Hallo Zusammen, ich bin 22 Jahre alt und das erste Mal in einem Selbsthilfeforum, aber leider nicht neu in diesem leidigen Thema. Beiträge von anderen Leidensgenossen haben mich nun dazu ermutigt mich auch vorzustellen.
Meine Mama ist seit ich denken kann Alkoholkrank und ich habe alles von klein auf miterlebt. Die meisten meiner Erinnerungen an meine Kindheit drehen sich rund um dieses Thema. In einer Co-Abhängigkeit befinde ich mich schätzungsweise, seit ich 12 bin und ihre Schränke durchsucht habe, um Flaschen auszuleeren. Von der Drohung, dass ich ins Kinderheim gehe wenn sie nicht aufhört bis dazu dass ich ihr den Führerschein entziehen hab lassen war alles dabei. Sie hat bereits zahlreiche Entgiftungen und zwei Therapeutische Klinikaufenthalte gemacht, aber immer und immer und immer wieder Rückfälle.
Ich hatte als ich 15 war nach mehreren Zusammenbrüchen meinerseits eine Psychotherapie über ein Jahr. Diese ist dann eher schleichend ausgelaufen, nach einigen Rückfällen meiner Mama, war es dann wieder soweit, dass ich mit 18 erneut für zwei Jahre fast wöchentlich dorthin bin. In den Therapien habe ich theoretisch viel gelernt, über das Krankheitsbild, über die Co-Abhängigkeit, dass es wichtig ist auf sich selbst zu achten, über unsere Mutter Rollenverschiebung usw…
… und jetzt hatte sie in der letzten Woche den zweiten Rückfall in diesem Jahr. Ich wohne seit ich 18 bin nichtmehr Zuhause, fahre aber unter der Woche regelmäßig für einen Kaffee zu ihr. Ich betrete den Flur und rieche sofort, dass es wieder so weit ist. Sie geht regelmäßig zu den AA und spricht mit mir mittlerweile auch sehr offen darüber. Noch vor zwei Wochen erzählte sie mir von einer neuen und wie sie versucht ihr zu helfen, dass diese Person ihr Problem nicht sieht, usw… Ich hatte dadurch das Gefühl von Sicherheit und dass gerade alles gut ist, also war die Enttäuschung groß und ich bin nach einem Blick zu ihr einfach wieder gegangen (dass das nicht die Feine Art ist, weiß ich, aber in diesem Moment hatte ich keine Kraftreserven mehr, um noch unterstützende Worte zu finden). Es ist jetzt 4 Tage her, ich habe noch nichts von ihr gehört und um mich selbst zu schützen verbiete ich mir dorthin zu fahren und nach dem Rechten zu sehen. Selbst wenn es ihr demnächst wieder besser gehen sollte, spiele ich mit dem Gedanken den Kontakt zu minimieren, wozu mir bisher immer der Mut gefehlt hat. Ich denke allerdings aktuell an nichts anderes als an sie, kann nicht essen, kann nicht schlafen. Ich mach mir solche Sorgen, solche Vorwürfe, dass es mich auffrisst. Der Gedanke, dass es eine Krankheit ist und wahnsinniges Mitleid macht mir am meisten zu schaffen. Ich starte also gefühlt wieder bei 0.
Ich habe mir jedoch dank der Therapie über die Jahre ein Netz aufgebaut, das mich auffangen soll, habe einen Partner, habe gestern meine Freundinnen getroffen, zweimal die Woche abends Sportkurse. Das alles hilft zwar, dennoch geht es mir miserabel.
Ich habe also vorhin mit dem Gedanken gespielt nach eine Al-Anon Gruppe zu suchen. Ich wohne in einer Kleinstadt. Die einzige Gruppe ist doch tatsächlich im selben Haus und fast zur selben Zeit wie ihre AA Gruppe, was mich sehr stark abschreckt.
Nun bin ich hier und möchte es versuchen mir selbst durch den Austausch mit anderen zu helfen und wieder mehr Abstand zu ihr zu gewinnen.