Beiträge von Carl Friedrich

    Kleines update: Habe mir etwas Urlaub gegönnt. Dort wurden wir von deutschen Auswanderern zu einer happy-hour eingeladen. Als wird bemerkten, dass wir keinen Alkohol trinken, folgten irritierende Blicke und ein unsicheres, man könne ja auch etwas ohne Alk trinken. Wir sind nicht hin, einen weiteren Vorschlag gab es nicht mehr. Warum? Es geht bei so Treffen weniger um den Austausch, sondern primär um das gemeinsame Trinken.


    Besagte Auswanderer haben die Rente schon durch und leben in Spanien. Dort tummeln sie sich mangels guter Sprachkenntnisse in einer deutschen Blase, ähnlich wie die erste Gastarbeitergeneration sich oftmals nur mit Landsleuten umgab. Die betreffende Blase hatte, soweit ich es überhaupt beurteilen kann, selbst ein gewisses Problem mit dem Alk, sie trinken ihn viel zu regelmäßig.


    Jetzt hat mich die Arbeit zurück, ein Weilchen muss und darf ich ja noch. Da in den Vorschlägen der Rentenkommission die Erhöhung der Abschläge für eine vorzeitige Verrentung/Pensionierung überraschend ausblieb, kann ich ja langsam mal anfangen zu rechnen.

    Jetzt schaue ich gleich mal in die deutsche Partie hinein, allzu viel habe ich in Spanien nicht vom Fußball mit bekommen, was aber primär an den ungünstigen Spielzeiten liegt. Ich schlage mir keine Nacht um die Ohren.


    Allen hier eine gute Zeit.

    In den ersten Monaten blitzten bei mir auch schon mal vermeintlich positiv besetzte Trinkgedanken auf. Da hatte sich die Sucht in mir drin mal wieder bemerkbar gemacht. Die Sucht versuchte stets nur eins, mich mit allen Mitteln wieder an die Flasche zu bringen, mal rabiat, manchmal auch nur zart und leise mit der angeblich schönen Atmosphäre z.B. in einem Biergarten. Das war für mich ein wichtiger Prozess, das alles durchlaufen und Trinkgedanken wieder abzuschütteln. Wie gesagt, das ging nicht in wenigen Wochen. Zumindest bei mir dauerte es deutlich länger.


    Ich habe mal von einem Polytox den Rat erhalten, mich dann selbst zur Ordnung zu rufen: "Halt! Stopp! Da stimmt was nicht, ich will wieder saufen." Mir hat es seinerzeit geholfen, an ich selbst zu appellieren.

    Heutzutage geht es mir so wie bereits von anderen geschildert: Eine schöne Umgebung lässt bei mir Gedanken an einen Kaffee, eine Saft-Schorle oder eine ganz ordinäre Cola aufkommen. Mein ehemals so "geliebtes" Weißbier spielt da keine Rolle mehr. Wenn andere so was vor sich stehen haben, nehme ich es allenfalls beiläufig zu Kenntnis, es löst jedoch kein Trinkverlangen aus. Sollte dies mal wieder der Fall sein, weiß ich, was zu tun ist. Denn, ob es so bleiben wird, wie es jetzt ist, das kann ich nicht behaupten.

    Vielleicht kannst Du ja damit etwas anfangen.

    der Kampf geht weiter.

    Solange Du kämpfst, machst Du es Dir nur unnötig schwer. Denn kämpfen müssen nur diejenigen, die sich dem Alkohol stellen.

    Ein beliebter Begriff in unserer Branche ist die Kapitulation. Nicht im engeren natürlich Wortsinn der Unterwerfung, sondern darin, dem Alkohol nicht entgegenzutreten, sondern ihm aus dem Weg zu gehen, ihm auszuweichen. Wer sich so verhält, der muss nicht kämpfen.

    Dies nur mal so am Rande zu dem zitierten Begriff.

    Hallo und willkommen hier im Forum.


    Du bist die ersten Schritte in die richtige Richtung gelaufen. Hier im Forum findest Du eine Vielzahl wirklich brauchbarer und umsetzbarer Informationen, um eine stabile Abstinenz zu erreichen.


    Übrigens: Als "Leidensfreund" sehe ich mich nicht. Warum auch? Ich leide nicht. Im Gegenteil, mir geht es richtig gut, weil ich nicht mehr trinke. Und genau darauf baut mein jetziges Leben auf. Ich verstehe, dass der Anfang, die ersten Wochen und Monate, schwierig sind, bis sich ein neuer und gesunder Lebensstil eingeschliffen hat, weil die alten Automatismen, die mich zum Trinker werden ließen, halt noch greifbar nahe waren. Aber das legte sich mit zunehmender Zeit.


