Schon Tag 8, doch es bleibt schwer...

  • Hallo Ihr Lieben,
    nun bin ich also auch hier im offenen Bereich ;)
    Kurz was zu meiner Person:
    Ich habe vor 5 Jahren begonnen fast taeglich zu trinken um den Schmerz zu vergessen, dass mein geliebter Vater so ploetzlich von mir gehen musste und in meinen Armen verstarb. Trauerarbeit hab ich nie gekannt und somit war mein scheinbar einziger Freund der Alk. Alles nur Schein, ich weiss, aber es hat fuer den Moment geholfen, mich aber in eine Abhaengigkeit getrieben, die ich nicht ahnte.
    Dann im vergangenen Jahr steigerte ich meinen Knsum auf min. 2-3 Liter Bier taeglich oder 2 Flaschen Wein.( ich weiss, andere trinken mehr, aber das ist doch nicht normel dachte ich mir) Bis ich jedoch den Schalter in meinem Kopf umlegen konnte, dass ich mit dem Trinken nur verdraenge, ist ein Jahr ins Land gegangen. Dann vergangene Woche auf der Party...
    Komasaufen..hatte voll den blackout und muss mich unmoeglich benommen haben. Das war der Punkt, andem ich merkte, dass andere mitbekommen, dass ich ein Problem habe mit Alk und beschloss endlich nichts mehr zu trinken, was ich auch seit Sonntag nicht mehr mache. Ich lese schon seit einiger Zeit hier im Forum Eure Geschichten und habe mir bei Euch Mut machen lassen auch den Weg zum Arzt zu wagen.
    Das ich so dumm war oder bin einen "kalten Entzug" zu machen liegt daran, dass ich mich noch immer nicht so recht outen kann um in eine Therapie zu gehen. Ich versuche momentan an der ursaechlichen, ausloesenden Situation zu arbeiten und beginne nun damit, meine Vergangenheit aufzuraeumen...wieder auf der Suche nach dem ich, vor der Sauferei...
    So, das nun zur aktuellen Situation.
    Ich bin jedenfalls stolz auf mich und auf Euch alle, denn Ihr seit es, die mir Mut machen. Dafuer tausend Dank.
    LG, Medicus

  • Hallo Medicus,
    Schön das du den Weg zu uns gefunden hast.
    Was hast du denn jetzt vor?
    Für mich war der erste erfolgreiche Schritt meine Wohnung
    Komplett Alkfrei zu machen.Desweiteren nehme ich mir immer
    nur einen Tag vor nicht zu trinken.Das hilft mir es sind jetzt schon
    es sind jetzt schon 120 Tage :D
    Und mein leben wird von Tag zu Tag angenehmer :lol:
    LG
    Günter :wink:

  • Hallo Guenter,
    hab mir grad eben mal durchgelesen, wie es dir so erging am Anfang und ich muss sagen Hut ab.
    Ich habe eine Alkfreie Wohnung, ja. Ich lebe auch alleine, was das Risiko denk ich eher erhoeht, da mir keiner auf die Finger hauen kann. Daher versuche ich es mit jeder Menge Selbstdisziplin, da ich mir immer wieder vor Augen halte, wie entwuerdigend ich immer diese Situation fand, wenn ich morgens mit nem dicken Kofp zur Arbeit fuhr und mich aergerte den Abend zuvor wieder getrunken zu haben. Doch kaum war es erneut Abend und ich sass allein auf meiner Couch, da war dann der Vortag schnell vergesen und ich trank, bis ich totmuede ins Bett fiel. Das will ich einfach nicht mehr erleben, denn ich wuerde die Achtung vor mir selbst verlieren...
    Aber es ist grade jetzt im Winter echt schwer, da es schon soooo frueh dunkel wird. Was mir hilft zur Zeit sind lange Spaziergaenge mit einer Freundin, die als einzige weiss, dass ich grade nen Entzug mache und danach baden und schnell ins Bett um nicht denken zu muesen. Denn das denken war immer das, was ich mit dem Alk abstellen wollte.
    Aber ich merke, dass es mir unglaublich hilft, hier zu schreiben und ich bin echt dankbar fuer jeden Halt , den ich bekommen kann. Und ich hoffe und bete, dass auch ich bald sagen kann, dass es schon 120 Tage sind :lol:

