Unterschätzen des Suchtgedächtnisses bei Co-Abhängigkeit

  • später, muss zu meinem Arzt runter, hatte vorhin einen derart niedrigen Blutdruck, dass ich glaubte, umzukippen.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Hallo Melanie,

    darauf wollte ich nochmal eingehen.

    Zitat

    bewust leben, aufmerksam sein und nicht in alte strukturen zurrückzufallen ist ein auftrag, der sehr schwer ist, viel konsequenz braucht. irgendwann wird es sicher leichter, da auch hier ein automatismus stadtfinden kann. oder etwa nicht?ich glaube daran, weiss es aber nicht sicher.

    Ich kann mir nicht vorstellen, daß in Bezug auf das Suchtgedächtnis ein gewisser Automatismus entstehen kann.
    Klar, kann ich gewisse Dinge vorausschauend vermeiden, daß das Gedächtnis nicht anspringt, aber ist es immer *bewusst*?
    Ich stelle immer wieder fest, daß es Situationen gibt, in denen ein Geruch, der durch die Luft geht, ein Musiktitel, den ich vorerst gar nicht bewußt mit meinem Suchtmittel in Verbindung gebracht habe, plötzlich bei mir etwas auslöst.

    Dazu habe ich heute diesen Aspekt gelesen:

    Zitat

    Ich meide heute noch jene Anlässe wo vermehrt gesellschaftlich Alkohol konsumiert wird aus zweierlei Gründen (a) weil ich mich in dieser Gesellschaft nicht wohlfühlen würde und (b) weil ich mein Leben anders augerichtet habe und ich dieses weder bewusst noch unbewusst brauche,ferner habe ich auch nie die Gewissheit ob nicht mein Suchtgedächtnis eventuell doch nicht mal anspringt!

    Wie seht Ihr das?

    Lieben Gruß

    S.Käferchen

  • Das mit dem Suchtgedächtnis ist eine gute Frage, über die ich noch nie so richtig nachgedacht habe. Vielleicht deshalb, weil ich mich lange Zeit nicht als co-Abhöngie gesehen habe. Mein Vater und meine Familie sind ja weeiiit weg und ich lebe doch schon seit Jahren nicht mehr zuhause. Denkste, da habe ich mittlerweile dazugelernt.

    Mich bringen vor allem Menschen in die Vergangenheit zurück. Das war einmal ein Chef, der offensichtlich auch Alkoholiker war und mich mit seinem Verhalten total an meinen Vater erinnerte. Aber auch Kontakt mit meiner Mutter und meinem Bruder legt jedesmal einen Schalter um.

    Ich war seit über einem halben Jahr nicht mehr in meiner Heimatstadt, habe mit meiner Mutter nur über Telefon und Treffen auf "neutralem Boden" Kontakt, aber ich merkte jetzt an Ostern, dass mich ihr Verhalten, ihr Druck ("Du bist der einzige Mensch auf der Welt, mit dem ich reden kann"), aus mir wieder ein kleines abhängiges Mädchen macht, mit Schuldgefühlen. Ich werde wieder krank (Bauchweh, Kreislauf, Kopfweh) und wünsche mir nichts mehr, als behütet, betutelt und verhätschelt zu werden. War früher auch so. Wenn meine Mutter vor lauter Arbeit zu wenig Zeit hatte, bekam ich Asthma und sie sass bei mir und versorgte mich. Verrückt und es macht mich wütend, weil ich doch eine selbständige Frau sein will, aber es ist oft nicht in meiner Kontrolle, d.h. ich kann nicht gegensteuern.

    LG,

    Sonnenstrahl

    Jeder kleine Schritt führt näher zum Leben.

  • Lieber Sonnenstrahl,
    wenn ich Deine Zeilen so lese, dann frage ich mich, was passiert wenn Du akzeptierst, dass Dein Körper so reagiert und nicht versuchst Dich dagegen aufzulehnen? Unser Körper reagiert 'eh wie er will und lässt sich nicht - in erster Linie - durch den Kopf steuern.

    Ich für mich habe es gelernt Gefühl, egal, wie sie sich anfühlen erst mal zu spüren um dann für mich zu reflektieren, warum es weh tut, warum das Herz rast oder oder oder . Mein nächster Schritt ist dann genau den Gedanken mit dem Gefühl "zuzulassen" erstmal zu erspüren um dann (jetzt darf er) den Kopf ins Spiel zu bringen.

    Oft dauert es lange bis dann irgendwelche Dinge bearbeitet oder geändert werden können, aber im Regelfall klappt es.

    Es ist doch nur zu verständlich wie Dein Körper reagiert, "eigentlich" sollten wir es ihm erlauben um ihn dann "gesund zu pflegen".

    Ja, viele Dinge erinnern mich an etwas, was mit der Zeit der Suchtbeziehung zusammen hängt. Aber ... mittlerweile kommen so viele neue Impulse ausserhalb der Suchtbeziehung. Beispielsweise ein Song den ich letzte Woche hörte, ich war im Freien sah im blauen Himmel eine Mäusebussard oder ähnliches. Jetzt ist diese Erinnerung meine letzte und stärkste. Nämlich die der Musik, des freien Vogels, des blauen Himmels, den Geruch von frischem Gebäck und zu wissen, da drin sind liebenswerte Menschen.

    Zurückgezogenes Basteln habe ich erlebt mit verstecktem Alkoholkonsum. Vor meiner Nase erlebe ich nun genau das Gegenteil. Seit Monaten und wenn es jetzt schöner wird werde ich es einige Male in der Woche sehen dürfen. Auch hier ist nun der "Hobbywerker" für mich ganz anders bestrahlt.

    Sprich die eingeimpften Automatismen bedürfen bei mir einer Auffrischung durch andere Merkmale.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • hallo zusammen,

    hier hat dagmar etwas für mich entscheidendes geschrieben:

    Zitat von dagmar007

    Ja, viele Dinge erinnern mich an etwas, was mit der Zeit der Suchtbeziehung zusammen hängt. Aber ... mittlerweile kommen so viele neue Impulse ausserhalb der Suchtbeziehung. Beispielsweise ein Song den ich letzte Woche hörte, ich war im Freien sah im blauen Himmel eine Mäusebussard oder ähnliches. Jetzt ist diese Erinnerung meine letzte und stärkste. Nämlich die der Musik, des freien Vogels, des blauen Himmels, den Geruch von frischem Gebäck und zu wissen, da drin sind liebenswerte Menschen.

    Zurückgezogenes Basteln habe ich erlebt mit verstecktem Alkoholkonsum. Vor meiner Nase erlebe ich nun genau das Gegenteil. Seit Monaten und wenn es jetzt schöner wird werde ich es einige Male in der Woche sehen dürfen. Auch hier ist nun der "Hobbywerker" für mich ganz anders bestrahlt.

    Sprich die eingeimpften Automatismen bedürfen bei mir einer Auffrischung durch andere Merkmale.

    Lieben Gruß von Dagmar

    genau das ist es was ich meinte, umpolen, nicht einfach versuchen zu vermeiden!super beschrieben!dank dir dagmar.das erlebte neu erleben, im anderen licht, mit anderen gefühlen und daran festhalten. damit wird das negative erfahren zum positiven erfahren was zur folge hat, das ich das wieder machen kann ohne angst zu haben ins alte suchtgedächtnis zu rutschen. schwer aber sicher gangbar!

    gruß melanie

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