    Weiterhin alles Gute.

    Das ist vielleicht keine lange Zeit

    Der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Gerade in der Anfangszeit werden gerne Tage, Wochen und Monate gezählt. Das ist für mich ein ganz normaler Prozess. Es dient der Bestätigung des eigenen Tuns, unterstützt die eigene Motivation und weitet zudem den persönlichen Horizont. Zumindest ging es mir rückblickend so.


    Ach so, und hier im Forum gibt's noch eine weitere Spezialistin, die sich auf Tage verschrieben hat. Die Anzahl der Tage klingen spätestens ab der Vierstelligkeit so schön beeindruckend.

    Ich habe mich im ersten Jahr von solchen Festen ferngehalten

    Das ist ein guter und vor allem sehr bewährter Rat. Dabei ist die Jahresfrist nicht in Zement gegossen, entscheident ist die persönliche Festigung. Aber ein paar Monate dauert's schon.

    In den ersten Monaten gilt es, erst mal wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen und dem Alkohol bzw. Veranstaltungen, die mit Alk verbunden sind, erst mal links liegen zu lassen.


    Und, ob der Besuch dann wirklich Freude bereitet, steht auf einem ganz anderen Blatt.

    Weil beim trocken werden und trocken bleiben ein ganz wichtiger Punkt die Disziplin ist. Ich habe dafür zu sorgen, daß ich nie wieder trinken muss. Und dabei hilft mir die reale Selbsthilfe entscheidend.

    Das nenne ich konsequent.


    Irgendwann nach ca. 2 Jahren habe ich für mich festgestellt, dass mir meine analoge SHG nichts mehr bringt und seitdem sehe ich dieses Forum als ausreichende Stütze an, mir mein Problem zu spiegeln. Vielleicht gelangst Du ja auch mal an den Punkt.

    Gefährlich wird es für mich erst, wenn ich mich gar nicht mehr mit der Krankheit befasse. Das wäre der esrte Schritt in Richtung Flasche, so meine Einschätzung, sowie der Rat eines erfahrenen Mediziners am Ende meiner Therapie.

    Auch ich habe in der Anfangszeit deutlich mehr Kaffee rein gekippt. Das mag ein Stück weit eine Verlagerung sein. Mit der Zeit, ich schätze mal so nach ca. 3 Jahren sank er dann auf ein für mich erträgliches Maß von ca. 500-600ml täglich. Und kein Kaffee nach 17.00 Uhr, damit ich auch vernünftig schlafen kann.


    Dies nur als kleiner Fingerzeig. Nach der exzessiven Saufphase mussten sich Körper und Seele wieder neu justieren und das dauerte in jederlei Hinsicht ein ziemliches Weilchen.

    Für mich funktioniert es derzeit gut, rechtzeitig einen Abflug machen und mit ein bisschen Vorbereitung ist auch für fast alle Situationen eine lösung parat, außerdem habe ich ja meinen Aufpasser in Form meiner Frau auf solchen Events auch meistens dabei

    Klar treffe ich Leute im Rahmen von Veranstaltungen, auf denen Alk ausgeschenkt wird. Wird es mir zu alkohollastig, bin ich weg. Das ist dann der Fall, wenn der Alk anfängt, die Sinne der Trinker zu trüben. Dafür habe ich ein feines Näschen.

    In den ersten Monaten habe ich mir so was nicht angetan, sondern erst mal zugewartet, bis eine gewisse Stabilität gewonnen war.


    Übrigens: Deine Frau ist weder Dein Aufpasser, noch Dein Vormund. Du allein bist für Deine Abstinenz verantwortlich, nicht andere. Also gebrauche Sie nicht als Schutzschild. ;)

    Dass sagt ich mir jeden Tag.

    Ich kenne diese Art der Selbstmotivation nur aus meiner Anfangszeit, das waren die ersten 3-4 Monate. Jetzt nach 5 Jahren noch dieses Mittel, das überrascht mich. Es soll nicht als Vorwurf verstanden werden. Wenn es Dich auf Kurs hält, ist alles gut.

    Da würde in ein anderes Glas umfüllen jetzt nicht viel nützen. Der Geschmack war Bier zu ähnlich.

    Das sehe ich auch so.

    Mich stört auch der Begriff: FASSbrause klingt und liest sich wie Rotwein, Bier oder Schnaps.


