Das Leben genießen, kann man das wieder lernen?

  • Diese Geschichten klingen alle gleich. Wie ein Rad des Teufels... Gute Vorsätze - Absturz - Gute Vorsätze - Absturz...
    Nimmt alle Hoffnung...
    WO LESE ICH, DASS ES EINER GESCHAFFT HAT????
    Nora

  • Tja Ladies,
    ja, die Geschichten klingen gleich. Ich denke sogar sie sind es im Ursprung.

    Entweder hat der Mensch nicht gelernt Verantwortung zu tragen (Eltern übernahmen alles) oder ihm war die Realität zu hart (Neutral, ohne Schuldzuweisung) oder der Kick eines schönen Alkoholgenusses war einfach zu schön und ruck zuck ist jemand schleichend in der Sucht.

    Ja, einige haben es geschafft - wie man im Forum der Alkoholiker lesen kann! Aber wenn man deren Geschichten verfolgt, dann war es ein verdammt schwerer und langer Weg. Sie haben diese Mühen auf sich genommen - was vermutlich gerade mal 10% derer schaffen, die es "möchten".

    So, nun zu Bleegle, die fragt:
    Kann man das? Spaß am Leben wieder finden?
    Ich würd das gern mit ihm gemeinsam machen!
    Natürlich soll er aber auch eigene Interessen wieder finden.

    DU kannst DEINEN Spass am LEBEN finden, DEINE INTERESSEN - jeder andere muss dass für sich selber tun sonst ist es vorgekaut und vorgegeben.

    Bei meinem nassen Ex-Freund kann ich nur feststellen, dass die Interessen, die er mal hatte, sich reduziert haben auf NULL. Es interessiert ihn nicht mehr - wobei ich mir die Frage stelle, ob es ihn in der Vorzeit überhaupt glücklich gemacht und wirklich interessiert hat oder ob er diese Interessen hatte um "mit zu halten".

    Ein Mensch - im günstigsten Fall als Kind - lernt was ihn interessiert. Bei einem guten Umfeld werden Resourcen geweckt und der Mensch auf den Weg zu sich selber geführt. Bei Erwachsenen geht das so nicht mehr denke ich - denn sie müssen erst mal selber diese Resourcen finden wollen.

    Mein Ex schien keinen Spass am Leben zu haben, selbst die Dinge, von denen er vorgab, sie wären seine Hobbies, schienen ihm keine Glücksmomente geben zu können. Am Schluss war er ein grummelnder, missmutiger Mensch, dem ein Lächeln höchstens in der Schadenfreude gelang.

    Was jetzt ist weiß ich nicht. Aber eines weiß ich: weder Partner noch Familie können diesen Menschen den Weg zu und in sich selber ermöglichen. Am Anfang muss nämlich ein "ich will" stehen.

    Bei meinem Ex hatte ich das Gefühl er funktionierte, erledigte die Dinge, die man ihm auftrug weil es sich eben so gehört und er nicht auffällig sein wollte um danach und dabei in Ruhe trinken zu können. Im Sinne von "ich mache was ihr wollt (auch wenn ich keinen Bock habe) aber lasst mich dafür in Ruhe trinken".

    Ich kann nur aus dem erzählen, was ich erlebte und da muss ich sagen mir war es nicht gelungen auch nur ansatzweise dass er sich selber finden möchte und in sich hört was ihn interessiert.

