eka - Weihnachten klopft schon an die Tür..🎄

  • Hallo zusammen,

    ich bin Tochter eines alkoholkranken Papas und lese schon seit Jahren in diesem Forum mit. Mal mehr, mal weniger. Um den Text nicht komplett ausarten zu lassen, kann ich euch sagen, dass wir in der Familie quasi die "klassische" Alkoholabhängigen/Co-Abhängigen-Karriere hinter uns haben, heißt mit ca. 12 habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Was folgten war: ein Autounfall im besoffenen Zustand, Schlägerei in der Kneipe, irgendein Entzug (auf Drängen von meiner Mama), aber keine weitere Therapie, dann bin ich irgendwann ausgezogen. Das Thema hat mich phasenweise immer mal mehr oder mal weniger beschäftigt. Vor vier Jahren habe ich den Kontakt zu meinem Papa abgebrochen und nach einem 3/4 Jahre wurde der Kontakt langsam wieder aufgenommen und ich habe mich wieder darauf eingelassen. Der Grund des Kontaksabbruchs lag darin, dass ich dachte, damit könnte ich etwas ändern; meinen Papa zum Umdenken bringen. Ich muss aber sagen, dass dieser Abbruch für mich heilsam war, weil ich verstanden habe, dass ich nur etwas für mich tun kann und dass selbst ein Kontaktabbruch der Tochter nicht zur Einsicht führt.

    Derzeit ist es so, dass mein Papa voll drinsteckt. Heißt betrunken Auto fahren, neben das Klo pinkeln, mitten am Tag betrunken einschlafen, mich betrunken anrufen. Der Kontakt zu meinem Papa ist generell schon wirklich wenig, da ich mich einfach zurückgezogen habe. Ich habe ihm vor kurzem verboten mich anzurufen, wenn er besoffen ist. Daran hält er sich auch, bedeutet, er ruft mich gar nicht mehr an, da er sich nüchtern nie gemeldet hat. Ich fahre auch nicht nach Hause, wenn ich weiß, dass mein Papa alleine ist. Ich halte mich grundsätzlich fern.

    Wenn ich nach Hause fahre, dann fahre ich mit schwitzigen Händen, Kloß im Magen und Halsbereich und einer krassen Anspannung nach Hause, weil man natürlich nie weiß, ob er nicht doch getrunken hat. Und was ich völlig, wirklich völlig, abstrus finde ist, wie beruhigt ich dann bin, wenn ich ihn sehe und ich weiß, dass er so nüchtern ist, dass man nicht merkt, dass er ggf. Was getrunken hat. Dass mein Körper eine solche Reaktion zeigt, nehme ich absolut ernst und bemühe mich derzeit um einen Therapieplatz.

    Dieses Jahr war für unsere gesamte Familie aus anderen Gründen ein ziemlich knackiges Jahr und irgendwie fangen bei mir jetzt schon die Gedanken an, wie ich Weihnachten gestalten möchte. Ich bekomme es hier einfach nicht hin meinen Kopf und meinen Bauch überein zu bekommen. Ich weiß, dass ich machen darf was ich möchte. Mein Bauch sagt "bitte fahr nach Hause und verbringe ein schönes Weihnachten mit deiner Familie." Mein Papa wird, wie immer kochen und sich kümmern und sich ehrlich auf die Weihnachtstage freuen.

    Aber die Unsicherheit wird ja immer bleiben..Es ist einfach nicht klar, ob er sich zwischendurch nicht doch etwas trinkt.

    Generell ist die Kontaktart wie sie derzeit ist, okay für mich, aber das wird natürlich schwierig, wenn es um Familienfeste geht bei denen man an einem Tisch sitzt.

    Ja, und jetzt ist der Text doch wesentlich länger geworden und so eine richtig konkrete Frage kann ich auch irgendwie nicht stellen.🫣

    Liebe Grüße

    eka

  • Hallo eka,

    herzlich willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.
    Schön, dass du dich nach Jahren des stillen Mitlesens hier angemeldet hast.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern im Forum klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Du brauchst nur ganz kurz etwas zu schreiben.

    Danach werden wir dich freischalten und dein Thema in den entsprechenden Bereich verschieben, wo dann auch der Austausch stattfinden kann.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Du bist jetzt für die offenen Bereich freigeschaltet. Ich habe dein Thema in den EKA-Bereich verschoben.

    Du kannst jetzt überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich.


    Ich wünsche dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Viele Grüße

    Stern

    ⭐️

    Wenn du heute aufgibst, wirst du nie wissen, ob du es morgen geschafft hättest.

