Beiträge von Wacholderfrau

    8 Monate und 2 Tage bin ich jetzt trocken. Darf ich schon trocken sagen?

    Lieber Nayouk,

    herzlichen Glückwunsch.

    Trocken oder abstinent, völlig wurscht, solange du nicht von geheilt sprichst. Ich spreche meist von meinem trockenen Leben, Saufen vs trockenes Leben, das passt für mich.

    Ich lese deine Beiträge sehr gern, und wie du dich im offenen Bereich einbringst ist wirklich beeindruckend. Schön, dass du hier bist.

    Wacholdergrüße

    Guten Morgen,

    Vielleicht ist das Leben tatsächlich ein Puzzle…..viele kleine Teile ergeben ein Ganzes. Wenn mein Puzzle mal irgendwann fertig ist, möchte ich gern sagen, dass ich ohne Rückfall nüchtern geblieben bin. Das ist mein größter Wunsch für mich.

    Ich wünsche dir sehr, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.

    Es gibt Wünsche, an die man glauben und hoffen kann, dass sie in Erfüllung gehen. Bei diesem Wunsch ist es ein bisschen anders, es liegt an dir selbst, ob du nüchtern bleibst. Und an mir, an jedem von uns hier.

    Ein trockener Alkoholiker hat sehr viel Möglichkeiten, für sich und sein Wohl, für sein trockenes Leben zu sorgen.

    Das ist ein sehr schöner Satz. Er gibt einem Perspektive bis zum Schluss, komme da was wolle.

    Der kommt in meine Sammlung.

    In meine auch, Nayouk, und deiner gleich dazu.

    Danke euch beiden.

    Liebe Grüße, W

    Ach ja...

    Mein erster Gedanke dazu war, dann ist das Leben vorbei.

    ...das glaube ich auch

    Hallo, danke an alle, die hier reingeschaut haben.

    Auch, dass du hier bist. Ich lese dich gern.

    Hi Stern, und so geht es mir mit dir

    Ich spreche ja auch von einem neuen Leben….von meinem neuen nüchternen Leben.

    Das ist ja auch total schön, und es stimmt ja auch so.

    Bei mir wäre das "alte Leben" nicht mehr weitergegangen, am Ende der ersten Saufphase (ich habe nicht kultiviert die Gläschen getrunken, ich hab sie in mich hineingeschüttet, um möglichst schnell Wirkung zu spüren), und am Ende der zweiten war auch nichts mehr lustig.

    Warum ich es für mich anders formuliere? Weil mir so deutlich bewusst ist, dass das eine, das neue nüchterne Leben, ohne das andere nicht möglich wäre.

    Was ich interessant finde, Stern, ist, ich fühle mich irgendwie wie ein Puzzle, in dem sich alles zusammenfügt, die von Gewalt geprägte Kindheit, meine Ehe, die Geburt meiner Kinder, die mir sehr viel bedeuten, meine Arbeit, meine Alkoholabhängigkeit und die Trockenheit, alles, alles.

    Ich denke über diese Puzzleteile gar nicht nach, es fühlt sich einfach so an, und es sind so viele bereits. Aber vollständig ist es nicht, das spüre ich auch. Gespannt bin ich ein wenig, was da wohl noch auf mich zukommt, aber nicht so doll, lass mich mal überraschen, und vor allem was passiert, wenn das Ding voll ist, wenn kein Teil mehr fehlt...

    Ich wünsche einen schönen Abend, W.

    Hallo,

    6 Wochen bin ich wieder hier im Forum, ich freue mich darüber, weil der Austausch und das Lesen eine echte Bereicherung für mich ist.

    Immer wieder erschrecken mich Beiträge und es verschlägt mir die Sprache. Aber es ist die Realität, dass Alkoholabhängigkeit brutal zerstörerisch ist und Angehörige mit in den Abgrund reißt mitsamt dem Leben der Kinder, die (vielleicht) noch liebevoll in die Welt gesetzt wurden. Die Angehörigen haben die Wahl und könn(t)en entscheiden - auch wenn das schwierig ist -, die Kinder sind ausgeliefert.

