Am Beginn eines langen Weges

  • Hallo Lena, deliaaurora, Samsara, Prinzessin? und alle Andren!

    Ich bin in den vergangenen Tagen nicht recht zum Schreiben gekommen da ich viel gearbeitet habe (auch jetzt schreibe ich aus dem Dienst), aber gelesen hab ich immer viel im Forum. Mir geht es gut; das Arbeiten macht sogar Spaß, ich merke daß ich viel mehr Kraft habe als früher. Wenn ich dies hier fertig geschrieben habe werde ich für die 24 Bewohner/innen des Hauses hier und die Kollegen kochen :)

    @ deliaaurora: nein, verantwortlich fühle ich mich nicht für den Abstieg der Frau, aber es betrifft mich schon emotional mit – jedenfalls soweit, daß ich mich ab einem gewissen Punkt abgrenzen werde. Und es macht natürlich schon traurig. Aber das ist nicht mein Weg sondern ihrer, und ein weg der nach vorn gehen würde wäre auch etwas das sie selbst beschreiten müßte – da kann ich wenig tun.

    @ Samsara: ich sehe es ebenso. Leider ist es mit der Fähigkeit zur Selbstreflexion bei ihr nicht weit her, ich sehe keine große Basis für etwas Gemeinsames. Aber das wird die Zeit zeigen. Für mich ist es wichtig, daß ich unter der ganzen Situation nicht mehr sehr leide; das ist ein Zeichen dafür, daß ich meinen Schwerpunkt in mir selbst habe und nicht außerhalb von mir in jemand anderem. Um dahin zu kommen habe ich lange gebraucht.

    Im Mittelpunkt steht bei mir ohnehin eher die berufliche Situation, die Verhandlungen über einen Wechsel an einen Arbeitsplatz ohne Schichtdienst, damit ich mehr zeitliche Stabilität und einen verläßlicheren Rahmen in mein Leben hineinbekomme und einfach mehr Raum bekomme für Dinge die anstehen und mir wichtig sind, vor allem den Besuch einer Zen-Gruppe. Das wird ein längerer Prozeß werden… aber wenn ich irgendwas habe ist das Geduld. Es soll ja auch schließlich keine Notlösung sein sondern irgend etwas Interessantes, was ich dann die mir noch verbleibenden 16,17 Jahre bis zur Rente mache.

    Ich hab öfters mal den Gedanken in letzter Zeit: was ich jetzt gestalte ist das letzte Drittel meines Lebens (meines Arbeitslebens und meiner Existenz als Mensch hier gleichermaßen). Und das sollte ich behutsam und umsichtig tun. Es sollte eine Zeit der Ernte sein. Es ist eine Aufgabe die mir Freude macht wenn ich sie in diesem Licht sehe.

    Allen einen lieben Gruß! Frank

  • Hallo Frank,

    aus Deinen Beiträgen kann ich viele Anregungen für mich mitnehmen - Danke :)

    Auch diese Überlegungen finde ich wichtig, da wir altersmäßig nicht sooo weit voneinander entfernt sind:

    Zitat

    was ich jetzt gestalte ist das letzte Drittel meines Lebens (meines Arbeitslebens und meiner Existenz als Mensch hier gleichermaßen). Und das sollte ich behutsam und umsichtig tun. Es sollte eine Zeit der Ernte sein.

    Ich bin ebenfalls dabei, mir neben der Arbeit weitere Betätigungsfelder zu suchen, in denen ich noch Ziele/Ideen/Visionen verwirklichen kann, die mir am Herzen liegen.
    Einer der Schwerpunkte liegt bei mir im kreativen Bereich - ein wichtiger Gegenpol zu einer sehr hierarchisch strukturierten Arbeit mit wenig Potenzial für Kreativität.

    Zitat

    vor allem den Besuch einer Zen-Gruppe.

    Wie bei der Auswahl einer geeigneten SHG ist es aus meiner Sicht wichtig, dass der Praktizierende Vertrauen in die Gruppe entwickelt und sich dort gut aufgehoben fühlt. Schließlich kommen auch dort nur Menschen zusammen - mit all dem, was sie eben so mitbringen. In dieser Hinsicht habe ich selbst sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, bis ich nach Eisenbuch kam.

