen, so kann man es aushalten... Als ich dann um halb drei ungefähr ins Bett ging, war an Schlaf nicht mehr zu denken. Bis halb 5 döste ich so vor mich hin. Ging mir aber gut dabei.

    Deine Lichtblickoma, blieb sie dann für immer im Heim, oder kam sie wieder? Mich hat deine Geschichte gerührt. Wie einfach ist es, ein kleines Kind aufzufangen, zu trösten... und wie sehr haben sie versagt. Dein Verhalten als Masche oder Einbildung abzutun ist einfach. Der schwierigere Weg wäre gewesen mal hinzuschauen, was du WIRKLICH brauchst, was wirklich los ist. Aber das konnten sie nicht. Es gab ja etwas Wichtigeres als dich.

    Ich bin auch raus, so oft ich nur konnte. In den Ställen, im Wald, im Garten - überall fühlte ich mich wohler und sicherer als im Elternhaus. Ich erinnere mich, daß ich eines nachts einfach mal losgegangen bin. Ich muß so etwa 16, 17 gewesen sein. Es war Nacht, Winter, es lag 10 cm Schnee. Ich bin einfach losgegangen, querfeldein, immer Richtung Norden, parallel zu meinem großen Fluß. Etwa 5 km weit bin ich gekommen. Dann "erwachte" ich. Ich hatte ja kein Ziel. Kein Gepäck. Kein Geld. Ich stapfte zur nächsten Straße und trampte heim. Da erst bekam ich Angst, bei dem wildfremden Mann im Auto. In der Natur habe ich nie Angst. Was diesem Ereignis vorangegangen ist, hat mein Gehirn gelöscht. Mir fehlen deshalb sehr viele Zeiten.

    Ich fühlte mich absolut allein, ohnmächtig, in der Situation gefangen. Wo sollte ich hin? Meine Hilferufe hat niemand richtig als solche gedeutet. Wenn ich bei dir lese, wenn ich dir das hier schreibe, dann denke ich an diese unglaublich langen Zeiträume! Eigentlich ist es ein Wunder, daß wir noch da sind. Wir waren jahrelang diesen Traumatisierungen ausgesetzt.

    Aber inzwischen denke ich, daß "ICH" mehr da bin, als ich es je hätte sein können, wenn ich eine behütete Kindheit gehabt hätte. Etwas in mir wollte überleben und hat dafür ALLE Möglichkeiten aus mir herausgekitzelt. Find ich gut. Auf das Riesenrepertoire kann ich heute zurückgreifen.

    Wie bist du heute nacht damit umgegangen? Ich schreib Träume immer auf. Ein Blatt Papier liegt immer neben dem Bett. Wenn ich wach genug bin versuche ich mich an einer Deutung. Oder ich stehe auf, Licht an. Kakao trinken, irgendsowas.

    Mir geht's bissel besser als gestern.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Zitat

    Ich muss da irgendwie durch.

    Nee, nicht IRGENDWIE, denke ich gerade. Und MÜSSEN ist auch so 'ne Sache. Ich bin sicher, daß wenn du weiter so achtsam bist, dann hörst du, was dein Bauch wann wem zu sagen hat.

    Zitat

    Ich will leben und dass sich etwas ändert.

    Du lebst doch jetzt schon und du hast in der letzten Zeit schon so viel verändert! Nämlich deine Einstellung! Und du kannst dich an den kleinen Dingen des Lebens zunehmend mehr erfreuen, das ist Leben!

    Irgendwann hast du die Grauskala durch, und dann kommt das Bunte... :wink:

    Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ach Manfred. Ich kann gut verstehen, wie traurig dich das macht. Wenn man so unverhofft auf etwas stößt, was man innendrin eigentlich schon längst weiß...

    Mir fällt dazu eine 'nette' Familiengeschichte ein. Mein Bruder hatte Geburtstag. Ich war wie üblich nicht eingeladen. Alle anderen schon. Ich rief tags zuvor an, und sagte, daß ich gerne einfach so spontan zum Kaffee vorbeikommen würde. Fragte, ob es ihm recht sei und um wieviel Uhr die offizielle Familienkaffeetafel beginnen würde. Er tat ganz überrascht, daß ich überhaupt kommen wollte. Darauf ging ich gar nicht ein, blieb einfach freundlich.

    Jedenfalls kam ich am nächsten Tag mit meinem Geschenk zu der verabredeten Uhrzeit. Und was war? Für mich war nicht gedeckt. Ich war einfach nicht in denen ihrer Denke drin! Ich setzte mich also dazu. Alle tranken Kaffee, alle aßen Kuchen. Und ich wartete, ob es irgendwann irgendjemand auffallen würde, daß ich nix esse.... Nee, ich wartete vergeblich. Ich fühlte mich wie im falschen Film. Und irgendwie war es auch zum Lachen. Naja, in dem Moment nicht wirklich. Sie tun mir leid. Ich hab 'ne Weile mit Nichte u. Neffe gespielt und bin dann gegangen.

