Beiträge von Stern

    Herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe, Andreas_Rheintal

    Vor ungefähr 13 Jahren habe ich meine erste Entwöhnung durchgeführt. Die Ergebnisse wechseln. Von wenigen Tagen bis hin zu fast 6 Monaten reichen meine Abstinenzerfahrungen.

    Du schreibst von Abstinenzerfahrungen.
    Für mich waren das immer Trinkpausen. Trinkpausen, zwar mit dem festen Willen, dass dies jetzt für immer ist, aber immer auch mit einem kämpfen verbunden und die Gedanken an Alkohol viel zu präsent und übermächtig.

    Konntest du in den nüchternen Phasen für dich feststellen, dass es dir wesentlich besser geht oder war jeder Tag ein Kampf gegen den Alkohol?
    Was konntest du aus diesen Trinkpausen für mich mitnehmen?

    Nunja, ich will nicht jammern. Im Gegenteil, ich weigere mich aufzugeben.

    Dieses ‚aufgeben‘ ist mir ins Auge gesprungen.
    Was genau meinst du damit?

    Ich habe nämlich aufgegeben. Aufgegeben zu kämpfen, aufgegeben, meine Alkoholsucht besiegen zu wollen. Aufgegeben, mir Leid zu tun.

    Ich habe meine Alkoholsucht angenommen, sie akzeptiert. Und ich habe verstanden und das akzeptiert, dass ich jetzt für immer Alkoholiker bleiben werde. Da erst konnte ich nüchtern werden, ohne das Gefühl zu haben, ich muss besonders stark sein, um das zu schaffen.

    Sucht hat nichts mit Schwäche zu tun ….nüchtern werden und bleiben nichts mit Stärke.
    Heute sage ich für mich: Nüchtern werden und bleiben ist eine Entscheidung, meine Entscheidung für mich und für mein Leben.

    Die Alkoholsucht geht nie nie wieder weg. Aber mit absoluter Abstinenz geht sie zum Stillstand zu bringen. Für immer. Solange es keinen einzigen Schluck Alkohol gibt.
    Den Anfang hast du gemacht. Fühlt sich das nicht befreiend an?

    Aber die Sucht ist mächtig, trickst und lügt. Schmeichelt und umgarnt.

    Die Sucht ist genauso mächtig, wie du ihr Macht gibst.
    Das Suchthirn bleibt erhalten, auch nüchtern.
    Aber letztlich ist es nicht die Sucht, die wieder säuft….letztlich bin ich es.

    Ist dein Zuhause alkoholfrei?

    Es gibt keine Ausrede dafür, ich zweifle nicht an der Aussage, dass ich Alkoholiker bin aber ja, ich habe den richtigen Weg für mich noch nicht gefunden. Ich muss mir wohl doch Hilfe von einer realen SHG oder auch einem Psychotherapeuten suchen um das Problem in den Griff zu bekommen.

    Nimm dir jede Hilfe, die du kriegen kannst.

    Du musst dir keine Hilfe von einer realen SHG oder auch von einem Psychotherapeuten suchen, du darfst das.

    Ich finde es im Zusammenhang mit der Alkoholsucht auch schwierig, davon zu sprechen, ‚das Problem in den Griff zu bekommen‘.
    Klingt es nicht entspannter: Ich möchte lernen, mit meiner Alkoholsucht zu leben. Weil die Alkoholsucht mich ja nun mein gesamtes weiteres Leben begleiten wird, möchte ich mich mich mit ihr versöhnen, sie nicht mehr als ,Problem‘ empfinden müssen.

    Ein Problem war meine Sucht, als ich noch gesoffen habe.,Nüchtern empfinde ich meine Alkoholsucht gar nicht mehr als Problem.

    Was mir wichtig ist, ist dass ich heute nichts getrunken habe und morgen nichts trinken werde.

    Manche hier kommen mit einem ‚für heute‘ entspannter durch den Tag als mit dem ‚für immer‘.
    Jeden Tag ‚für heute‘ ist auch am Ende des Lebens ‚für immer‘ gewesen.