    Aber diese Beiträge gehören dazu, wie auch die der Alkoholiker dazu gehören, die ihr Leben ändern wollen.

    Im Moment habe ich nicht das Gefühl, etwas ändern zu wollen, weil es mir einfach nur klasse geht. Ich fühle mich wohl in meiner Haut, auch wenn die schon älter ist, Macht nix. Ein trockenes Leben kann sehr erfüllend sein, und so fühle ich mich auch zurzeit.

    Gut möglich, dass ich mich hier wiederhole mit dem, wie schön ich mein Leben finde und wie gut es mir geht. Aber das mute ich denen zu, die hier reinschauen. Ich schreibe auch oft vom Rückfall nach 12 Jahren oder von dem, wie besch... es mir lange Zeit - mit oder ohne Alkohol - gegangen ist.

    Wichtig ist mir, wie es jetzt ist, darum geht es mir heute!

    Manchmal höre ich von Alkoholikern, dass sie ein neues Leben mit der Trockenheit begonnen haben. Ich kann das für mich nicht so benennen, weil ich nur dieses Leben habe und weil alles zu mir gehört, all das, was ich erlebt und erfahren habe, die schwierige Zeit und die schöne, all das macht mich aus, wie ich heute bin.

    Ich genieße den Ausklang des Sommers, die Sommerkleider, die ich gern trage und freue mich, so schön und lange Fahrrad fahren und an den schönen Plätzen am Fluss mit meinem Buch sitzen zu können. Was will ich mehr?!

    Liebe Grüße von Wacholderfrau

    Hallo Bobby,

    4 Wochen keinen Alkohol sind super!

    an den Bahnsteigen viel trinkende Menschen in fröhlicher Stimmung. Bisschen gewurmt hat mich das

    Bin halt noch sehr fixiert auf trinkende Menschen…..

    Ich finde dich sehr ehrlich mit diesen Aussagen, und ich finde, sie sind wichtig, damit du weitere Schritte für deine Trockenheit gehen kannst.

    Die Frage, warum dich das gewurmt hat und warum du fixiert bist, erübrigt sich, denn du bist Alkoholiker. Die Frage, wie du weiterhin damit umgehen möchtest und solche Situationen nach Möglichkeit vermeidest, ist sehr wichtig.

    Pass auf dich auf, Bobby. Und nimmt dich ernst. Solche Begegnungen können schnell triggern.

    Lieben Gruß, Wacholder

    Hallo Schmidtty,

    ich habe das Bedürfnis, dir den Rücken zu stärken.

    Klare Ansagen fallen mir schwer.

    dann beginne mit kleinen Ansagen. Ein kleines Wort reicht: Nein!

    Leider gelingt mir das nicht gut, weil ich immer denke, ich bin denen was schuldig, nachdem ich sie jahrelang mit meiner Trinkerei belastet habe.

    Ich sehe es nicht so, dass du ihnen etwas schuldig bist. Auch wenn du deine Familie mit dem Trinken belastet hast, bist du ihnen nichts schuldig. Eine Wiedergutmachung, indem sie dich schikanieren dürfen? Du dir alles gefallen lassen musst? Geld geben, wenn es gefordert wird? Nein! Das musst du nicht.

    Ich bin entsetzt, dass ist total übergriffig, entwürdigend und demütigend. Das würde ich mir nicht bieten lassen. Auf die Idee wäre ich im Leben nicht gekommen. Es ist dein Sohn und nicht die Familienpolizei.

    Ich finde das Zitat von Morgenrot klasse, deswegen möchte ich es noch einmal hervorheben.

    Jetzt könnte ich ja wenigstens mit Geld einen Ausgleich für alles schaffen.

    Wiedergutmachung sieht anders aus,

    Und nochmal, du musst in keinster Weise einen Ausgleich schaffen!

    Alkoholismus ist eine Krankheit.

    Alkoholismus ist keine Krankheit, auf der wir - wir trockenen Alkhoholiker - uns ausruhen.

