Mrs T beschließt zu leben

  • Hey TT,

    vielleicht entwickelst du dich zu der Frau, die mehr Ruhe braucht, um die sein zu können, die du bist?

    Ich kenne einiges von dem, was du bisher geschrieben hast. Für mich sind Feste mit vielen Menschen, die durcheinander reden und laut sind schier nicht zu ertragen. Es sind die vielen Eindrücke, die mich verstummen lassen.

    Ich bin gespannt auf deinen Weg.

    Liebe Grüße Margit

  • Guten Morgen Linde, Guten Morgen Wacholderfrau,

    ich habe eure Worte wirken lassen und nochmal darüber nachgedacht.

    Ich flüchte im Moment vor den Bedürfnissen der anderen und bin auf der Suche nach meinen.
    Ja, so passt es.
    Ich flüchte nicht vor dem Lärm von Maschinen, sondern vor den Wünschen, dem Wollen, dem Lautsein anderer Menschen.

    Es geht sehr schnell, dass ich mich in dem Wollen eines anderen verliere. Es gibt einen roten Faden in meinem Leben, dem ich folge. Da weiß ich genau, was ich will. Aber bei den kleinen Dingen, den Zwischentönen, habe ich das Gefühl, dass ich viel zu oft "Ach, ist jetzt egal" gesagt habe. Viel zu oft. Meine Bedürfnisse sind da, aber nicht so greifbar. Eher wie ein Schwarm Vögel oder Schmetterlinge. Mal setzt sich das eine, fliegt wieder auf, dann das andere. Leicht aufzuscheuchen, leicht zu vertreiben.

    Euch einen schönen Wochenstart,
    TT

  • Liebe TT,

    richtig schön, wie du das beschrieben hast. Ich glaube, wenn du das so klar erkennst, ist das die Grundlage bzw. ein ganz großer Schritt, deine eigenen Grenzen und Bedürfnisse zu erkennen und ernst zu nehmen. Und da du geschrieben hast:
    ...habe das Gefühl, dass ich viel zu oft "Ach, ist jetzt egal" gesagt habe...
    hast du wohl schon damit angefangen.

    Lieben Gruß von Margit

  • Hallo Matthias, hallo an alle..

    Danke!

    Es ist wirklich sehr bescheiden, was ich bisher zustande gebracht habe, um zu meiner Nüchternheit zu stehen. Gestern wieder ein Versuch. Immerhin. Ich bekomme Worte heraus. Ich bin verbal wirklich schwach. Ich werde schnell überhört. Aber: Einfach weiter.

    Heute bin ich 2 Monate trocken.

    Da das Wetter so schön ist, sind wir viel draußen. Ich habe begonnen, Menschen zu beobachten, die nüchtern sind. Erst sind mir die aufgefallen, die mit ihren Flaschen an den See und in den Park kommen und dort trinken. Aber das kenne ich ja schon. Also habe ich einen Filter über meine Wahrnehmung laufen lassen: Alle, die nicht trinken. Was tun sie? Gefällt mir das? Was will ich davon auch? Das macht mir Spaß. Ich habe jetzt schön lange frei und werde heute damit weitermachen.

    Gestern eine sehr gute Nachricht: Meine Jobsache ist nun ganz erledigt. Es ist erfolgreich über die Bühne gegangen. Dann: Verlangen. Das war mir klar, dass das so kommt. Erfolg=Anstossen. Die Autobahn in meinem Kopf ist 6-spurig und gut ausgebaut. Ich war darauf vorbereitet. Nach einer Jogging-Einheit und einem Teller Nudeln war es wieder gut. Dankenswerterweise ist die Freude, wenn auch abgeschwächt, bei mir geblieben, eben ein wenig leiser.

    Sonnige Tage wünscht
    TT

  • Hallo TT,

    herzlichen Glückwunsch - zu deinem Job und zu deiner Freude. Gut, dass du darauf vorbereitet warst und gut, wie du mit dem Verlangen umgegangen bist.

    ...ich bin verbal schwach. Ich werde schnell überhört...