    Mir persönlich war es wichtig, mich direkt ‚für immer‘ zu entscheiden. Das hat mir auch noch mal deutlicher gemacht, dass ich meine Alkoholsucht lediglich stoppen konnte. Und sie wird nur solange gestoppt sein, wie ich keinen Alkohol trinke. Und weil ich sie für immer gestoppt haben möchte, gibt es auch nie wieder Alkohol. So zumindest der Plan.

    Ich habe das Bier ja selber gekauft für die Family. Das Bier da ist hat keinen gewundert, dass ich immer noch nichts trinke hat allen sehr gefallen aber gefragt ob es mich stört hat keiner.

    Warum sollte auch jemand fragen, ob es dich stört, wenn sie genau das trinken, was du ihnen hinstellst?

    Ich setze die Priorität nun anders . Trotzdem beneide ich die Leute, die nur 1 mal im Monat trinken können etwas ,da bin ich ehrlich .

    Warum beneidest du die Leute, die nur 1 mal im Monat trinken können? Was vermisst du?

    Meine Priorität: Ich. Und mich gibt es nur absolut nüchtern. Jeden Tag.

    Ich beneide niemanden, der Alkohol trinkt. Weil Alkohol genau der Stoff ist, der mich hat süchtig werden lassen und weil auch dieses einmal im Monat irgendwann in der Sucht enden kann.

    Und zack der Gedanke....hätte ich jetzt auch gemacht....


    Ich finde diesen Gedanken erstmal gar nicht schlimm. Wichtig ist doch, welche Bedeutung du dem gibst.
    Ist es eher ein ‚boah, das hätte ich jetzt auch gern‘ dann Hand zur Faust geballt und durchgehalten oder ein ‚ist das schön, dass ich das jetzt nicht mehr muss‘ und mit einem Lächeln im Gesicht zurück in die Vorstellung….


    Aber...bin völlig überrascht,wo mir Alk begenet ,bzw wie oft ich selber die Möglichkeit genutzt habe ,um an meinen Stoff zu kommen.

    Alkohol ist doch so ziemlich überall allgegenwärtig. Die Welt wird nicht trockener, nur weil wir nicht mehr saufen.
    Solche Momente können doch auch als persönliche Rückschau gesehen werden….sachlich, es war eben so, und jetzt ist es anders.

    So, 3 Monate sind um, nichts getrunken und siehe da, es geht!

    Siehe da, es geht. Hmmmmm.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ein Gratulieren zu 3 nüchternen Monaten bei dir wirklich das ist, was dir Hilfe sein kann, was dich ein wenig mit Stolz erfüllt oder worüber du dich freuen kannst, was dir wirklich etwas bedeuten könnte ….

    Du hast zwar jetzt schon 3 Monate keinen Alkohol getrunken, aber eben auch erst 3 Monate.
    Wenn ich bei dir lese, kommt es mir vor, als wenn du dir beweisen möchtest, dass du den Alkohol nicht brauchst….
    Es würde mich wirklich freuen, wenn mein Gefühl mich täuscht, aber im Moment spüre ich hier beim lesen wenig (bis gar nix) von einer wirklichen Entschlossenenheit, von einem echten ‚Ja zum Leben‘.

    Wenn du Alkoholiker bist, dann brauchst du den Alkohol. An diesem ‚brauchen‘ ändert auch eine Trinkpause von mehreren Monaten nix.


    Noch vor 2 Wochen hat Du das geschrieben:

    Habe in letzter Zeit immer wieder das Verlangen nach einem Bier, so nach dem Motto eines wird schon nicht schaden. Oder auch der Gedanke, dass 3 Monate jetzt so gut wie um sind, da kann man doch mal was trinken, usw.. kennen wahrscheinlich die meisten von euch auch, fällt mir echt gerade schwer das zu ignorieren und ich fange immer wieder an denn Sinn der Abstinenz zu hinterfragen.

