Mutter will sterben

  • Hallo Stella,

    nochmal willkommen hier im Forum.

    Leider ist es so, daß wir die Entscheidungen unserer Mütter annehmen müssen, wie auch immer die sind.

    Die Gründe für den Alkoholismus und das sich-prügeln-lassen liegen manchmal ganz tief in der Biographie vergraben.

    Ob es ein Wunder gibt oder eine Notbremse kann ich dir auch nicht sagen. Hilfe nimmt ein Alkoholiker erst an seinem Tiefpunkt an, wie auch immer der aussieht. Den Lebensgefährten kann man anzeigen.


    Lieber Gruß, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo Stella,

    ich habe meiner Mutter bei ihrem Selbstmord auf Raten zugeschaut. Nicht weil ich wollte, sondern weil ich musste. Gut, ich hätte den Kontakt auch abbrechen können, aber das war für mich nie eine wirkliche Option. Es war ihr Leben und sie konnte damit machen was sie wollte. Ihr wurde auf viele Art Hilfe angeboten, sie hat sie nicht angenommen. Warum, kann ich vermuten, aber wissen tue ich es nicht. Wenn ich mit meinen Vermutungen richtig liege, dann kann ich die Gründe warum sie die Hilfe nicht an nahm nicht wirklich verstehen. Aber es ging auch nicht darum, dass ich verstehe. Maßgebend war nicht ich, meine Gefühle, mein Empfinden und meine Gedanken, sondern das was sie fühlte, empfand und dachte.
    Sie wollte nicht, ich hatte das zu akzeptieren, es war ihr Leben, nicht meines.

    Ich denke Deine Mutter weiß, was sie an Hilfsmöglichkeiten hat, wenn sie möchte. Die Ärzte/das Pflegepersonal werden ihr schon etwas aufgezeigt haben. Sie hat ihre eigenen Gründe, warum sie nicht möchte, auch wenn die kein anderer versteht, verstehen würde. Es ist ihr Leben.

    Zitat

    Vielleicht klingt es jetzt total blöd, aber mir wäre fast lieber, sie würde sich betrinken, damit sie vielleicht nicht so viel spürt!???

    Es ist Deine Mutter und Du möchtest nicht, dass sie leidet. Du fühlst Dich hilflos und möchtest irgendetwas für sie tun, suchst nach einer Lösung für sie. Das klingt überhaupt nicht blöd.

    Wenn Du Deine Mutter sehen willst, fahr hin. Schlimmstenfalls will sie Dich dann immer noch nicht sehen wollen. Du hast dann aber alles getan, was möglich war und machst Dir dann nicht eventuell später Vorwürfe, doch nicht gefahren zu sein obwohl Du im Grunde wollest. Tu das, was Du willst, das von dem Du glaubst, dass es richtig ist, was für Dich gut ist.

    Gruß
    Skye

  • Liebe Stella!

    Zitat

    es ging auch nicht darum, dass ich verstehe. Maßgebend war nicht ich, meine Gefühle, mein Empfinden und meine Gedanken, sondern das was sie fühlte, empfand und dachte.

    Siehst Du jetzt kehrst Du das um:

    Zitat

    massgebend SIND meine Gefühle,mein Empfinden und meine Gedanken.

    So kannst Du entscheiden,ob Du,wie Skye Dir vorschlägt,Fahren willst.

    Auf DICH gilt es zu achten.

    Pass auf DICH auf!

    Vielleicht guckst Du jetzt So :shock:
    Aber es ist total wichtig,dass wir an uns selber denken,mit uns selber entscheiden,was wir tun und was wir lassen wollen.

    Dann stimmts für uns,unabhängig vom Erfolg oder vom Misserfolg.

    Ich wünsche Dir viel Kraft in dieser für Dich schweren Zeit!

    Herzliche Grüsse
    Yvonne

    ichbinda123

  • Hallo Yvonne,

    Zitat

    Vielleicht guckst Du jetzt So :shock:

    … ich auf jeden Fall....


    Mir fehlt hier irgendwie der Zusammenhang:

    Zitat

    Siehst Du jetzt kehrst Du das um:

    Die ersten zitierten Zeilen betrafen meine Mutter. Es ging in dem Absatz um den Unterschied zwischen meinem Bereich und ihrem, zwischen meinem Leben für das ich verantwortlich und ihrem Leben für das sie verantwortlich war. Es ging um das, was jeder für sich beeinflussen kann. Das zweite Zitat finde ich nicht und steht für mich auch in keinem Zusammenhang zum ersten. Für mich ein anderes Thema.

    Zitat

    So kannst Du entscheiden,ob Du,wie Skye Dir vorschlägt,Fahren willst.

