Beiträge von Carl Friedrich

    Vatertag? Ja und? Der hat mich schon früher nie interessiert. Daher habe ich auch nie auf einem der speziellen Ausflüge teilgenommen. Gesoffen habe ich trotzdem, weil meine Sucht ihren Treibstoff benötigte und nicht, weil irgendein Feiertag war. Irgendwie ging es mir damals ähnlich wie Harald Juhnke: "Ich mag kein Silvester, weil da auch Amateure trinken." Und ein solcher war ich bestimmt nicht.


    Heute habe ich auf dem Weg ins Fitnesstudio und zurück ein paar radelnde Herrengruppen gesehen. Sie fielen mir nur als jeweilige Gruppe auf, weil bei uns recht wenig Verkehr herrschte. Nach dem Training habe ich bei einem Konditor eine andere Sünde in süßer Form besorgt und die mit einem großen Pott Kaffee genossen. Ja, so geht's mir heute, einfach gut. Der Alkohol gehört schon seit Jahren wie selbstverständlich nicht mehr dazu.

    Wo ich mir noch sehr schwer tue ist die Zukunft. Nicht was meine Einstellung betrifft sondern wie ich damit nach außen umgehe. Gerade bei neuer Partnerin, falls es mal eine gibt. Das Lable Alkholiker ist ein k.O Kriterium.

    Einer neuen Partnerin gegenüber hilft nur, mit offenen Karten zu spielen. Falls sie mal fragt, weshalb Du nichts trinkst, nützt Dir ein Herumdrucksen nicht. Wer lässt sich schon gerne von einem neuen Freund hinters Licht führen?

    Was Du auf der Arbeit, gegenüber Kollegen, Nachbarn und Bekannten erzählst, bleibt Dir überlassen. Ich habe nur sehr wenige eingeweiht, die zitierten Personen jedenfalls nicht.

    Eine neue Partnerin würde ich immer zu gegebener Zeit einweihen. Wenn sie dann nicht mehr will, ist sie die Falsche für Dich.

    Verschiedene Süchte lassen sich nur eingeschränkt miteinander vergleichen. Gerade bei Nikotin und Alkohol ist es besonders schwierig. Ich habe auch einige Jahre vor der Abstinenz mit dem Qualmen aufgehört, ohne jedes Problem, weil ich einfach die Schnauze voll hatte.

    So einfach war es mit dem Alkohol leider nicht, weil er viel tiefer von mir Besitz ergriffen hatte.


    Eine Frage an die Langzeitabstinenzler: Kommt euch nicht manchmal der Gedanken "was mach ich hier eigentlich, es gehört ja nicht mehr zu mir.

    Wenn sich diese Denkweise breit macht, ist für mich Gefahr im Verzug. Rückfälle von Langzeitabstinenten sind, so meine Fetsstellungen in den letzten Jahren, häufig von dem vorangehenden Gedanken begleitet, man sei über den Berg und könne jetzt wie ein Normaler leben und dazu gehört in unserer Gesellschaft oft auch der Konsum von Alkohol.

    Ich lebe frei, mich berührt es nicht (mehr), wenn im Restaurant z.B. von meiner Frau etwas getrunken wird. Nur an "feucht-fröhlichen" Veranstaltungen nehme ich nicht teil. Wird eine solche zu alkohollastig, dann verabschiede ich mich und bin weg. Dies aber nicht, weil ich eine unmittelbare Gefährdung meiner Abstinenz vermute, sondern weil ich "besoffenes Geschwätz" einfach nicht mehr im Kopf aushalte. Dafür ist mir meine verbleibende Lebenszeit zu schade.


    Ich habe mir den Respekt vor dem Alkohol und meiner Krankheit bewahrt. Das trifft es am besten. Die Krankheit ist noch da, sie ruht ganz tief in mir drin und geht auch nie mehr weg. Genau damit habe ich meinen Frieden gemacht und komme prima zurecht. Das ging allerdings nicht in kurzer Zeit, das dauerte bei mir schon etwas länger.


    Damit ich all das nicht vergesse, bin ich hier.

    Da ich früher meine Saufpausen mit sog. alkoholfreiem Bier überbrückte, kam es für mich nach Wegstellen der Flasche nie als Alternativgetränk in Betracht, da es viel zu nah am Original ist.

    Dafür hatte ich andere gefährliche Aktionen im ersten Jahr: Alle haben mich ordentlich durchgeschüttelt und letztlich wach gerüttelt.