    Trockenwerden geht nicht von allein. Trockenbleiben geht nicht von allein.

    Und du bist hier im Forum, das ist deine Selbsthilfegruppe, du tust etwas für dich. Du bist ein Jahr trocken. Das ist ganz wunderbar! Da hast du bereits viel geschafft.

    Das ist jedoch keine Entschuldigung für respektloses Verhalten, selbst wenn noch tief sitzende Zweifel und Verletzungen aus der Vergangenheit bestehen

    Das sehe ich genauso. Bei Zweifel kannst du dir dies immer wieder vor Augen führen.

    Wir, und damit meine ich uns Alkoholiker, haben ja nicht nur gesoffen, sondern auch Scherben hinterlassen,

    Natürlich haben wir das. Für mich ist das klar, ich habe Scherben hinterlassen. Und das tut mir auch heute immer wieder leid. Meine betroffenen Kinder müssen damit leben, ob sie wollen oder nicht, ob sie es verdrängen oder sich damit auseindersetzen. Aber auch sie können Verantwortung übernehmen, indem sie sich Unterstützung holen, um damit mit sich - und vielleicht auch mit ihrer Mutter -ins Reine zu kommen.

    Ich versuche mit bestem Willen meinen Teil beizutragen, aber ändern an der Tatsache, dass sie eine trinkende Mutter hatten, kann ich nichts, und schon gar nicht mit Geld, womit wir wieder beim Thema wären, oder mit Demütigung.

    Meine Kinder sind mir nah, ich bin für sie da, wir reden (bei drei Kindern ist der Wunsch zu reden unterschiedlich), sie spüren, dass ich sie liebe.

    Liebe Schmidtty, hol dir hier die Unterstützung, die du brauchst. Hier gibt's ne Menge Leute, die sich auskennen.

    Liebe Grüße von Wacholderfrau

    Hallo Schmidtty

    Ich bin Angehörige, und bei mir hat es Jahre gedauert, bis ich wieder ein gewisses Vertrauen fassen konnte. Es war zuviel gelogen und getäuscht worden

    Es ist verständlich, dass deine Familie misstrauisch ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass du damit kein Problem hast, das nachzuvollziehen, was Morgenrot geschrieben hat.

    und mein Sohn hat mich schon mehrfach pusten lassen wenn er sich nicht sicher war.

    Du bist ein erwachsener Mensch, bei allem Verständnis für deinen Sohn, aber das geht zu weit.

    Vielleicht geht es für dich, zu sagen, dass du verstehen kannst, dass er und die Familie dir nicht glaubt, aber du hast nicht getrunken. Punkt. "Dich pusten zu lassen" finde ich respektlos. Klare Ansage machen, wie Hera schreibt

    Bleib dran, es lohnt sich

    Lieben Gruß, Wacholder

    Hallo Paul,

    auch von mir Glückwünsche zu 11 Monaten Trockenheit. Toll!

    Mir fallen dann viele, viele Episoden ein, in denen ich mich im Rauch daneben benommen habe, dann schäme ich mich und baue die Mauer gegen den Alkohol damit höher.

    Ich finde deine Formulierung ganz besonders - und wichtig.

    War das immer so, wenn du dich wegen des Alkohols geschämt hast? Wenn dir bewusst geworden ist, wie du dich im Rausch verhalten hast?

    Bei mir war es so, wenn ich mich geschämt habe, war das ein weiterer Grund zu saufen, weil ich die Scham nicht ertragen habe.

    und nun baust du die Mauer gegen den Alkohol höher. Richtig gut.

    Weiter so, es lohnt sich

    Liebe Grüße von Wacholderfrau

    Hallo @all,

    oft werden Dinge im Alltag selbstverständlich gehandhabt, bei manchen Dingen aber möchte ich nicht, dass sie selbstverständlich sind oder es werden. Freundschaften zum Beispiel. Und im Besonderen meine Trockenheit. Es läuft...das stimmt, aber es läuft nicht einfach so. Und dass ich etwas dafür tun kann, macht das Ganze für mich interessant und schön.

