Hallo, ich bin auch neu hier

  • Hallo,
    ich bin seit heute auch neues Mitglied, nachdem ich einige Zeit als Gast mitgelesen habe. Ich bin 46 Jahre alt, verheiratet, 3 Kinder und lebe in Unterfranken. Meine Mutti ist Alkoholikerin. Ich war 8 oder 9 Jahre alt, als mir auffiel, dass irgendetwas nicht stimmt.
    Ich habe mich oft gefragt, warum bin ich so, weshalb reagiere ich so und nicht anders. Woher kommen die plötzlichen Stimmungsschwankungen?
    Lange habe ich überlegt den Kontakt zu meiner Mutter einzustellen. Warum?
    Ich habe als Kind/Jugendliche die ganze Bandbreite mitgemacht. Flaschen gezählt, Flaschen ausgeleert, Strichlisten geführt, wie oft Alkohol, Streit meiner Eltern, Handgreiflichkeiten meines Stiefvaters gegenüber meiner Mutter. Überallem die tägliche Ungewissheit, was ist heute? Das Ungewisse war das einzig Gewisse.
    So geht es mir noch heute, nachdem ich schon lange nicht mehr in ihrer Nähe wohne. Ruft sie mich an, höre ich sofort, ob sie getrunken hat oder nicht. Wenn ja, bin ich sofort in Hab-Acht-Haltung und brauche einige Zeit, bis ich das wieder verarbeitet habe.
    Nachdem ich jetzt eine Weile hier mitgelesen habe, habe ich ihr gestern einen Brief geschrieben. Ich möchte den Kontakt einschränken, anfangen meine Erinnerungen aufzuarbeiten, nicht mehr für sie verantwortlich zu sein. Eigentlich müßte ich mich jetzt gut fühlen, aber es fühlt sich nicht gut an. Ich mache mir Gedanken, was nun sein wird, wie meine Geschwister reagieren. Andererseits ist es meine Entscheidung, ich ertrage es so nicht mehr.
    Ich hoffe auf einen regen Austausch und bin froh jetzt auch im Forum zu sein!


    Viele liebe Grüße!

  • Hallo Grünes Kistchen,


    Zitat

    Ich mache mir Gedanken, was nun sein wird, wie meine Geschwister reagieren.


    haben sich denn deine Geschwister auch um die Mutter gekümmert ?


    Oder "durftest" du dich alleine um sie kümmern ?


    LG Martin

  • Hallo Martin,
    meine Geschwister und ich haben uns gleich um unsere Mutter "gekümmert". Wir gehen aber alle unterschiedlich mit unseren Erfahrungen um. Ich kann nicht einfach " Mach dich nicht so fertig" oder "Du darfst das Alles nicht so an dich ranlassen". Ich habe das Gefühl für meine Entscheidung den Kontakt einzuschränken mich rechtfertigen zu müssen. Es fällt mir sehr schwer eine Entscheidung für mich zu vertreten, obwohl ich weiß, dass es gut für mich ist. Mit meinem Selbstvertrauen steht es nicht zum Besten, ich mache mir Gedanken, was andere über mich denken. Es ist dieses Hin und Her, ist es richtig oder falsch. Wäre ich überzeugt, würde ich nicht mitten in der Nacht meine Gedanken niederschreiben. So habe ich mich auch als Kind gefühlt, ständig hin und her gerissen...


    Viele Grüße Grünes Kistchen

  • Hallo Grünes Kistchen,


    ich finde es ja toll dass du dir Gedanken um deine Mutter machst, auf Dauer gehst du aber kaputt daran.


    So lange ihr euch um sie kümmert hat eure Mutter auch keinen Grund etwas zu ändern.


    Da meine Eltern mich nicht vor die Tür setzten sah ich auch keinen Grund aufzuhören.


    Ich habe erst was unternommen als es mir wirklich schlecht ging, da war es 5 vor 12 :shock:


    Es ist bestimmt schwer der eigenen Mutter nicht zu helfen, du solltest aber auch an dich denken.


    LG Martin

  • Hi,


    es geht um Dich. Du bist am Ende Deiner Kräfte und möchtest Deine Ruhe und brauchst Deine Energie um Dinge für Dich aufzuarbeiten. Das ist Dein gutes Recht. Du darfst Deiner Mutter die Ansage machen, dass Du nicht mehr ans Telefon gehst. Das musst Du auch nicht rechtfertigen. Du bist ein freier Mensch, Du darfst über Dein Leben bestimmen. Sie ist erwachsen und hat die alleinige Verantwortung für ihr Leben. Bei uns war zwar kein Alk im Spiel aber aus meiner Kindheit kenne ich auch das Gefühl selbstverständlich zu sein. Das holt mich heute noch ab und zu ein.