    Dazu werden sie gerne in Longneck-Flaschen (Bierflaschen) verkauft. Ich habe das Zeug mal nach ca. 2-3 Jahren probiert, es machte mich sogleich "kirre". Daher packe ich es nicht mehr an.

    Habe ausversehen einen Schluck richtigen Sekt getrunken, war auf einer großen Feier wo alkoholfreier Sekt ausgeschenkt wurde

    Grundregel verletzt: Alles was aussieht wie Alk, riecht wie Alk schmeckt wie Alk ist tabu, so hieß es bei meiner Therapie. Völlig zurecht.

    So was wird auch in der Gastro, die bekanntlich meist unter Stress arbeitet, gerne mal verwechselt. Nicht nur bei Getränken, sondern auch bei Speisen, die zwar ohne Stoff bestellt, aber in der Hektik des Arbeitsalltags aus purer Gewohnheit von dem Küchenpersonal mit Alk gepanscht werden.


    Sieh es mal so, wieder eine Lektion gelernt, am besten lernt der Mensch aus Fehlern, entweder den eigenen oder aber denen der anderen, sofern genau hingeschaut und -gehört wird.


    Die angeblich alkoholfreien Surrogate konsumiere ich nicht, warum auch? Irgendwann wird dann der Geschmack auf was Richtiges, nämlich das Original ("mit") zu groß.


    Und bei Veranstaltungen als Neuling immer schön darauf achten, etwas in beiden (!) Händen zu halten. Warum? Damit nicht irgendwer einem ein Glas in die Hand drücken kann.


    Übrigens: Ein frisch Abstinenter, der erst ein paar Tage oder Wochen clean ist, hat m.E. bei alkoholastigen Veranstaltungen nichts verloren.

    Das sind alles Kleinigkeiten, die nun wirklich kein Hexenwerk sind, aber große Wirkung entfalten.

    Vatertag? Ja und? Der hat mich schon früher nie interessiert. Daher habe ich auch nie auf einem der speziellen Ausflüge teilgenommen. Gesoffen habe ich trotzdem, weil meine Sucht ihren Treibstoff benötigte und nicht, weil irgendein Feiertag war. Irgendwie ging es mir damals ähnlich wie Harald Juhnke: "Ich mag kein Silvester, weil da auch Amateure trinken." Und ein solcher war ich bestimmt nicht.


    Heute habe ich auf dem Weg ins Fitnesstudio und zurück ein paar radelnde Herrengruppen gesehen. Sie fielen mir nur als jeweilige Gruppe auf, weil bei uns recht wenig Verkehr herrschte. Nach dem Training habe ich bei einem Konditor eine andere Sünde in süßer Form besorgt und die mit einem großen Pott Kaffee genossen. Ja, so geht's mir heute, einfach gut. Der Alkohol gehört schon seit Jahren wie selbstverständlich nicht mehr dazu.

    Wo ich mir noch sehr schwer tue ist die Zukunft. Nicht was meine Einstellung betrifft sondern wie ich damit nach außen umgehe. Gerade bei neuer Partnerin, falls es mal eine gibt. Das Lable Alkholiker ist ein k.O Kriterium.

    Einer neuen Partnerin gegenüber hilft nur, mit offenen Karten zu spielen. Falls sie mal fragt, weshalb Du nichts trinkst, nützt Dir ein Herumdrucksen nicht. Wer lässt sich schon gerne von einem neuen Freund hinters Licht führen?

    Was Du auf der Arbeit, gegenüber Kollegen, Nachbarn und Bekannten erzählst, bleibt Dir überlassen. Ich habe nur sehr wenige eingeweiht, die zitierten Personen jedenfalls nicht.

    Eine neue Partnerin würde ich immer zu gegebener Zeit einweihen. Wenn sie dann nicht mehr will, ist sie die Falsche für Dich.

    Verschiedene Süchte lassen sich nur eingeschränkt miteinander vergleichen. Gerade bei Nikotin und Alkohol ist es besonders schwierig. Ich habe auch einige Jahre vor der Abstinenz mit dem Qualmen aufgehört, ohne jedes Problem, weil ich einfach die Schnauze voll hatte.

    So einfach war es mit dem Alkohol leider nicht, weil er viel tiefer von mir Besitz ergriffen hatte.


    Eine Frage an die Langzeitabstinenzler: Kommt euch nicht manchmal der Gedanken "was mach ich hier eigentlich, es gehört ja nicht mehr zu mir.

