Selbstliebe

  • Kann jemand der sich selbst liebt süchtig sein oder werden?

    Ich kann mir kaum vorstellen, das jemand der sich selbst liebt, sich selbst schaden kann.
    Das betrifft sicher sehr viel mehr physische und geistige Themen, als nur den Umgang mit Alkohol.
    Ich meine keinen Narzissmus, der sich in einem verzerrten Selbstbild feiert, aber spätestens anderen schadet und somit auf Dauer auch sich selbst.

    Ich finde das uns von Kleinauf selbstschädigendes Verhalten antrainiert wird aus Unbewusstheit.
    Denn die natürliche Haltung auf viele "Substanzen" ist oft Ablehnung bis hin zu Ekel.

    Gruß
    M.

  • Hallo Martina,

    Zitat


    Kann jemand der sich selbst liebt süchtig sein oder werden?

    Das schließt sich für mich nicht aus, bzw. ist mir genau das passiert. :wink:
    Bevor ich in die Sucht abrutschte, hatte ich ein recht gesundes Selbstwertgefühl.
    Mein Bruder und ich hatten eine schöne Kindheit, zu der meine Eltern viel beitrugen.
    Wir wurden nie runtergemacht oder gar geschlagen von den Eltern, sowas gab es bei uns nicht.
    Wir wuchsen recht zwanglos auf und meine Eltern tranken nur selten Alkohol, höchstens zu Feierlichkeiten.

    Ich wurde recht früh Mutter und Ehefrau, war damals noch in der Berufsausbildung.
    Damit war ich überfordert und Hilfsangebote von seiten meines Arbeitgebers lehnte ich ab.
    Weil ich dachte, ich schaffe das alles auch allein bzw. zusammen mit meinem Ehemann.
    Denn, wie gesagt, ich hatte ja ein gesundes Selbstwertgefühl, fühlte mich keinesfalls hilflos.
    Meine Überforderung durch die Situation wollte ich entweder nicht sehen oder sah sie wirklich (noch) nicht.

    Ja, und dann kam immer mehr der Alk ins Spiel. Den ich schon zu Schulzeiten kennenlernte.
    Damit ging doch alles "viel besser". Alles erschien einfacher und ich konnte mich damit wegbeamen, wenn der Stress zu groß wurde.
    Funktionierte doch auch ne Zeit lang recht gut.

    Durch weitere ungünstige Lebensumstände geriet ich immer weiter in den Alk-Sog.
    Weitere Überforderung (in dem später sehr anspruchsvollen Beruf) und Einsamkeit (ich war mittlerweile geschieden) ließ mich immer häufiger trinken.
    Ich denke, damals trank ich dann auch schon abhängig.
    Und in dieser Zeit begann mein Selbstwertgefühl erheblich zu bröckeln.
    Warum schaffte ich es nicht, mit dem trinken aufzuhören?
    Ich fühlte mich als Versagerin, auch weil ich andere Sachen in meinem Leben nicht so gut auf Reihe bekam.
    Das der Alk auch dabei schon eine erhebliche Rolle spielte, sah ich wohl noch nicht.

    Kurz und ungut... ich rutschte trotz einem ehemals gesunden Selbstwertgefühl immer tiefer in die Alkoholsucht.
    Am Ende gab es im Grunde gar kein Selbstwertgefühl mehr... mir war es sogar manchmal schon egal, ob ich weiterlebe oder mich totsaufe.
    Ja, so zerstörerisch kann Alkohol sein.
    Auch ohne "schwere Kindheit" und trinkende Eltern etc.

    LG Sunshine

  • Hallo Martina,

    Zitat

    Ich kann mir kaum vorstellen, das jemand der sich selbst liebt, sich selbst schaden kann.

    ich habe micht durchaus selbst geliebt und tu das auch heute noch.

    Trotzdem wurde ich Alkoholiker, das wurde ich ja nicht absichtlich.

    Es fing mit einem Bier an, wurde öfter und mehr und eines Tages konnte ich nicht mehr ohne.

    Geplant war das ganz bestimmt nicht, es geschah schleichend.

    LG Martin

  • Hallo Martina!
    Also ich habe sicher aufgrund mangelnder Selbstliebe getrunken.
    Ich hatte durch ein traumatisches Erlebnis relativ schnell das Bild, dass ich nicht liebenswert bin. Da war ich in der Pubertät, zeitgleich habe ich die ersten Erfahrungen mit Alkohol gesammelt. Da habe ich dann erfahren, dass ich angerausch plötzlich wer bin. Natürlich war ich nicht sofort süchtig. Aber da fing es an und ich habe mich damals schon öfter als gesund "bedient".
    Ich würde das aber nicht verallgemeinern.
    Es gibt ja Menschen, die sich ganz normal mögen, und die einfach gerne Alkohol trinken. Und das zu viel, zu oft , und wenn dann noch ne Anlage da ist - ja dann wird man süchtig, obwohl man sich doch anfangs selbst geliebt hat.
    Viele Grüße
    Calida

  • Hallo

    Zitat

    Kann jemand der sich selbst liebt süchtig sein oder werden?

    Es uneingeschränkt jeder süchtig werden der zuviel säuft.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hallo zusammen,
    herzlichen Dank für Eure Antworten.