    Ich wünsche Dir die Kraft und Geduld, Dich in den Mittelpunkt zu stellen.
    sonnige Grüße
    Lütte

    Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.

    (Henry Ford)

  • Hallo Grünes Kistchen,


    wie stehen eigentlich Deine Kinder zu ihrer alkoholkranken Großmutter - wie erleben sie sie? Mögen/mochten sie gerne dort zu Besuch sein, und mochtest Du sie mit ihrer Oma alleine lassen?


    Außerdem interessiert mich zu wissen, ob Du anderen Leuten von der Alkoholsucht Deiner Mutter erzählst (oder jemals erzählt hast)? In unserer Familie war es immer ein Tabuthema, und obwohl Nachbarn und nahe Verwandte natürlich wussten, was Sache war, war es NIE ein Gesprächsthema. Ist das nicht unfassbar? Wie kann man sowas nur einfach totschweigen und ein kleines Kind (mich damals) mit dem Problem so alleine lassen?!


    Ich habe bis heute nicht einmal meinem Mann gesagt, dass meine Mutter ein Alkoholproblem hat(hatte?), denn irgendwie verteidige ich sie immer noch vor anderen Leuten und will nicht, dass jemand schlecht von ihr denkt oder gar unbewusst annimmt, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, und mich kritischer betrachtet.


    Inzwischen könnte ich es wenigstens meinem Mann sagen, denn nun habe ich ja schon fast zehn Jahre keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter, und die ganze Sache ist ein alter Hut. Andererseits kann ich dann jetzt auch weiterschweigen. Ich bin hin- und hergerissen. Was meint Ihr/Du: Lohnt es sich, das Geheimnis zu lüften?
    Zur Erklärung: Mein Mann hat meine Mutter damals nur wenige Male gesehen, und dann war sie zum Glück auch immer nüchtern und ist nicht peinlich aufgefallen. Er weiß nur, dass sie schwierig und für mich eine Belastung war, weil ich dauernd versucht habe, ihre alltäglichen unwichtigen Problemchen, an denen sie immer zu verzweifeln drohte, zu lösen. Kein Telefonat ohne Sorgen und Tränen.


    Inwieweit hilft Dein Mann Dir bei Deiner Abnabelung von Deiner Mutter, und wie hat er Dich im Umgang mit Deiner Mutter erlebt? Dass Deine Geschwister nicht unbedingt eine Hilfe für Dich sind, liegt sicher daran, dass sie in der gleichen verkorksten Umgebung aufgewachsen sind. „Es ist immer noch Deine Mutter“-Sätze o. ä. bringen einen null weiter. Entschuldige, dass ich Dich mit meinen Fragen löchere. Antworte einfach nur auf das, worauf Du Lust hast.


    Liebe Grüße.

  • Hallo Miss Daisy,
    in meiner Verwandtschaft ist das Alkoholproblem meiner Mutter bekannt. Seit letztem Sommer wird darüber auch offener gesprochen, da meine Mutter in der Nähe meiner Geschwister wohnt. Meine Schwester und ihr Mann sind Anlaufstelle für alles. Sie kümmern sich und helfen, warum soll meine Mutter an ihrer Sucht etwas ändern?


    Als ich Kind war, lebten wir die erste Zeit mit meiner Oma und dem Bruder meines Stiefvaters in einem Haus. Nach und nach kam das Problem zum Vorschein, alle wussten davon. Manchmal sind meine Oma und der Bruder eingeschritten, wenn die Auseinandersetzungen meiner Eltern zu heftig wurden. Trost bekam ich von meiner Oma und der Freundin/jetzt Frau meines Onkels. Ich bin die älteste von uns Geschwistern. Ich hätte mich den beiden immer anvertrauen können, habe aber meistens nichts erzählt, weil ich mich wohl geschämt habe.
    Aber die beiden wussten auch so bescheid, ich musste nichts sagen.
    Sie haben mich aufgefangen, dort habe ich die Liebe und Zuneigung bekommen, die mir meiner Mutter nicht geben konnte. Noch heute vermisse ich meine Oma schmerzlich, obwohl sie schon seit vielen Jahren verstorben ist. Obwohl ich "nur" das mitgebrachte Kind war, hat meine Oma uns immer gleich behandelt.
    Meine Kinder sind mittlerweile fast erwachsen bzw. schon ausgezogen.
    Da wir sehr weit von meiner Mutter entfernt wohnen, vermissen sie ihre Oma nicht. Als die drei noch klein waren, ging meine Mutter noch arbeiten. Sie war hin und wieder zu Besuch bzw. wir besuchten meine Eltern. Aufgewachsen sind sie weitestgehend ohne Großeltern. Meine Mutter war 2-3 Mal mit 2 Kindern im Urlaub. Es hat funktioniert und den Mädels hat es anfangs gefallen. Während des letzten gemeinsamen Urlaubs hat mich meine Älteste angerufen und erzählt, dass sie alleine in der Fewo sind, weil die Oma in der Kneipe ist.
    Im Nachhinein habe ich erfahren, nicht nur einmal. Es war das letzte Mal, dass ich meine Kinder in den Ferien zu ihr gelassen habe...
    Alle 3 vermissen ihre Oma nicht. Sie wissen, dass sie nichts zu erwarten haben. Als meine Mutter Rentnerin wurde und sich zu Besuch ankündigte, war die Freude anfangs noch da. Nach immer wieder kurzfristigen Absagen war die Freude vorbei. Es gibt jetzt höchstens einen Anruf oder SMS zum Geburtstag, sie nehmen es sportlich.


