Der Weg in mein Leben

  • Jetzt kann ich falsch liegen, aber wenn sie gemerkt haben, dass Du nicht in der Lage bist Grenzen zu ziehen, dann dürfte ihnen klar gewesen sein, dass es unsinnig ist gegen ihn und gegen Dich zu kämpfen.

    Ich weiß es nicht Julchen. Aber die Frage wäre gewesen, wie wäre die Reaktion gewesen, wärst Du als Julchen von heute dort erschienen? Als Julchen, die die Automatismen kennt und nicht mehr bereit ist alles mit sich machen zu lassen. Eventuell hätten da die Therapeuten einen anderen Weg gehen können.

    Weißt Du Julchen, durch Gespräche mit Ärzten und der Polizei in meiner Situation habe ich bemerkt dass es recht selten ist dass Partner tatsächlich gehen. Die meisten erdulden und erdulden. Wie kann da ein Arzt, Therapeut oder Polizist helfen?

    Alle vorhandenen Institutionen, Ärzte ect. können uns nur so gut unterstützten, wie wir bereits einen Weg eingeschlagen haben. Merkt Arzt/Therapeut oder Institution, dass wir uns selber nicht schlüssig sind, wo sollten sie dann ansetzen? Und last not least waren es natürlich "seine" Therapeuten....

    Weißt Du, Julchen Lug und Trug ist so eine Sache. Er wollte evtl. nicht, deshalb hat es bei "ihm" nicht angeschlagen. Aber ich denke wirklich, dass wenn jemand etwas ändern will, dann kann er aus jedem Therapiekonzept oder Therapieplatz etwas mitnehmen.

    Der Abhängige selber hatte vielleicht auch einmal vor das alles durchzuziehen, aber er/sie hatte es sich "einfach(er)" vorgestellt als es war. Letztendlich sind ja ganz viele Lebenssituationen zu verändern, neues zu leben und erleben, es ist sicherlich hart und ganz schlimm für Seele und Herz solche Veränderungen herbeizuführen. Das sehen wir ja an uns. Aber wir haben den Vorteil uns a) bewußt zu sein über unsere Schwachstelle und einen soweit klaren Kopf zu behalten. Auch dürfte bei uns das Hirn noch weitestgehend funktionieren, was bei manch einem Alkoholiker evtl. nicht mehr der Fall ist.

    Und Julchen, dem schreibe ich ganz viel zu, wer jahrzehntelang in der Sucht gefangen war und eventuell schon schlampig oder nachlässig wurde und es seit jahrzehnten war, das wieder anders zu lernen ist sehr, sehr, sehr schwer.

    Ich denke da gerne an "unseren Erdling" der schon recht früh ausgestigen ist, früher als wohl sonst das Durchschnittsalter. Ich habe den Eindruck, er geht einen guten und straighten Weg. Gottsei Dank hat er vor 30 begriffen was läuft. Was wäre mit Mitte 40 gewesen? 15 Jahre leben durch, in und mit der Sucht - den Alltag durch und mit der Sucht gerade mal einigermaßen hinkriegen, ich denke, dass wieder auf ein soziales und normales Level zu bekommen ist verdammt schwer. Je nachdem, wie "tief" jemand gefallen ist.

    Lieben Gruß von Dagmar

    Lieben Gruß von Dagmar

  • HALLO

    Heute hat mein Mann angerufen, hat einen Anruf von der Bank bekommen und der Durchblick fehlt ihm halt. Dann kam die Sprache auf Unterhalt, er sagt nur er hat kein Geld , er kann nicht zahlen. Ich hab dann nur gemeint, naja, dannhab ich halt kein Geld. Dann kam der Satz, mit dem ich schon lang gerechnet hab: "Du bist doch selber schuld, du hast mich ja rausgeschmissen!" Ich hab ihm dann zwar gesagt, die Entscheidung für oder gegen unsere Familie hat er getroffen, als er wieder zu trinken anfing. Aber ich hab dann nichts mehr gesagt, er hört, was ihm passt, den Rest überhört er einfach. Ich hab dann nur wegen irgendwas gesagt, das wird bei der Scheidung geregelt, darauf fragt er:"Gell du willst dich scheiden lassen?"
    Sollte ich irgendwann Sehnsucht nach ihm haben muss ich mich nur an so ein Telefongespräch erinnern und bin sofort geheilt!!!!