    1. Beim Grillen eine Apfelschorle in ein Weißbierglas gefüllt und getrunken.
    2. Mal eine Fassbrause in einer Longneckflasche gekauft und getrunken.
    3. Und als "Hit": Im ersten Urlaub hat sich meine Frau nach einem guten Essen mal einen besseren spanischen Brandy bestellt. Der wurde erhitzt, geschwenkt und ich habe daran geschnüffelt.

    Mein Fazit: Alles völlig falsch und hätte jeweils in die Hose gehen können. Die ersten beiden Getränke wurden einfach in dem völlig falschen Trinkgefäß gereicht, mein Suchthirn verband und verbindet damit dank jahrzehntelanger Übung ausschließlich Bier,

    Nr. 3 war am heikelsten, ich hatte das Glas schon an der Nase.

    Alles schon mehr als 10 Jahre her, aber dennoch präsent.

    Aber dann habe ich mit ein paar Gäste unterhalten die auch nur bei Wasser und alkoholfreies Bier da saßen, wir haben uns ganz nett unterhalten (nicht über Alkohol), ich meinen Kaffee und Kuchen genossen und zack war es schon Abends.

    Das ist halt die Krux an solchen Veranstaltungen, es teilen sie die Besucher recht schnell auf in:

    • Trinker, die heftig saufen (dazu zählte ich früher auch mal)
    • und Wenig- bis Nichttrinker.

    Du hast es gut überstanden, auch wenn es es für einen Neuling eine hochriskante Veranstaltung war. Zu groß war das Risiko, selbst spontan zuzugreifen, da das Suchtgedächtnis enorm provoziert wird oder ein anderer Gast einem spontan ein Glas in die Hand drückt. Dann ist es bis zum Trinken nicht mehr weit.

    Ich kann nur anraten, Dich in den nächsten Wochen mal gründlich zurückzuhalten und einen großen Bogen um alle "feucht-fröhlichen" Treffen zu machen. Auf so was hast Du in den ersten Wochen und Monaten nichts verloren, bis Du etwas Stabilität gewonnen hast. Und die kommt nicht von jetzt auf gleich, sondern dauert schon mehrere Monate.


    Frage: Warum hast Du Dich denn nicht vor der Veranstaltung mal mitgeteilt? Hattest Du Angst, Du könntest hier verbal abgewatscht werden? Es war Dir ja schon letzte Woche klar, dass Du da hin willst.


    Ein Forum wie dieses dient auch dazu, eigene gefährliche Verhaltensweisen zu spiegeln und mal zu hinterfragen, wie Erfahrene solche Manövern beurteilen. Das hier ist kein bloßes Schönwetterforum;)


    Du siehst, Du hast noch sehr viel Luft nach oben.

    Mein Glückwunsch zum ersten Jahr, das erfahrungsgemäß das schwerste ist.

    Gedanken wie "irgendwann kannst Du wieder normal trinken" hatte ich, ich lasse Sie zu, mit der Bedingung "nicht heute". Das funktioniert und das Suchthirn merkt dass es auf Granit beisst.

    Das funktioniert so bei mir nicht. Klar schossen mir in den letzten Jahren immer wieder mal Trinkgedanken, nicht zu verwechseln mit Trinkdruck, durch den Kopf. Ich habe sie abgeblockt. Das ist für mich am besten. Etwas zulassen, unter dem Gedanken "heute nicht" birgt für mich persönlich die Gefahr, dass der Gedanke morgen "wieder auf der Matte steht." Und genau das möchte ich nicht.

    Ich habe in all den Jahren bei Rückfällen von langjährigen Abstinenten beobachten können, dass der von Dir erwähnte "Trinkvorbehalt" der Paradegrund war, wieder zur Pulle zu greifen. Entweder war der Trinkvorbehalt nie wirklich aus dem Hirn verbannt oder hat sich später wieder eingeschlichen z.B. infolge mangelnder Selbstfürsorge, sich das Problem wieder und wieder zu spiegeln, manche nennen es Trockenarbeit. Für mich ist es einfach nur Training. Und ich trainiere unglaublich gerne.

    Dies nur als kleine Anmerkung aufgrund meiner eigenen persönlichen Erfahrungen und Beobachtungen.