    Ich hab den Eindruck, wie wenn du dich mit dem Brief ziemlich unter Druck setzt. Schreib ihn doch einfach NOCH NICHT! Nur weil du einen Termin bei deinem Therapeuten hast, mußt du dich nicht vergewaltigen. Hast du das Gefühl, du müßtest wegen dem Termin bei deinem Therapeuten unbedingt jetzt schon den Brief schreiben? Wenn in dir drin es noch nicht so weit ist, dann geht das doch nicht. Ihr könnt ja irgendwas anderes besprechen!

    Meine Traumatherapeutin hat immer darauf geachtet, daß ich meine Ressourcen aktiviere. Schauen, wo meine Stärken liegen und auf denen aufbauen, damit ich stabil bleiben kann, wenn es mal turbulent zugeht. Ich finde es für mich kontraproduktiv immer nur den Fokus auf dem zu haben, was ich noch nicht hinkriege!!!

    Ohne daß ich Jura studiert habe, wag ich mal zu behaupten, daß du nicht enterbt werden kannst. Du tust denen nix. Enterbt kann man nur werden, wenn man ihnen was schlimmes antut. Und du läßt sie einfach nur weg. Mehr nicht. Weglassen ist kein Straftatsbestand...

    Zitat

    Was soll ich in diesem Brief schreiben? Was gibt es für Alternativen?

    Am Ende kommt vielleicht raus, daß du auch den Brief weglassen könntest... Nur so eine Idee...

    Ich mache es mir wahrscheinlich gemütlich am Wochenende. Mal sehen, im Nachbardorf ist eine Ausstellung, vielleicht kämpfe ich mich durch den Schnee.. soll ja heut nacht richtig losgehen!

    An so Sachen, wie du jetzt erlebt hast, da kannst du nur deine eigene Lebendigkeit gegensetzen. DU bist für DICH da, du spielst für dich die erste Geige. Umgib dich mit Leuten die dir gut tun und die dich wertschätzen. Ich drück dich aus der Ferne und wünsch dir eine schöne Zeit am Wochenende!

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Lieber Manfred!

    Zitat

    Ein Tag nach dem anderen.
    Nur für heute.


    Genau so machen es die Alkoholiker hier im Forum auch!! Und die haben Erfolg damit. 24 Stunden, nicht mehr!! 24 Stunden sind immer irgendwie machbar, und dann kommen ja die nächsten 24 Stunden. Oder du nimmst die Unterteilung noch kleiner; da hatten wir es die Tage ja mal davon.

    Ich schreib dir heut abend nochmal, muß gleich nochmal raus, die Zottels in den Stall lassen.

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo,

    da bin ich wieder. Meinen Zottels geht's gut. Man meint, man könne zugucken, wie ihnen das Winterfell wächst...

    Was du schreibst hört sich nach AUSMISTEN an. Termine weglassen, die zu viel sind und eine Struktur in die Woche reinbringen, die für die aktuelle Situation passend ist. Aktive Zeiten und Erholzeiten, alleine sein und unter Leuten sein, die richtige Mischung macht's.

    Ja, hol dir alles an Hilfe, was du kriegen kannst, gibt ja zum Glück so einiges. Warst du eigentlich nochmal bei so einem Gruppentreffen? Oder hat dich die eine Frau so gestört, daß du lieber nicht mehr hingehst? Das mit der Beratungsstelle hört sich gut an. Kann dein Therapeut/in nicht eine Verlängerung beantragen? Wäre ja einen Versuch wert. Ich hab ja nach ein paar Jahren Verhaltenstherapie gewechselt zu Traumatherapie. Das wurde anstandslos von der Kasse bezahlt.

    Dein Kopfweh hört sich nach viel innerem Druck an. Wenn es gar nicht anders geht, nehme ich auch mal Tabletten. Aber meistens helfen mir Spazierengehen, Schlafen oder Atemübungen (nach Ilse Middendorf) - wird oft als Volkshochschulkurs angeboten. Gibt es aber auch bei niedergelassenen Atemtherapeuten als Einzelstunden. Hab ich auch schon ab und zu genommen und hat mir geholfen.