    Mir kam spontan ein Gedanke, den ich gerne mitteilen möchte. Wenn ich selbst auf mich nicht höre, ist mir schon aufgefallen, dass mich andere auch nicht hören, zumindest nicht so, wie ich es gerne hätte. Ähnlich ist es mit Ernst nehmen, wenn ich mich selbst nicht Ernst nehme...

    Zwei Monate sind super!

    Liebe Grüße von Margit

  • glück auf tt

    Zitat von TwoTimes

    Heute bin ich 2 Monate trocken.
    ...
    Meine Jobsache ist nun ganz erledigt. Es ist erfolgreich über die Bühne gegangen.

    schon wieder ne gratulation

    Zitat von TwoTimes

    Die Autobahn in meinem Kopf ist 6-spurig und gut ausgebaut. Ich war darauf vorbereitet.

    gut, dass du ne "ausfahrt" dabei hast:

    Zitat von TwoTimes

    Nach einer Jogging-Einheit und einem Teller Nudeln war es wieder gut.

    n apfel vom baum der erkenntnis

    Zitat von TwoTimes

    Ich werde schnell überhört.

    lauter reden? oder vorher n wasserglas zerkloppen?

    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Hi TT, "verbal wirklich schwach" daran glaub ich nicht. Die Andren können ja mal hinhörn hm? Wärst du "verbal wirklich schwach" würdst du nicht so schreiben wie dus tust. Das war jetzt ein Kompliment. Und es war gemeint wie ichs geschrieben hab

  • Hallo Margit, Matthias und Frank, hallo Forum,


    Frank, vielen Dank für dein Kompliment.

    Mich beschäftigt die Frage, aus welchen Gründen dieses Thema, also meine Introvertiertheit so sehr mit der beginnenden Abstinenz verknüpft ist. Ich schreibe und rede sonst nie darüber, nicht im Internet, nicht im realen Leben. Ausschließlich hier. Das ist schon beachtenswert für mich.

    Abstinenz bedeutet ja letztlich:Keinen Rückzugsort in künstliche Welten mehr haben. Vielleicht deshalb.

    Seit ich mit 3 Jahren auf andere Menschen außerhalb meiner Familie getroffen bin, falle ich damit negativ auf. In der Schule bekam ich für mündliche Mitarbeit regelmäßig ein "ausreichend". Ich war zu langsam. Immer. Während ich über meine Antwort nachdachte, hatte ein anderes Kind längst die Antwort in die Klasse gerufen, da war ich noch lange nicht soweit mich überhaupt zu melden. Meine schriftlichen Noten waren sehr gut bis gut und so setzten sich meine Zeugnisnoten zusammen. Manche Lehrerinnen verstanden mich, und so war am Ende "immer gut".

    "Es", also mein Handicap hat nichts in meinem Leben verhindert. Ich habe damit studiert, Vorstellungsgespräche erfolgreich gemeistert. Aber: Auf 4 erfolgreiche Vorstellungsgespräche kommen 30 abgesagte, 20 mal kurz vor der Tür umgedreht, 10 mal so aufgeregt und in kurzen Sätzen gesprochen, dass es einfach für alle Beteiligten eine Qual war.

    Und dann taucht das "Warum" auf. Warum tue ich mir das an? Warum konnte ich nicht einfach einen Handwerksberuf lernen, dabei bleiben und bis zur Rente meine Ruhe haben.

    Und was hat das alles mit "jetzt und heute" zu tun? Wenn ich nachher in eine Straßenbahn steige, gibt es einen Moment der Konzentration "Sprich laut und deutlich aus, welche Fahrkarte du möchtest"
    Sage ich mir das vorher nicht, bekomme ich entweder die falsche Karte oder der Fahrer wird ungeduldig, weil er mich nicht verstanden hat.

    Und es gibt keinen Lerneffekt. Das ist es wohl. Meine Natur ist leise. Jeden Morgen aufs Neue ist wieder alles auf Zero gestellt.

