Ich grüße hiermit alle Mitglieder dieses Forums und stelle mich vor.
Ich fang bei meiner Sucht-Geschichte im Alter von 14 an.
Zu diesem Zeitpunkt rauchte ich schon regelmäßig und ich sollte meinen ersten Vollrausch
bei einer Kirmes haben. Ich traf mich mit 2 damaligen Freunden und wir entschieden uns
bei den Großeltern des einen, welche gerade in Urlaub waren, durch das Kellerfenster
einzubrechen um nach Alkoholbeständen zu suchen. Wir wurden dann auch schnell fündig und die Wahl
fiel auf eine Flasche Jägermeister. Die anderen 2 hielten sich mit dem trinken zurück,
konnten sie die Gefahr, die vom Alkohol ausgeht wohl besser einschätzen als ich.
Ich dagegen setzte ein paar mal an und trank kräftige Schlücke, ich wollte ja auch daß
es wirkt. Ich war tatsächlich der Meinung, daß wenn mich meine Mutter 5 Stunden später
abholt, ich wieder nüchtern sei. Das war selbst am nächsten Tag nicht der Fall.
Vorerst sollte es bei dieser Erfahrung bleiben, die nächsten Jahre weckte der Konsum
von Cannabis mein reges Interesse. So war ich bedacht möglichst oft, viel und gutes Zeug
zu inhalieren, statt solche Erfahrungen zu sammeln die einem Jugendlichen zu einem Platz
in dieser Gesellschaft, in dieser Welt verhelfen.
Ich denke so um die 18 Jahre rum, wurde auch Alkohol wieder ein Thema. Hin und wieder
auf Parties, doch wie beim kiffen zeichnete sich langsam ab, daß ich schlecht eine Grenze
ziehen konnte und so neigte ich mal vereinzelt, aber stetig steigend zu täglichem Konsum.
Ich schaffte es mit einem minimalen Einsatz meinen MR-Abschluss zu machen, doch die Zeit
danach war geprägt von perspektivlosigkeit, depression, also Alk.
Ich brach die Schule ab (Gymnasium) und war erstmal ein halbes Jahr arbeitslos.
Dann arbeitete ich ein Jahr und versuchte über den 2ten Bildungsweg einen weiteren halbherzigen
Versuch mein Abi zu machen. Auch das scheiterte nach 1,5 Jahren woraufhin ich über die selbe
Zeitspanne arbeitslos war. Zu dieser Zeit hatte ich bereits 30 Kilo zugenommen, lebte mit meiner
Mutter auf engstem Raum zusammen und mein einziger Ausweg mein Leid durch zu stehen war soviel
zu trinken wie geht und mich solang und so oft als möglich das Bett aufzusuchen.
Ich muss gerade daran denken wie oft ich auf dem Sessel saß und TV schaute und meine Mutter sich
zur Arbeit verabschiedete. Morgens um 6, ich arbeitslos und noch wach und meine Mutter müht sich
ab. Ich glaub viel räudiger kann sich ein Mensch nicht fühlen, so war das auch oft der Anlaß sich
erstmal abzudichten um nicht an den Schuld- und Schamgefühlen zu zerbrechen.
Im stolzen Alter von 24 schaffte ich es endlich einen Weg in Richtung Selbstständigkeit zu gehen
und zog zu meinen neuen Arbeitgeber. Irgendwie schaffte ich es aus dem Sumpf zu kommen, einer Arbeit
nach zu gehen, das mir unglaublich einfach fiel, ich konnte es teils garnicht glauben. Das Selbstbewusstsein
wurde etwas aufgepeppelt, die Pfunde purzelten schier von alleine.
Doch ich gab mit diesem "neuen" Leben nicht meine Isolation auf. Als ich mich an die neue Umgebung gewohnt hatte,
war es die Regel dass ich mich nach Dienstschluss "einschloss" und mein Tagespensum
konsumierte um danach erschöpft einzuschlafen.
Das ging dann so 1 Jahr, danach zog ich wieder um und begann eine Ausbildung.
An dem Konsummuster hatte sich nichts verändert, wurde gegen Ende eher immer schlimmer.
Nach etwas über einem Jahr, das war Mitte-Ende November letzten Jahres, beschäftigte ich mich eines Tages im Internet
mit dem Thema Alkoholismus. In dem Zuge fand ich auch dieses Forum hier und ich erkannte langsam daß ich nicht so
weiter machen kann und will. Zuerst war mir die Ausbildung
noch sehr wichtig, hab ich ja quasi seit über 10 Jahren nichts mehr richtig durch gezogen, aber ich musste erkennen
daß nichts wichtiger ist als ich selbst.
Bin seit Dezember krank geschrieben, da ich seit meiner "Erkenntnis" nicht mehr in der Lage bin zu arbeiten.
Seitdem beschäftigte ich mich viel mit mir und Alkohol, bereitete mich so darauf vor mein Leben zu ändern.
Über all diese Zeit spielten auch Drogen mal mehr , mal weniger eine Rolle in meinem Leben.
Ich hab das ein oder andere ausprobiert, aber nie exzessiv konsumiert was wohl aber allein daran lag
dass ich keine Verbindungen zu Dealern hatte.
Das ist wichtig für mich zu erwähnen, da ich auch immer wieder
daran denke irgendwas zu konsumieren, was natürlich fatal wäre,
da die Gefahr einer Suchtverlagerung bei mir gegeben ist oder der Konsum anderer Mitteln einen Rückfall einleiten könnte.
Am 2. - 8. Februar begab ich mich dann ins Krankenhaus zur Entgiftung.
Seitdem versuch ich meinen Alltag zu strukturieren, aktiv zu sein.
Das Ziel ist es durchzuhalten bis ich hoffentlich im April zur Langzeittherapie kann.
Ich hab diese Woche an 4 Tagen 4 Termine jeweils mit Suchtberatung und Hausärztin.
Gestern fand eine SHG statt, aber ich konnte mich nicht durchringen dorthin zu gehen.
Über die Suchtberatung versuch ich jetzt noch therapeutischen Kontakt herzustellen.
Gestern hat ich wieder etwas suchtdruck, ich lenkte mich ab indem ich überflüssige Unterlagen vernichtete,
mit Leuten sprach, eine Stunde spazieren ging, die Hausärztin aufsuchte.
Puh, diesen Text an diesem frühen Morgen zu verfassen hat mich jetzt etwas ausgelaugt, kann kaum ein paar Zeilen zum Ende verfassen.
Ich hoffe daß ich mich anfreunden kann hier regelmäßig zu schreiben,
da ich in der Vergangenheit Foren eigentlich immer gemieden habe.
Ich muss generell lernen mich zu äußern, vorallem wenn es mir nicht
gut geht, da ich dann zur Introvertiertheit neige. Da ist auch ein Forum, auch wenn es anonym ist, ein gewisses Training, mal davon
abgesehen daß ich natürlich auf Erfahrungsaustausch aus bin.
Merk gerade daß ich ja im Vorstellungsbereich schon recht viel von mir preis gab, von daher sind die Zeilen wohl überflüssig, aber ich lass sie mal stehen, lach.
soll erstmal genug sein.
vlg,
DuDe