    Und jetzt begibst du dich in eine Situation, wo auf dem Tisch mehrere Gläser Alkohol stehen.

    Hast du denn in den letzten Wochen deine ganz persönliche Antwort auf die Frage nach dem Sinn der Abstinenz ….deiner Abstinenz… gefunden?

    Ich glaube mein Risiko ist eher, dass ich mich zu sicher fühle und hin und wieder auch meine das testen und mir etwas beweisen zu müssen. Es fühlt sich an wie eine Herausforderung die es zu bestehen gilt, ein innerer Kampf. Warum ich das mache? Ich weiß es selber nicht, leider, aber ich scheine es zu brauchen. Die Frage stellt sich nicht was passiert wenn ich diesen Kampf verliere, zum Glück passieren diese Situationen nicht oft

    Eine einzige solche Situation reicht, um rückfällig werden zu können. Und ein einziger Rückfall reicht, um bis an den Rest deines Lebens weitersaufen zu müssen, alles zu verlieren und elendig zu verrecken.

    Ich finde, du gehst ziemlich viel Risiko ein.
    Deine Gedanken haben so gar nichts von dem, was ich für meinen nüchternen Weg brauche. Meine Nüchternheit ist in meinem Kopf. Nüchternbleiben geht nur ganz oder gar nicht …und beginnt im Kopf.

    Nachträglich noch alles Gute zum Geburtstag und für dein neues Lebensjahr wünsche ich dir, dass sich noch ganz viel für dich und in dir drin gut anfühlt. 💐

    Zum Schreiben, was nicht gesagt werden kann: Was ist deine Motivation und deine Hoffnung dahinter?
    Willst du verstehen oder mitteilen oder fragen? Das wäre so das, was ich mich erstmal fragen würde, wenn ich es in Erwägung zöge, jemanden einen Brief zu schreiben, weil reden nicht geht oder so schwer fällt.

    Hinsetzen, aufschreiben ….alleine das ist ja schon ‚Ballast abwerfen’, sortiert Gedanken (wenn es darum geht).
    Eine Chance auf Antworten hast du aber nur, wenn du den Brief dann auch abschickst. Eine Garantie, dass es dir danach besser geht, gibt es nicht, eine Chance gibt es immer…..

    Irgendwie macht mir mein (mittlerweile gestoppter) Gewichtsverlust Sorge und ich frage mich, inwiefern das (unter anderem auch) auf die fehlenden Alkoholkalorien zurückzuführen ist. Habt ihr abgenommen als ihr keinen Alkohol mehr getrunken habt?

    Anfangs habe ich gar nicht so abgenommen, weil ich so ziemlich jede Alkoholkalorie gegen eine Süßkramkalorie eingetauscht hatte.

    Als ich dann den Süßkram weggelassen habe (bzw. drastisch reduziert), sind die Kilos geschmolzen. Ziemlich viele sogar.
    Ich sehe da schon einen Zusammenhang zum Alkohol, einfach, weil das Eine ohne das Andere gar nicht möglich gewesen wäre.
    Dabei messe ich dem Alkohol auch keine übermäßige Bedeutung bei. Und ehrlich gesagt fände ich es schon merkwürdig, den ehemaligen Alkoholkonsum so gänzlich aus der körperlichen Entwicklung rauszulösen.

    Natürlich war der Alkohol der Grund, warum ich immer mehr aus dem Leim gegangen bin, weil der ja ein ordentliches Zuviel an Kalorien geliefert hat. Und mit Sicherheit wären diese Alkoholkilos auch viel eher gepurzelt, wenn ich nicht angefangen hätte zu naschen.

    Jetzt halte ich mein neues Gewicht auch schon ziemlich lange. Und würde ich jetzt weiter abnehmen, was ich nicht will, wäre das sicher nicht mehr dem Weglassen von Alkohol geschuldet.

