Hallo zusammen,
ich bin Tochter eines alkoholkranken Papas und lese schon seit Jahren in diesem Forum mit. Mal mehr, mal weniger. Um den Text nicht komplett ausarten zu lassen, kann ich euch sagen, dass wir in der Familie quasi die "klassische" Alkoholabhängigen/Co-Abhängigen-Karriere hinter uns haben, heißt mit ca. 12 habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Was folgten war: ein Autounfall im besoffenen Zustand, Schlägerei in der Kneipe, irgendein Entzug (auf Drängen von meiner Mama), aber keine weitere Therapie, dann bin ich irgendwann ausgezogen. Das Thema hat mich phasenweise immer mal mehr oder mal weniger beschäftigt. Vor vier Jahren habe ich den Kontakt zu meinem Papa abgebrochen und nach einem 3/4 Jahre wurde der Kontakt langsam wieder aufgenommen und ich habe mich wieder darauf eingelassen. Der Grund des Kontaksabbruchs lag darin, dass ich dachte, damit könnte ich etwas ändern; meinen Papa zum Umdenken bringen. Ich muss aber sagen, dass dieser Abbruch für mich heilsam war, weil ich verstanden habe, dass ich nur etwas für mich tun kann und dass selbst ein Kontaktabbruch der Tochter nicht zur Einsicht führt.
Derzeit ist es so, dass mein Papa voll drinsteckt. Heißt betrunken Auto fahren, neben das Klo pinkeln, mitten am Tag betrunken einschlafen, mich betrunken anrufen. Der Kontakt zu meinem Papa ist generell schon wirklich wenig, da ich mich einfach zurückgezogen habe. Ich habe ihm vor kurzem verboten mich anzurufen, wenn er besoffen ist. Daran hält er sich auch, bedeutet, er ruft mich gar nicht mehr an, da er sich nüchtern nie gemeldet hat. Ich fahre auch nicht nach Hause, wenn ich weiß, dass mein Papa alleine ist. Ich halte mich grundsätzlich fern.
Wenn ich nach Hause fahre, dann fahre ich mit schwitzigen Händen, Kloß im Magen und Halsbereich und einer krassen Anspannung nach Hause, weil man natürlich nie weiß, ob er nicht doch getrunken hat. Und was ich völlig, wirklich völlig, abstrus finde ist, wie beruhigt ich dann bin, wenn ich ihn sehe und ich weiß, dass er so nüchtern ist, dass man nicht merkt, dass er ggf. Was getrunken hat. Dass mein Körper eine solche Reaktion zeigt, nehme ich absolut ernst und bemühe mich derzeit um einen Therapieplatz.
Dieses Jahr war für unsere gesamte Familie aus anderen Gründen ein ziemlich knackiges Jahr und irgendwie fangen bei mir jetzt schon die Gedanken an, wie ich Weihnachten gestalten möchte. Ich bekomme es hier einfach nicht hin meinen Kopf und meinen Bauch überein zu bekommen. Ich weiß, dass ich machen darf was ich möchte. Mein Bauch sagt "bitte fahr nach Hause und verbringe ein schönes Weihnachten mit deiner Familie." Mein Papa wird, wie immer kochen und sich kümmern und sich ehrlich auf die Weihnachtstage freuen.
Aber die Unsicherheit wird ja immer bleiben..Es ist einfach nicht klar, ob er sich zwischendurch nicht doch etwas trinkt.
Generell ist die Kontaktart wie sie derzeit ist, okay für mich, aber das wird natürlich schwierig, wenn es um Familienfeste geht bei denen man an einem Tisch sitzt.
Ja, und jetzt ist der Text doch wesentlich länger geworden und so eine richtig konkrete Frage kann ich auch irgendwie nicht stellen.🫣
Liebe Grüße
eka