Die Geduldsuhr eines Co's tickt eigenartig

  • Hallo Ihr Lieben,
    Geduld ist ja nun nicht gerade meine starke Seite. Nun habe ich gerade für mich festgestellt, dass es erstaunlich ist, wieviel Geduld ich doch hatte was das ausharren in einer schädlichen Beziehung betrifft oder die Hoffnung auf vermeintliche "Besserung".

    Wie wenig Geduld ich jedoch habe, wenn es um ganz normale Dinge geht, die sich auch "normal" entwickeln. Dinge, Vorgänge und alltägliches, das einfach seine Zeit und Entwicklung benötigt.

    Es ist wohl einfach so, wenn man/frau sich in einem Kreislauf befindet dann kommt man schwer und langsam heraus. Sind es jedoch "neue" Dinge, dann kommt eine gewisse Erwartungshaltung bzw. Erfolgsdruck hinzu. Wenn ich da an meinen Tisch denke, den ich versuche zu lackieren, da würde ich gerne die zweite Schicht anbringen, obwohl die erste noch lange nicht trocken ist.....

    Zwar habe ich mittlerweile "Ruhe" gelernt. Dennoch, oft muss ich mich besinnen, erden und mit mir Selbstgespräche führen. Es klappt dann immer ganz gut mit dem Kopf alles ganz normal zu betrachten, aber der Automatismus allem seinen Werdegang zu lassen, der ist noch nicht da.

    Und das, obwohl mir bewußt ist, dass viele Vorgänge geschehen müssen, sich setzen müssen um dann in die neue Runde zu gehen. Rund um Runde zeigt sich dann nämlich ob es überhaupt bis zur letzten Runde kommt oder der "Kampf" abgebrochen wird.

    Wie ist Euer Umgang mit Eurer eigenen Geduld?

    Lieben Gruß von Dagmar

  • oh ja dagmar,

    geduld ist auch ganz und gar nicht meine stärke.
    in meiner beziehung war ich geduldig ohne ende,aber jetzt mit mir selber ,oje.
    dein pnselbeispiel hat ich auch letzte woche und gsd war die erste schicht relativ schnell getrocknet,lach.
    ansonsten ist mir schon bewusst das vieles einen entwicklungsweg braucht,aber wenns dann nach mir ginge lieber von jetzt auf gleich,aber so sind wir,geduld mit uns selber,da muss ich noch viel lernen.

    glg kathrin

  • hah,und das kuriose ist,wenn man nicht mehr an bestimmte dinge denkt wo wir so ungeduldig waren,passiert dann doch endlich was.hm,also alles braucht halt seine zeit...

  • Ja, liebe Kathrin. Ich habe mir da vorhin überlegt, dass das - bei mir - irgendwie mit dem "aushalten" zusammen hängt. Kann ich etwas nicht gleich erledigen, dann steht es - und sein ungewisser Ausgang - auf meiner To-Do-Liste. Ich kann kein Ergebniss erzwingen sondern muss waaaaaaarten...

    Als Teenager habe ich ein Ergebniss provuziert, lieber negativ als nichts. Ich habe das Spannungsgefühl nicht aushalten können.

    Also muss ich mich halt lernen auszuhalten ;)

