Er säuft und säuft und säuft

  • Hi Biene,

    ein "Sorry" für´s viele Schreiben ist nicht nötig... :wink: im Gegenteil, das Schreiben hier ist sehr erleichternd und hilft, Gedanken und Gefühle zu sortieren.

    Dein Therapeut hat schon recht, wenn er sagt, es ist sein (Vaters) Problem, und nicht Deins. Das ist so, finde ich, natürlich nicht sehr hilfreich, wenn es ohne weitere Erklärung einfach im Raum stehen bleibt.

    Mir hat es sehr geholfen, mich zum einen über die Krankheit Alkoholismus zu informieren und was sie aus uns EKAs macht. Ein schönes Buch dazu ist: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…elbsthilfeun-21

    Du hast Recht, in der Gesellschaft ist "Alkohol" ein Tabu-Thema, bzw. eher "Alkoholproblem". Ich habe mich Al-Anon angeschlossen, einer SHG, die speziell für Angehörige und Freunde von Alkoholikern da ist. Dieser Austausch ist mir inzwischen sehr wichtig geworden. Al-Anon hat auch schöne Literatur; vielleicht gibt es in Deiner Nähe auch eine Gruppe, gib es mal in die Suchmaschine ein.

    Die wichtigste Erkenntnis war für mich, dass wir es ohne Hilfe von außen nicht schaffen, unsere Gefühlswelt zu sortieren. Und wie enorm die Auswirkungen auf uns Erwachsene Kinder sind.

    Ich wünsche Dir einen guten Austausch; scheib Dir alles von der Seele, wenn Dir danach ist!

    Alles Liebe.. Pedi

  • Hallo Biene,

    nochmal herzlich Willkommen hier bei uns EK's. Schreib dir alles von der Seele, egal wie wirr sich das im ersten Moment anfühlt. Mich hat das Schreiben hier sehr gut sortiert innendrin. Wenn dir das hier zu öffentlich werden sollte, dann kannst du jederzeit in den geschützten Forenbereich wechseln.

    Ich weiß inzwischen auch, wie laut ich schreien kann. Alle unsere Gefühle sind in Ordnung, es gibt so viele auf der Gefühlspalette. Auch die Wut, die Verzweiflung, die Hilflosigkeit. Gefühle wollen artikuliert werden, kann können sie weiterziehen und es gibt Platz für neue...

    Ich war wirklich der Überzeugung, daß nach all den Jahren des Schweigens und Vertuschens in meiner Familie, mein heftiger Gefühlsausbruch die Welt aus den Angeln hebt... Und was geschah? Nichts... Einfach nichts. Alkoholismus verschluckt alle Gefühle. Nur so kann er sich selbst erhalten.

    Ich habe inzwischen den Kontakt einschlafen lassen und wahre den Abstand. Gegen den Alkoholismus kann ich nichts tun. Ich kann etwas für MICH tun, nämlich mich aus dieser belastenden Situation herausnehmen. Und in dem gewonnenen Abstand MEIN Leben leben.

    Es ist gut, daß du anfängst an dich zu denken. Dir darf es gut gehen. Und er ist für sich selbst verantwortlich, er ist erwachsen.


    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Bine,

    meine Mutter und ich haben uns häufig gestritten. Oftmals wusste ich hinterher garnicht, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Erst im Nachhinein ist mir klar geworden, sie hat sehr häufig den Streit provoziert um einen „Grund“ zum saufen zu haben.

    Ich habe oft gebrüllt und geheult, ihr gesagt das ich Angst habe, dass sie sich langsam umbringt usw. Ich hatte die Hoffnung wenn ich es nur oft genug und nachdrücklich genug sage, dann muss sie doch merken was sie sich antut, dann muss sich doch was ändern. Nach diesen Auseinandersetzungen war ich jedes mal körperlich und seelisch erschöpft. Mehr hat es nicht gebracht. Ein Umdenken hat bei ihr dadurch nicht stattgefunden. Vieles ist sicherlich bei ihr angekommen, aber nicht so wie ich es erhofft hatte. Auch wenn sie Alkoholikerin war, war sie doch auch immer noch ein Mensch mit Gefühlen. Entweder war das ein passender Grund zum saufen oder es wurde einfach verdrängt.

    Zur Sucht gehört auch immer Selbstbetrug, die Realität wird sich schön geredet und zurecht gebogen, bis sie so passt wie sie gebraucht wird. Das ist Sucht, bzw. ein Teil davon. In sofern ist das Verhalten Deines Vaters für einen Alkoholiker vollkommen „normal“. Was nicht passt wird passend gemacht, auch wenn es bar jeder Logik ist, oder es wird ignoriert.

    Zitat

    Mein nächster Gedanke kreist um die Gesundheitlichen Schäden.
    Ich weiß nicht ob es so stimmt was ich mir zusammengelesen habe.

    Ich weiß was alles so im Netz zu finden ist, deshalb sage ich mal mit Sicherheit ja und mit Sicherheit nein. Alkoholismus ist eine Krankheit und auch die Folgeschäden sind Krankheiten. Krankheiten und die Beurteilung ob es eine ist, gehört in die Hände von Ärzten. Du tust Dir selbst keinen Gefallen, wenn da weiter bohrst. Deine Sorgen werden nur größer, aber ändern kannst Du auch mit all Deinem "Wissen" nichts. Dein Vater hört erst auf wenn er will, nicht wenn Du willst dass er es tut.

    Zitat

    Demnach ist der sogenannte Bierbauch ein Wasserbauch der unter anderem ein Endsymptom einer Lebererkrankung ist.

    Das ist ein sehr gutes Beispiel. Die Physiognomie von Männern ist so, dass sich bei manchen Fett fast ausschließlich am Bauch ansammeln kann, bei Frauen findet sich das weniger. Die nettere Bezeichnung ist dann Bierbauch. Es ist nichts als Fett, was auch nicht unbedingt gesundheitsförderlich ist, aber auf ein zu viel an Nährstoffen und nicht auf ein zu viel an Alkohol zurückzuführen ist, vereinfacht ausgedrückt. Es kann aber auch sein, dass das ausschließlich Wasser ist, was auch auf unterschiedliche Krankheiten hindeuten kann, nicht nur auf eine kaputte Leber. Es liegt also an einem Arzt zu entscheiden was es ist.

    Zitat

    Jetzt frage ich mich, warum spricht kein Arzt ihn darauf an, der Bauch ist wirklich nicht zu übersehen.

    Erstmal müsste er zum Arzt gehen. Außerdem was sollte das bringen? Er überliest ja auch was in einem Gutachten steht. Die Wahrscheinlichkeit, dass er dann auf einen Arzt hört betrachte ich dann auch eher als gering. Kein Arzt kann ihn zwingen sich behandeln zu lassen. Es kann genauso gut sein, dass ein Arzt bereits festgestellt hat ob es nun Fett oder Wasser ist. Egal ob und wie, solange Dein Vater nicht will, wird er alles ignorieren und schön reden was ihn davon abhalten könnte weiter zu trinken. Er wird erst zuhören, wenn er dazu bereit ist, wann das ist liegt allein an ihm.

    Deinen Vater kannst Du nicht helfen, nur Dir selbst. Hierher zu kommen ist schon mal ein sehr guter Anfang dafür.

    Gruß
    Skye

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