    Mein Mann weiß auch um das Alkoholproblem meiner Mutter. Ich habe ihm auch schon oft davon erzählt. Er hat auch schon mit ihr telefoniert, da war sie angetrunken. Er hört mir auch zu, aber ob er mich versteht?
    Mit Mach dich nicht fertig und Du darfst das alles nicht so an dich ranlassen, kann ich wenig bis gar nichts anfange. Erschwerend kommt dazu, dass die Mutter meines Mannes vor ein paar Jahren verstorben ist. Immerhin hast du noch eine Mutter, hat er mal leise zu mir gesagt.
    Hmh, und was habe ich von meiner Mutter?
    Es ist schwierig mit jemanden zu reden, der das nicht kennt, habe ich schon oft bemerkt. Es ist auch verständlich, man hört zu, kann es aber nicht einordnen. So bleibt mir wie so oft nur alles wieder mit mir selbst auszumachen. Ich habe meinem Mann nicht erzählt, dass ich den Kontakt zu meiner Mutter eingestellt habe. Auch meinen Geschwistern und meinem Stiefvater habe ich nichts erzählt. Warum? Vermutlich habe ich Angst vor der eigenen Courage und befürchte mich wieder nur rechtfertigen zu müssen. Oder weil ich einfach nichts erzähle und für mich behalte. Da werde ich dann wieder als komisch und eigenartig eingestuft...


    Warum erzählst Du Deinem Mann nicht Deine Geschichte?
    Wie gehst Du mit den ganzen Erinnerungen um, was hilft Dir?
    Ich würde mich freuen von Deinen Erfahrungen zu lesen.


    Liebe Grüsse!

  • Guten Morgen,


    jedes Kind leidet in den ersten Lebensjahren unter Trennungsängsten. Dabei ist die Mutter die wichtigste Verbindung. Die Evolution bietet dafür ein schlichtes Modell an. Die Mutter kann stets sicher sein, dass es ihr Kind ist; beim Vater ist das nicht der Fall. Werden die Trennungsängste verstärkt, indem die Mutter keine Zeit hat, mit anderen Dingen beschäftigt ist und ihre Zuneigung nicht richtig dosiert, werden die Trennungsängste nicht überwunden und bleiben für das restliche Leben, wie es in der Form von Klammern, Verantwortung, Co-Abhängigkeit zu beobachten ist. Dass in diesem Fall der Stiefvater der Ersatzvater ist, mag zusätzlich dazu beitragen.


    Ich kann es natürlich nicht nachempfinden, nur nachvollziehen und beobachten, was ich in meinem Umfeld sehe und es scheint wirklich ein lebenslanges Problem zu sein, das nicht einmal mit dem Tod der Mutter überwunden wird.

  • Hallo Grünes Kistchen und ander Leser!


    Ist schon eine blöde Situation: Man will die Person, die man gerne hat (in Deinem Fall die Mutter) nicht vor die Hunde gehen sehen, und gleichzeitig weiß man, dass man es ihr zu leicht macht und verhindert, dass sie sich jemals schlecht genug fühlt, um etwas gegen die Alkoholsucht zu unternehmen, wenn man sich jederzeit um sie kümmert. Sei froh, dass Du mit Deiner Familie weit von Deiner Mutter entfernt wohnst! Dann ist es auch einfacher, emotional Abstand zu halten. Was Deine Geschwister machen, müssen sie selbst wissen. Mach, wonach Dir ist, und vergiss das dumme schlechte Gewissen!


    Ein Glück, dass Du als Kind Verwandte hattest, an die Du Dich im Notfall wenden konntest. Das war immer schon mal was!