    Bei Bobby23 gab es die Frage, wie gehe ich damit um, wenn mir Alkohol angeboten wird, oder wie verhalte ich mich, wenn ich eingeladen bin und getrunken wird.

    Ich möchte nicht, dass diese Frage für mich (deswegen schreibe ich das hier auf) ein Selbstläufer wird.

    Die meisten Menschen haben keine Vorstellung davon - oder wollen sie nicht haben - dass es viele Alkoholoker im Umfeld gibt, und dass der klassische Alkoholiker nicht der ist, der auf der Straße lebt.

    Ich habe vor zwei Jahren einer Freundin gesagt, dass ich Alkoholikerin bin und in eine SHG gehe. Sie meinte darauf hin, dass sie mit mir ein ernstes Wörtchen reden müsste, weil ich auf keinen Fall eine Alkoholikerin sei, so wie ich auf sie wirke und wie ich im Leben stehen würde. Ich habe sie erst nach meinem Umzug in die Stadt kennengelernt, und es gab erst da eine Situation, in der es für mich angebracht war, ihr davon zu erzählen.

    Ich hänge meine Sucht nicht an die große Glocke, auch nicht an eine kleine. Aber es ist mir ein Anliegen, dass mir nahestehende Personen davon wissen. So gehe ich ziemlich offen damit um, wenn ich das will. Zum Beispiel gehe ich 2-3x im Monat in eine Psychiatrie, weil wir von der SHG mit der Klinik zusammenarbeiten. Mich kennt man da als trockene Alkoholikerin, und das ist gut so.

    Wenn mir gelegentlich mal Alkohol angeboten wird, zum Beispiel das vermaledeite Sektchen zu einer Begrüßung oder so, kann ich sehr freundlich und bestimmt nein danke sagen. In den ganzen Jahren bin ich noch nicht einmal gefragt worden, warum ich keinen Sekt möchte oder was auch immer.

    Ich glaube, das liegt an meiner inneren konsequenten Haltung und somit der Klarheit, die ich habe.

    Liebe Grüße von Wacholderfrau

    Hallo Schmidtty

    Man sollte sich dem besser nicht aussetzen und ich hatte auch Vorbehalte.

    Was du solltest oder nicht, weiß ich nicht. Wenn ich Vorbehalte habe, irgendwo hinzugehen, nehme ich die ernst, auch heute noch. Vorbehalte können deine Wegweiser sein.

    Im Moment habe ich bisschen Angst vor der kommenden Woche. Ich bin dann alleine zu Hause und muss wieder arbeiten gehen, noch dazu mit vielen Abgabeterminen. Hoffentlich führt das nicht (mal wieder) dazu, dass sich der Suchtdruck meldet und dann mühsam bekämpft werden muss.

    Aber man soll ja positiv denken.

    Positiv zu denken, ist eine gute Sache, aber das würde mir nicht reichen, wenn mir etwas Sorge bereitet oder Angst macht.

    Ich finde es klasse, dass du das hier benennst mit der Angst, denn die zeigt dir: pass auf!

    So kannst du schon vorher ein paar Vorsichtsmaßnahmen treffen. So würde ich das machen. Zum Beispiel hier mehr schreiben, das hat bei mir in der Anfangszeit super gepasst. Ich habe in Zeiten, in denen viel Arbeit auf mich zu kam, ganz klare Priroritäten gesetzt, was ist jetzt wirklich wichtig und was nicht, und ich habe geschaut, was brauche ich, um das bewältigen zu können, was mich erwartet.

    Lieben Gruß von Wacholderfrau

    es gibt nur den richtigen Weg für jeden selbst.

    Da musste ich jetzt richtig in mich gehen und nachdenken...denn es gibt ja viele Möglichkeiten, stimmt's? Viele Wege. Therapie, keine Therapie. Und so weiter...

    Aber ja, es gibt nur den richtigen Weg für jeden selbst! So ist es und nicht anders.