    Bei deinem Traum vom Hörsturz dachte ich, daß es wohl darum geht, auf die innere Stimme zu horchen und nicht mehr länger auf das, was die anderen außenrum sagen. Im realen Leben ist es oft so, daß streßgeplagte Menschen einen Hörsturz bekommen, die immer funktionieren müssen. Statt auf sich selbst zu hören, hören sie auf die "Zwänge" außenrum. Ungehorsam zu werden gegenüber den vermeintlichen Zwängen und lernen, der eigenen inneren Stimme zu gehorchen... das fiel mir dazu ein. Lieber selber sich aus dem Tohuwabohu zurückziehen, bevor der Körper die Schotten (Ohren) dicht macht...

    Dir krampft sich innerlich alles zusammen, dein Kopf tut weh, du träumst vom Hörsturz. Dein Körper sagt dir sehr deutlich, daß eine Grenze erreicht ist. Rückzug tut dir offensichtlich gut. Probier einfach alles aus, was dir bisher immer geholfen hat (brennt dein Kerzel heute?) und hol dir alles an Infos und Unterstützung, was du kriegen kannst. Ich bin sicher, daß du das schaffst. Es ist halt ungewohnt, die eigene innere Stimme höher zu werten als die Stimmen der anderen... Kein Wunder, daß du Angst kriegst. Eventuell ist es eine alte Angst. Vielleicht erinnert sich dein inneres Kind an eine schreckliche Angst, die es mal aushalten mußte. Mach alles, was dir JETZT gut tut, verwöhn dich, damit du wieder Kraft kriegst.

    Das Schreiben hier kann auch beim Sortieren deiner Gedanken helfen...

    Die Alkoholiker hier im Forum wünschen sich ganz oft 'trockene 24 Stunden'. Ich finde das so toll! Du hast das ja auch geschrieben: Nur für heute! Hey, wenn ich es schaffe, meine täglichen "Stapelchen" zu beackern, dann kriegst du das auch hin!

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred!

    Das Angebot deines Therapeuten, dich durch diese schwierige Zeit zu begleiten, finde ich klasse. Für heute abend in der Gruppe wünsche ich dir einen guten Gedankenaustausch.

    Die Teddies sind gegrüßt, wobei sie im Moment eher zu Bibern mutieren! Sie nagen alles an, was aus Holz ist, die Zäune, die Hütte, einfach alles... :shock: Wenn's Spaß macht!

    Tschüß bis bald, Linde

    P.S. Hast du Karstens neues Gedicht schon gelesen?

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo, guten Abend!

    Zitat

    wo steht Karstens Gedicht?

    Klicke auf dieser Seite hier oben auf "Zur Forenübersicht". Dann erscheint die Startseite mit der kompletten Inhaltsübersicht. Wenn du gaaaanz runterscrollst ist das zweitunterste "Gedichte und Sinnliches".

    Zitat

    Manchmal fühle ich mich innen richtig schmutzig.

    Da könnte ein Reinigungsritual helfen... Das Gefühl kenne ich sehr gut.

    Und für dein Gedankenkarussel kannst du dir vielleicht so eine Art innerer Stop-Taste installieren. Stell dir vor, da redet in dir drin einer immer wieder von Schuld, Briefen, Enterben, all das. Und du drehst einfach den Ton leise für den Moment... so eine Art Visualisierungsübung.

    Bei mir waren es nicht innere Texte, sondern Bilder. Wenn die alten Bilder herangeflutet kamen, dann stellte ich mir vor, daß es Photos sind, die ich UMDREHE. Die weiße Seite nach oben. Und die unmittelbare Panik und Verzweiflung war vorbei.

    Wie war deine Beratung?

    Bis bald und liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    danke für deine ausführliche Rückmeldung.

    Zitat

    Es gehe darum, den Schaden zu minimieren.

    Den Ansatz finde ich sehr interessant. Denn er eröffnet dir eine Bandbreite von Möglichkeiten zwischen den beiden Polen: Kontaktabbruch / weiter in Kontakt wie bisher. Kannst du weiter mit ihm Gespräche führen? Ihr scheint ja wirklich einiges sortiert zu haben.

    Zitat

    Er sagte, das klinge schlimm bei mir, ich sei arm dran, wirke sehr verunsichert und irritiert. Das macht mir natürlich auch wieder Sorgen.

    Verstehe, wenn du von außen deine Gefühle bestätigt kriegst, erfahren sie ja eine Bestätigung, die du selber kaum zu leben wagst... Ich merke für mich, daß mir in so schwierigen Situationen sehr gut geholfen hat, immer und immer wieder an meinen Ressourcen zu arbeiten, an sie erinnert zu werden. Was kann ich gut, was gelingt mir, was macht mir Freude, was geht mir leicht von der Hand, welche Techniken beherrsche ich schon....