    Gestern Flohmarkt mit Hundchen und Freibad. 27 Grad, Eis, Currywurst Pommes. Freitag Sauna und Sonnen. Habe jetzt eine Jahreskarte fürs Freibad, das hatte ich noch nie. ^^ Bin jetzt auch noch ein Schwimmer zusätzlich zum Pumper und Saunagänger

    Bleib am Ball und schau Dir in ein paar Monaten mal die Veränderung im Spiegel an.


    Für mich war es besonders frappierend, als ich einen neuen Perso brauchte. Im alten Dokument ein Suffkopp, im neuen ein normaler Mensch, zwar 10 Jahre älter, aber deutlich frischer und lebendiger anzuschauen.


    Weiter so.

    Ein Monat sind schon mal ein guter Anfang. Weiter so.

    Jetzt gilt es, Routine hineinzubringen, dass sich die alkoholfreie Lebensweise festigt. Was ich so bislang von anderen mitbekommen habe und auch an mir feststellen konnte, ist das erste Jahr das schwerste.


    Mein erstes großes Tief hatte ich nach ca. 3 Monaten, nachdem die Anfangseuphorie verflogen war. Damals hatte es mich heftig durchgeschüttelt wie es nur noch ein weiteres Mal erleben musste.

    Ich möchte Dich nicht erschrecken, das liegt mir fern: mach einfach weiter, aber sei Dir nicht zu sicher, dass Du schon über den Berg bist. Weitere Herauforderungen dürften noch warten, sie lassen sich jedoch mit dem, was Du bis dahin gelernt hast und hier im Forum gepostet wird, bewältigen. Falls es mal etwas wackelig werden sollte, findest Du hier jederzeit einen Ansprechpartner. Sich den Frust von der Seele reden/schreiben entlastet ungemein. Die meisten hier können viele Drucksituationen nachempfinden, weil wir sie auch duchleben durften. Also teil Dich mit.


    Alles Gute

    Wie doch die Zeit vergeht. Vor genau 11 Jahren bin ich los gelaufen, anfangs noch etwas wackelig und aus Unwissenheit über die Krankheit mit reichlich schrägen Gedanken Kopf. Der Körper erholte sich schnell, die Reinigung der Gedanken dauerte etwas länger. Aber der Weg, den ich gewählt habe, der nicht exakt mit den Grundbausteinen hier übereinstimmt, ist für mich der richtige.

    Es darf gerne so weiter gehen.

    Allen hier eine gute Zeit, ich bleibe am Ball.

    Tatsächlich kann ich jetzt nach ein paar Jahren sagen, dass ich ein Weizenglas sehen kann und es kommt kein weiterer Gedanke hoch.

    Gewart sei vor dem Fehler, sich ein Wasser oder eine Saftschorle in so einem Glas reichen zu lassen. Das habe ich mal im ersten Jahr beim Grillen gemacht. Ruck-zuck kam ein fetter Suchtdruck um die Ecke. Das Glas mit dem vermeintlich falschen Inhalt in der Hand triggerte enorm.

    Meine Sammlung Weizengläser habe ich anschließend entsorgt.

    Mittlerweile sind mir Biergläser und Pullen völlig wurscht. Da pflichte ich Alex bei.

    Wenn ich Dich so lese höre ich nur eins: Die Stimme der Sucht.

    Du hast eine kurze Saufpause eingelegt und jetzt verlangt Deine Sucht wieder ihren Tribut, den Alkohol.

    Evt. bist Du noch nicht so weit und musst erst noch ein paar Runden drehen.

    Meine Worte klingen zwar drastisch, aber das hier ist eine Selbsthilfegruppe und keine Kuschelveranstaltung.

    Ich kann nur anraten: Halt ein, geh noch mal gründlich in Dich und überdenk Dein Handeln.


    Alles Gute

    Offenheit heist für mich: Klar und deutlich NEIN DANKE. Bei Nachfrage - Erläuterung individuell je nach Nähe. Das Wort Alkoholiker verwende ich nur hier im Forum.

    Eine für mich stimmige Beschreibung.

    Ich habe nur ganz wenige eingeweiht und bin damit die ganzen Jahre gut gefahren,

    Mittlerweile bin ich halt jemand, der keinen Alk trinkt. Warum, das interessierte anfangs nur wenige, die selbst zu viel soffen und noch saufen.

    Andern war und ist es völlig schnuppe, weil der Alk für sie nicht den Stellenwert hat, den er bei einem aktiven Alkoholiker einimmt.