  • Hallo Medicus,
    schön das du hergefunden hast, das wird. Und wenn deine Freundin Bescheid weiß, dann bist doch nicht so ganz alleine. Lauf mit ihr, jeder Meter bringt dich weiter weg vom Alkohol , rede über deine Gedanken mit ihr.
    Es ist nicht einfach für euch beide am Anfang. Du packst das.Alles Gute. Schreib wenn dich was bedrückt, wir kennen das alle, und irgendwann hast du die 120 Tage und mehr..........
    LG
    Jürgen

  • Hallo Medicus :wink:
    Es ist natürlich schwehr wenn du alleine Lebst.
    Viele Menschen hier im Forum haben Tiere.
    Vieleicht wäre das ja was für dich.
    Aber ich glaube nicht das mich irgendjemand auf der Welt vom
    trinken abhalten kann ausser mir selbst.Denn eins weiß ich ganz
    genau.Es gibt für mich absolut keinen Grund zu trinken.Egal was auch
    passiert.Denn durch das trinken verändert sich nichts.Es macht alles
    nur schlimmer.
    So jetzt gehe ich ein wenig spazieren.
    Ich wünsche dir einen schönen Sonntag
    Liebe Grüße
    Günter :wink:

  • Hallo Medikus,

    erst mal ein liebes Hallo und herzlich Willkommen, schön, das Du hergefunden hast. :wink:

    MLG Mandy

  • Hallo, ich merke heute erst, was ich meiner Freundin da einfach so, voellig unerwartet vor ein paar Tagen an den Kopf warf...Ich und ein Alkoholproblem???Natuerlich hat sie sich Sorgen gemacht, hat sich versucht selber zu informieren, da sie dachte, dass kann doch nicht soooo schlimm sein nen kalten Entzug zu machen. Und ausserdem hab ich ja auch kaum was davon gemerkt bisher. Wir gingen die letzten 4Tage taeglich 2 Stunden spazieren und sprachen ueber viele Dinge. Doch ich habe Angst, dass ich mich selbst ueberschaetze, dass ich die Sache zu sehr auf die leichte Schulter nehme. Und nur um sie zu beruhigen, damit sie ich keine Sorgen macht, sag ich ihr, dass es mir gut geht. Aber es geht mir nicht gut, nur koerperlich. Denn von Entzugserscheinungen merk ich nix. Das einzige ist, dass ich keinen Appetit habe, voellig erschoepft bin obwohl ich fast taeglich 12 Stunden schlafe, geschwollene Augenlieder habe und ansonsten weder lachen noch weinen kann. Ich fuehle mich eher, als wuerde ich ne Grippe bekommen, als dass ich auf Entzug bin...
    Und morgen dann muss ich wieder arbeiten, funktionieren, so als sei nix gewesen. Urlaub habe ich erst Weihnachten und ich weiss nicht, ob ich dann fuer 2 Wochen in ne Therapie gehen kann, wenn ich es geschafft habe bis dahin nix mehr zu trinken. Vielleicht denken die da dann ich sei clean oder so... Hmmm, das ist einfach so neu alles. Und ich will es aber unbedingt schaffen. Alleine schon deshalb, weil ich meiner Freundin gesagt habe, dass ich auf mich aufpasse und das werde ich auch!!!
    Puhhh, das war ganz schoen viel....sorry

  • Hallo Medicus,

    herzlich willkommen im Forum.
    Das was du beschreibst, kenn ich.

    Zitat

    ...voellig erschoepft bin obwohl ich fast taeglich 12 Stunden schlafe...


    Mein Schlafbedarf hat sich sehr erhöht und grad in der ersten Zeit war ich sehr erschöpft. Ich denke im Nachhinein, daß das ebenfalls Entzugserscheinungen sind. Mein Nacken war sehr verspannt und Stimmungsschwankungen kamen dazu.

    Es wird besser mit der Zeit. Versuche es so ruhig wie möglich angehen zu lassen. Du wirst nicht mehr funktionieren müssen. Du wirst zu Leben anfangen. Mach langsam... höre auf dich und auf deinen Körper. Gib deinem Schlafbedürfnis nach... gehe spazieren und tue Dinge, die dir JETZT gut tun.