    Habe ich nicht, ich schrieb:

    Zitat

    Tu das, was Du willst, das von dem Du glaubst, dass es richtig ist, was für Dich gut ist.

    Oder habe ich jetzt nur einfach ein großes Verständnisproblem?

    Gruß
    Skye

  • Hallo,

    also der Wille Deine Mutter ist doch offensichtlich. Offensichtlicher geht's doch nimmer. Sie hat ihren Willen und ihr selbst aufgegeben. Aber schon lange, wenn Du schreibst, daß sie sich in einem Abhängigkeitsverhältnis von ihrem Lebenspartner befindet ist das doch offensichtlich.
    Jetzt will sie dieses Leben nicht mehr und gibt es auf. Sie weiß genau was sie da tut. Sie hat gesoffen um nicht zu leiden. Sie hat ihr Selbst aufgegeben um nicht zu leiden. Und jetzt gibt sie ihr Leben auf um nicht zu leiden.

    Ist ihr gutes Recht. Welche Alternativen will man da anbieten? Den Weg trocken zu werden und die beziehung zu beenden, einen verdammt langen und harten Weg zu gehen den man allein gehen muß und von dem man nicht sieht, daß er irgendwas verbessern könnte, weil man ihn selbst noch nie gegangen ist? Da bräuchte es den Wille zum Leben, den Wille zum Selbst, aber Beides hat sie doch schon aufgegeben.

    Deine Mum hat sich doch schon längst aus dem Leben verabschiedet, sie hat ihre Existenz als gescheitert anerkannt und zieht die Konsequenzen.

    Viel zu rätseln gibts da nicht was sie will.

    Sicher tut das weh. Sicher gäb's Alternativen, aber das spielt keine Rolle, denn die sieht sie nicht, kann sie auch nicht. Du kannst einem Blinden das Leben nicht schmackhaft machen indem Du ihm erklärst, wie schön bunt die Welt ist. Er muss selbst sehen wollen um die Augen aufzumachen. Deine Mum hat schon lange akzepitiert, daß sie die lieber zulässt. Wer will die schon aufmachen um auf seine eigene gescheiterte Existenz zurückzublicken?

    Entscheide was Du willst. Willst Du sie sehen oder nicht? Alles Andere spielt keine Rolle.

    Lieben Gruß

    Kaleu

  • Liebe Stella,

    ich weiß wie hart meine Worte sind und wie weh sie Dir tun. Es lag nicht in meiner Absicht Dir jede Hoffnung zu nehmen oder Dir weh zu tun. Nur hilft Dir blinde Hoffnung leider auch nicht mehr weiter. Nicht jetzt noch.

    Ich kann nachfühlen wie schmerzhaft das tatsächlich für Dich ist. Wenn ich mich in Deine Situation versetze und mir die Situation wie sie tatsächlich ist mit Abstand betrachte, würde ich die Kids bei Freunden oder einem Babysitter unterbringen, einen Nachmittag mit Deiner Mum vereinbaren den ihr zusammen verbringen könnt, indem Du ihr alles sagst was in Deinem Herzen ist und mich dann von ihr verabschieden!

    Liebe Grüße

    Kaleu

  • Hallo Stella,

    ob Du fährst oder nicht, die Entscheidung kann Dir keiner abnehmen. Vielleicht lässt Du einfach mal alles andere wie Kinder, die Worte Deiner Mutter oder was sonst noch so ist außen vor und hörst nur auf Dein Gefühl. Was willst Du dann fahren oder nicht? Willst Du fahren, findet sich eine Lösung, auch für die Kinder. Willst Du nicht fahren, dann ist es auch gut. Es geht hier um Dich, was Du willst, was Dein Wunsch ist. Du bist diejenige die sich morgens im Spiegel in die Augen schaut, niemand anderes.

    Von Ihrem Lebenspartner kann Deine Mutter sich ebenso trennen, wie vom Alkohol, auch da gibt es Hilfen wenn sie denn möchte. Das eine wie das andere ist sicherlich nicht leicht und mal eben so zu bewerkstelligen. Wenn sie aber möchte, dann kann sie gehen. Deine Mutter ist kein hilfloses Kind, wenn sie auch den Eindruck macht, sie ist eine erwachsene Frau, die für sich entscheiden kann. Genauso wie dafür, dass sie trinkt und keine Hilfe annimmt, gibt es Gründe, warum sie sich nicht von ihrem Partner trennt, obwohl er sie schlägt, kontrolliert, manipuliert und unterdrückt.

    Ansonsten kann ich mich den Worten von Kaleu nur anschließen. Was er schreibt, dieser Eindruck drängte sich auch mir beim lesen Deiner Zeilen auf. Ich wollte aber versuchen mit der Tür nicht ganz so ins Haus zu fallen, weil ich weiß wie es ist seiner Mutter bei diesem Tod zuzuschauen.