    Hey Sunshine !
    "Sunshine" ist übrigens mein erstes Pseudonym gewesen, das ich im Internet je genutzt habe :)

    Denkst Du, Deine Ehe ist durch den Alk zerbrochen? Ich hoffe die Frage ist nicht zu persönlich!

    Süchte treten ja in allen sozialen Schichten auf. Mittlerweile habe ich auch gelesen, das das System sich sehr ungünstig auf Einzelne auswirken kann und Süchtiges Verhalten steigern kann.
    Ich hab mich zb in Kindergarten (Vor)Schule sehr unwohl gefühlt.

    Siehst du in Selbstwert & Selbstliebe das gleiche?

    Hallo Martin,

    hast Du als Kind keinen Ekel bei Alkoholgerüchen empfunden?
    Alkohol ist , wie vieles andere, ein Gift.
    Besonders Schwangere reagieren ja oft mit besonderer Abneigung


    Liebe Calida,

    ich auch.
    Und wenn ich hier als Hinweis lese, ein trinkendes Umfeld zu verlassen und sich neue Bekannte und Freunde zu suchen
    - fände ich schön, wenns Verständnis dafür geben könnte das es mit sozialer Gehemmtheit nicht einfach ist. Vor allem weil diese vorher mit dem Alkohol betäubt worden ist. Bei mir war das so.

    Hallo Karsten,

    warum hältst Du den Gedanken für gefährlich?
    Mein Eindruck ist das die Welt im Groben nicht von (Selbst)Liebe geprägt ist.
    Wie Du schon geschrieben hast, ich bin auf und "auf der Suche" nach meinem Weg.
    Ich kann es nicht besser beschreiben, glaube aber mit wahrer Selbstliebe und klarem Bewusstsein keinen Alkohol trinken zu können.
    Wahrscheinlich ist Dir das jetzt zu esoterisch.

    Hallo Hartmut

    ist nicht jeder der zuviel säuft schon süchtig?
    Mir wurde in einem KH gesagt bis zu einem gewissen Grad ist es Alkoholmissbrauch.
    Auf einer spirituellen Seite wo ich gerne lese, wird sogar gesagt, das jede kleinste Menge an Alkohol schlecht und gefährlich ist, ob man nun abhängig ist oder nicht.

    Gruß
    M.

  • Hallo!
    Noch eine Ergänzung.
    Ich halte unser System nicht für ideal. Und ich glaube auch, dass es Süchte begünstigen kann. Ich suche für mich nicht die Schuld am System, verantworten muss es trotzdem jeder für sich, wenn er trinkt.
    Eine Tatsache ist für mich die, dass es nicht weit verbreitet ist, dass schon Kinder lernen, dass sie selbst für sich verantwortlich sind. Dass man als Mensch auch dafür verantwortlich ist, dass es einem gut geht, dass man sich aktiv darum kümmern muss, weil man sich selbst etwas wert ist.
    So viele Menschen lassen sich von ihrem Arbeitgeber verheizen. Dass man irgendwann rechtzeitig stopp sagt, das können viele nicht. Deshalb gibts Krankheiten wir Burn out - und eben auch Süchte.
    Ich glaube schon, dass Systeme Krankheiten begünstigen oder unwahrscheinlicher machen können.

    Viele Grüße
    Calida

  • glück auf

    ich lieb mich selbst und ich hab auch n ausgeprägtes selbstbewustsein (hat ich schon immmer)

    wer sich selbst liebt belohnt sich auch gern - und so n leichter schwips is doch ne gute belohnung - und damit der einstig in die krankheit.

    schöne zeit

    :D
    matthias

    trocken seit 25.4.1987 - glücklich liiert - 7 Kinder - 17 Enkel

  • Guten Morgen Silberkralle !

    Ich seh einen Schwips eben gar nicht als Belohnung, mehr als Betäubung.

    Vielleicht ist mein Thread Titel unglücklich gewählt.
    Vielleicht sollte ich es besser "Bewusstheit" "geistige Klarheit" oder "intuitiver Selbstschutz , nennen.

    Kein Tier verhält sich so (selbst)zerstörerisch wie der Mensch.

    Insofern frag ich mich sogar langsam ob Panikattacken und Co nicht eine "gesunde Reaktion" auf "kranke Umstände" sind...

    Naja der Weg ist das Ziel.

    Dir auch eine schöne Zeit
    Martina

  • Hallo Martina,

    Fehlende Selbstfürsorge, fehlende oder falsche Selbstwahrnehming, fehlende Eigenliebe sind sicherlich für das Entstehen einer suchterkrankung förderlich.

    Aber vermutlich auch nur ein Baustein.
    Von vielen möglichen Faktoren.

    Die Frage kann jede/r nur für sich beantworten.
    Erscheint mir aber wichtig in der Aufarbeitung der eigenen Suchtgeschichte.

    Schließlich wollen wir in unserem neuen trockenen Leben nicht wieder in die selben alten Fallen tappen.

    Liebe Grüße
    Hans

  • Lieber Hans in Glück.

    vorab ist es wohl wichtig, für sich selbst die Entscheidung zu treffen keinen weiteren Alkohol als solchen zu konsumieren.

    Was für alte Fallen meinst Du?

    Deine Beiträge in Deinem Thread hab ich gern gelesen, daher hab ich hier und da nicht das Handtuch geschmissen....

    Viele Grüße

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