MarysaurusRex - Angehörige mit Trauma

  • Einen wunderschönen guten Tag,

    Ich habe den Weg zu euch gefunden und möchte mich einmal kurz vorstellen.

    Mein Vater war Alkoholiker. Er starb letzten Jahres an den Folgen. Seit dem ich denken kann hatte er dieses Problem. Er trank in Intervallen. Im Monat immer so 1-2 Wochen. In dieser Zeit trank er sich teils in einen komatösen Zustand und lag teilweise in seinem Urin auf dem Sofa. Nicht ansprechbar oder fähig sich zu bewegen. In der Anfangsphase ist er regelmäßig in den Fernseher oder Möbel gefallen. Mit 10 Jahren wischte ich das erste mal sein erbrochenes auf. Später als Teenager wachte ich immer heimlich ob er den Herd ausgestellt hat und fand erst ruhe als er im bett war. Auch wenn es böse klingt war mir der komatöse Zustand lieber denn da war er keine Gefahr für sich selbst oder andere. In der Küche hing teilweise keine Tapete mehr da meine Mutter es irgendwann aufgegeben hat neu zu tapezieren da er es manchmal bei Übelkeit nicht mehr ins Bad geschafft hat. Er war aber nie aggressiv mir oder meiner Mutter gegenüber. Wir haben früher viel probiert um ihm zu helfen bis hin zu Aufenthalten in entzugskliniken. Er wollte sich bis zum Schluss sein Problem aber nicht eingestehen. Meine Mutter trennte sich als das letzte Kind aus dem Haus war von ihm. Sie war immer der Anker in meinem Leben. Sie hat mich als Kind während seiner ausfälle auch manchmal von der Schule befreit und ist mit mir ans Meer gefahren damit wir das nicht mehr ertragen müssen. Zurückgekommen sind wir als er wieder nüchtern war.

    Nun bin ich 29 Jahre alt und Kämpfe mit den Folgen. Ich kann alkoholisierte Personen nicht ertragen. Wenn mein Partner zb. Zu Silvester trinkt und leicht angetrunken ist, entwickel ich so eine Abneigung und ekel dass ich ausfallend und böse werde. Das ist bei jeder alkoholisierten Person so. Im Nachhinein tut es mir auch leid da ich manchmal echt beleidigende Dinge sage aber ich kann es einfach nicht mehr ertragen. Mein Körper geht direkt in Kampfbereitschaft und Abwehr.

    Ich hatte nie die Möglichkeit mich mit jemanden auszutauschen der meine Problematik nicht runterspielt mit "hab dich mal nicht so, sind doch nur ein paar bier" daher bin ich froh diese gruppe gefunden zu haben und hoffe mich mit gleichgesinnten austauschen zu können.

  • Hallo MarysaurusRex,

    herzlich Willkommen hier in der Gruppe.

    'Hab dich mal nicht so' wirst du hier nicht hören. Gut, daß du hergefunden hast.

    Bitte klicke als nächsten Schritt diesen Link an, schreibe einen kurzen Satz, danach wirst du für die Teilnahme im Forum freigeschaltet.

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Viele Grüße, Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Linde66 11. Januar 2026 um 00:07

    Hat den Titel des Themas von „Angehörige mit Trauma“ zu „MarysaurusRex - Angehörige mit Trauma“ geändert.
  • ... und schon bist du freigeschaltet. Dein Thema ist jetzt im EKA-Bereich. EKA = Erwachsene Kinder von Alkoholikern.

    Du kannst jetzt überall im Forum schreiben, nur bitte in den ersten 4 Wochen nicht bei den neuen Usern mit den orangeroten Namen.

    Forenleitung
    3. März 2009 um 11:52

    Wenn du magst, schau dir mal diesen Thread durch. Die Beiträge sind alle von EKA und vielleicht findest du dich in dem ein oder anderen wieder.

    Ich wünsche dir einen hilfreichen Austausch,

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Hallo MarysaurusRex,

    Willkommen hier im Forum, schön, dass dich dein Weg hierher geführt hat.

    Bei mir war es auch mein Vater, der alkoholabhängig war und vor fast 7 Jahren am Alkohol gestorben ist.