    Kommen nicht viele Alkoholiker durch die fortschreitende Sucht irgendwann in eine "psychische Extremlage

    Kann ja gar nicht anders sein, denn da ist ja gar nichts mehr "normal".

    Aber durch die Beiträge von Sue, Elly, Hartmut, Alex, Stromer (hab ich jemand vergessen?), die keine oder nur wenig Therapie gemacht haben, zeigt sich sehr deutlich, dass eben jede und jeder den eigenen Weg finden und gehen muss. Oder darf. Dass es nicht heßt, nur wenn du Therapie machst, und zwar schnell, dann hast du eine Chance.

    Was ich aber wirklich glaube, ist, dass eine SHG nicht nur wichtig ist, sondern eine Voraussetzung für das trockene, zufriedene Leben.

    ich würde gern meine Gedanken zum Thema "Therapie" hierlassen

    Danke dafür, Cadda. Da passt für mich alles, was du geschrieben hast

    Er sollte hier irgendwo bei der allgemeinen Wissenssammlung für Co's angeheftet werden.

    Yep

    Und auch für Alkoholiker

    Yep

    Ich frage mich, wie es ein Alkoholiker ohne Vorwissen erkennen kann, dass es nur so funktioniert? Als ich das Glas aus einem Tiefpunkt weggestellt hatte, war ich noch pitsche patsche nass in meinen Gedanken. Da war nichts mit klar denken.

    Kann er meiner Meinung nach auch nicht.

    Aber jetzt mal aus reiner Mitmenschlichkeit - sollte einem Alkoholiker nicht eine Suchttherapie vorgeschlagen werden, weil man annimmt, der packt das eh nicht? Jemanden eine Chance geben, bedeutet für mich, er hat die Chance, aus den pitsche patsche nassen Gedanken herauszukommen und klar zu werden. (Hier, mein Name ist Wacholderfrau, ich konnte die Chance nutzen)

    Eine Therapie sorgt nicht dafür, aus der Sucht auszusteigen.

    Eine Therapie sorgt niemals für eine Veränderung, geschweige denn, aus der Sucht auszusteigen, es sei denn, der Patient will es.

    Ich hätte mir sehr gewünscht, dass meine Probleme nun in Ordnung gebracht werden würden, es war die Unterstützung, die ich bekommen habe, die mir geholfen hat. Mir hat aber niemand den Müll weggeräumt oder mich therapiert. Ich musste die Arbeit selbst machen.

    Nicht jeder Arzt ist auf Sucht spezialisiert.

    Natürlich nicht. Manche haben leider auch keine Ahnung von Sucht. Auch bei Therapeuten darf man nicht davon ausgehen, dass sie sich mit Sucht auskennen. Bei Suchttherapeuten jedoch darf ich das erwarten.

    Nicht jede Beratungsstelle hat ausschließlich trockene Alkoholiker da sitzen, die wissen, wie es funktioniert

    Ich weiß nicht, lieber Hartmut, meinst du, nur trockene Alkoholiker können gute Arbeit in der Suchtberatungsstelle machen? Durch die Zusammenarbeit meiner SHG mit der hiesigen Suchtberatungsstelle kann ich sagen, die Leute da wirken auf mich sehr kompetent.

    Deshalb halte ich Pauschalkritik an Therapien für völlig verfehlt

    Auf mich wirken die Beiträge allesamt differenziert, findest du das nicht, Carl Friedrich?

    Nur die Therapie allein reicht nicht aus. Es muss im Zuge der Zeit die innere Einstellung zum Alkohol und zum Trinken verändert werden

    Ob ich nun Therapie mache oder nicht, wenn sich meine innere Einstellung zum Alkohol und Trinken - und meinen ganzen Verhaltensstrategien, die ich mir vor und während der Saufzeit angeeignet habe - nicht ändere, bewege ich mich auf dünnem Eis. Nur die Therapie allein reicht nicht aus, weder bei einer reinen Psychotherapie noch bei der Suchttherapie. Nur nicht trinken reicht nicht, das sollte man wirklich schnellsten verinnerlichen.