    Schöne Grüße

    julchen

  • Hallo Julchen

    ..ist schon spät...Du schläfst schon und ich bin erst gerade nach hause gekommen.
    Ich wollte Dir nur sagen,Du hast das heute mit dem Telefonat richtig gut gemacht.
    Die Fronten sind geklärt und Du hast einen grossen Schritt nach vorne gemacht.
    Bekommst Du von ihm kein Geld,bekommst Du es vom Amt.Die werden schon versuchen das "Machbare" von ihm einzufordern.
    ...und typisch Suchtkranker:Schuld an dem ganzen Dilemma haben immer andere.
    Liebe Grüsse und einen schönen Mittwoch
    wünscht Dir
    Backmaus

  • liebes julchen,

    sag mal hast du den gleichen mann wie ich geheiratet gehabt? ist so irre, genau das gleiche aber haarscharf genau die selbe art und weise, mit den genau gleichen worten hat mein ex sich bei mir ausgelassen. ich fasse das nicht! julchen du machst das prima, weiter so!!!!!!!

    alles liebe melanie

  • Hallo

    Backmaus, deine Energie möcht ich mal haben, ich bin abends um 9.00 Uhr meistens schon todmüde!

    Melanie, ich glaub, wenn man hier so liest, irgendwie sind alle gleich. Ich hatte auch schon oft gedacht, schreibt die von meinem Mann?

    Danke für euer Lob, freu mich!

    Bei jedem Kontakt mit meinen Mann frag ich mich, war der schon immer so und ich soooo blind oder hat sich das rapide verschlimmert? Er hört was von Sparbüchern, die ich auf meinen Namen umschreiben lasse, und fragt gleich, "die behälst du einfach?" Das sind Sparbücher für Öl und Reparaturen. Aber er denkt gleich, ich nehm ihn aus wie eine Weihnachtsgans, dabei zahlt er nciht mal Unterhalt.

    Meine kleine Tochter fängt jetzt das Jammern an, sie hat Sehnsucht nach Papa. Mal schauen, vielleicht gehen die Großen bloß mal eine Stunde bei ihm vorbei.

    Schöne Grüße

    julchen

  • Hallo Julchen, wenn ich eine Episode von meinem Mann beisteuern dürfte:

    Wir sitzen bei unseren Anwälten, um u.a. den Trennungsunterhalt auszurechnen.
    Er geht ja seit seinem Rückfall nicht mehr arbeiten und riskiert gerade massiv und unwiderruflich seinen Arbeitsplatz. Noch bekommt er Gehalt, aber ich rechne nicht damit, dass das noch lange so gehen wird.
    Ich arbeite Teilzeit wegen der Kinder.

    Also, soviel zum Hintergrund.
    Wir also bei den Anwälten.
    Und er schlägt allen Ernstes vor, dass ich doch sofort auf Vollzeit gehen soll!
    Ich hab angefangen zu heulen vor den Anwälten, fand das sowas von frech und gemein.
    Er macht sich arbeitsunfähig, obwohl wir den Kredit und alles haben, und von mir will er, dass ich mich totschufte.

    Das fiel mir irgendwie ein, als du das mit den Sparbüchern schriebst und dass er keinen Unterhalt zahlt.

    Und dann wirft er mir auch vor, ich hätte ihn ja rausgeschmissen, ich würde im "gemachten Nest" sitzen im Haus und er armes Schwein in einer Ferienwohnung ganz beengt und ohne eigene Waschmaschine.
    Und er hat damit geschafft, dass ich tatsächlich manchmal denke, dass das Haus doch sehr sehr groß ist für mich und die Kinder.

    Doro

  • Ladies,
    ich denke mal, Euren Partnern fehlte zu dem Moment einfach der "klare Durchblick". Mein Arzt sagte mal zu mir ganz lapidar "und schuld sind die eh nie, krank sind sie auch nicht, und überhaupt haben sie immer recht".

    Das was Ihr schreibt ist sicherlich nicht bei allen suchtkranken der Fall. Manch einer wird noch Verantwortungsgefühl haben, ein gewisser Teil aber, der dürfte gar nicht mehr begreifen was wirklich abläuft. Ich weiß auch nicht ob ein hochgradig suchtkranker noch sehen kann was Kinderbetreuung ist. Haben diese Partner sich in den letzten Jahren schon herausgehalten, dann sind sie den Kindern - und damit auch dem täglichen Arbeitsanfall - fremd. Ich glaube noch nicht einmal das es böswillig ist sondern einfach die Konzentration nur noch auf sich selber. Nicht aus Bösartigkeit, sondern einfach auf Grund von Krankheit.

    Schaut mal, so schwer es für die Herren ist ihr Leben zu regeln, so haben sie das Gefühl überfordert zu sein. Ich denke, einem Suchtkranken fällt die Bewältigung des Tages einige Male schwerer als jemandem, der nicht Suchtkrank ist. Somit können Eure Partner nur bemerken dass ihnen sauschwer fällt, was bei Euch aussieht wie ein Spaziergang.