    Hast du einen Erste-Hilfe-Koffer? Dein Lichtel gehört dazu! Und das Fahradfahren am Bach, der Tannenbaum und die Eichhörnchen. Das Geigenspiel. Da ist sicher noch viel mehr. Das alles trägt zur inneren Stabilisierung bei. Ich hab sogar einen DIN A 4 -Zettel, wo 41 Sachen draufstehen, die mir gut tun. Der liegt auf meinem Schreibtisch (der ansonsten seeehr leer ist, grins!)

    Zitat

    wir seien eben seelische Kontergankinder und müssten nun damit leben und das Beste daraus machen.

    Sie hat sehr recht. Und hast du mal Behinderte kennengelernt? Was für eine Lebensenergie die freisetzen, ganz ungeniert...! Toll. Ich habe mal ein Werbeplakat gesehen für die Parolympics. Da sah man einen absolut durchtrainierten Muskelmann, der den Betrachter direkt ansah und sagte: "Ich lasse mich nicht behindern!" Und nur wenn man genau hinschaute sah man, daß er an beiden Beinen Oberschenkelamputiert war... Es ist unsere Entscheidung, uns behindern zu lassen, oder eben NICHT! Gleich ob wir seelisch oder körperlich amputiert sind.

    Kennst du die Bücher von Janet Woititz? - Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. - Um die Kindheit betrogen. Die beiden Bücher waren Meilensteine für mich. Darin geht es unter anderem auch um diesen ungestillten Hunger nach Liebe und Beachtung. EK's haben diesen Hunger in ihrer Herkunftsfamilie meist nie gestillt bekommen... Deswegen sind sie oft selber süchtig geworden (Sucht = die Suche nach der Befriedigung eines Bedürfnisses).

    Der Weg da heraus ist es, nicht länger die Eltern für meine eigene Bedürfnisbefriedigung zuständig sein zu lassen. Sie konnten und können es nicht... Sondern sich selbst für die Bedürfnisbefriedigung verantwortlich zu machen. Das klappt gut und schlecht gleichzeitig, denn die verschieden alten kindlichen bzw. erwachsenen Anteile in einem haben oft unterschiedliche Bedürfnisse. Dann hilft die innere Konferenz.

    Lieber Manfred, ich bin müd. Morgen habe ich frei, darauf freue ich mich sehr! Erst mal ausschlafen. Meine Tiere mal bei Tageslicht zu sehen...

    Das innere Kind. Wir lesen uns morgen.

    Bis denn, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Nur noch ein Satz zum inneren Kind.

    Versetz dich eher nicht in die alten Gefühle... Das kann dich retraumatisieren.

    Frag dich lieber: was braucht der kleine Junge JETZT?

    Stell dir schöne Orte vor, wo ein Kind sich absolut sicher und geborgen fühlen kann... ein sonniger alter Obstgarten, eine Schaukel, im Bett unter einer Wolldecke, zusammen mit einem großen Zottelhund auf einer Wiese.... schlag ihm einfach Orte vor, von denen du meinst, es könnte ihm da gefallen.
    Hat er Durst? Oder friert er? Will er in den Arm genommen werden? oder lieber, daß jemand still neben ihm sitzt? Gib ihm alles, was er möchte, frag ihn einfach.
    Bring ihn an den sicheren inneren Ort.
    Vielleicht mag er ja ein Tier bei sich haben, stell es dir einfach vor.. Oder vielleicht einen netten Menschen. Bei mir saß mal in der Vorstellung eine uralte Frau neben mir, immer, sogar auf der Arbeit, im Auto, immer! Sie tat einem meiner inneren Kinder gut.
    Vielleicht mag er bei dir auf dem Schoß sitzen und gewiegt werden, nimm ihn einfach in die Arme und halte ihn.
    Gehe mit ihm spazieren und zeige ihm deine Lieblingsplätze. Und lasse dich von ihm führen zu seinen Lieblingsplätzen... wo mag er gerne hingehen...
    Einfach lauschen, und für ihn da sein. Dann kommt er.

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Zitat

    Was meintest Du mit diesem Satz: "Verstehe, wenn du von außen deine Gefühle bestätigt kriegst, erfahren sie ja eine Bestätigung, die du selber kaum zu leben wagst... "

    Damit meine ich folgendes:
    Ich kann verstehen, daß wenn du von außen (in dem Falle von dem Psychologen) das gesagt bekommst, was du eigentlich innendrin schon weißt, daß das bei dir erst mal eine heftige Reaktion auslöst. Du selber scheinst manchmal zu zweifeln, ob deine Gefühle "stimmen", ob du sie überhaupt haben "darfst". Wenn dann jemand sagt, daß er das auch so sieht wie du (schlimm, schwierige Situation, Sorgen..), dann bestätigt er ja damit deine Gefühle. Und für dich fühlt sich das in Folge an, wie wenn das dann offizieller Status quo ist, aus dem es keine Rettung mehr gibt.

