ich würde gern meine Gedanken zum Thema "Therapie" hierlassen
Danke dafür, Cadda. Da passt für mich alles, was du geschrieben hast
Er sollte hier irgendwo bei der allgemeinen Wissenssammlung für Co's angeheftet werden.
Yep
Yep
Ich frage mich, wie es ein Alkoholiker ohne Vorwissen erkennen kann, dass es nur so funktioniert? Als ich das Glas aus einem Tiefpunkt weggestellt hatte, war ich noch pitsche patsche nass in meinen Gedanken. Da war nichts mit klar denken.
Kann er meiner Meinung nach auch nicht.
Aber jetzt mal aus reiner Mitmenschlichkeit - sollte einem Alkoholiker nicht eine Suchttherapie vorgeschlagen werden, weil man annimmt, der packt das eh nicht? Jemanden eine Chance geben, bedeutet für mich, er hat die Chance, aus den pitsche patsche nassen Gedanken herauszukommen und klar zu werden. (Hier, mein Name ist Wacholderfrau, ich konnte die Chance nutzen)
Eine Therapie sorgt nicht dafür, aus der Sucht auszusteigen.
Eine Therapie sorgt niemals für eine Veränderung, geschweige denn, aus der Sucht auszusteigen, es sei denn, der Patient will es.
Ich hätte mir sehr gewünscht, dass meine Probleme nun in Ordnung gebracht werden würden, es war die Unterstützung, die ich bekommen habe, die mir geholfen hat. Mir hat aber niemand den Müll weggeräumt oder mich therapiert. Ich musste die Arbeit selbst machen.
Nicht jeder Arzt ist auf Sucht spezialisiert.
Natürlich nicht. Manche haben leider auch keine Ahnung von Sucht. Auch bei Therapeuten darf man nicht davon ausgehen, dass sie sich mit Sucht auskennen. Bei Suchttherapeuten jedoch darf ich das erwarten.
Nicht jede Beratungsstelle hat ausschließlich trockene Alkoholiker da sitzen, die wissen, wie es funktioniert
Ich weiß nicht, lieber Hartmut, meinst du, nur trockene Alkoholiker können gute Arbeit in der Suchtberatungsstelle machen? Durch die Zusammenarbeit meiner SHG mit der hiesigen Suchtberatungsstelle kann ich sagen, die Leute da wirken auf mich sehr kompetent.
Deshalb halte ich Pauschalkritik an Therapien für völlig verfehlt
Auf mich wirken die Beiträge allesamt differenziert, findest du das nicht, Carl Friedrich?
Nur die Therapie allein reicht nicht aus. Es muss im Zuge der Zeit die innere Einstellung zum Alkohol und zum Trinken verändert werden
Ob ich nun Therapie mache oder nicht, wenn sich meine innere Einstellung zum Alkohol und Trinken - und meinen ganzen Verhaltensstrategien, die ich mir vor und während der Saufzeit angeeignet habe - nicht ändere, bewege ich mich auf dünnem Eis. Nur die Therapie allein reicht nicht aus, weder bei einer reinen Psychotherapie noch bei der Suchttherapie. Nur nicht trinken reicht nicht, das sollte man wirklich schnellsten verinnerlichen.
Ich halte es aber für sehr wichtig im Sinne der Rückfallprophylaxe, dass psychische Störungen behandelt werden nachdem jemand trocken wurde. Jemand mit selbstunsicherer Persönlichkeitsstörung wird vermutlich ein höheres Rückfallrisiko haben. Angststörungen, Depressionen - sind nicht direkt ursächlich, aber belasten sehr. Unbehandelt kann es die Trockenheit sehr erschweren.
Das sehe ich auch so, liebe Jump.
Es steht in meiner Verantwortung, mich ernst zu nehmen. Wenn mich Dinge belasten, quälen, mir mein Leben schwer machen, liegt es an mir, mich darum (um mich) zu kümmern und das für mich zu tun, was mir möglich ist, mein Leben so leben zu können, wie ich es mir wünsche.
Ich halte nichts davon zu sagen, ok, jetzt tu ich alles für meine Trockenheit und halte den Deckel auf dem Topf, in dem es köchelt. Die Gefahr, dass es irgendwann überkocht, ist einfach da. Und somit die auch Gefahr für einen Rückfall.
Danke Cadda für diesen schonungslosen Realitätscheck!
Yep
Wenn es bei einer Therapie ans "Eingemachte" geht, kann das schon ganz schön aufwühlen. Kenne ich von mir selbst.
Ist da nicht sogar die Gefahr gegeben, dass der frisch abstinente Alkoholiker zu seinem "altbewährten" Mittel - den Alkohol - greift?
Das ist eine sehr interessante und wichtige Frage, lieber Alex, ich kenne nämlich beides.
Nach meinem Suizidversuch (vor etwa 32 Jahren) war ich in der Psychiatrie. Das war ein einziges Drama, weil ich überhaupt nicht in der Lage war, Hilfe anzunehmen, obwohl ich mir die sehnlichst gewünscht habe. Da hat mich sozusagen etwas ganz schön aufgewühlt, würde sogar eher sagen, da wurde in ein Wespennest gestochen, Ich habe Panik bekommen, habe die Flucht ergriffen, wollte nur noch weg sein, wusste nicht wie - außer zu saufen. Ein bisschen Verstand, den ich noch hatte, hat mich den Psychiater anrufen lassen...
Danach kam ein halbes Jahr Psychosomatische Klinik, in der mir klar wurde, welche Rolle der Alkohol in meinem Leben spielte. Und dann kamen Jahre der Psychotherapie, mit der ich viel aufarbeiten konnte - weil ich aufarbeiten wollte. Da gab es Phasen, in denen ich alle Register meiner Trockenheitserfahrung ziehen musste, einschließlich meines Lebenswillens, um nicht rückfällig zu werden.
Abschließend...Hier habe ich noch nicht den Überblick, wer Therapie gemacht hat und wer nicht. Ich kenne nur ein paar Alkoholiker, die ohne Reha/Therapie ein zufriedenes trockenes Leben führen. Die meisten berichten davon, wie wichtig die Therapie war. Müssen tut man nichts. Aber tun muss man tun. Nicht wahr, Hartmut? Das ist einer der besten Sätze, die ich hier im Forum mitgenommen habe.
Wie ihr merkt, das Thema hat mich auch sehr beschäftigt
Uff