    LG
    TT

  • Hallo, TT,
    Introvertiertheit ist kein "Handicap". Es ist eine Art zu sein. (für mich: eine angenehme). Du sagsts ja selbst: "meine Natur ist leise". Lebe sie, es ist DEINE. Wir leben in einer Kultur in der man damit oft nicht recht durchdringt. Das ist manchmal schwer. Kenn ich gut!. Es ist die Art Kultur in der Massenbesäufnisse wie zB nach Fußballspielen als Errungenschaft gelten, Leistung religiösen Charakter bekommt ebenso wie Konsum. Eine kranke Gesellschaft. Eine Suchtgesellschaft.
    Ich wünsch dir die Kraft sein zu können und zu wollen wie du bist: den Sinn für Zwischentöne zu bewahren und deine Sensibilität pflegen und genießen zu können. Das braucht eine (zu) laute Welt. Und seis als Gegengewicht. Ich finde das gesund - und nicht "fehlerhaft", gar nicht. Wünsch dir einen schönen Tag

  • Das Leise

    Warum singst du noch
    dein leises Lied,
    da doch die Posaunen schon erklingen ?

    Warum zieht es dich
    zu stillen Dingen ?

    Ihrer Stärke mangelt die Gewalt.

    Nicht der Dämon der die Welt umkrallt.

    Leises wird den letzten Sieg erringen.

  • Hallo Frank, Marion und Margit,

    vielen Dank für euer Feedback. Es hilft mir. Es macht mir Mut. Etwas in meinem Denken verändert sich. So eine Art Gedankenanstoss, die Dinge (und mich) etwas positiver zu sehen. Danke!!

    Ich habe heute mit einem Buch begonnen, das sich mit Einsamkeit beschäftigt. Es scheint gut zu sein, denn mit ein paar kleinen Übungen, mit Stift und Papier, war ich tatsächlich an den ja erst in den letzten 5 Jahren entstandenen Gründen meiner zunehmenden Isolation.

    Durch den Jobwechsel neben dem Homeoffice zurück in ein kollegiales Umfeld werde ich wieder Arbeitskolleginnen haben. Darauf freue ich mich sehr.

    Ansonsten schweben in meinem Kopf Begriffe wie Vereinsleben und dergleichen. Das wäre bestimmt gut für mich. Nur ist das noch eine sehr abstrakte Idee. Interessen habe ich viele. Aber noch keine Idee, in was ich mich einbinden möchte.

    Der partnerschaftliche Bereich taucht natürlich auch immer wieder in meinen Gedanken auf. Ich schiebe ihn wieder zurück, weil ich erst die anderen Bereiche strukurieren möchte. Erfahrungsgemäß ist Partnerschaft für mich auch immer mit Stress verbunden. Ein Mann um die 40 wird in keiner Hinsicht ein unbeschriebenes Blatt sein. Ich bin noch zu instabil. Also das andere zuerst.

    Soweit, ich wünsche allen ein schönes Wochenende,
    Liebe Grüße TT :D

  • Guten Morgen,

    ich bin wieder ein Stück weitergekommen. Das Einsamkeitsbuch rät, davon abzukommen, immer mehr vom gleichen zu versuchen, wenn es nicht erfolgreich ist. Das fand ich einleuchtend. Und ich habe mich auch ertappt gefühlt. Typisch für mich ist, mir viele Hobbys zuzulegen, und dann zu sagen "Ich bin aktiv, ich gehe raus, ich mache doch ganz viel. Das stimmt. Alles Aktivitäten, für die ich niemand brauche. Ich brauch niemand. Das ist mein Satz. Er stimmt aber nicht. Ich brauche sehr wohl andere Menschen und ich vermisse sie auch.

    Also habe ich mir eine kleine "to do" Liste geschrieben. Eine Schnupperliste mit einem Sport-Angebot, einem Musikangebot, 2 SHG's. Die werde ich abarbeiten unter dem Aspekt "erstmal anschauen, mehr nicht". Allen Aktivitäten ist gleich, dass man sie eben nicht allein machen kann.

    In der Abstinenz gehts mir täglich besser. Ich merke, dass ohne Alkohol alles leichter ist. Auf jeder Sektfalsche, die ich getrunken habe, stand "Du brauchst mich". Das ist noch so eine Lüge. Das stimmt nicht. Wahr ist, ich brauche vieles, aber ganz sicher keine Alkohol. Gefühl dazu: Positiv!