    Ich halte es aber für sehr wichtig im Sinne der Rückfallprophylaxe, dass psychische Störungen behandelt werden nachdem jemand trocken wurde. Jemand mit selbstunsicherer Persönlichkeitsstörung wird vermutlich ein höheres Rückfallrisiko haben. Angststörungen, Depressionen - sind nicht direkt ursächlich, aber belasten sehr. Unbehandelt kann es die Trockenheit sehr erschweren.

    Das sehe ich auch so, liebe Jump.

    Es steht in meiner Verantwortung, mich ernst zu nehmen. Wenn mich Dinge belasten, quälen, mir mein Leben schwer machen, liegt es an mir, mich darum (um mich) zu kümmern und das für mich zu tun, was mir möglich ist, mein Leben so leben zu können, wie ich es mir wünsche.

    Ich halte nichts davon zu sagen, ok, jetzt tu ich alles für meine Trockenheit und halte den Deckel auf dem Topf, in dem es köchelt. Die Gefahr, dass es irgendwann überkocht, ist einfach da. Und somit die auch Gefahr für einen Rückfall.

    Danke Cadda für diesen schonungslosen Realitätscheck!

    Yep

    Wenn es bei einer Therapie ans "Eingemachte" geht, kann das schon ganz schön aufwühlen. Kenne ich von mir selbst.

    Ist da nicht sogar die Gefahr gegeben, dass der frisch abstinente Alkoholiker zu seinem "altbewährten" Mittel - den Alkohol - greift?

    Das ist eine sehr interessante und wichtige Frage, lieber Alex, ich kenne nämlich beides.

    Nach meinem Suizidversuch (vor etwa 32 Jahren) war ich in der Psychiatrie. Das war ein einziges Drama, weil ich überhaupt nicht in der Lage war, Hilfe anzunehmen, obwohl ich mir die sehnlichst gewünscht habe. Da hat mich sozusagen etwas ganz schön aufgewühlt, würde sogar eher sagen, da wurde in ein Wespennest gestochen, Ich habe Panik bekommen, habe die Flucht ergriffen, wollte nur noch weg sein, wusste nicht wie - außer zu saufen. Ein bisschen Verstand, den ich noch hatte, hat mich den Psychiater anrufen lassen...

    Danach kam ein halbes Jahr Psychosomatische Klinik, in der mir klar wurde, welche Rolle der Alkohol in meinem Leben spielte. Und dann kamen Jahre der Psychotherapie, mit der ich viel aufarbeiten konnte - weil ich aufarbeiten wollte. Da gab es Phasen, in denen ich alle Register meiner Trockenheitserfahrung ziehen musste, einschließlich meines Lebenswillens, um nicht rückfällig zu werden.


    Abschließend...Hier habe ich noch nicht den Überblick, wer Therapie gemacht hat und wer nicht. Ich kenne nur ein paar Alkoholiker, die ohne Reha/Therapie ein zufriedenes trockenes Leben führen. Die meisten berichten davon, wie wichtig die Therapie war. Müssen tut man nichts. Aber tun muss man tun. Nicht wahr, Hartmut? Das ist einer der besten Sätze, die ich hier im Forum mitgenommen habe.

    Wie ihr merkt, das Thema hat mich auch sehr beschäftigt:S Uff

    Liebe Leonie,

    danke für deine Antwort auf meine Fragen.

    Anfangs war es ja schwierig weil man doch immer wieder Angst vor Suchtgedanken hatte und was wäre wenn doch usw. Was wenn man rückfällig wird? Wenn man es nicht schafft? Nicht stark bleibt? Jetzt kann ich das sofort wegschieben bzw. solche Gedanken nicht hochkommen lassen.