    Ich sorge mich gerade etwas um meine Gesundheit und gehe deswegen jetzt auch zum Arzt

    Das ist eine sehr gute Entscheidung.


    das will ich so gar nicht hören, trinkpausen sind mir auch zu wenig, ich strebe wie alle anderen hier auch die abstinenz an

    Was genau tust du dafür?

    Ich bin auch in keiner realen SHG. Habe ich auch nie vermisst. Alles, was ich für einen Austausch über meine Alkoholsucht brauche, finde ich hier.
    Och mag auch das Anonyme hier. Ist irgendwie unvoreingenommen, finde ich.

    ich gebe nicht auf liebe Stern. die zeiten mit alkohol an meiner seite hatte ich schon, dich möchte ich auf keinen fall wieder haben

    Ich hoffe, dieses ‚dich‘ ist der Autokorrektur geschuldet. 🫣

    Ich denke auch noch an die Zeit, wo ich so viel gesoffen habe. Das war eine wirklich schlimme Zeit.
    Mir persönlich hat es aber immer mehr geholfen, mich auf meinem nüchternen Weg auf das ‚jetzt‘ zu konzentrieren. Das Vergangene ist vorbei.

    Klar, die Sucht ist das, was mir aus der Vergangenheit bleibt. Das geht nicht mehr weg.
    Mit meiner Sucht zu leben funktioniert auch so gut, weil ich nur heute alles besser machen kann, rückblickend kann ich nichts mehr ändern. Dafür habe ich mich meiner Sucht versöhnt, sie als Teil von mir angenommen.

    nachgedacht und dann .... die mädels hier würden sagen eine extra runde gedreht und hartmut würde sagen, die hat es einfach nicht kapiert. weihnachten hat mich nicht getriggert, silvester auch nicht, da ich mich sehr zurückgezogen habe, wahrscheinlich zu sehr. zwei wochen lang habe ich wein angeschleppt, leere flaschen entsorgt, geweint, hab mich geärgert, geschämt,war depressiv und in dieser situation ohnmächtig.

    Vielen Dank, dass du von deinem Rückfall hier schreibst.
    Nur ….. was es tatsächlich ein Rückfall oder doch vielleicht dein ‚normal‘ zwischen den Trinkpausen?

    nach einem dry january befinde ich mich jetzt in der fastenzeit, die am sonntag zu ende geht, dann brauche ich ein neues ziel

    Als ich akzeptiert habe, dass ich Alkoholiker geworden bin, war es vorbei ….. diese Setzen der Tagesfristen, an denen ich keinen Alkohol trinke.

    Ich kam hier nicht nur mit dem festen Wunsch her, nie wieder Alkohol zu trinken, sondern auch mit der felsenfesten Überzeugung, dass ich das schaffen werde.
    Damals hatte ich genau null Vorstellung davon, wie das funktionieren soll oder funktionieren kann, ich wusste nur, so, wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen. Mein Leben mit Alkohol funktionierte nicht mehr. Ich funktionierte, aber ich hatte mich verloren und ich hatte mein Leben verloren.

    Du schreibst hier wenig.
    Bist du noch in einer realen SHG, wo du deine Gedanken zum Thema Alkoholsucht lassen kannst?

    Mir hat es gerade am Anfang sehr geholfen, mich hier mitzuteilen….von meinem nüchternen Tag zu erzählen. Alles war so neu, alles war so anders. Ich musste damit irgendwo hin.
    Diesen Ort habe ich hier gefunden. Weil ich mich hier gar nicht erklären muss, weil hier jeder weiß, wovon ich rede und weil ich hier zu meinen Gedanken eine Reaktion bekomme. Jedes ‚ich mache das so‘ … ‚mir hat dies und jenes geholfen‘ … ‚das würde ich jetzt nicht so machen‘ …. hat mir geholfen, meine Gedanken zu sortieren, mich wieder zu finden und meinen nüchternen Weg gehen zu können.