    Ich höre aus Deinen Worten heraus, dass Du auch oft Dinge mit Dir selbst ausmachst statt Dich anderen anzuvertrauen. Bei mir ist das ähnlich und inzwischen zu einer festen Gewohnheit geworden, dass es mir schwerfällt, das nun zu ändern. Ich habe meinem Mann bisher nichts von der Alkoholsucht meiner Mutter erzählt, weil ich weiß, dass er zwar versuchen würde, meine Gefühle zu verstehen, er es aber letztendlich wohl doch nie richtig könnte, denn in seiner Familie gab es keinerlei Probleme mit Alkohol, sonstigen Süchten, psychischen Erkrankungen,... Ich glaube, ich müsste ihm viel erklären, was jemand wie Du und ich einander nicht erklären müssten, weil wir die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Mein Mann würde wahrscheinlich „dumme“ Fragen stellen bei aller Mühe, mich verstehen zu wollen, und ich fürchte, dass ich ihm manche dieser Fragen (zu Unrecht vielleicht) übelnehmen würde. Beispielsweise wäre ich beleidigt/entrüstet darüber, wenn mein Mann sowas sagen würde wie „Immerhin hast Du noch eine Mutter.“


    Da ich kein besonders starkes Bedürfnis verspüre, von meiner Mutter zu sprechen, lasse ich es halt einfach. Es ist eh alles lange her. Mein Mann kennt übrigens den Großteil meiner Geschichte, nur eben das (wichtige) Detail mit dem Alkohol nicht. Er war dabei, als ich mich von meiner Mutter losgesagt habe und war mir eine große Hilfe, sonst hätte ich das wohl nie so konsequent durchgezogen. An Deiner Stelle würde ich mich nur den Leuten anvertrauen, die Dich in dem Entschluss, den Kontakt zu Deiner Mutter abzubrechen, bestärken. Sonst hast Du es nur noch schwerer und müsstest Dich rechtfertigen und würdest vielleicht unter dem gefühlten Druck einknicken. Andererseits ist es auch ungünstig, wenn man seinen nächsten Angehörigen die Wahrheit nicht sagen mag.


    Unter meinen Kindheitserinnerungen leide ich nicht mehr so sehr, ich habe viel Zeit darein gesteckt, über mein Leben nachzudenken und die Vergangenheit zu verarbeiten. Schlimmer ist, dass ich immer noch schädliche alte Verhaltensmuster habe, die verhindern, dass ich so glücklich bin, wie ich es sein könnte. Aber ich bleibe am Ball und arbeite daran!


    Bei Interesse oder konkreten Fragen kannst Du mir gerne mal eine pn schicken. Ich möchte nicht zu viele Details meiner Geschichte hier in der Öffentlichkeit teilen.


    Viele Grüße!

  • Ich habe in den letzten 48 Stunden eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle erlebt. Immer wieder haben mich meine Erinnerungen eingeholt und ich habe alle für mich getroffenen Entscheidungen in Frage gestellt. Nun habe ich mit meinem Mann gesprochen. Ich habe mit meiner Schwester gesprochen. Meinen innigen Dank an sie, sie hat ganz anders reagiert, als ich erwartet habe. Ich sehe meine Mutter als meine Mutter an, ohne Zuneigung, ohne jegliche Gefühle. Sie ist meine Mutter, mehr nicht. So habe ich es meinem Mann und meiner Schwester dargestellt. Ich brauche den Abstand, ich will für mich da sein, mich um mich kümmern. Das kleine Mädchen in den Arm nehmen.
    Ich will einfach so mal was machen, ohne schlechtes Gewissen, ohne Kontrolle. Sei es nur teure Schuhe kaufen..
    Ich werde mich auf eine neue Arbeitsstelle bewerben, dass mache ich nur für mich. Für mein Selbstvertrauen, gegen meine innere Zerrissenheit.
    Ich wünsche Euch allen noch ein schönes Osterfest!

  • Hallo,


    nach längerer Zeit möchte ich mich wieder zu Wort melden...
    Die Monate April und Mai sind berufsbedingt sehr arbeitsintensiv.
    Ich habe nun seit Januar keinen Kontakt mehr zu meiner Mutter, einzige Ausnahme war eine SMS zum Geburtstag. Ich konnte das einfach nicht übergehen, schöne Grüße ans schlechte Gewissen.
    Sie hält sich auch daran, keine Versuche per Telefon, Post o.ä. Ich glaube, dass es ihr damit sogar ganz gut, war sie es doch immer, die den Kontakt zu mir aufrecht erhalten hat. Nur so ein Gefühl, vielleicht irre ich mich auch.
    Mir geht es gut damit, vorallem nach dem Gespräch mit meiner Schwester zu Ostern. Im Laufe des Sommers stehen noch Familienfeiern an, ich weiß noch nicht so richtig, wie ich mich da verhalten soll. Am besten auf mich zukommen lassen, wenn da nicht schon im Vorfeld das Überlegen und Nachdenken einstzen würde...