    Und spiele deiner Freundin nix vor... wir Frauen haben ein Gespür, wenn es unseren Männer nicht gut geht :wink:

    LG Mieken

  • Hallo Erdling,
    ich war am Freitag schon beim Arzt. Der kann mich nicht Krank schreiben, da ich selbstaendig bin, keine Angestellten habe, aber dennoch nen vollen Terminkallender, den ich nicht einfach so abaendern kann.
    Mein Arzt scheint auch nicht echt 'ne Hilfe gewesen zu sein, denn er hat mir ein Medikament verschrieben, meine, dass wir ja im April noch ne Blutuntersuchung hatten und da alles ok war und ich mir ueber meine Leber wohl noch keine Sorgen machen muesste, sagte ich solle mir ne SHG suchen und bat mich wieder zur Tuer. Der schien mir ein bisschen ueberfordert und ich war danch voellig verwirrt. Er meinte nur, da ich mich ja nicht fuer 2 Wochen wegsperren koennte aus beruflichen Gruenden, soll ich mal bis Weihnachten die Medikamente nehmen. Hat nicht mal gefragt wie viel ich trinke( bzw. trank), wollte nur wissen seit wann.
    Na ja, jedenfalls war das, nachdem ich nen Tag vorher ner Freundin alles erzaehlte, der 2. Mensch, dem ich sagte, ich habe ein Alkproblem.
    Ich hoffe einfach, ich schaff es weiterhin alleine , schaffe es arbeiten zu gehen und taeglich mit Euch in Kontakt zu sein. Das wird mich wohl die kommende Zeit ueberstehen lassen.
    Und vielleicht ist die Arbeiterei ja auch 'ne gute Ablaenkung. Und wenn ich echt nicht mehr kann, na dann in Gottes Namen muss ich zu hause bleiben. Und die Ruhe, die ich scheinbar noch brauche, werde ich mir abends goennen... einfach frueh und viel schlafen :wink:
    Aber danke, dass du so sehr auf dem Arztbesuch draengst, denn grundsaetzlich ist das richtig, ja...

  • Hallo Medicus,
    schön, Dich jetzt hier zu lesen. Die Idee nochmal zum Arzt zu gehen ist sicher richtig. Auch damit Du klären kannst, ob Du die Medis wirklich nehmen mußt. Suche Dir aber dann vielleicht einen aus, der sich mit Suchterkrankungen auch auskennt. Adressen kannst Du von der Suchtberatungsstelle in Deinem Wohnort erhalten.

    Wenn Du Ruhe brauchst, dann nehmme sie Dir und wenn es Dir schlecht geht, melde Dich bitte. Mir hilft das Schreiben hier auch immer sehr !

    Übrigens sehe ich es nicht unbedingt als Nachteil an, dass Du alleine lebst. Sieh es mal so: Du brauchst keinen von der Notwendigkeit eines alkfreien Zuhauses überzeugen ! :wink:

    Lieben Gruß
    Biene

  • Ja,
    da hast du Recht. Ich sollte mir einen anderen Arzt suchen, der Ahnung hat. Und ich bin auch froh, dass ich niemendem Rechenschaft ablegen muss fuer was auch immer ich gewillt bin zu tun. Aber ich kann leider die Partner von Betroffenen nicht verstehen, die die Notwendigkeit eines alkfreien Lebens und damit zwingend verbunden eines alkfreien Zuhause nicht verstehen...liegt doch auf der Hand, oder? Ein Brandopfer fragt man ja auch nicht, ob er oder sie mal wieder Lust hat gesellig um en Feuer zu sitzen, oder?
    LG, Medicus

  • Na ja, es ist müßig hier über die Angehörigen anderer zu reden, aber ich stimme Dir natürlich zu.

    Was mir übrigens auch oft hilft ist die Frage "Was habe ich heute für mich getan ?" Falls Dir für heute nichts einfällt, wird es dringend Zeit was Gutes nachzuholen, oder ?