    Eigentlich dürfte ich mir heute einwenig auf die Schulter klopfen, aber irgendwie fühle ich heute nix. Kein Stolz, keine Freude ... komisch 🤷

    Du darfst dir nicht nur ‚eigentlich‘ auf die Schulter klopfen, du darfst dir auf die Schulter klopfen.
    Es ist dir gelungen, was nicht vielen gelingt: Du hast den Ausgang aus der Suchtspirale gefunden und du hast dir neue Strukturen für dein nüchternes Leben geschaffen. Das ist so viel.

    Es sind wunderbare 3 Monate, ich freue mich immernoch jeden Abend auf diesen tollen Schlaf und den klaren Morgen und bin einfach dankbar. Suchtdruck hatte ich glücklicherweise bisher nicht.

    Und du darfst auf 3 wunderbare Monate zurückblicken, dich über den tollen Schlaf und den klaren Morgen freuen und deine Dankbarkeit darüber genießen.

    Also, wenn du mich fragst, ist das gar nicht ‚irgendwie nix fühlen‘.

    Herzlichen Glückwunsch zu 3 wunderbaren nüchternen Monaten. 🌹🪻🌹

    Als Getränke gab es 2x Apfelschorle (0,5 l). Schon als mir das Getränk hingestellt wurde, merkte ich innerlich: Das Glas kannst Du nicht halten.

    War es das Glas oder die Farbe oder der Geruch der Apfelschorle?

    Ich hatte das mal mit einem Glas Holunderlimonde. Auch in einem 0,5 l-Glas.
    Als mir das Glas hingestellt wurde, kam mir ein Geruch von ‚Hugo‘ in die Nase. Den gab auch mit Holundergeschmack und ich habe den früher oft mit Wein gemischt, weil ich den Wein sonst nicht reinbekommen hätte…. Da ging gar nix mehr. Ich habe das Glas stehen gelassen.

    So viel zur Sucht... auch wenn man nichts trinkt, man wird sie nicht los!

    Nein, man wird sie nicht los.
    Die Alkoholsucht ist eine unheilbare Krankheit. Sie kann ‚nur’ gestoppt werden, und das auch nur genau so lange wie absolut abstinent gelebt wird.

    Das ist auch der Grund, warum bei mir jahrelang alle Versuche, die Sucht zu besiegen, gescheitert sind. Gegen die Sucht zu kämpfen zieht so viel Kraft und es ist ein Kampf, den niemand gewinnen kann.

    Erst, als ich das so akzeptieren konnte, konnte ich den Kampf aufgeben.
    Ich habe gelernt, mit meiner Sucht zu leben. Ich werde sie nie wieder los. Aber sie zum Stillstand gebracht zu haben, ist so viel wert.

    Ich möchte gerne nach vorne sehen und ,wenn auch langsam und mit kleinen Schritten,mir mein Leben portionsweise zurück holen.

    Das finde ich klasse.
    Das Vergangene geht ja eh nicht mehr zu ändern.

    Und....das geht nicht mit wenn ich weiter trinke. Weil ich mich nur damit betäube und mein Lebensradius noch kleiner mache.

    So ist es. 👍

    Nüchtern ist vieles überhaupt erst möglich.

    Aber alles was darauf folgte, all diese unnötigen Probleme, Provokationen, Beschimpfungen, Beleidigungen, Bedrohungen, Manipulationen und Schuldzuweisungen kann ich nicht vergeben.

    Ich frage mich, ob wirklich immer alles irgendwann verziehen werden muss.
    Für mich gibt es Unverzeihliches.

    Wie soll man je so etwas vergeben können und nicht mehr wütend sein? Ich weiß es nicht.

    Ich weiß es auch nicht.
    Viel mehr interessiert mich: Was kommt nach der Wut? Löst Hass die Wut ab oder besteht beides für immer nebeneinander?
    Vielleicht werde ich es nie erfahren. Und vielleicht ist es auch irgendwann gar nicht mehr wichtig.


    Wir haben komplett unterschiedliche Lebensgeschichten und doch ähnlich sich manche Gedanken und Gefühle.
    Ich lese dich und es tut mir so Leid, welches Leid ihr erfahren müsst.