    Ich wünsche Euch viel Kraft,

    lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Bleegle,
    schön, mal wieder von Dir/euch zu lesen.
    Erstmal freut es mich, dass Dein Mann weiterhin trocken ist und es anscheinend auch schaffen will.
    Ich denke, du kannst und sollst ihn nicht zwangsbeglücken. Pass auf, dass du dir nicht SEINEN Kopf zerbrichst.(Da lauert das Co-Teufelchen im Hintergrund)
    Als mein Mann letztes Jahr total in den Suff abgetaucht war, war ich schon kurz davor, mich aufzugeben. Nur noch irgendwie die Kinder großkriegen und danach hoffentlich bald das Zeitliche segnen...
    Doch dann siegte mein Überlebenswille und ich habe wieder alte Hobbies hervorgeholt, neue dazugepackt, Freunde kontaktiert und und und, bin ins Leben zurück.
    IHN habe ich links liegen lassen.
    Ich habe alleine mit den Kindern Bergtouren gemacht - SEIN Steckenpferd!!! Er kennt jeden Gipfel der Alpen mit Namen und Höhenmeter, leider nur von früher.
    Aber ich habe aufgehört an ihn hinzureden, ob er nicht auch mal wieder mitwill etc. Hätte nichts gebracht.
    Als ich ihn so links liegen gelassen, ihm ein aktives Leben einfach vorgelebt habe, hats bei ihm langsam aber sicher Klick gemacht.
    Das hat ihm sein jämmerliches Dasein überdeutlich vor Augen geführt.
    Er hatte und hat keine Hobbies, kaum Freunde, keine Interessen mehr, alles für den großen "Freund" Alkohol aufgegeben.
    Ich denke, die LZK wird ihm sehr dabei helfen, zu sich und seinen Interessen zurückzufinden.
    Wie Dagmar schon schrieb: DEINE Interessen sind wichtig.
    Er muss wohl in seinem Tempo vorangehen.
    Ich weiß schon, es ist nicht einfach, aber immer wieder geht es um das berühmte LOSLASSEN, auch wenn wir unsere Männer nicht VER-lassen haben.
    Ich bin mal gespannt, wie ich das nach den 16 Wochen meistern werde...
    Du kannst mich dann gerne an meine Worte erinnern, wenn ich angeeiert komme.
    Ich wünsche euch weiterhin das allerbeste, liebe Bleegle
    LG Thelma

  • Hi Bleegle,
    mit kleinen Kindern bleibt die Zweisamkeit halt oft auf der Strecke, in allen Familien.
    Wir sollten die Kirche im Dorf lassen und nicht alles, was nicht rund läuft auf den Alkohol(iker) schieben.
    LG Thelma

  • Hallo Bleege,
    in meinem Fall hat das Hinführen zu gemeinsamen Interessen usw. überhaupt nichts gebracht. Mein Freund hat am 8. Dezember 2008 richtig Gas gegeben, ging zum Arzt, meldete sich zur Therapie, ging daran, sich seinen großen Traum, einen Gemüsestand zu betreiben, zu erfüllen. Lief von Amt zu Amt, wir gingen auf seinen Wunsch hin zum Eislaufen, wir fuhren in den Bayrischen Wald, verlebten schöne Tage in einem Wellness-Hotel. Alles war gut, alles war schön. Wochenlang geschah dass, worin er Freude fand - und ich auch. Wir waren für eine kurze Zeit das glücklichste Paar - schien mir.

    Irgendwann begann sich seine Tante wieder bei ihm zu melden, bohrte an ihn hin, er solle sie besuchen (ohne mich), er sei doch ihr ein und alles. Tröpfchenweise wie Gift, bis er wieder - vorerst nur zu einem Glas Bier, später zu Wein griff und nun wieder völlig abgesackt ist mit Alkohol und Kiffen. Seit letzten Montag habe ich nichts mehr von ihm gehört. Sein Leihauto, dass er am 31. Dezember zurückgeben sollte steht noch vor der Tür... Ich kann mir vorstellen, wie es wieder in seiner "Höhle" aussieht. Dreck, Kippen zentimeterdick auf und unter dem Tisch, leere Flaschen... Ich hatte sowas, ehe ich ihn kennenlernte, noch nie gesehen - außer im Fernsehen.

    Es gibt nichts mehr zu tun für mich.. Wenn der Begriff Vergeblichkeit für etwas zutrifft, dann für all das, was Frau für süchtigen Mann tut, um ihn zu "retten".

    Am Anfang unserer Beziehung spielte er mir vor, er wäre an meinen Hobbies interessiert, er würde malen, gerne zum Bergwandern gehen, er ging mit mir sogar zum Joggen. Aber eben nur kurz, so lange, bis er mich an der Angel hatte. Der Alkohol und das verfluchte Kraut, das er raucht, sind seine wahren Interessen, seine wahren Hobbies und sein Gott. Daneben gibt es nichts. Wer sich offen dagegen stellt, nicht mitmacht, so wie ich, ist sein Feind.

