• Hallo Manfred,

    wie sehr ich mich freue, daß du wieder da bist!

    Da hast du ja so etwas Entscheidendes für dich verändert, ich kann gut verstehen, daß da jetzt Ängste hochkommen. Nach einer Woche kann kein Mensch schon in einer neuen Umgebung angekommen sein... sowas dauert.

    Alle Kisten ausgepackt, alles seine Ordnung gefunden, alle Bilder hängen, die Abläufe verinnerlicht, im Dunkeln alle Lichtschalter gleich finden, alle Gerüche und Geräusche als vertraut empfinden, die Nachbarn kennengelernt, die neuen Wege und Orte der Umgebung verinnerlicht.... :shock::lol::wink: Laß dir Zeit, schließlich hast du gerade dein ganzes Leben auf den Kopf gestellt! Was für ein Schritt, ich freu mich für dich!

    Zitat

    Ich habe unglaubliche Angst vor Lärm von Nachbarn, Angst es hier nicht auszuhalten.

    Das kommt mir so vor, wie die ALTE Angst, die du schon beschrieben hattest. Wie gelähmt, wie innerlich erstarrt, wie das Kaninchen das auf die Schlange starrt ob die nun beißt oder nicht... Vielleicht kannst du ja mal sortieren, was ist alt und was ist neu. Und für die neue Situation ins neue Handeln kommen, aktiv werden.

    Deine Nachbarn sind nicht deine Eltern. Du kannst dich ganz neu verhalten, wie es JETZT paßt.

    Mich haben alle Umbruchsituationen, Umzüge oder Arbeitsplatzwechsel z. B., erst mal eine Weile in so eine labile Fassung gebracht. Da habe ich innendrin mit mir selber "Grundsatzdiskussionen" angefangen, ob das denn nun sinnvoll war oder nicht usw. Aber irgendwann hörte das Kopfkino auf und ich war wieder im Hier und Heute und wurde handlungsfähig. Und ich konnte die Chance in der neuen Situation wahrnehmen und nutzen.

    Wenn das Alte vorbei ist und man im Neuen noch nicht so recht angekommen ist, dann sitzt man gerne mal im Loch, kenne ich gut. Aber die Lücke füllt sich wieder mit lebendigem Leben, so wie man selber das gestalten mag...

    Wie geht's dir mit der Geige?


    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    gaaaanz selten, manchmal morgens wenn ich zufällig unter der Woche frei habe, da höre ich meine Nachbarin Klavier spielen. Dann lasse ich alles stehen und liegen und höre einfach nur zu. Es sind kostbarste Momente für mich, ein Geschenk.


    Einmal war ich in einer Jugendherberge gerade beim Frühstück, da hörte ich wunderschönstes Klavierspiel. Solcherart Klänge hatte ich noch nie zuvor gehört. Ich ließ mein Essen stehen, ging den Tönen nach und gelangte in den Keller. Da stand mitten im Flur eine Werkzeugkiste, eine Tür war angelehnt. In dem schmucklosen Kellerraum saß ein begnadeter Pianist und spielte und spielte - in dreckigen Monteursklamotten. Selbstvergessen, ganz vertieft.

    Ich zog mich zurück und als ich ihn später oben ansprach war er ganz jung, schüchtern und rot auf den Wangen, ja, es war ein eigenes Stück und er freut sich immer in der Jugendherberge zu arbeiten, da steht ein Klavier, daheim hat er nur so ein doofes Keyboard. Einen Lehrer hat er nicht und er hat noch nie vor Publikum gespielt, doch, sagte ich, gerade eben... Mich hat das glücklich gemacht.


    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    genau, du hast da jetzt einen Anfang gemacht. Das heißt ja noch lange nicht, daß von einer Sekunde auf die nächste alles anders sein muß. Es ist ein Anfang und jetzt kommt ein Schritt nach dem anderen. In DEINE Richtung!

    Lieber Gruß,

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    ich wohne nun schon über 15 Jahre auf dem Dorf, winziges Seitengäßchen, jeder kennt jeden, man gewöhnt sich dran.

    Die längeren Wege sind aber auch Wege, die ich genießen lernte mit der Zeit. Wenn ich nach der Arbeit raus in die Landschaft und heim fahre, dann tauche ich ein in eine andere Welt. Mir gefällt das. Mit Auto geht heute alles ziemlich einfach und als ich den Unfall hatte und nicht fahren konnte, da nahm ich den Bus oder fragte in der Nachbarschaft herum. Und siehe da, in meiner kleinen Straße wurde ich wie in einem guten Netz aufgefangen... Ob das in der Stadt auch so gewesen wäre wage ich zu bezweifeln.

    Daß auch positive Veränderungen einem bis auf den Grund aufwühlen können, das kenne ich auch. Du kannst dir ja jetzt alle Zeit der Welt lassen, um anzukommen und dich zu sortieren.

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Moin,

    seit ich nur noch an mich denke, geht's mir gut, und ich werde da immer besser drin... Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern mit gesunder Lebensführung.

    Und im selben Atemzug, wo ich an mich denke, für mich sorge, da gebe ich den anderen IHRE Verantwortung für IHR Leben zurück. Was sie damit anstellen ist ihre Angelegenheit! Ich ent-laste mich damit. Ich be-frei-e mich.

    Meine Wege hier kenne ich inzwischen wie meine Hosentasche. Ich weiß, wo der tolle Birnbaum wächst und wann die Birnen reif sind. Ich weiß wann wo zu welcher Tageszeit welche Stimmung ist und wenn mir danach ist, kann ich genau da spazieren gehen wo es paßt. Die Landschaft wird mit der Zeit zur inneren Landschaft, ich kann sie einatmen, essen, mich darin bewegen.