    Ich wünsche dir, dass du deinen Frieden findest.

    Ich weiß,was zu meinen Rückfällen geführt hat und an den Punkten bin ich wachsam.

    Meine Depressionen werde ich schon deshalb ansprechen,da das zermürbende daran ,Tür und Tor geöffnet hat für den letzten Rückfall. Und ich griff dann bewusst zum Alkohol.

    Hmmmm. 🤔

    Hat wirklich die Depression ‚Tür und Tor für den Rückfall geöffnet‘?

    Ist es nicht vielmehr so, dass die Sucht gar keine Depression braucht, um Tür und Tor für einen Rückfall zu öffnen?
    Ich kann ja nur für mich sprechen …. ich bin mir ziemlich sicher, wenn ich einen Rückfall haben sollte, dann, weil ich saufen will. So hast du das ja auch geschrieben: Du bist ganz bewusst rückfällig geworden …..weil du das so wolltest.
    Ich könnte dann sicher tausend Gründe finden, warum es zu einem Rückfall kam. Fakt ist jedoch, dass es einen Rückfall nur geben kann, wenn man Alkoholiker ist und trotz besseren Wissens wieder zur Flasche greift….weil man es in diesem Moment so will.

    Leider hat es dann an der Richterin gehapert. Nicht antworten auf Nachrichten heißt, nicht oft genug stop oder nein gesagt zu haben. Und antworten ist auch nicht richtig.

    Ich finde so vieles in unserer Rechtsprechung wirklich sehr grenzwertig und für mein Rechtsempfinden auch einiges überhaupt nicht richtig.
    Dass sich die Gesetzte so ziehen lassen und so viel Interpretationsspielraum bieten, macht so vieles nicht wirklich leichter, gerecht schon mal gar nicht.

    Mir fehlt es da auch an Verständnis, und vielleicht auch deshalb an Akzeptanz. Ändern kann ich trotzdem nix.

    Ich bin weiterhin sehr wütend auf meinen Ex.

    Ich finde, Wut ist mega anstrengend. Aber ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Wut auch ein Ventil sein kann.
    Als ich mal so richtig wütend auf Jemanden war, wusste ich erst gar nicht, wohin damit. Ich hatte oft das Gefühl, dass ich gleich platze, dass es mich innerlich zerfetzt.
    Heute kann ich sagen, dass mich genau diese Wut wieder handlungsfähig gemacht hat. Meine Wut ist noch immer da, aber immer öfter kann ich sagen: Jeder kriegt, was er verdient …. Und ganz ehrlich, mich darauf zu verlassen, hilft mir, zuversichtlich in die Zukunft zu gucken.

    Kopf über Wasser halten und weiter machen.


    Ich wünsche dir die nötige Kraft dafür und weiter Menschen deiner Seite, die dich unterstützen.

    Ich hoffe mit dem Sommer kommt auch wieder der Sonnenschein zurück.

    Das wünsche ich dir von ganzem Herzen.

    Ich kenne mich mit Depression nicht aus.
    Hier lese ich oft, dass Depression und Sucht in einem Atemzug genannt werden. Dennoch sind es ja 2 Krankheiten. Mag sein, dass die eine Krankheit die andere beeinflusst oder begünstigt. Bitte besprich auch das bei deinem Termin.

    Ich vermute,dass meine jetzige Hemmschwelle einfach dadurch begründet ist,dass ich in der Vergangenheit gute Unterstützung und ambulante Therapie über die "Suchtberatung für Frauen" in der Großstadt bekommen habe.......und irgendwann "doch" wieder getrunken habe. Auch wenn Jahre dazwischen lagen. So als hätte ich den Posten "Unterstützung" verbraucht(und die Kosten,die damit einher gehen).

    Ich weiß,dass Rückfälle im Leben von Suchtkranken "passieren". Das ist SUCHT.