    Bin in meinem Leben schon so oft alleine gewesen, hab auch viel Schönes dabei erlebt. Hab, seitdem ich erwachsen bin, aber auch ein paar wertvolle Freunde, die mir immer noch an der Seite stehen, auch wenn ich sie in den Zeiten meiner letzten Bezeihung sehr vernachläßigt habe.
    Solche Freunde sind es, die einen retten vor dem eigenen Zusammenbruch... Ich denke, Ihr hier im Forum, gehört neuerdings auch dazu, weil ihr mir die Wahrheit vor Augen haltet.
    Nora

  • Hallo Bleegle,

    klar kann man es wieder lernen, das Leben zu gießen. Was ist denn für dich genussvoll? Worüber kannst du dich freuen? Du fragst hier nach wegen deines Mannes. Wie seht es denn mit deiner eigenen Lebensfreude aus? Denn - das ist die einzige, die du aktiv beeinflussen kannst. Dein Mann muss das für sich selber tun. Du kannst nur etwas für dich verändern. Vielleicht wird er dann animiert, es dir gleich zu tun. Vielleicht aber auch nicht. Dann hast aber du auf jeden Fall die Lebensfreude für dich wieder entdeckt.

    Ich kann dein Anliegen gut nachvollziehen. Aber wir sind nicht die Mütter unserer abhängigen Angehörigen. Wir können sie nicht dazu erziehen, etwas für sich zu tun. Das liegt in ihrer eigenen Verantwortung.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Bleegle,
    ich glaube, wir müssen lernen, mit dieser Angst zu leben. Wenn sie zu groß wird, hilft vielleicht Ablenkung.
    Ich weiß auch noch nicht, wie es funktioniert.
    Hmm, vielleicht hilft es, die Angst als ständigen Begleiter zu sehen, der anwesend ist, sich aber gefälligst immer wieder nach hinten verkrümeln soll, wenn er sich zu sehr hervor-gschaftelt.
    Wir haben uns dazu entschlossen, unsere Männer nicht zu verlassen.
    Ist schon eine Herausforderung.
    Kannst du mit deinem Mann über deine Angst sprechen?
    Also, ich kann das mit meinem Mann gottseidank sehr gut, wir gehen schon immer sehr offen miteinander um, abgesehen von seiner Lügerei in bezug auf den Alkohol.
    Aber das ist ja jetzt vorbei.
    Wenn man ausspricht, dass man Angst hat, wird sie schon kleiner.
    Liebe Bleegle,
    schreib doch wieder öfter, würde mich intressieren, wie es bei euch weitergeht.
    Alles Gute, Thelma

  • Hallo Bleegle,

    ich möchte Dir dazu kurz etwas aus meiner Ex-Beziehung erzählen.

    Auch ich hatte mich entschieden, bei Ihm zu bleiben, damit Leben zu wollen, auch die Angst in Kauf zu nehmen. Habe mir aber durch meine Angst eine *große Hintertür* aufgehalten.

    Diese Angst vor einem Rückfall ist, denke ich, menschlich, denn die Erlebnisse haben sich ganz bestimmt tief eingebrannt, egal wie lange man zusammen diese nasse Zeit erlebte. Aber es ist nunmal eine Krankheit mit Rückfalltendenzen. Das muß mir klar sein.

    Die Frage ist aber viel mehr, warum hängen wir uns immer wieder hinein in diese Angst, als das Leben zu geniessen? Ist es, weil das Vertrauen zu sehr zerstört wurde? Oder, weil die Beziehung schon vor der Sucht kein gesundes Fundament hatte? Oder liegt es insbesondere für uns Co-Abhängigen daran, daß wir diese Hintertür offenhalten müssen, weil wir uns eigentlich noch nicht gelöst haben aus unserem *kranken* Verhalten, den Süchtigen für *unsere Krankheit* zu brauchen?

    Ein paar Gedanken zum Nachdenken :wink:

    Liebe Grüße

    S.Käferchen

  • hallo käferchen, hallo all

    diese angst ist der selbstschutz der in uns schlummert um nicht zu sehr entteuscht zu werden. ich kann besser damit leben wenn ich weiss worauf ich mich eingelassen habe und was passieren kann. wenn ich darauf vorbereitet bin tut mir das ganze nicht mehr so weh, dann kann ich hinterher sagen: hab ich es doch gewusst, das es so kommt.
    aber das ist eine ganz üble falle, denn genau diese angst lässt uns das normale leben eben nicht ohne wenn und aber leben. ständig auf der hut nach dieser bestätigung, können wir gar nicht richtig vertrauen. und dann kommt es wie eine sich selbst erfüllende prophezeiung , es fängt von vorne an, man hat es ja auch schon unbewusst so gewollt. das gibt dann sicherheit. und diese sicherheit, alles in dem griff zu haben ist wiederum etwas was uns im leben bremst.
    so dreht sich das karusell im kreis.