    Ich wünsche Dir vor allem viel Erfolg bei der Umstellung der beruflichen Weichen.

    Herzliche Grüße,
    Samsara

    Das Beste geschieht JETZT!

  • Hallo liebe Wegbegleiter (Samsara, das ist ein sehr schöner Ausdruck, den klau ich mir einfach mal :) ),

    Im Moment ist bei mir angesagt: Arbeit Arbeit Arbeit & Arbeit. Die Vorweihnachtszeit ist in meinem Job immer recht intensiv, dazu kommt ein komisch gemachter Dienstplan - immer (selten) mal 1 freier Tag statt zwei...

    Umso wichtiger auf eine gute Balance zu achten und die ruhigen Momente zum Auftanken zu nutzen. Daß ich das im vergangenen Herbst/Winter nur noch mit Alkohol konnte hat mich an den Rand meiner Kraft getrieben. Was vielleicht gut war, denn die Gesamtsituation hat mich in die Suchtberatung, dann in die Entgiftung und dann in die LZT gebracht.

    Heut hab ich viel mehr Kraft: dank meiner Nüchternheit und meinem inzwischen recht entwickeltem Sinn für mich selbst. Ich kann auf mich aufpassen und gut für mich sorgen. Und drum geht das auch für Andre - Behinderte, meine Kinder...

    Und darum gehts mir unterm Strich: gut.

    LG! Frank

  • Lieber Frank,

    ich finde den Begriff *Wegbegleiter* auch treffend, denn wir begleiten uns ja hier ein Stück auf unseren jeweiligen Wegen.

    Deine kurze Rückschau liest sich für mich so, dass Du auf einem heilsamen Weg zu Dir selbst unterwegs bist. Denn nur wenn Du selbst stabil bist (und dafür sorgst Du selbst), kannst Du auch für andere da sein.

    Dir einen schönen Tag,
    Samsara

    Das Beste geschieht JETZT!

  • Hallo liebe Forumsmitglieder,

    heute vor einem Jahr bin ich in die dreiwöchige Entgiftung gegangen - insofern ist der 12.12. schon ein recht denkwürdiger Tag für mich, auch wenn es noch nicht der "1. Trockengeburtstag" ist. Und das Jahr, das zwischen diesem Tag und heute liegt, war auch ein denkwürdiges, voll von äußeren und - vor allem - inneren Erfahrungen. Da ich heute sogar einmal einen freien Tag hatte gab es Gelegenheit genug diese Zeit noch einmal Revue passieren zu lassen, auch dadurch daß ich mir die Tagebuchaufzeichnungen aus der Entgiftung noch einmal durchlas... ich führe seitdem fast täglich Tagebuch.

    Und da dies Buch fast voll ist bin ich in die Stadt gefahren und habe mir ein wunderschönes neues Buch für meine Aufzeichnungen gegönnt, als eine kleine Belohnung von mir an mich :) und werd nun gucken ob ich zeitig werd schlafen können, denn morgen wartet ein Frühdienst auf mich. Mit anschließender Dienstbesprechung. Kein Hobby von mir...

    Aber nüchtern geht vieles was früher eine Qual war. Auch eine der Lehren aus diesem Jahr.

    Ich wünsch euch allen einen guten Abend und sag LG, Frank

  • Lieber Frank,

    ich finde es super, dass Dir Deine weiteren Aufzeichnungen ein ganz besonders schönes Buch wert sind, denn sie dokumentieren ja auch Deinen Weg.
    Schön, dass Du Dir dieses Geschenk gemacht hast :)

    Einen entspannten Abend wünsche ich Dir,

    Samsara

    Das Beste geschieht JETZT!

  • Hallo sternenhimmel, danke für die Blumen...

    über das Phänomen der Co-Abhängigkeit habe ich schon recht ausgiebig nachgedacht, auch auf mich bezogen; letztlich habe ich es dann aber verneint, was meine ganz persönliche Gefühlslage angeht.

    Was ich gesehen habe ist allerdings, daß da eine emotionale Abhängigkeit bei mir entstanden war was diese Katastrophenbeziehung anging -- daß die Frau nun auch noch Alkoholikerin war/ist (zusätzlich zu all ihren anderen Eigenarten und Problemen), das ist Zufall gewesen.