    Was kann der Neuling damit anfangen? Auf seine eigene Situation und Umgebung schauen. Wer jeden erfolgreichen Arbeitstag oder Geschäftsabschluss mit den Kollegen mit Bier o.a. begossen hatte, wird sich schon was einfallen lassen müssen, warum er plötzlich nicht mehr den Vortrinker, sondern lieber rasch die Düse macht. Da ich auf der Arbeit nie aufgefallen bin, bei uns herrscht absolutes Alkoholverbot, war ich beim Thema Arbeit schon mal fein raus.

    Bei uns auf der Straße habe ich anfangs die Gesundheitsnummer gespielt und darauf verwiesen, dass es die letzten Jahre doch etwas viel war und ich jetzt mal für mindestens 1 Jahr 'ne Auszeit nehme. Dabei bin ich dann geblieben, weil es mir "ohne" besser geht als "mit". Das ist zwar nicht so ganz die lupenreine Wahrheit, aber zumindest dicht dran.

    Richtig geoutet habe ich mich nur bei Personen, die es wirklich was angeht. Das sind in meinem Fall die Nachbarn, Bekannte und Leute von der Arbeit defintiv nicht.


    Wohl gemerkt, das ist mein Weg. Ich möchte niemand animieren, es so zu machen wie ich. Ich schreibe hier nur von meinen eigenen Erfahrungen.


    Ich wünsche, ein glückliches Händchen.

    Kampf ist ein Begriff aus anderen Bereichen, z.B. im Fußball versuchen so einige Teams vom Kampf ins Spiel zu kommen.


    Klar musste ich anfangs mächtig gegen Suchtdruck angehen, also letztlich umgangssprachlich kämpfen müssen. Das legte sich mit der Zeit.


    Der Begriff "Kampf" ist etwas unglücklich gewählt. Ein Kampf richtet sich gegen einen Gegner. Dem Gegner Alkohol bin ich nicht gewachsen. Also kämpfe ich nicht mit oder gegen ihm, sondern weiche ihm aus und habe inzwischen meinen Frieden mit ihm gemacht.

    Kathrin Antje Arbeite an Deiner Abstinenz, das trifft es m.E. besser. Du arbeitest für etwas, nämlich Deine Gesundheit und nicht gegen etwas, nämlich den Alkohol.

    Dies fällt mir spontan dazu ein.

    Hallo und willkommen.

    Die Entgiftung hast Du hinter Dir und bist ca. 3 Wochen nüchtern, das ist schon mal ein Anfang.


    Wie gehst Du weiter vor? Strebst Du noch eine Therapie an oder besuchst Du neben dem Forum hier noch eine analoge SHG?


    Wie sicherst Du Dich ab? Hast Du einen alkoholfreien Haushalt?


    Verzeih die Frage, aber bei insgesamt 4 Entgiftungen, dürfte in der Vergangenheit nach den ersten 3 Anläufen etwas schief gegangen sein.


    ich wünsche eine guten Austausch

    aktuell schrecke ich vor lebenslanger Abstinenz zurück

    Als ich aus dem Suff ausstieg, ging ich davon aus, nach einer gewissen Weile, so in etwa 1 Jahr, könne ich vielleicht wieder etwas trinken. Ich habe diesen Gedanken erst mit der Zeit, es waren schon ein paar Wochen, aus dem Hirn verbannen können.

    Maßgeblich dafür waren meine begonnene Therapie, Fachliteratur, Internetrecherche und dieses Forum hier. Manchmal fällt der Groschen halt in Zeitlupe, so lässt es sich für mich beschreiben.

    Lies Dich hier ein, befasse Dich mit deiner Krankheit und nach ein paar Wochen Abstinenz bist Du dann evt. ein Stück weiter.


    Ich wünsche einen guten Start.

    So Gedanken blitzen bei mir nach all den Jahren auch noch mal sporadisch auf. Nicht im Sinne eines Trinkverlangens, sondern einfach nur ein spontaner Gedanke, dass ich in bestimmten Situationen früher getrunken habe.


    Ich würde es nicht überbewerten. Erst wenn sich Trinkgelüste oder wehmütige Verzichtsgedanken einstellen, wird es schwieriger und dann gilt es aufzupassen und ggf. gegenzusteuern.


    Ich kann meine Biographie nicht gedanklich bereinigen, indem ich die Zeiten des Suffs komplett lösche, das geht bei mir leider nicht. Ich habe gelernt mit meiner Geschichte leben. So Gedanken stören mich nicht, im Gegenteil, sie sind mir ein dankenswerter Hinweis, dass dort was ist, was womöglich nie mehr verschwindet.