    Derweil ist es nur eine Momentaufnahme. Die Tatsache, daß dich ein Mensch wahrnimmt in deiner aktuellen Situation, heißt ja noch lange nicht, daß dadurch diese Situation festzementiert wird. Du kannst ja daran weiter arbeiten! Du kannst dir alles von außen dazuholen was immer du brauchst, um an deiner eigenen Weiterentwicklung u. Rettung zu arbeiten.

    Wir sind es so wenig gewohnt, daß jemand uns jemand zuhört, wahrnimmt, uns ernst nimmt... In meiner Herkunftsfamilie gab es niemanden, dem ich mich hätte anvertrauen können. Um so besser, wenn man sich außenstehenden Menschen gegenüber öffnen kann. Im Gespräch kann man Zweifel ausräumen, man kann sich sortieren, Pläne machen. Man kann sich immer wieder reflektieren und Rückmeldungen holen.

    Tut mir leid, wenn ich mich so unklar ausgedrückt habe.

    Vielleicht kann erst mal ein Zahnarzt auf deinen Kiefer schauen. Bei akuten Schmerzen nehmen die einen auch kurzfristig dran. Meine Zähne sind inzwischen ziemlich saniert. War eine mehrjährige Aktion... Kronen, Brücken, Implantate. Jetzt bin ich ziemlich zufrieden, denn die Schmerzen sind weg und ich kann wieder gescheit kauen. Ich habe auch einige OP's hinter mir. Ich hoffe, meine Kiefer bleiben jetzt endlich ruhig und friedlich!

    Meine Knochenbrüche machten aktuell Probleme, weil ich erheblich mehr belastet wurde durch dir Arbeit, aber auch weil es kalt wurde. Manchmal ist die naheliegende Deutung von Symtomen die richtige.. Aber du hast Recht, manchmal spricht der Körper das aus, was die Seele uns sagen will.

    Heute hat sicher noch dein Zahnarzt auf, evtl. ein Notdienst. Ich drück dir die Daumen.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Ein Tag nach dem anderen. Genau. Ist das Kerzel an?

    Du arbeitest im übertragenen Sinn an deinen Wurzeln... das korrespondiert vielleicht mit deinen Zähnen. Auch wenn sie fehlen, der Körper erinnert sich an sie. Und an die Umstände, die zu ihrem Verlust geführt haben. So isses jedenfalls bei mir.

    Ich habe das Gefühl, daß sich bei dir verschiedene Zeitstufen der Angst mischen.

    Da ist eine aktuelle Angst: was ist nun schon wieder los mit meinem Kiefer? Hab ich eine schlimme Erkrankung? Was kommt auf mich zu?

    Und da ist eine alte Angst:

    Zitat

    Wenn ich Schmerzen habe, bin ich nicht mehr gesund, bin ich fehlerhaft, makelbehaftet, nicht perfekt. Ich glaube, das kommt ganz deutlich von meinen Eltern. Sie haben mir häufig ein Gefühl der totalen Aussichtslosigkeit vermittelt.

    Dieses uralte Gefühl der totalen Aussichtslosigkeit, der Ausgegrenztheit, des "Falsch"-seins. Wenn ein Kind sowas vermittelt kriegt, ist ja klar, daß es völlig verängstigt reagiert und panisch wird! Kinder zwischen schwarz und weiß aufwachsen zu lassen ist grausam! Kinderwelt sollte doch bunt sein...

    Jetzt ist jetzt.

    Und es sieht so aus, als ob die alte kindliche Angst, Panik, Hoffnungslosigkeit usw. reaktiviert wird, wenn du heute aktuell in eine ähnliche Situation gerätst. Heute hast du Schmerzen im Kiefer. Und wie in der Zeitmaschine saust du in die vergleichbare alte Situation. Die Tür ist offen, und wie eine Flutwelle sausen die alten Gefühle herein und mischen sich mit den aktuellen Gefühlen. So kommt es mir vor. Und diese Mischung ist heftig und vor allem lähmend.

    Ich frag mich inzwischen immer, wenn ich auf irgendwas außergewöhnlich heftig reagiere, ob da ein ALTES Gefühl aktiviert worden ist. Und dann versuche ich zu sortieren: was ist heute aktuell dran? und was ist eventuell ein altes Gefühl? Erinnere ich mich vielleicht an ein altes Gefühl...?