    Gruß
    Biene

  • Hallo Erdling,
    danke fuer deinen Tip. Werde mich kommenden Freitag mal bei ner Suchtberatung hier in meiner Stadt vorstellen und sehen, dass ich einen anderen Arzt finde, der mich unterstuetzt. Ich fuehle mich heute echt gut, als sei nie was gewesen. Ich war top fit am Morgen und konnte meine 12 Stunden heute gut und konzentriert arbeiten. Koerperlich merke ich echt nix mehr und wenn ich beruflich den ganzen Tag abgelenkt bin und abends brav ins Bett gehe, dann weiss ich, dass ich es schaffe. Vielleicht bin ich ein wenig zu uebermuetig, aber es kann ja nur bergauf gehen...

  • Hallo Medicus!

    Super,dass du begriffen hast,dass ein kompetenter Arzt Dir helfen kann!

    Denn der Weg in die Trockenheit ist manchmal recht anspruchsvoll.

    Ich wünsche Dir noch viele gute Erkenntnisse auf Deinem Weg .

    Herzliche Grüsse Yvonne

    ichbinda123

  • Hallo zusammen,
    nach erneut stressigem und arbeitsreichem Tag, kann ich mal wieder nur sagen, dass es mir koerperlich weiterhin gut geht. Ich bemerke jedoch eine "mentale Erschoepfung", die sich wie ein Schleier ueber mein Gemuet legt. Kaum klaerende Gedanken befinden sich zur Zeit in meinem Kopf, es scheint, als haette ich erstmals seit Ewigkeiten mal wieder Urlaub von mir selbst. Kaum zu glauben, denn ich dachte sonst immer, meine Denkerei mit dem Alk abstellen zu koennen. Dachte immer, ich muesse besoffen sein um schlafen zu koennen....
    Doch so einfach kann das doch nicht sein. Einfach nix mehr trinken und der Rest regelt sich von alleine. So naiv bin ich echt nicht, aber momentan gefaellt mir das ganz gut so wie es ist.
    Aber mittelfristig moechte ich gerne mit klarem Kopf die Gruende aufarbeiten, die mich das Trinken einst haben beginnen lassen. Ich hoffe, die Zeit wird kommen, denn unverarbeitet aendert sich letztlich doch eh nix, oder?
    GLG, Medicus

  • Stimmt,lieber Medicus!

    Von alleine geht nix!Aber wenn Du aufmerksam bist und liest und schreibst wirst Du herausfinden wo Du ansetzen musst.
    Es gibt ja viel zu tun!
    Wenn Du nur mal an die Grundbausteine denkst das ist ja ein Programm fürs Leben!

    Ich finde es gut,dass Du reflektierst wie Du Deinen trockenen Anfang erlebst.

    Weiter so und auf die nächsten 24h Trockenheit!

    Herzliche Grüsse
    Yvonne

    ichbinda123

  • Hallo Ihr Lieben,
    puenktlich zu Diensschluss mal wieder ein paar Zeilen von mir. Hab mich schon echt an euch gewoehnt. Es geht mir noch immer gut, aber ich befuerchte, dass sich da in mir ein Vulkan an Gefuehlen gerne entladen wuerde, ich es aber momentan nicht zulasse; warum auch immer. Ich freu mich taeglich, mit klarem Kopf und ohne Fahne aufzustehen, freu mich , meine Arbeit besser machen zu koennen und am meisten darueber, der Versuchung zu trinken mit eisernem Willen wiederstehen zu koennen.
    Und doch sind da diese Momente , an denen ich mich einfach nur laut weinend auf den Boden fallen lassen moechte, in der Hoffnung, eine mich troestende Hand wuerde erscheinen, mich in den Arm nehmen und sagen, dass alles gut wird...
    Herrzliche Gruesse,
    Tina

  • Hallo Medicus !
    Weine, wenn du weinen wilst ! Laß es raus, es hilft !
    Ich hatte gerade zu Beginn extreme Stimmungsschwankungen und auch bei anderen habe ich davon gelesen. Entweder richtig gut drauf oder zu Tode betrübt. Was "normales" dazwischen gab es nicht. Nach und nach wurde es besser, aber auch jetzt nach 6 Monaten habe ich manchmal Stimmungsschwankungen. Sie sind nur zum Glück lange nicht mehr so extrem.

    Hast Du eigentlich Lust mit in den geschützten Bereich zu kommen ? Dort ist der Austausch intensiver, weil nicht das ganze www mitlesen kann.

    Lieben Gruß
    Biene

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