    Mittlerweile hat sich das alles gottseidank beruhigt, mehr als ein bißchen Bedauern daß es nicht anders laufen konnte ist nicht mehr in mir; aber das hat ja auch, alles in allem, über zwei Jahre gedauert.

    Dafür hab ich mich allerdings auch in sehr tiefen Schichten meiner Persönlichkeit weiterentwickeln können - da wo ich entsprechend tief feststeckte.

    LG! Frank

  • glück auf frank

    Zitat von garcia

    Dafür hab ich mich allerdings auch in sehr tiefen Schichten meiner Persönlichkeit weiterentwickeln können - da wo ich entsprechend tief feststeckte.

    das wertvollste "geschenk"? - du hast s dir selber geschenkt.

    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Hallo ihr Lieben,

    ich schreibe ja wenig bei mir selbst - es gibt einfach wenig zu berichten. Eben viel Arbeit und der Rest ist Ausspannen. Ich hab eine neue Liebe, barocke Kirchenmusik (ja das geht auch als Buddhist), die einer Anregung von Jonas (aka. C52OH oder so ähnlich) geschuldet ist, mehr darüber hab ich dort geschrieben... wens interessiert lese dort weiter (lohnt sich eh sehr).

    silberkralle : ja, ich hab mir da ein sehr wertvolles Geschenk gemacht, bloß es auch annehmen zu können das war sehr bitter und schwer und hat lang lang gedauert. Aber jetzt hab ichs ausgewickelt und drinnen war: " komm selber klar du kannst es doch". Manchmal hab ich Sehnsucht. Das ist das Bittre. Aber ja ich kanns. Das ist der Zuckerkern...

    Ich schreib gerad wenig aber ich bin verdammt dankbar daß es euch alle hier gibt. Könnt ihr mir glauben. Denn lesen: das tu ich immer und viel.

    LG Frank

  • Hallo Frank,

    es gibt so Phasen -besonders dann, wenn sich im Innen nicht so viel tut- , da schreibe ich auch nicht viel. Das macht nichts, denn es gibt ja keinen Schreibzwang :)

    Es ist eine tolle Erkenntnis, dass wir wesentlich mehr können, als wir uns zutrauen.

    Yes, we can :wink:

    Ich wünsche Dir einen schönen Abend, vielleicht mit barocker Kirchenmusik?

    Samsara

    Das Beste geschieht JETZT!

  • Danke Samsara - den schönen Abend hab ich gehabt. Ja mit der barocken Kirchenmusik, die auf irgendeine, mir selbst nicht klare Weise meine eigene so ganz andre religiöse Praxis befruchtet...

    So fremd mir diese christliche Sichtweise auch ist und bleiben wird, das gemeinsame Thema scheint mir der Umgang mit dem Leiden zu sein. Das menschliche Grundthema um das sich alles dreht.

    Übermorgen kommen die beiden Katzen von meinem Freund für 2 Wochen. Die werden wieder ne Zeit brauchen bis sie damit klarkommen woanders zu sein und sie werden sich erstmal unwohl fühlen. Aber sie werden nicht "leiden", denn leiden fängt im Kopf an... sie werden eben leben, und nach n paar Tagen werden sie merken daß das hier ganz nett geht.

    Katzen grübeln eben nicht. Das haben sie uns voraus.

    Also werd ich von den beiden lernen und gucken daß sies schön haben hier. Darauf freu ich mich sehr.

    LG Frank

  • glück auf frank

    Zitat von garcia

    barocke Kirchenmusik

    ich bewundere die kraft und das zusammenklingen der einzelnen instrumente (gesang mag ich weniger).

    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Hallo liebe Wegbegleiter,

    heute hatte ich Spätdienst; auf dem Nachhauseweg sind ich und die Frau, mit der ich zweieinhalb Jahre so etwas wie zusammen war, uns über den Weg gelaufen. Ich hatte seit Wochen nichts von ihr gehört und hatte mich in dieser Zeit geistig und emotional dahin bewegt daß ein weiterer Kontakt sinnlos ist - was soll ich auch in meinem Leben mit jemanden anfangen der noch trinkt, nicht mit mir spricht, immer diese Achterbahn...