    In puncto Selbstvertrauen bin ich noch keinen großen Schritt vorangekommen, auch das Gefühl mich rechtfertigen zu müssen/wollen, kann ich schlecht ablegen. Wahrscheinlich wird es mich immer begleiten.
    Aber alles in allem bin ich momentan zufrieden, ich weiß, dass der Schritt richtig und wichtig war. Ich habe keine Angst mehr, wenn ich ihre Nummer auf dem Display gelesen habe bzw., wenn jetzt das Telefon klingelt. Wenn doch, Geburtstag meiner Tochter, gibt's ja den AB. Zum Verhältnis meiner Kinder zu ihrer Oma habe ich schon geschrieben, insofern verwunderlich, dass sie überhaupt angerufen hat.


    Liebe Grüße an alle!

  • Hallo und Guten Morgen!


    Im August habe ich nach einem Jahr meine Mutter wiedergetroffen. Ich war erschrocken, wie sie sich erneut verändert hat. Im letzten Sommer, auch wenn es nur ein Nachmittag und somit eine Momentaufnahme war, sah sie gesünder aus als letztens. Aufgeschwemtes Gesicht in dem die Augen wie Schlitze wirkten, nicht ungepflegt, aber gerade so, dass es nicht ungepflegt wirkte. Trotz der Distanz tut es mir weh und ich muss immer wieder daran denken.
    Ich drücke es mal aus wie es ist und auch mein Bruder hat es ähnlich formuliert, sie säuft sich um den Rest ihrer Gesundheit. Ich muss es akzeptieren, dass es ihr Leben ist. Sie will nichts daran ändern, kann es wohl auch nicht, sie hat sich in ihrem Leben mit dem Alkohol eingerichtet. Nach mehr als 35 Jahren, in denen ich meine Mutter in allen möglichen Situationen erlebt habe, davon 12 Jahre im direkten Zusammenleben, wage ich zu sagen der Zug ist abgefahren. Sie wird kommendes Jahr 68!!!! Ich glaube nicht, dass sich da noch etwas ändert.
    Was mir bleibt, ist die Erkenntnis, das meine Entscheidung richtig war. Das Familienleben und der Zusammenhalt wie bei anderen, der fehlt mir trotzden.


    Grüße!

  • Hallo Grünes Kistchen,


    ich kann mir das gut vorstellen, wie erschrocken du warst, deine Mutter zu sehen.


    Ich kenne das von meinem Sohn. Der lebt gerade nicht in Berlin und kommt nur ab und an mal zu Besuch. Er wohnt dann immer bei seinem Vater, weil der genug Platz hat. Der Vater, also mein Exmann, trinkt ja auch schon lange...


    Beim letzten Besuch vom Sohn im Juli meinte er, es wäre erschreckend, wie stark der Vater abgebaut hätte. Es wäre kaum auszuhalten. Man könne schon morgens kein normales Gespräch mehr mit ihm führen, was vor einigen Monaten davor noch zum größten Teil möglich war. Und er bekäme ja auch in der Zeit, in der er dann da wohnt, mit, was da abläuft. Das Trockenkotzen morgens, die Besinnungslosigkeit, die im Laufe des Tages immer mehr wird. Der körperliche Verfall.


    Das tut selbst mir weh zu hören, ich war ja mit meinem ersten Mann 26 Jahre zusammen. Aber für meinen Sohn ist das noch mal anders, für ihn ist es der Vater, den er da sieht. Sohn redet nur wenig darüber, leider. Er verdrängt oder macht mit sich alleine was aus. Und dann fährt er ja immer nach wenigen Tagen wieder weit weg. Und diese Entfernung ist sehr gut! So empfinde ich das. Ich erlebe ja den Sohn bei Telefonaten und so, er ist dann immer wieder wesentlich entspannter, wenn er wieder weg ist.


    Akzeptanz ist sehr wichtig! Und so schwer. Es handelt sich ja um deine Mutter und da ist schon ein besonderes Verhältnis, eine Bindung. Ich merke es ja auch an meinem Sohn, da ist es eben der Vater. Die Entfernung ist da das beste!


    Du hast deine Entscheidung getroffen. Das ist gut, schreibst du ja selbst.


    Liebe Grüße
    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

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