    Gewiss, es ist entgegen aller Logik, die Geschichen, die Ihr schreibt. Aber genau so ist die Sucht : entgegen aller Logik und aller Ethik....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Doro

    ich les fleißig bei dir mit und hab mir schon so oft gedacht, dein Mann ist wie meiner!
    Meiner sagt immer, er gibt mir was er kann, mehr kann er nicht machen. Darauf hab ich gemeint, er kann Zeitung oder Reklame austragen oder sowas zusätzlich zum Arbeitslosengeld machen. Aber das kann man ihm nicht zumuten.
    Außerdem mach ich ihn fertig wenn ich immer sag, wir haben kein Geld, er kann ja auch nichts dafür, aber ein Auto muss er sich jetzt kaufen.
    Ich könnt noch ewig weitererzählen, aber bringt ja eh nichts. Wir können nur froh sein, daß wir das hinter uns haben.
    Außerdem hast du mir ein schlechtes Gewissen gemacht, ich hol morgen mein Trimmrad vom Balkon rein!

    Schöne Grüße

    julchen

  • Hallo Dagmar

    du hast so viel Verständniss für die Suchtkranken, das imponiert mir sehr. Ich kann das (noch) nicht, hätt ich Verständniss, hätt ich Angst, in alte Muster zu fallen. Er kann ja nichts dafür, er macht es ja nicht absichtlich.
    Du hast bestimmt recht mit dem was du schreibst, es hilft mir auch, diese Seite der Sucht zu sehen, aber meine Wut und Verbitterung helfen mir im Moment, bei mir zu bleiben.

    Ich hoffe, es ist ein bisschen verständlich, was ich mein.

    Und ich hoffe auch, eines Tages die Dinge so wie du sehen zu können.

    julchen

  • Hi,

    Zitat

    Wir können nur froh sein, daß wir das hinter uns haben.

    Und nun uns wichtig nehmen, unsere Gedanken sind auf uns gerichtet.

    Liebe Grüsse
    Elocin

  • Ja, Dagmar, hast natürlich Recht, für ihn ist im Augenblick alles zu viel.
    Das ist mir schon auch klar.

    Ich hab auch Momente, wo ich wirklich sehr sehr dankbar bin, dass nicht ICH die Alkoholkranke von uns bin.
    Ich meine, ich bin jetzt durch ihn in eine schwierige Situation gekommen und muss ganz schön schuften.

    Aber ich habe meine Arbeit, die mir Spaß macht,
    er verliert gerade seine Arbeit, die ihm auch Spaß gemacht hat.
    Das tut mir schon sehr leid für ihn.

    Ich habe die Kinder, die ich liebe und die mir Freude machen.
    Und er ist jetzt ganz alleine.
    Und er hat sich auch immer Kinder und Familie gewünscht.

    Ich bin in der Lage, Glück zu empfinden.
    Ich bin in der Lage, etwas zu leisten und dann zufrieden darüber zu sein.
    Ich bin in der Lage, verlässlich zu sein.
    Ich bin in der Lage, Kontakte zu Menschen zu halten und stoße sie nicht permanent vor den Kopf.

    Er kann das alles aufgrund seiner Sucht im Augenblick nicht.
    Als er trocken war, konnte er das.

    Mir geht es gut, ich fühle mich gut, auch wenn alles viel ist.

    Aber er...?
    Ich kann es nur immer wiederholen und schicke ein Gebet zum lieben Gott: Ich wünsche ihm wirklich nur das Beste!
    (Aber bitte bitte diesmal ohne mich! :lol: )

    Andererseits: Wenn ich das so aufschreibe, laufe ich schon wieder Gefahr, für ihn mitzuleiden.
    Solange ich wütend auf seine Unverschämtheiten bin und mir vor Augen halte, was er MIR angetan hat, kann ich mich leichter abgrenzen.

    :wink:
    Doro

  • Hm Julchen,
    Verständnis für Suchtkranke stimmt nicht ganz. Aber vielleicht innerhalb einer Abwandlung: ich komme - egal wie - nicht an Leben, Herz, Psyche oder Gesundheit eines (sucht-)kranken Menschen.

    Ich bin absolut machtlos ihm gegenüber und dem, was sein Leben bestimmt. Schau, ich bin jetzt über 6 Monate weg und konnte zur Ruhe kommen, das wirkt sich aus.

    Ich stehe nicht mehr im Dunstkreis seiner Wut und Agression, ich sehe ich nicht, ich habe keinen Kontakt, ich versuche abzuschließen - seine Welt von meiner zu trennen. Nach allen den Gefühlen, die Du jetzt gerade verspürst, kommt mit der Zeit etwas anderes, zumindest bei mir. Abstand - den Partner nicht mehr sehnsuchtsvoll zurücksehnen - das eigene Leben in Angriff genommen zu haben. Je mehr ich selber in die Wege leite und mein Leben lebe, desto weiter weg ist er und das damalige Leben innerhalb der Suchtbeziehung.