    Weißt du, sich an alte Gefühle zu erinnern, kann evtl. schon triggern. Deswegen wühle ich auch nicht in den alten Gefühlen herum. Wenn die alten Gefühle hochkommen, dann ist das halt so. Aber man kann lernen kreativ damit umzugehen. Wir sind heute nicht mehr die Opfer. Ich registriere die alten Gefühle: "hallo alte Angst" und schaue dann, was mir JETZT gut tut. Ich gehe nicht in diese alte Angst rein! Sondern aktiviere meine Ressourcen. Was tut mir JETZT gut?!

    Kannst du mal schauen, ob du Kontakt kriegst zu einem Anteil in dir drin, der da war VOR der alten Angst? Du hast es mal als Licht beschrieben.

    Ich habe in mir das Bild eines Kerns, der in mir drin ist. Der heil ist. Der nix abgekriegt hat von all den vielen Verletzungen und Grenzüberschreitungen. Zu dem versuche ich immer wieder hinzuspüren.

    Das mit dem Makel kenne ich sehr gut. Ein Reinigungsritual wäre vielleicht gut. Ein kleines Kind hat keinen Makel. Die Erwachsenen stülpen da ihren Mist über das Kind drüber. Und was macht man mit übergestülptem Mist? Abschütteln und duschen...

    Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Moin Manfred!

    Zitat

    Danke, dass Du immer noch da bist.

    Yep, ich bin noch da! :wink:

    Und zusätzlich noch in ein paar anderen Threads. Das tut mir gut, bei den verschiedensten Menschen zu lesen und zu schreiben. Jeder bringt so seine ganz eigenen Geschichten mit hier herein, aber jeder bringt auch seine ureigene Kraft, Ideen, Lösungsansätze hier herein... Und ich picke im Moment überall das heraus, was ich gebrauchen kann.

    Ich bin z.B. nie in eine SHG gegangen, u.a. auch deswegen, weil da Männer sein KÖNNTEN. :shock: Bei meiner Biographie! Panik!

    Und jetzt? Hier hat es viele Männer und die waren genauso Opfer der Familienkrankheit Alkoholismus wie ich auch... Das relativiert vieles in mir drin.

    Der Austausch hier ist eine Bereicherung für mich. Ich kriege so viele Denkansstösse... Wenn ich bei den 19, 20 jährigen schaue, dann klärt sich so manches, was ich früher nie verstanden habe, als ich selber so alt war. Und wenn ich bei den Ü 60 lese, dann sehe ich Menschen, die darum ringen, es zu schaffen... im Gegensatz zu meinen Eltern. Die richten sich im Familiensystem ein, und wollen gar nichts verändern...

    Dir einen schönen Sonntag!

    Viele Grüße von Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    Musik machen mit einer Freundin, das hört sich schön an. Wenn man diese wunderbare Möglichkeit hat, sich auszudrücken, ist das was ganz tolles! An mir ist der Musikunterricht irgendwie "vorübergegangen", ohne daß ich je ein Instrument erlernt hätte.

    Als Kind lebte ich ja mal eine zeitlang nicht im Elternhaus, sondern bei einer Verwandten. Die nahm mich immer mit in Konzerte, in die Oper, auch in Kunstausstellungen. Selten, daß das meinen Geschmack getroffen hätte, aber das grundsätzliche Interesse wurde geweckt! Und dafür bin ich ihr heute noch dankbar!

    Inzwischen gehe ich sehr gerne und oft in die verschiedensten Kunstausstellungen. Letztes Jahr gab es hier eine Reihe von Konzerten in historischer Kulisse mit mittelalterlicher Musik und entsprechenden Instrumenten. Wunderschön. Dann habe ich schon Montserrat Caballé gesehen. Ich war alleine da, ich habe in der 1. Reihe gesessen und trug ein rotes Abendkleid. Die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, sie singt ganz alleine für mich... Paar Dörfer weiter hat sich eine Opernsängerin aus den USA mit ihrer Familie niedergelassen. Jedes Jahr macht sie einen Sommerworkshop und ein Weihnachtskonzert mit exzellenten jungen Opernsängern. Der Eintritt ist frei. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was da los ist! Die ganze Umgebung kommt, vom Kind bis zum Opa, vom Busfahrer bis zur Galeristin. Musik verbindet Menschen.

    Tanz ist auch sowas, was mir unglaublich gut tut. Nicht das, was man in der Tanzschule lernt. Eher ist es so, daß ich Impulse von innen aufnehme und ausdrücke. Ich kann in der Bewegung völlig aufgehen. Und ab und zu sehe ich gerne modernes Ballett, experimentellen Tanz.

    Es gibt soooo viel!

    Freut mich, wenn es dir besser geht, dein Lichtel brennt und du wieder bei DIR bist! Wenn die Schmerzen dafür gut waren, den Fokus wieder auf dich zu bringen, dann haben sie ihren Zweck erfüllt. Bleib bei dir. Da gehörst du hin.

