• Ich bin hier als Ehefrau eines Mannes, der seit mindestens 10 Jahren einen ungesunden Umgang mit Alkohol hat. Es gab mehrere Situationen, in denen er auch sturzbesoffen war, was auch unsere Kinder miterlebt haben. Er hat aber nicht regelmäßig getrunken. Danach war er bei einer Beratungsstelle und mein Eindruck war, dass er damals seine Situation als nicht so schlimm eingeschätzt hat. Er hat weiter Alkohol getrunken, so gut wie jeden Tag ein bis zwei Gläser Wein und einen "Absacker". Ich gehe aber davon aus, dass er teilweise auch abends getrunken hat, wenn ich schon im Bett war.

    Er wirkte nie betrunken, aber unsere Bitten, doch seinen Konsum zu überdenken, hat er abgetan. Er hat auch einmal Alkohol vor mir versteckt. Letztes Wochenende hat unsere Tochter ihm dann gesagt, dass sie sich Sorgen um ihm macht - und ist wohl auch zu ihm durchgedrungen. Er hat kurzfristig für morgen wieder einen Termin bei einer Beratungsstelle bekommen, zum Glück. Seit letztem Wochenende trinkt er wohl keinen Alkohol mehr.

    Allerdings geht es mir seit letzter Woche ziemlich schlecht, einerseits bin ich sehr erleichtert, dass er einen neuen Anlauf nimmt, andererseits kann ich nicht aufhören, auf ihn wütend zu sein und ich habe unglaubliche Angst vor dem, was kommt. Ich will einfach nie wieder Alkohol an ihm riechen, das widert mich nur noch an.

    Ich bin komplett erschöpft und habe heute fast nur geweint.

    Ich habe keine Ahnung, wie es weitergeht.

    Einmal editiert, zuletzt von Cara (15. Juni 2025 um 21:26) aus folgendem Grund: Ergänzungen

  • Hallo Cara,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Cara.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Guten Morgen,

    ich habe gestern noch lange hier gelesen und das hat mich ein bisschen beruhigt. Ich denke, dass ich nicht co-abhängig in dem Sinn bin, dass ich meinen Mann retten oder heilen will. Das ist seine Verantwortung, das habe ich ihm auch gesagt und er akzeptiert das auch. Allerdings trage ich zu einem unproduktiven Konfliktverhalten bei. Ich bin massiv frustriert darüber, dass ich meinen Mann emotional nicht erreiche, das war auch schon vor seinem Alkoholmissbrauch so. Ich bin da voller ohnmächtiger Wut, die sicher auch berechtigt ist, ich verfalle dann aber auch in Anklagen und Selbstmitleid, womit ich erst recht nicht weiterkomme. Da leben wir einfach ein sehr ungesundes Beziehungsmuster. Wie gesagt, es geht nicht darum, mir die Schuld an seinem Alkoholiker zu geben, allerdings reibe ich mich damit nur noch mehr auf.

    Ich habe hier im Forum zwei Zitate gefunden, die ganz gut beschreiben, was ich meine:

    "Ich leide und ziehe Andere mit in mein Leid. Ich bin süchtig nach dem, was mir nicht gegeben wurde."

    und

    "Eher eine große Traurigkeit, die ständig Konfrontation braucht und sucht, um gesehen zu sein. Trost dort sucht, wo er nicht kommen kann."

    (Ich weiß nicht mehr, von wem die Zitate sind, ich hatte sie mir ins Notizbuch kopiert)

    Ich würde das als Abhängigkeit/nicht loslassen können von einem destruktiven Muster bezeichnen, weil ich solche Angst habe, nicht gesehen zu werden. Und dann suche ich mir/bleibe bei einem emotional so unzugänglichen Mann.

    Er übernimmt leider keine Verantwortung dafür, wie er mit sich selbst umgeht, zieht viel Wert aus seinem Fleiß und seinem Job. Er beginnt so gut wie nie ein Gespräch darüber, wie es uns miteinander geht, kann sich aber darüber aufregen, dass die Küche unordentlich ist oder Besteck fehlt. Er weiß, dass ich mir etwas anderes von ihm wünsche, nämlich emotionale Zugänglichkeit. Die bekomme ich aber nicht, stattdessen hat er sich für den Alkohol entschieden.

