Guten Abend,
ich bin neu hier und möchte mich kurz vorstellen. Meinen Namen möchte ich hier öffentlich nicht schreiben, aber ich denke das ist in Ordnung so.
Ich kann gar nicht genau sagen, wann ich mit dem Alkohol ein Problem bekam. Es war ein schleichender Prozess. Hier mal ein Bier, da mal was härteres, dann auch Phasen, in denen ich gar keinen Alkohol trank. Doch letztlich war Alkohol oft ein "Medikament" für mich. Er machte schlechte Stimmungen weg, löste die Zunge, so dass ich besser über Probleme reden konnte. Doch letztlich war der Alk trügerisch. Und ich wollte aufhören. Für einige Wochen konnte ich aufhören. Aber habe ich was geändert? Nein! Ich habe einfach nicht mehr getrunken. Und irgendwie dachte ich, wenn ich es wochenlang ohne schaffe, dann habe ich doch kein Alkoholproblem. Obwohl mir im Grunde klar war, dass mein Konsum nicht in Ordnung war.
Seit zwei Wochen lebe ich nun ohne Alkohol. Und ich weiss, dass ich mehr tun muss, als "nur" nicht trinken. Am Anfang wusste ich aber gar nicht, was ich ändern kann. Doch dann habe ich dieses Forum gefunden und hier viel gelesen. Und ich habe gemerkt, dass ich doch eine Wahl habe. Und dass es doch möglich ist, MICH zu ändern. Im Vorstellungsbereich habe ich geschrieben, wie es mir gelungen ist, 2 Wochen nicht zu trinken. Das möchte ich gern auch hier mit euch teilen. Ich hoffe, es ist ok, etwas von mir geschriebenes aus dem Vorstellungsbereich hierher zu kopieren.
Eine Frage die ich mir immer wieder stelle, ist: Wie habe ich die letzte 2 Wochen ohne Alkohol geschafft? Meine erste Antwort darauf war "irgendwie". Aber nein... das wäre zu einfach und würde mir nicht weiterhelfen. Was mir weiterhilft ist, mir Gedanken zu machen, was geholfen hat oder geholfen haben könnte.
Zuerst ist da mein Wille. Ich möchte mich nicht zu Tode saufen.
Außerdem hab ich die Nase voll von diesem Kreislauf aus -Alkohol besorgen, saufen, verkatert aufwachen, schlechtem Gewissen haben und wieder von vorn-. Ein Gedanke daran hilft mir, bewusst NEIN zu sagen.
Ich hatte zuletzt den Eindruck, dass ich nicht immer voll bei der Sache war. Wenn ich abends getrunken hatte, fiel mir die Arbeit schwer. Abgesehen vom Kater war da auch immer die Angst, "es"könnte rauskommen. Im Moment ist es anders auch der Arbeit. Ich habe kein schlechtes Gewissen, keine Angst vor Entdeckung, sondern kann meine Energie für die Arbeit nutzen.
Wichtig war in der letzten Zeit das lesen hier im Forum und der Mailkontakt mit der Suchtberatungsstelle.
Geholfen haben aber auch "scheinbar" einfache Sachen wie viel trinken, Ablenkung, PC-Spiele und Freunde treffen.
Es gab brenzlige Situationen in der vergangenen Woche, und ich glaube, dass das auch so bleiben wird. Z.B. ich habe eine Traumafolgestörung und mache eine Therapie deshalb. Und wenn da was hoch kommt, wird es gefühlsmäßig schwierig für mich. Es gelang mir allerdings, mich zu beruhigen und ruhig durch zu atmen. Gott sei Dank war der Druck dann relativ schnell vorbei.
Es ist nicht mein erster Versuch, vom Alkohol los zu kommen, und ich könnte Bücher schreiben über das was alles nicht geklappt hat. Was ist diesmal anders? Ich habe festgestellt, dass "einfach nur nicht mehr saufen" nicht reicht, und ich wirklich was tun muss. Nicht ausschließlich gegen das Trauma, sondern auch für ein trockenes Leben. Deshalb habe ich Kontakt zur Suchtberatungsstelle aufgenommen und mich hier angemeldet.
Gern dürft ihr hier mit mir schreiben...Ich würde mich über Rückmeldungen, Anregungen und auch Kritik freuen!
Liebe Grüße, ohnerausch