    Lieber Gruß von Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred!

    Thema Zahnschmerz.

    Konntest du inzwischen in die Schmerzklinik? Ich bin auch froh, daß es sowas überhaupt gibt! Manchmal haben die eine Schmerzambulanz-Abteilung.

    Bei meiner Zahnärztin lasse ich mir IMMER eine Spritze geben. Sie weiß bescheid und spritzt auch ohne Diskussionen mal nach, wenn die Sitzung länger dauert und ich darum bitte.

    Dadurch, daß ich jahrelang NICHT zum Zahnarzt ging, hab ich mir mein Gebiß ziemlich ruiniert und hatte jahrelang Schmerzen! Ich hab mich lieber tagelang mit wahllos gekauften Schmerztabletten zugedröhnt, nur um den Termin hinauszögern zu können... Wie blöd ich war. Naja, eher so: wie panisch ich war. Ich hatte panische Angst, mich auszuliefern, hilflos einer Person ausgeliefert zu sein..

    Die Zahnarztsituation triggerte mich. Ich rauschte durch das Zeitfenster und fand mich gefühlmäßig in der alten Mißbrauchssituation wieder... Das war mir lange nicht bewußt, und daher wollte ich die Situation einfach nur verhindern. Aber die Schmerzen brachten mich auf den Punkt! Entweder ich gehe jetzt da hin, oder ich ruiniere meine Nieren mit den Tabletten! Alle meine Ärzte habe ich durch Ärztinnen ersetzt: Hausärztin, Gynäkologin, Zahnärztin.. Damit geht es mir besser und ich habe das Gefühl einer Begegnung auf Augenhöhe. So ist die Gefahr nicht so groß, daß ich wieder die alte Mißbrauchssituation assoziiere.

    Dadurch, daß ich jahrelang Schmerzen litt, statt die Zähne endlich mal machen zu lassen, hat sich im Hirn ein Schmerzgedächtnis verfestigt. Diesen Begriff kannst du im Internet mal recherchieren, wenn du magst.

    Bei mir ist es so, daß wenn im Mundbereich bei mir auch nur ein winzig klein bissel was sich im entferntesten nach Schmerz anfühlt, mein Gehirn anhupst und dann beginnt unweigerlich die rasende Fahrt auf der Schmerzautobahn... Der Schmerz verselbstständigt sich. Es ist auch nicht mehr so, daß bissel Zahnweh bissel Schmerzen macht! Nein, bissel Zahnweh löst eine Dominoreihe aus und das Hirn erinnert sich an die alten Schmerzen und feuert und feuert immer mehr Impulse und ich habe Riesenschmerzen, obwohl nur eine winzige Ursache da ist.

    Mich hat dein Narbenschmerz an das was bei mir los ist erinnert. Vielleicht ist das ja bei die ähnlich.

    Ich habe früher in der Chirurgie gearbeitet. Und da habe ich folgendes gelernt: wenn mal ein Eingriff nötig ist, dann sollte der Arzt unbedingt sofort und angemessen Schmerzmittel verabreichen, damit sich beim Patient eben nicht dieses fatale Schmerzgedächtnis einstellt! Sonst hat der möglicherweise für den Rest seines Lebens Phantomschmerzen! Und die sind oft unglaublich stark. Die Wunde ist längst verheilt, alles ist "eigentlich" gut, aber die Schmerzen sind da, sind von der alten Ursache losgelöst.

    Meine Ärztinnen wissen alle um meinen Mißbrauch. Und um die Schmerzen, die ich dabei hatte. Und was das bis heute für Auswirkungen hat. Daher werde ich heute sehr gut - wenn es denn einmal sein sollte - auf Schmerzmittel eingestellt, damit das Schmerzgedächtnis nicht wieder anspringt. Und selbstverständlich wird die Ursache der Schmerzen behandelt.. Heute gehe ich sofort zur Ärztin!


    Wie fühlt sich dissoziieren an? Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Das ist auch der Grund dafür, daß ich ein paar Tage nicht bei dir geschrieben habe. (naja, einer der Gründe :wink: , hast ja sicher gemerkt, daß bei mir ziemlich was los war...)

    Ich hab den Zustand immer wie einen Nebel empfunden.

    Ich seh nicht klar, ich höre alles nur wie durch Watte.

    Ich spüre mich nicht körperlich. Ich spüre keine Schmerzen.

    Und das ist ja schon der Sinn der Dissoziation: nichts mehr zu spüren. Nichts mehr wahrzunehmen. Aus der aktuellen Situation auszusteigen.