    Heute ist ja sein Termin in der Beratungsstelle, ich hoffe, er nutzt die Chance dieses Mal. Ich werde berichten.

  • Hallo Cara,

    herzlich willkommen.

    Du schreibst

    Allerdings geht es mir seit letzter Woche ziemlich schlecht, einerseits bin ich sehr erleichtert, dass er einen neuen Anlauf nimmt, andererseits kann ich nicht aufhören, auf ihn wütend zu sein und ich habe unglaubliche Angst vor dem, was kommt.

    Kannst du erkennen, wovor du Angst hast?

    Diese Erschöpfung hatte ich auch nach der langen Zeit mit meinem ersten, alkoholkranken Mann. Es war unter anderem die andauernde Anspannung die ich hatte weil ich nie wusste, was mich beim Nachhausekommen erwarten würde. Oder wann er wieder ausfallend mir gegenüber werden würde. Und weil ich so unglaublich wütend auf ihn war. Usw.

    Wie es jetzt für ihn weitergeht kannst ja tatsächlich nicht wissen. Es liegt ganz alleine bei deinem Mann, was er jetzt macht. Aber du kannst dir überlegen, wie es für DICH weitergehen kann.

    Um dich etwas zu erholen kannst du zum Beispiel jeden Tag kleine Highlights für dich einbauen. Eine Zeit einplanen nur für dich, in der du ein Buch lesen kannst, dich mit einer Freundin triffst, einen Kaffee trinken gehst oder einen Tee. Sowas in der Art. Solche kleinen Momente haben mir am Anfang sehr gutgetan. Vielleicht ist das auch was für dich.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

  • Liebe Aurora,

    mir macht das Thema als Ganzes Angst. Sucht, Alkoholismus, das ist zu groß für mich, auch wenn ich mich für seine Heilung nicht verantwortlich fühle. Und ich habe Angst davor, dass es für uns als Familie zu groß ist, dass es uns zerreißt.

    Andererseits habe ich schon länger über eine Trennung nachgedacht, einfach weil ich dieses Gefühl nicht mehr aushalte, bei ihm emotional "vor der Tür" zu stehen.

    Ich gebe ihm diese Chance jetzt, aber wenn er wieder anfängt, seinen Alkoholkonsum zu verharmlosen, muss ich Konsequenzen ziehen, auch wenn ich weiß, dass mir das sehr weh tun wird.

    Liebe Grüße Cara

  • Hallo Cara,

    ja verstehe, na klar macht das ganze Thema Angst.

    Wenn ich so überlege, hat mir das auch alles Angst gemacht. Auf vielen Ebenen. Ich hatte Angst dass er wieder epileptische Anfälle bekommen würde, stürzen und sich schwer verletzen könnte. Ich hatte Angst, dass er sich umbringen könnte, das hatte er oft angedroht. Ich hatte Angst, dass das Leben an mir vorbeizieht, dass alles den Bach runter geht. Ich hatte auch Angst vor der Trennung, davor, dass ich kein Geld mehr hätte zum Leben.

    Ich bestand zu einem großen Teil nur noch aus Angst.

    Aber als ich in's Handeln für mich selbst gekommen bin, wurden ganz viele Ängste immer weniger. Die Familie hat es schon zerrissen. Aber nur im Hinblick auf die Urfamilie meines Exmannes. Und da war ich diejenige, die sich von denen getrennt hat. Meine Kinder waren zu dem Zeitpunkt schon junge Erwachsene und froh, dass ich diesen Schritt da raus gemacht habe.

    Mein Leben mit dem abhängigen Partner war wesentlich anstrengender, schmerzhaft und angsteinflößender als mein Leben dann ohne ihn.

    Liebe Grüße Aurora

    Glücklichsein ist eine Entscheidung

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