    vielleicht kommt man nur da raus, wenn man in einem punkt den absprung schafft. in welchem ist egal. mir kommt hier die idee, denn ich habe so eine erfahrung wie ihr noch nie gemacht (mit einem trockenen partner zusammenleben), dass ihr mehr daran setzt daran zu glauben dass es auch gutgehen kann? einwenig vertrauen in den trockenen partner? ihn ein stück loslassen um ihn nicht wieder in diese rolle zu drängen. ihn selbst machen lassen, zb hobbys.sich selbst nicht wieder in die abhängigkeit zum partner bringen, ein stück eigenverantwortliches leben zu führen?

    weisst du beegle dein mann ist kein kind, du musst dich nicht um ihn sorgen und kümmern. er ist ein eigenständiger mensch, der selbst bestimmt was er an hobbys hat oder auch nicht. da kannst du ihm keine vorschriften machen oder ihm hobbys organisieren. du bindest ihn mit dieser iniziative zu sehr an dich und du bindest dich zu eng an ihn.lass ihn.

    wenn du dein bedürfniss hast mit ihm was zu unternehmen sprich mit ihm darüber. sag ihm das du es möchtest und nicht dass er es tun soll.du solltest dich auch in der partnerschaft darauf besinnen was du selbst möchtest mit ihm zusammen und deine formulierungen sollten immer von dir aus gehen.

    viele partnerschaften ob mit oder ohne alkohol funktionieren nur durch nähe und distance. leben und leben lassen. jeder der beiden ist ein eigenständiger mensch und nur wenn das ausgeglichen ist, man dennoch in manchen punkten dann füreinander da ist dann kann eine beziehung gut laufen. mit gegenseitigem respeckt und verständniss vertrauen und viel liebe.das ist das fundament auf das wir bauen sollten.

    lg melina

  • Ich bins nochmal,
    wahrscheinlich wird es immer Momente geben, in denen die Angst hochkommt.
    Sei es, dass er zu spät kommt,
    sich mit Kollegen trifft, die immer noch trinken,
    eine Geste,
    Spaziergänge, die bis jetzt immer in der Kneipe endeten...etc.
    Ansonsten läufts wirklich nur mit Vertrauen, sonst schaden wir nur uns selbst, den Partner, weil wir uns wieder nur auf ihn konzentrieren und beobachten und letztlich der Beziehung.
    Meiner Meinung nach das wichtigste: Miteinander reden. (schrieb ich bereits)
    Mein Mann will ja wirklich raus aus dem Sumpf.
    Ich glaube ihm.
    LG Thelma
    @ Käferchen und melina:
    Wenns auch nicht mein thread ist, trotzdem vielen Dank für eure Gedankenund Anstösse zu diesem Thema!

  • hallo Thelma,

    bitte schön, dafür sind wir ja hier. :lol:

    den partner auf schritt und tritt zu kontrolliern schadet jeder beziehung. kein mensch lebt gerne unter kontrolle eines anderen, wir sind ja nicht im gefängnis sondern in einer partnerschaft.

    ich verstehe deine ängste. du möchtest ihn nicht verlieren. und er macht ja auch gute vortschritte oder? er ist trocken?

    dann freu dich um jeden tag an dem ihr zusammen seid ohne dieses thema alkohol ständig im genick zu haben. völlig losgelöst.das heisst ja nicht trotzdem offen zu bleiben und vorsichtig oder skeptisch. nur eben nicht angstvoll und hoffnungslos. bestärke ihn mit anerkennung und deiner liebe für das was er für sich geschafft hat.

    fang nicht an zu klammern, zu kontrollieren oder zu fragen wo er war, wenns nicht offensichtliche gründe dafür gibt. redet miteinander viel über alles mögliche.über gott und die welt damit auch dieser fluss nicht austrocknet.

    das wichtigste ist in der kommunikation immer von sich selbst ausgehen. also nicht "du bist nicht gekommen" sondern "ich habe mich gewundert wo du bleibst".

    eigenlich doch ganz normale regeln die jede partnerschaft mit oder ohne alkohol braucht um glücklich miteinander zu sein oder?

    also ich freu mich gerade über das dankeschön von dir und wünsch dir alles erdenklich gute.für dich und deine partnerschaft. :lol:

    melina

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