    Als trockene Alkoholikerin bin ich nicht geheilt, aber mein Leben ist klasse geworden. Gelegentlich, inzwischen wirklich selten, tauchen Gedanken auf, bei denen sich meine Alarmglocken melden. Das schiebe ich nicht weg. Für mich (!) wäre das auch nicht der richtige Weg, denn falls etwas in Schieflage gerät, löst sich das nicht in Wohlgefallen auf, wenn ich nicht mehr daran denke. Falls bei mir die obern zitierten Fragen auftauchen würden, würde ich wissen wollen, was da dahinter steckt. Aber so bin halt ich.

    Das Suchthirn ist schon ein abartiger Gegner

    Da bin ich wie Stern auch darüber gestolpert. Ich finde deinen Gedankengang interessant.

    Bei mir allerdings war zu Saufzeiten der Alkohol der Gegner, danach nicht mehr. Ich habe gekämpft, dachte mit meinem ganzen starken Willen könnte ich den Alkohol bezwingen und die Stärkere von uns beiden sein. Diesen Kampf habe ich hoffnungslos verloren. Und ich weiß, dass ich ihn niemals gewinnen würde. Ich dachte vor meinem Rückfall, ich hätte nun alles vestanden und könnte kontrolliert trinken. Konnte ich nicht.

    Für mich ist es total entlastend, nicht mehr kämpfen zu müssen, sondern loslassen zu können, dabei das zu tun, was mir möglich ist, um auf meinem trockenen Weg zufrieden und manchmal sogar glücklich sein zu können.

    Nicht zugelassen, es als das Gift zu erkennen, das es ist.

    Ich habe dieses Gift bewusst eingesetzt, weil ich dies nicht ertragen habe, dann dieses, am wenigsten habe ich mich ertragen und wollte mich genau mit diesem Gift weg haben.

    Dein Titel "Die Sonne scheint wieder" passt total zu dir. Finde ich einfach klasse.

    Liebe Grüße von Wacholderfrau

    Hallo Leonie

    Es war die beste Entscheidung meines Lebens, mir(auch und vor allem hier)Hilfe zu suchen und mit dem Saufen aufzuhören.

    Herzlichen Glückwunsch dazu!

    Ich bin unendlich glücklich und dankbar für mein nüchternes, neues Leben.

    Ich freue mich immer, wenn ich solche Aussagen lese oder höre.

    Ich lebe, ich bin wieder da. Ich bin wieder ich. In einer Klarheit und Freiheit, die ich mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht vorstellen konnte.

    Auch ein tolles Zitat. Da ist bei dir ja richtig viel passiert in einem Jahr. Möchtest du ein bisschen mehr darüber schrieben? Zum Beispiel wie dein Ich jetzt ausschaut, was hast du getan, um sagen zu können, ich bin wieder ich?

    Mir sind die Wege von anderen Menschen aus der Abhängigkeit sehr wichtig, weil ich selbst davon profitieren und Impulse bekommen kann. Auch deine Klarheit und Freiheit interessiert mich, die kommt ja nicht einfach so durch nicht nichts mehr trinken.

    Schön, dass du hier bist.

    Lieben Gruß

    Wacholderfrau

    Hallo Stromer

    herzlichen Glückwunsch zu 18 Monaten Trockenheit.

    18 Monate sind schon eine lange Zeit, wenn man bedenkt, was da voraus gegangen ist.

    Ich habe deinen Beitrag sehr gerne gelesen, und mir gefällt deine Bewusstheit darin.

    Und eins will ich dir auch sagen: deine Frau und ihren Umgang mit deiner Alkoholabhängigkeit, sie gefällt mir ganz besonders!

    Es geht mir sehr gut. Dabei vergesse ich nie, achtsam zu sein. Ich lese hier täglich, meine Trockenheit ist witerhin ein tägliches Thema für micht, auch wenn mein Alltag vollkommen normal verläuft, als ob ich keine tödliche Krankheit in mir trage.

    Einfach klasse!Was ich mir oft vor Augen gehalten habe und es noch immer tu, ist die Tatsache, dass wir als Alkhoholiker*innen etwas gegen diese tödliche Krankheit tun können, und dadurch zu einem sogar besonderen Leben kommen (können)

    Liebe Grüße

    Wacholderfrau