    Ich weiß wie schwer es ist zu begreifen. Bei mir ging es auch nach dem Motto, die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich habe gehofft bis zum Schluss, bis zur Intensivstation, bis es keine Hoffnung mehr gab, weil sie tot war. Ich wollte nicht wahrhaben, was ich sah. Es konnte nicht sein, was nicht sein durfte. Wer will schon einen geliebten Menschen aufgeben.
    Versuch Dich von diesen Gedanken nicht beeinflussen zu lasen, wenn Du jetzt fährst, heißt das nicht, dass Du sie aufgibst, dass Du alle Hoffnung fahren lässt, Du tust es für Dich. Wenn Du nicht fährst, heißt das nicht, dass Du sie nicht liebst, Du tust es für Dich.

    Zitat

    Wie können wir sie da aufgeben?

    Du kannst keinen Menschen zwingen ein Leben zu behalten das er nicht will. Sie tun zu lassen, was sie möchte ist nicht aufgeben, es ist loslassen und wenn es auch noch so weh tut.

    Gruß
    Skye

  • Liebe Stella,

    ich glaube nicht, daß es irgendwen hier gibt, der denkt Du würdest irgendwas nicht verstehen. Darum geht es doch gar nicht und es gibt kein Richtig oder Falsch, kein Verstanden oder Nicht-Verstanden.

    Richtig ist nur - was für Dich richtig ist!

    Liebe Grüße

    Kaleu

  • Liebe Stella,

    mir ist durchaus bewusst, daß ich gerne mal klare Ansagen mache und auch harte Worte wähle oder wenig Watte benutze. Das bedeutet aber noch lange nicht, daß ich irgendwas besser wüßte. Es ist lediglich meine Sichtweise und das wie ich mich verhalten würde. Wobei nichtmal das klar ist, denn steckte ich bis zum Hals mit den Gefühlen drin wie Du würde ich sicher eben nicht so locker flockig davon erzählen wie offensichtlich sich mir das darstellt.
    Deine Sicht kann und darf eine ganz andere und ganz eigene sein. Da gibts kein besser oder Schlechter. Jeder Mensch ist ein Individuum und sollte deswegen das tun was er für richtig und gut hält.

    Es gibt vielleicht vergleichbare Situationen und vergleichbare Einzelheiten, aber es gibt immer nur Einzelindividuen die für sich völlig allein letzten Endes herausfinden müssen was für sie selbst das Richtige ist. Es steht Niemandem zu darüber in irgend einer Weise zu urteilen, weder über Dich noch über Deine Mum.

    Ich kann es absolut nachvollziehen, wenn es für Dich das Gefühl ist, als würdest Du Deine Mum aufgeben und Du das nicht tun möchtest. Tu wonach Dir ist.

    Wenn ich Dir noch einen Rat mitgeben darf, Deine Mum ist nicht Du. Sie hat ihre eigene Sicht. So wie ich Deine akzeptiere, solltest Du auch ihre akzeptieren. Sie hat ein Recht darauf. Selbst wenn sie so ihr Leben ruiniert. Wenn sie Hilfe ablehnt hat sie auch darauf ein Recht!

    Nach Deiner Beschreibung lässt sich ziemlich sicher sagen, daß ein Großteil der Dynamik, auch was den Alkohol angeht aus der Partnerschaft mit ihrem Lebenspartner entsteht. Es ist höchst unwahrscheinlich, daß Deine Mum da raus kommt, wenn sie sich nicht für eine endgültige räumliche Trennung mit völligem Kontaktabbruch zu ihrem Partner entscheidet. Leider ist wahrscheinlich genau das aus ihrer Sicht völlig unmöglich. Eine solche Abhängigkeit aufzuheben ist von außen nahezu unmöglich. Auch Ärzte oder Psychologen werden da nicht viel ausrichten können, solange das Umfeld unverändert bestehen bleibt. Genau da wirst Du aber enorme Schwierigkeiten haben, daß Deiner Mum verständlich zu machen. Wenn jemand glaubt ohne den Anderen nicht existieren zu können, dann kann man gegen diesen Glauben mit Argumenten nicht beikommen. Wenn Deine Mum das für sich akzeptiert und tatsächlich davor resigniert hat, wird kaum Jemand etwas gegen ihre Selbstaufgabe machen können. Versuchs wenn es Dir so viel bedeutet, gib die Hoffnung nicht auf wenn sie Dich trägt, aber pass auch auf, daß Du Dich selbst nicht mit runterreißen läßt.

    Alles Liebe

    Kaleu

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