    Ja, das ist Sucht. Auch, wenn ich nicht der Meinung bin, dass ein Rückfall ‚passiert‘, geht die Rückfallquote ja nicht klein zu reden.
    Hier habe ich gelernt, dass ein Rückfall schon lange vorher im Kopf stattfindet, bevor tatsächlich das erste Glas Alkohol getrunken wird. Unter Anderem auch, weil die ‚Trockenarbeit‘ vernachlässigt wurde, weil da so eine nüchterne Selbstverständlichkeit eingetreten ist und ‚vergessen‘ wird, dass die Alkoholsucht eine lebenslange Erkrankung ist, die lediglich gestoppt wurde.

    Ich bin nie rückfällig geworden, kann deshalb gar nicht so viel zum Rückfall sagen. Was ich aber für mich sagen kann: Ich tue alles dafür, um meinen Kopf alkoholfrei zu halten. Meine nüchterne Zone ist in meinem Kopf. Alles steht und fällt mit meiner Abstinenz. Deshalb passe ich gut auf sie auf.
    Ich bin hier, um mir jeden Tag bewusst zu machen, dass ich eine Krankheit habe, die ungestoppt so richtig ekelhaft tödlich endet.
    Mir tut die Sucht ja nicht weh, sie beeinflusst mein Leben auch nicht mehr negativ, ich spüre sie im Alltag nicht …..und trotzdem ist sie immer da.

    Du hast alle Unterstützung verdient. Rede dir da nix anderes ein.
    Es gibt kein Kontingent bei der Suchthilfe. Alles, was an Hilfe möglich ist, ist auch für dich möglich. Und wenn du das 3x brauchst , dann bekommst du das auch 3x.
    Du musst ‚nur’ zugreifen. Und dass es sich lohnt, hast du ja schon selbst erfahren.

    Ich versuche gerade,dass "innere Sterben" aktiv aufzuhalten.

    Das kannst du nur nüchtern schaffen.
    Ich denke, das weißt du aber auch.

    Nüchtern bin ich in der Lage gewesen, mein ‚inneres sterben‘ nicht nur auszuhalten, sondern wieder leben zu lernen. Das ist ein phantastischer Prozess.

    Habe eine Liste angefangen wo ich pro und Kontra immer mal wieder aufschreibe auf der pro Seite steht da nicht viel und es hilft mir diese Liste immer mal wieder zu lesen.

    Auf meiner Pro-Seite steht: leben. Die Kontra-Seite ist leer.

    Da muss ich wohl durch, es sagte niemand, dass es einfach wird.

    Das dachte ich anfangs auch. Und mir schrieb dann jemand, dass sie das Nüchternsein gar nicht als schwer empfindet. Für mich war das damals noch unvollstellbar.
    Meine Leichtigkeit im Umgang mit meiner Alkoholsucht konnte ich finden, als ich akzeptiert habe, dass ich Alkoholiker geworden bin und dass ich das auch für den Rest meines Lebens bleiben werde. Und jeder Alkoholiker, der leben will, kann keinen Alkohol mehr trinken. Nie wieder. Auch nicht ‚ausnahmsweise‘ oder ‚nur ein Glas‘. Ich bilde da nicht die einzige Ausnahme auf dieser Welt. Du auch nicht. Es ist, wie es ist.

    Die Alkoholsucht zum Stillstand zu bringen, war das Schwerste, was ich jemals in meinem Leben geschafft habe. Der Kampf gegen die Sucht war das, was mir alle Kraft geraubt hat.
    Ich bin Alkoholiker. Das ist jetzt so. Und ich kann keinen Alkohol mehr trinken, wenn ich leben will. Auch das ist jetzt so. Kein Kämpfen mehr.

    Seitdem ich das verstanden habe, konnte ich mich mit meiner Sucht versöhnen. Sie ist da, aber sie ist nicht mehr mein Feind.
    Ich lebe mit meiner Sucht. Nüchtern. Und das ist einfach. Weil ich verstanden habe, dass das meine einzige Chance auf Leben ist. Es ist, wie es ist.