    Weißt Du Julchen, es ist einfach so, dass ich nicht die geringste Lust habe zu hören, dass Menschen von einem anderen klein gemacht werden, heruntergezogen oder seelisch kaputt gemacht zu werden. Mein Weg ist mittlerweile der, Menschen, die so etwas tun (das können auch cholerische Chefs sein, die keine Alkoholiker sind) sind für mich krank.

    Menschen, die extrem einen sozialen Kontext verlassen sind für mich krank in der Seele. Gut was ist krank - was ist gesund? Ist alles relativ. Somit ist mir "relativ wurscht" was ein Mensch denkt oder tut, der soziale Regeln mit Füßen tritt.

    Da, wo es mir noch nicht "wurscht" ist, muss ich es noch lernen. Das ist derzeit meine Baustelle - rechtzeitig abgrenzen von Menschen, Dingen oder Anliegen, die mir schaden oder mich bevormunden. Aber auch diesen "Käse" kriege ich noch so hin, dass er mir "wurst" ist.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo

    gestern hat meine Tochter ihren Vater angerufen, war grad seine Schwester zu Besuch, mit der er seit 3 Jahren keinen Kontakt hatte.
    Das hat mich aus der Ruhe gebracht und ich komm nicht dahinter, warum.
    Ich mein, es kann mir doch sowas von egal sein, wer ihn besucht. Und wenn die beiden Stunden zusammensitzen und über mich schimpfen, was sie bestimmt getan haben, und sich selbst bemitleiden, sie lebt auch in´Scheidung, ist doch nicht mein Problem.
    Ich schaffs jedoch nicht, bei mir zu bleiben.

    julchen

  • hallo julchen,
    du hast dir gerade selbst die antwort gegeben. bei dir bleiben. was andere sagen ist egal, du weisst wer du bist! lass sie schimpfen, wenn sie meinen. das wirst du eh nicht verhindern können. dich darüber nicht aufzuregen und einen LMAA zu bekommen, das ist deine sache um besser damit klar zu kommen. verstehst du was ich meine?
    ich bin gerade fleissig daran zu arbeiten und es gelingt mir von tag zu tag immer besser!

    alles liebe melanie

  • Hallo melanie

    verstehen tu ich schon, aber mit der Umsetzung haperts noch gewaltig!!!

    Jetzt hat er grad wieder angerufen und wollt seine Tochter sprechen, die ist im Moment in der Badewanne., sie soll ihn zurückrufen.

    1. Überlegung, was will er
    2. der Tochter sagen, wenn er das und das sagt, soll sie das und das drauf antworten
    3. falls er für Sonntag absagen will, gleich ihm schlechtes Gewissen machen
    4.kleine Tochter beruhigen, weil er nicht mit ihr gesprochen hat.

    Ich tu das alles nicht, ehrlich, aber die Gedanken sind sofort da. Und das nervt!

    Es gibt noch viel zu tun, lassen wir`s liegen, oder wie noch?

    julchen

  • hallo julchen,
    ich hab mal in nem buch gelesen,wie wichtig es ist da SPOP zu sagen. die gedanken erst gar nicht hochkommen lassen. du setzt dich hin, gibst dir sofort das STOP, sags erst mal ganz laut.dann entspann dich. lass ein gutes gefühl hochkommen, damit belohnst du den körper für dein stop.ich denke dabei an eine wunderschöne blumenwiese, sonne, natur, wärme.find für dich doch auch ein schönes bild, mal es in deinem inneren auge schön aus, lass dabei auch positive gefühle hochkommen. sobalt du wieder einen kleinen gedanken in die richtig hast, sofort STOP geben. hinsetzen , entspannen. ist am anfang echt schwierig. du musst tausendmal STOP sagen. doch durch die entspannung bzw belohnung die du dir gibst, fängt der kopf an diesen mist nicht mehr hochzuholen.versuch das mal. mit der zeit gewöhnst du dich an das STOP und kannst super entspannt damit umgehen.bei mir wirkt das schon. das ist so eine art selbstbeherschung über deine gedanken.lass die nicht über dich macht haben.du hast es selbst in der hand.ich bin auch so ein ewig ständig in aller kleinigkeit rumdenkender mensch. so viel energie verschwendet, weils erstens anders kommt zweitens als man denkt.ich mag das nicht mehr.so lern ich mit meinem gedanken sinnvoll umzugehen.

    kopf hoch, du packst das!

    alles liebe melanie

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!