  • Hallo Eka,


    mir geht’s ähnlich. Mein Papa ist vor 3 Wochen gestorben, war da bereits zwei Jahre trocken. Meine Mama ist noch tiefer drin als ich dachte - ein Entzug ist bei ihr für den 14.11. geplant mit anschließender Reha (sofern sie dafür noch bereit ist). Auch ich mache mir Gedanken wie das erste Weihnachten ohne meinen Papa ablaufen soll und auch Silvester 🤔 mit der Familie von meinem Mann verbringe ich gerne Zeit und würde mit ihnen auch Weihnachten verbringen, nur habe ich wenig Lust auf meine Mutter wenn sie bis dahin weiterhin noch trinken (will / wird). Das bereitet mir auch Bauchschmerzen. Auch fühle ich diese Gefühle (Magenschmerzen, Unwohlsein etc.) wenn ich zu meinen Eltern gefahren bin. NIE ohne mich vorher anzukündigen und nie später als 16 Uhr weil dann solangsam der Pegel stieg. Bin auch nie an Telefon gegangen wenn sie abends versucht haben mich anzurufen (hab sie immer mit Ausreden über WhatsApp abgewimmelt) weil ich immer Angst hatte das sie betrunken sind und mich voll lallen.

    Naja so richtig konnte ich dir glaube ich gerade nicht helfen, dir aber vielleicht das Gefühl geben, nicht alleine zu sein in solchen Situationen.

    Ich höre seit den Wochen wirklich nur noch auf meinen Bauch, wenn mir unwohl wird nehme ich mich aus der Situation raus auch wenn das derzeitig bedeutet, das ich so gut wie keinen Kontakt zu meiner Mutter habe.


    Was sagt dir denn dein Bauch wenn du bei deinem Papa bist?

    LG Landliebe

  • Liebe Eka,


    auch von mir herzlich willkommen hier. Schön, dass Du schreibst.

    Wenn ich nach Hause fahre, dann fahre ich mit schwitzigen Händen, Kloß im Magen und Halsbereich und einer krassen Anspannung nach Hause, weil man natürlich nie weiß, ob er nicht doch getrunken hat.


    Ich finde mich in dieser Beschreibung so sehr wieder, echt Wahnsinn. Ich hatte auch immer dieses Gefühl. Bei uns war es so, dass das Trinken immer gegen 16:30 Uhr losging, d.h. bei mir fingen die Hände ab diesem Zeitpunkt an zu schwitzen. Allerdings war man sich davor auch nie so ganz sicher, ob nicht schon mal was die Kehle runtergeflossen ist.


    Im Gegensatz zu Dir habe ich es nie wirklich geschafft, auf Abstand zu gehen. Was mir gelungen ist, ist die Situation rechtzeitig bevor die Stimmung aggressiv wurde, so zu lesen, dass ich den richtigen Zeitpunkt zu gehen eigentlich nicht mehr verpasst hab. Das habe ich über die Jahre perfektioniert.


    Deinen Gewissenskonflikt mit Weihnachten kann ich sehr gut verstehen. Ich war vor zwei Jahren in der gleichen Situation. Einen Rat kann ich Dir nicht geben, aber erzählen, wie es gelaufen ist:


    Vor zwei Jahren war Corona ja gerade vorbei und ich hatte die Idee, dass ich alle zu uns einladen könnte, nachdem man ja die Feste zuvor mehr oder weniger in Isolation verbracht hat. Meine Jungs waren damals 2 und 5 und der Jüngere ist kurz vor Hl. Abend krank geworden. Es war eh schon Stress pur, der Kleine hat die ganze Zeit geweint, hatte Fieber und musste immer von einem von uns rumgetragen werden.


    Long Story short: Als ich meiner Familie die Tür aufgemacht hab, war mir sofort klar, dass mein Vater hacke ist. Ich hab das immer an dem leicht stierenden Blick erkannt. Er hat dann den ganzen Abend vor sich hin gegrummelt und wechselnd entweder meine Mutter oder meine Frau angepöbelt. Weil mein Sohn die ganze Zeit geweint hat und das meinem Vater zu viel war (es ging ja mal wieder nicht ausschließlich um ihn), hat er meinen Sohn, kurz bevor er gegangen ist, als kleinen Terroristen beschimpft. Danach ist er heimgegangen und hat sich dort wahrscheinlich zugedröhnt. Weihnachten war dadurch für mich gelaufen und ich wollte am nächsten Tag alles eskalieren lassen. Ich wurde aber dann angefleht von meiner Mutter es nicht zu tun, worauf ich mich dann eingelassen hab, was die falsche Entscheidung war.


    Ich weiß, es ist schwer. Aber Du wirst wissen, was für Dich die beste Entscheidung ist.


    Liebe Grüße


    Seb

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