    Mit so einer Vermietung kenne ich mich nicht aus, aber früher oder später findet sich da jemand, vielleicht mit Hilfe eines Maklers oder der Immobilienabteilung deiner Bank. Wer wagt gewinnt, alter Spruch, grins. Fröhliches weiterwurschteln!


    Da wo du bist, gibt es da auch Pferde?

    Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Zitat von Manfredsch

    Manchmal weiß ich nur, dass ich die Leiderei satt habe. Dieses eeeewige Geleide...


    Hallo Manfred,

    das ginge mir genaus so. Aber meinst du wirklich DAVON geht's weg??

    Zitat von Manfredsch

    Ich habe mir heute Bier und eine sauungesunde Tüte Chips gekauft. Ich will leben. So.

    Ich lebe nicht so. So ist das auch kein Leben, sondern eine Flucht. Du machst dich dicht mit Alk, vergräbst dich in der Wohnung, packst dir 'ne Wampe um die Mitte, mit Chips und Bier geht das schnell.

    Klar "hilft" dir das, kurzfristig.

    SO hat bei vielen der Alkoholismus angefangen.

    Du schreibst hier im Alkoholikerforum. Ich kann nur sagen, ich geh einen anderen Weg, auch wenn er manchmal nicht einfach ist.

    Was machst du eigentlich, wenn die Wirkung des Biers nachläßt? Die nächste Flasche auf?

    Oder setzt du deinen Hintern in Bewegung und wirst aktiv?


    Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Zitat Manfred:

    "Ich habe mir heute Bier und eine sauungesunde Tüte Chips gekauft. Ich will leben. So."

    Sind das nur Deine Gedanken Manfred? Durcheinander? Unzensiert?

    Das scheint mir nicht so. Du hast das Zeug eingekauft und du willst so leben. Dann tu es!

    Ich glaube aber nicht, dass Du das wirklich möchtest...


    Gruss Peter

  • Hallo Manfred,

    ist doch o.k. wenn du das alles aufschreibst! Deine Gedanken, Gefühle, Entscheidungen, Wege...

    Ich schreibe hier, weil ich mich entschieden habe mich von der Familienkrankheit Alkoholismus zu lösen, da arbeite ich jeden Tag dran. Hier ist der richtige Ort für mich. Zwischen Menschen, die sich auf NEUE Wege machen, die Alkohol eben nicht als Lösung ansehen, auch nicht "nur einmal"...

    Du kannst trinken, du kannst ungesundes Zeug essen, keiner verbietet es dir, mir kann es gleich sein.

    Aber bist das wirklich du?


    Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    ich habe den Eindruck, Du bist auch noch dabei, herauszufinden, wer Du wirklich bist und was Dich ausmacht.

    Ungesunde Sachen essen heisst, sich auszuprobieren und was tun, obwohl die Eltern einem das früher vielleicht verboten haben. Wir als EKAs konnten vieles nicht ausprobieren, weil wir ganz andere Sorgen hatten. Und dann entsteht später das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben. Wir wissen nicht, wie sich manches anfühlt und ob es uns vielleicht gefällt.

    Ich finde es gut, dass Du aufs Land gezogen bist. Auch ich spüre immer wieder den Wunsch, naturnaher zu wohnen. Aber ich würde gerne mit Menschen zusammenwohnen, z.B. in einem Wohnprojekt, wo man alleine sein kann aber nicht muss.

    Hast Du die Möglichkeit, Anschluß zu finden? Gibt es Vereine, Treffpunkte, Leute in Deinem Alter. Weil das macht den Lebensraum auch aus, gerade im Winter, wo man nicht so in die Natur rauskann wie im Sommer.

    Du schreibst in meinem Threat, dass Du auch Angst vor Krankheiten hast. Hast Du Dich schon beschäftigt, für was Symptome stehen. Das habe ich oft schon getan und viel dabei gelernt, dass z.B. Nackenschmerzen dafür stehen, unbeweglich und erstarrt in den Ansichten zu sein, was für mich auf jeden Fall zutrifft oder die Schilddrüse für unterdrückte Kreativität steht. Man kann daran glauben oder nicht, es ist ein Hinweis. Der Körper meldet sich nicht einfach so.

    Mir fällt es auch schwer, mit meinem Körper zu arbeiten, aber ich gehe in letzter Zeit nicht mehr so oft zu Ärzten, vermeide Medikamente, obwohl ich chronische Beschwerden habe. Aber ich weiß, wovon sie kommen.

    Es ist schwer, die Verbindung zu sich selbst zu finden, aber manchmal gelingt es und man kann dann den Körper als guten Ratgeber akzeptieren. Aber das dauert alles noch...

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Jeder kleine Schritt führt näher zum Leben.

  • Hallo Manfred,

    ich wünsche dir alles Gute zum Einjährigen! :wink:

    Wie geht's dir inzwischen, bist du schon etwas mehr in deinem neuen Refugium angekommen?

    Lg, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    hast du dich inzwischen im Dorf eingelebt? Vielleicht brennt ja heut deine Kerze, ich hab grad an letztes Jahr gedacht.

    Liebe Grüße und einen schönen Advent.

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Manfred,

    bist du bei Chips und Bier geblieben?

    Wenn es mir nicht gut geht, dann greife ich oft auch noch zu den alten eingeschliffenen Mustern, den kindlichen Lösungsversuchen. Ich habe ja nichts anderes vorgelebt bekommen als Sucht...

    Aber recht schnell werde ich "wach" und lebe meine erwachsenen Handlungsalternativen.

    Wie geht's dir?


    Lg, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!