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Dagmar,

    ich bin einerseits hoch sensibel und andererseits auch abgestumpft. Steitigkeiten und verbale Verletzungen kamen in meiner Kindheit täglich vor. Mein Vater und mein Großvater waren beide Trinker, somit erlebte ich zwei Ehepaare, die sich ständig verletzten, auch schlugen und sich anschließend wieder vertrugen. Dieses Verhalten habe ich als normal übernommen und habe infolge dessen soviel Geduld aufgebracht bei meinen abhängigen Partnern, dass ich für mich eine gute Behandlung einfordern kann, wurde mir erst viel später bewusst durch die Auseinandersetzung mit meiner Co.-Abhängigkeit. Sensibel insofern, dass ich ganz früh feine Antennen dafür entwickelte, in welchem Stadium mein Vater sich gerade befand. Während ich in meinen Beziehungen unendlich geduldig war und für Andere vieles nachsichtig entschuldigte, war ich mir selbst gegenüber häufig ungeduldig. Wollte perfekt sein und alles schaffen, ein kleiner Fehler, schon hatte ich versagt und machte mir Vorwürfe. Kann mich gut daran erinnern, wie locker Kolleginnen mit ihren kleinen Arbeitsfehlern umgigen, während es für mich fast ein Vergehen war, ich darüber nachgrübelte und mich als ziemlich unfähig empfand, obwohl ich eine recht gute Mitarbeiterin war. Habe mir wenig zugetraut und mein Licht unter den Scheffel gestellt. Heute merke ich das noch in Teilbereichen, wenn ich z.B. etwas zusammen bauen will und das klappt nicht auf Anhieb, werde ich schnell unruhig. Da fehlt mir noch ein Teil an Geduld und Gelassenheit. Dabei habe ich vieles handwerkliche und technische schon allein geschafft und sollte stolz auf mich sein. Bin immer froh, wenn ich mein mir gesetztes Tagespensum erreiche, anstatt gelassen das eine oder andere auf den nächsten Tag zu verschieben. Manchmal mache ich auch ein paar Dinge gleichzeitig und ermahne mich dann dabei ganz ruhig erstmal bei der einen Sache zu bleiben und diese zu Ende zu bringen. Wenn ich es beiseite lege und zu einem späteren Zeitpunkt noch mal in Angriff nehme, klappt es meist wie von selbst. Manchmal bin ich auch noch mit meinen Mitmenschen ungeduldig, da möchte ich Dinge vorantreiben, die mir wichtig sind und ertappe mich beim Belehren aus meiner Sichtweise heraus, vergesse in diesen Situationen, dass jeder eine andere Sichtweise hat und einen eigenen Erfahrungsweg. Es ist mir zumindest bewusst und ich arbeite weiter daran.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht, hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung.

  • Ja, liebe Laurina,
    als würdest Du von mir sprechen in Sachen Geduld beim handwerklichen oder Geduld mit dem "anderen". Wenn auch in meiner Familie kein Alk-Problem vorlage, so war es eine preussische Erziehung, die ebenso wenig liebevoll sein dürfte wie alkoholkranke Eltern.

    Ich sage Dir, gestern wurde mir ganz schlecht als mir auffiel, dass ich in den für mich schädlichen Beziehungen der aktive Part war. Entweder ein Bruder, eine Schwester oder ein Kumpel sagte mir dass (wobei ich vorher schon die Schwärmerei des anderen entdeckt hatte) dass derjenige zu schüchtern sei.

    Klar, als guter co ist frau ja Helfer in allen Dingen, springt über den eigenen Schatten ist ja nicht so schlimm, wenn jemand schüchtern ist blablabla....

    So, nun stehe ich in selbiger Situation.... Nur: ich will Begegnungen auf Augenhöhe. Ich will kein stark/schwach-Prinzip oder keinen schwach-/starken Kontakt der "nur" Freundschaft ist. Somit erwarte ich von der anderen Person dass auch sie über ihren Schatten springt. Wenigstens ein paar Mal. Ich habe kein Problem damit aktiver zu sein, ich habe sehr wohl Probleme damit wie in der Vergangenheit für andere die Suppe auszulöffeln und diesen ein bereits gemachtes Fundament an Freundschaft / Bekanntschaft zu liefern. Beide müssen über ihre Schatten springen, beide müssen miteinander etwas erarbeiten - nur so können auch später Probleme bearbeitet werden.

    Aber Hilfe - auf so etwas wäre ich früher nie gekommen!!!! Die Kombination dessen, dass ich es jemandem zu einfach gemacht habe, dieser gar nicht an seine Grenzen gehen musste (warum auch, habe ich Doofel ja übernommen). Wie soll so jemand später Problemen gegenüber aufgeschlossen sein, die ja von Anfang an innerhalb der Beziehung vom anderen gelöst wurden.

    Wie sollen Probleme abgearbeitet werden, bei der Einstellung "der andere macht das schon"..... Mir war schlecht, schlechter, am schlechtesten, als mir diese Folgerung aufgefallen war. War ich doch früher stolz selber auswählen zu können und nicht ausgewählt zu werden. War ich doch der Meinung all die schmachtenden Blicke müssten Liebe und Zuneigung sein. SChwärmerei, das waren sie wohl sicher, aber wäre es wirklich "Liebe" gewesen, dann wäre - irgendwann, auch nach längerem Anlauf - ein über den Schatten springen des anderen möglich gewesen.

    Ich hatte Geduld mit dem anderen, habe ihm im Notfall die Aufgabe abgenommen. Schön.... aber wohin hat mich das geführt? In Beziehungen, die nicht auf gleicher Ebene geführt wurden.

    Horror, was da so alles nachträglich rauskommt...

    Lieben Gruß von Dagmar

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