    Sie sagte mir dann von sich aus daß sie ebenfalls keinen Kontakt mehr möchte. Dieses Hin und Her belastete sie ja auch sehr. Also sagte sie das was auch ich mir überlegt hatte und was wohl auch die einzige Lösung für uns ist. Und so haben wir uns verabschiedet - nur ein paar Sachen die ich noch bei ihr habe muß ich mir noch abholen die Tage.

    Also bin ich im Prinzip eine Riesenbelastung los. Aber trotzdem bin ich sehr, sehr traurig; vor allem darüber daß aus dieser ganzen Zeit nicht einmal so etwas wie ein freundschaftlicher Kontakt übrigbleibt. Es ist beides irgendwie: eine Befreiung aus einer vollkommen destruktiven Geschichte, aber auch ein zwischenmenschlicher Supergau, irgendwie...

    Ich hab wirklich alles was ich konnte dafür getan daß aus alldem irgendetwas letztlich Positives erwächst. Es hat nicht gereicht. So ist das eben. Vielleicht bin ich irgendwann erleichtert. Aber jetzt und hier bin ich einfach nur traurig. Einfach nur das.

    LG Frank

  • Lieber Frank,

    auch wenn Du auf der einen Seite erleichtert bist, bleibt eine Trennung eine Trennung mit allem, was dazu gehört. Es ist gleichzeitig auch ein Scheitern von Träumen und Wünschen, die Du einmal mit dieser Beziehung in Verbindung gebracht hast.

    Lass Dir die Zeit, die Du zum Trauern brauchst - es ist keine Schande, in dieser Situation traurig zu sein.

    Zitat

    Ich hab wirklich alles was ich konnte dafür getan daß aus alldem irgendetwas letztlich Positives erwächst

    Es nützt nichts, wenn Du alles dafür getan hast und die Gegenseite es nicht annehmen konnte (oder wollte) - auch das ist leider eine traurige Erkenntnis.

    Ich schicke Dir einen lieben Gruß,
    Samsara

    Das Beste geschieht JETZT!

  • Lieber Frank,

    ich weiß, dass Worte in Deiner Situation nur sehr bedingt Trost spenden können, aber manchmal hilft das Wissen, dass man verstanden wird in seiner Trauer. Hoffentlich konntest Du trotzdem ein wenig Schlaf finden.

    Ich wünsche Dir heute einen achtsamen Tag - schau,was Dir gerade jetzt guttut.

    Samsara

    Das Beste geschieht JETZT!

  • Ja, Samsara, ich werd gucken was mir guttut. Eines weiß ich schon: Ich werde mich für morgen mal krankmelden. Das wäre ein Hammerfrühdienst geworden und das muß ich jetzt nicht auch noch haben... und am Sonntag geh ich dann wieder arbeiten und freu mich auch drauf. Was zu tun. Aktiv zu werden. Das ist was Gutes.

    Ich freue mich sehr darüber daß du so Anteil nimmst an dem was mich hier umtreibt --- ich danke dir sehr dafür. Die Nacht war nicht lang aber ich hab heut frei und kann ja schlafen wie ich möchte.

    Drück dich mal LG Frank

  • Lieber Frank,

    es tut mir leid, das es jetzt zu dieser Trennung gekommen ist. Auch wenn es für dich absehbar war, ist es schade, das auch ein freundschaftlicher Kontakt nicht möglich zu sein scheint. Das tut sehr weh und braucht Zeit....nimm dir die/ deine Zeit zum trauern und versuche gerade jetzt besonders achtsam auf dich zu gucken, was du brauchst und was dir hilft.

    Es fällt mir schwer die richtigen Worte zu finden....darum schicke ich dir liebe Gedanken und drücke dich ganz doll....

    Ich denke an dich, Gruß Lena

  • Hallo Frank,

    lass Dir bitte Zeit und geh gut mit Dir um.
    Loslassen kann sehr viel Energie erfordern.
    Ein bewusstes "Weniger" für ein paar Wochen kann helfen.

    Ich wünsche Dir eine gute Zeit
    Correns

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