Unterschied Abstinenz und Trocken ?

  • Ich glaube zwar, dass man sichs anders überlegen kann. Und vieleicht trinken ja auch welche wirklich komplett gegen ihren Willen.

    Sicherlich, wenn ich von mir ausgehe, dann auch. In den letzten achtzehn Jahren hatte ich nie einen emotionalen Ausnahmezustand, der mir zuflüsterte: „Sauf jetzt!“ Das ist mir völlig fremd. Aber was einem fremd ist, kann ja erstaunlich schnell vertraut werden, ich bin schließlich ein offener Mensch, Und in der Sturm- und Drangzeit ( Trankzeit ;) ) rebellischer Hansdampf in allen Gassen. Das legt man auch im Alter nicht einfach ab. Ja, etwas ruhiger vielleicht, aber es steckt immer noch etwas in einem drin, das bleibt.

    Wenn ich Erfahrungsberichte lese oder von Rückfällen höre, ist zwar der eine oder andere dabei, der sagt „es kam aus heiterem Himmel“ das bezweifle ich aber stark. Es gibt Kurzschlussreaktionen, die im Leben und in der Sucht verstärkt auftreten können.

    Befinde ich mich in einem Ausnahmezustand, in einem nassen Umfeld, in einer Gruppendynamik, und steht etwas griffbereit vor mir, dann ist der Weg dahin manchmal schneller, als das Hirn schalten kann. Aber, wer schon eine Zeit lang trocken ist, erlebt keinen Rückfall aus heiterem Himmel. das glaube ich nicht.

    Da laufen im Vorfeld Prozesse ,Zweifel, der Wunsch „es geht doch“ lange bevorer das Glas tatsächlich in der Hand hält.


    Und meine steile These, und nur aus meinem Kopf gewachsen. Wer aus der Sucht gedrängt wurde, durch Druck, durch Drohung „hör auf zu saufen oder es ist vorbei mit uns“ ist anfälliger als jemand, der von Anfang an den Entschluss aus eigener Erkenntnis gefasst hat

    Ich bin Alkoholiker, trocken ist meine einzige Alternative.

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Und meine steile These, und nur aus meinem Kopf gewachsen. Wer aus der Sucht gedrängt wurde, durch Druck, durch Drohung „hör auf zu saufen oder es ist vorbei mit uns“ ist anfälliger als jemand, der von Anfang an den Entschluss aus eigener Erkenntnis gefasst hat

    Mit dieser Frage habe ich mich zuletzt anlässlich meiner ambulanten Therapie beschäftigt. Zu beobachten war es an den von mir als "Führerscheinakrobaten" bezeichneten Teilnehmern, die allesamt zur MPU durften und vorher zeigen mussten, dass sie eine Zeitlang clean leben konnten. Die Mehrzahl von denen wollte wohl gar nicht raus aus der Trinkerei, sie wollten nur ihre "Pappe" zurück. Mein Therapeut meinte nur, viele schlagen irgendwann wieder auf.

    Wichtig ist für mich, dass nach dem Wegstellen der Flasche der Gedanke Platz greift, wirklich nie mehr zu trinken. Der Aspirant muss rückhaltlos zu seinem Entschluss stehen. Geistert nocht irgendwo im Hirn der Gedanke herum, später ginge doch noch mal was mit dem Stoff, wird es nichts mit einer stabilen und dauerhaften Abstinenz.


    Bei mir hat es schon ein Weilchen gedauert, bis ich insoweit Klarheit hatte. Das habe ich mir in den ersten 3 Monaten erarbeitet.

    M.E. ist es jedoch ausgesprochen förderlich, wenn der autonome Entschluss des Neulings durch weitere Quellen zusätzlich gespeist und er insoweit unterstützt wird.

    Wer den erwähnten Punkt erst gar erreicht, sondern nur zuliebe/auf Druck der Familie, des Arbeitgebers oder der MPU aufhört, es wohl nicht dauerhaft schaffen wird. Von denen dürftezwar nicht jeder rückfällig werden, einige werden weiter grimmig mit den Fäusten in der Tasche unzufrieden durch das Leben stapfen. So Typen werden wohl als "vertrocknet" bezeichnet, für mich sind sie einfach nur verbittert.

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