    Wenn man einen Autounfall hat, dann ist es so, daß man sich meistens genau erinnert, was vorher war. Dann "wacht" man auf, und ist wieder in der Ist-Zeit. Aber die Ereignisse beim eigentlichen Unfallzeitpunkt sind vom Gehirn gelöscht! Es ist ein Schutzmechanismus des Gehirns, das ein traumatisches Ereignis aus dem bewußten Gedächtnis löscht, um uns vor Überforderung zu schützen.

    Nur ist es so, daß das traumatische Ereignis, was immer das ist, zusätzlich in unserem Körpergedächtnis gespeichert ist. In jeder Körperzelle. Jede meiner Körperzellen kann sich gegebenenfalls "erinnern", wie es war, als ich gerade mißbraucht wurde. Ein Geruch, ein Geräusch, ein bestimmter Stoff oder eine bestimmtes Lichtverhältnis in einem Raum... das Körpergedächtnis "erinnert" sich heute, und in mir drin beginnt eine Kettenreaktion. Ich bin HEUTE einem bestimmten Geräusch ausgesetzt, was der alten Situation ähnlich ist, und mein Körper beginnt, die ALTEN Schutzmechanismen in Bewegung zu setzen:

    nichts mehr spüren, aussteigen, erstarren, passiv werden, keine Reaktionen mehr zeigen, warten bis die Situation von selber rumgeht, nicht mehr selber handeln, Wattegefühl, Nebelgefühl, neben-sich-stehen, sich selber zuschauen und nicht eingreifen können, alles über sich ergehen lassen, schweigen, bzw. reden wie "ferngesteuert"...

    Und irgendwann "erwache" ich aus dem dissoziativen Zustand. Dann, wenn die Situation, die der traumatischen Situation von damals ähnlich war, vorüber ist. Da ich jahrelangem Mißbrauch schon von frühester Kindheit an ausgesetzt war, hat mein Gehirn entsprechend viele und lange Zeiträume gelöscht. Mir fehlen ganze Jahre. Das ist jetzt keine Übertreibung. Und ich bin froh darum, daß es so ist. Ich habe jahrelang in dissoziativem Zustand gelebt. Damals während des Mißbrauchs war das meine Rettung. Später WOLLTE ich ja lebendig sein und mich spüren, und dann erschreckte es mich total, wenn ich mich plötzlich in einer Dissoziation wiederfand.

    Heute, nach jahrelanger Traumatherapie, spüre ich relativ schnell, wenn ich beginne zu dissoziieren. Und bevor ich völlig aussteige, kann ich meinen 1.-Hilfe-Koffer auspacken. Und versuchen einzugrenzen, was genau mich getriggert hat. Und dann behutsam hinschauen. Welches innere Kind ist betroffen, wie alt ist es, was braucht es JETZT? Ich bringe das innere Kind an einen sicheren Ort und beruhige es.


    Ich hoffe, ich konnte dir deine Frage beantworten. Es ist schwer, über "Nebel" zu schreiben...

    Liebe Grüße,

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred!

    Ja, die Angst hat mich auch sehr lange begleitet. Letztes Jahr noch hatte ich ein sehr aufwühlendes Erlebnis.

    Mein Vater stand plötzlich unangemeldet hier vor meiner Haustür. Er hat geklopft, mehrfach, denn mein Auto stand vorm Haus. Ich lugte hinter der Gardine nach draußen und es zog mir die Beine weg vor Panik! Ich klappte regelrecht zusammen, ich versteckte mich, bibberte auf dem Boden bis er wieder weg war.

    Ich hatte nie damit gerechnet, daß er hierherkommt. Es sind etwa 30 km, und er hat mich hier zuvor noch nie besucht... Ich war völlig gelähmt und hatte Angst. Unmöglich, ihm in dem Zustand aufzumachen. Ich wollte ihn auch keinesfalls in meine Wohnung lassen!

    Die Eltern haben nur so viel Macht, wie man ihnen gibt. Ich geb ihnen keine mehr. War aber ein langer Weg dahin.

    Zitat

    Schade, dass Roa und Weitsicht und die anderen nicht mehr schreiben.


    Ist mir auch schon aufgefallen. Manfred, du hast sooo viel zu geben! Wenn ich deine klugen und wertschätzenden Beiträge in meinem Thread lese, dann bringt mich das immer weiter! Ich schätze den Austausch mit dir sehr. Wer weiß, vielleicht vermissen sie DEINE Beiträge bei SICH in IHREN Threads... es geht ja um den Austausch.

    Ich vermisse sibi ganz doll. Sie hat sich glaube ich komplett zurückgezogen. Und gatita taucht wohl gerade wieder aus dem Dschungel auf. Freut mich.

    Liebe Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

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