    Wenn sich diese Denkweise breit macht, ist für mich Gefahr im Verzug. Rückfälle von Langzeitabstinenten sind, so meine Fetsstellungen in den letzten Jahren, häufig von dem vorangehenden Gedanken begleitet, man sei über den Berg und könne jetzt wie ein Normaler leben und dazu gehört in unserer Gesellschaft oft auch der Konsum von Alkohol.

    Ich lebe frei, mich berührt es nicht (mehr), wenn im Restaurant z.B. von meiner Frau etwas getrunken wird. Nur an "feucht-fröhlichen" Veranstaltungen nehme ich nicht teil. Wird eine solche zu alkohollastig, dann verabschiede ich mich und bin weg. Dies aber nicht, weil ich eine unmittelbare Gefährdung meiner Abstinenz vermute, sondern weil ich "besoffenes Geschwätz" einfach nicht mehr im Kopf aushalte. Dafür ist mir meine verbleibende Lebenszeit zu schade.


    Ich habe mir den Respekt vor dem Alkohol und meiner Krankheit bewahrt. Das trifft es am besten. Die Krankheit ist noch da, sie ruht ganz tief in mir drin und geht auch nie mehr weg. Genau damit habe ich meinen Frieden gemacht und komme prima zurecht. Das ging allerdings nicht in kurzer Zeit, das dauerte bei mir schon etwas länger.


    Damit ich all das nicht vergesse, bin ich hier.

    Da ich früher meine Saufpausen mit sog. alkoholfreiem Bier überbrückte, kam es für mich nach Wegstellen der Flasche nie als Alternativgetränk in Betracht, da es viel zu nah am Original ist.

    Dafür hatte ich andere gefährliche Aktionen im ersten Jahr: Alle haben mich ordentlich durchgeschüttelt und letztlich wach gerüttelt.

    1. Beim Grillen eine Apfelschorle in ein Weißbierglas gefüllt und getrunken.
    2. Mal eine Fassbrause in einer Longneckflasche gekauft und getrunken.
    3. Und als "Hit": Im ersten Urlaub hat sich meine Frau nach einem guten Essen mal einen besseren spanischen Brandy bestellt. Der wurde erhitzt, geschwenkt und ich habe daran geschnüffelt.

    Mein Fazit: Alles völlig falsch und hätte jeweils in die Hose gehen können. Die ersten beiden Getränke wurden einfach in dem völlig falschen Trinkgefäß gereicht, mein Suchthirn verband und verbindet damit dank jahrzehntelanger Übung ausschließlich Bier,

    Nr. 3 war am heikelsten, ich hatte das Glas schon an der Nase.

    Alles schon mehr als 10 Jahre her, aber dennoch präsent.

    Aber dann habe ich mit ein paar Gäste unterhalten die auch nur bei Wasser und alkoholfreies Bier da saßen, wir haben uns ganz nett unterhalten (nicht über Alkohol), ich meinen Kaffee und Kuchen genossen und zack war es schon Abends.

    Das ist halt die Krux an solchen Veranstaltungen, es teilen sie die Besucher recht schnell auf in:

    • Trinker, die heftig saufen (dazu zählte ich früher auch mal)
    • und Wenig- bis Nichttrinker.

    Du hast es gut überstanden, auch wenn es es für einen Neuling eine hochriskante Veranstaltung war. Zu groß war das Risiko, selbst spontan zuzugreifen, da das Suchtgedächtnis enorm provoziert wird oder ein anderer Gast einem spontan ein Glas in die Hand drückt. Dann ist es bis zum Trinken nicht mehr weit.

    Ich kann nur anraten, Dich in den nächsten Wochen mal gründlich zurückzuhalten und einen großen Bogen um alle "feucht-fröhlichen" Treffen zu machen. Auf so was hast Du in den ersten Wochen und Monaten nichts verloren, bis Du etwas Stabilität gewonnen hast. Und die kommt nicht von jetzt auf gleich, sondern dauert schon mehrere Monate.


    Frage: Warum hast Du Dich denn nicht vor der Veranstaltung mal mitgeteilt? Hattest Du Angst, Du könntest hier verbal abgewatscht werden? Es war Dir ja schon letzte Woche klar, dass Du da hin willst.


    Ein Forum wie dieses dient auch dazu, eigene gefährliche Verhaltensweisen zu spiegeln und mal zu hinterfragen, wie Erfahrene solche Manövern beurteilen. Das hier ist kein bloßes Schönwetterforum;)


    Du siehst, Du hast noch sehr viel Luft nach oben.