    Liebe Grüße
    TT

  • Hallo TT,

    du erinnerst mich an mich. :)

    Gehst die Sache systematisch an: Erst lesen, dann nachdenken, erkennen, wieder nachdenken, Lösungen suchen, direkt handeln......

    Cooooool !!!

    Bin gespannt was dir alles gut tun wird.

    Schönen Sonntag :)

    Marion

  • Guten Morgen TT,

    es ist schön, deine Gedanken und deine Gefühle mitzubekommen. In mir ensteht beim Lesen ein stimmungsvolles Bild vn dir.
    Ich habe den Eindruck, du gehst sehr sorgfältig mit dir und dem, was du ändern möchtest um.

    Bei mir gibt es (auch) viele Dinge, für die ich niemand brauche, weil ich gerne mit mir alleine bin, weil ich gerne allein in der Natur bin, weil ich viel schreibe und lese. Aber ich weiß auch, dass ich andere Menschen brauche, dass ich sie wirklich zum Leben brauche, weil ich kein Einzelwesen bin. Ich kann jedoch nicht täglich mit Anderen zusammensitzen oder etwas unternehmen, auch wenn es die liebsten Menschen sind, die ich kenne, wenn ich meine Balance, was Kontakte, Nähe, Unternehmungen und das, was ich für meine Ruhe, meine Stille, meine Ausgewogenheit brauche, nicht halte, geht es mir nach einer Weile nicht mehr gut. Und das waren dann die Momente, in denen ich trinken musste, um scheinbar zur Ruhe zu kommen und mich wegzumachen.

    Ich habe für mich gelernt, dass es mir gut geht, wenn ich mich lasse, wenn ich mich sein lasse und vor allem, wenn ich mir zugestehe, so zu sein, wie ich bin.

    Ich freue mich, weiter von dir zu hören, zu lesen und vor allem freue ich mich auf dich.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Margit

  • Hallo TT,

    du beschäftigst dich grad mit dem Thema was in meinem Kopf am meisten rumcrusiert-Das Projekt Einsamkeitsbewältigung- ächz. Mich würde mal interessieren welches Buch du da liest? Kannst du es empfehlen? Hört sich zumindest schonmal danach an...

    Einen schönen Sonntag dir!

    LG, S.

  • Hallo Marion,

    ich bin auch gespannt. Ich war vor ein paar Jahren zweimal beim Chor (Rock/Pop) schnuppern, aber der war mit zu klein (10 Teilnehmer). Da war nichts mit "in der letzten Reihe verstecken" und erstmal ankommen. Wir wurden eingeteilt und ich war dann schön mit einer Frau in einer Stimmlage und musste gleich richtig laut singen :shock:

    Deswegen, werde ich diesmal mit einem Instrument in einen Anfänger- Kurs gehen :wink:

    Hallo Margit,

    ja, ich bin ja auch viel allein mit mir unterwegs und genieße das sehr. Du hast so schön von Balance geschrieben. Genau darum gehts mir. Die wieder herzustellen. Kontakt mit anderen zu haben, dann wieder Kontakt mit mir. Sich wieder trauen, einen Menschen anzurufen, bei Kummer. Und auch wieder etwas geben können: Menschen einladen, für sie kochen, zusammen sein.

    Hallo Steffi und Frank,

    das Buch heißt: Wege finden aus der Einsamkeit (Baer)

    Es ist ein kleines, leises, annehmendes Buch. Das hat mir gut gefallen. Viele Ratgeber zum Thema Einsamkeit haben den Tenor: Zuerst lernen mit sich zu sein, dann mit anderen. Das hilft mir nicht. Da möchte ich antworten: Das kann ich. Und zwar so gut, dass ich im Zweifel immer mich wähle, wenn ich etwas möchte.
    Ich habe durch Lebensumstände und das Trinken verlernt, mit anderen zu sein, ansprechbar zu sein, offen zu sein.

    Liebe Grüße
    TT

  • Hey TT,

    vielen dank für den Tip. Habs mir direkt bestellt und bin gespannt. Werd dir mal berrichten wie ichs find, aber bekomme es erst nächste woche...

    Einen energiereichen Wochenstart dir!

    Bis später,
    LG, S.

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