    Das was du beschreibst, dass du mit alkoholisierten Personen nicht klar kommst, kenne ich auch. Bei mir hat sich das erst in den letzten Jahren entwickelt. Ich merke jetzt stark meine körperliche Anspannung, teilweise auch schon vor Treffen, wenn ich weiß, dass da viel getrunken wird (daher gehe ich heute auch meist nicht mehr zu solchen Treffen). Das Muster, in das ich dann falle ist, dass ich äußerlich ruhig werde und oft auch ungeduldig, passiv aggressiv, vor allem meinem Mann gegenüber.

    Ich habe Freundinnen, die das verstehen, die selbst auch Erfahrungen mit trinkenden Elternteilen haben. Ansonsten ernte ich da auch wenig Verständnis, vor allem von trinkenden Freunden meines Mannes.

  • Hallo Seepandarine,

    Danke für deine ehrliche Antwort.

    Mir ist diese Abneigung erst letztes Jahr bewusst geworden. Vorher bemerkte ich zwar dass ich wütend und gemein bin, konnte es aber nie dem Alkohol zuordnen.

    Wie gehst du damit um wenn du in solch eine Situation hinein gerätst und nicht weg kommst?

    Ich fahre zb. In 3 Wochen mit Freunden in den Ski Urlaub und dort wird Abends in der Unterkunft immer viel getrunken. Ich möchte da dann auch nicht mit meiner Abneigung allen den Urlaub vermiesen und grübel schon tagelang wie ich da am besten durch komme.

  • Hm, es kommt mittlerweile eigentlich nicht mehr vor, dass ich "hineingerate", weil ich da mittlerweile sehr drauf achte und mich selbst ernst nehmen und dann nicht zwinge etwas mitzumachen, das mir nicht gut tut. Für mich war in dem Zusammenhang ein Augenöffner, als ich realisiert habe, dass es tatsächlich auch Freundeskreise gibt, in denen wenig bis nichts getrunken wird und Alkohol nicht glorifiziert wird. Das war der Punkt, an dem es bei mir langsam von "Mit mir stimmt was nicht" gewechselt ist zu "Ich bin in einem Umfeld, das ich sehr gut kenne, das aber nicht mehr zu mir passt.".

    Was ich in der Vergangenheit in solchen Situationen, wo ich weiß, das viel getrunken wird, gemacht habe:

    • Mir eine Person in der Gruppe gesucht, die auch wenig bis nix getrunken hat und mich dann an die gehalten
    • Heim fahren, wenn es mir gereicht hat (auf Feiern)

    Im Skiurlaub kannst du natürlich nicht einfach heim fahren, vermute ich. Bietet eure Unterkunft die Möglichkeit, dass du dich am Abend früh zurückziehen kannst? Das würde ich wahrscheinlich machen, wenn es mir die Freunde und der Spaß am Skifahren wert wären mitzufahren und den Alkohol in kauf zu nehmen.

  • Ich danke dir für deine guten Vorschläge. Da hast du definitiv schon deutlich mehr Erfahrungen gesammelt und Strategien gefunden als ich.

    Ich kann mich in mein Zimmer zurückziehen. Allerdings ist mein Verlobter, der auch mit in den Urlaub fährt, einer von den Personen die ab und an bei solchen Veranstaltungen mehr trinken und früher oder später mit in das Zimmer kommt. Ich werde aber definitiv für die kommenden Urlaube besser planen und mir mehr Rückzugsorte einräumen.

    Meistens erlebe ich es so dass, wenn ich früher abhaue von feiern oder ähnliches, immer jemand sauer oder genervt von mir ist und mich als Spielverderber hinstellt da man es schlecht nachvollziehen kann wenn man diese Abneigung nicht selbst fühlt. Ich möchte mich natürlich auch nicht vor jedem rechtfertigen müssen und den Leuten die Papa Geschichte aufrücken.

  • Meistens erlebe ich es so dass, wenn ich früher abhaue von feiern oder ähnliches, immer jemand sauer oder genervt von mir ist und mich als Spielverderber hinstellt da man es schlecht nachvollziehen kann wenn man diese Abneigung nicht selbst fühlt. Ich möchte mich natürlich auch nicht vor jedem rechtfertigen müssen und den Leuten die Papa Geschichte aufrücken.

    Das kenne ich leider auch, dass solche Reaktionen vorkommen. Bei mir ist das länger her, die Freunde meines Mannes haben das irgendwann akzeptiert bzw. nur noch proforma "Schade" gesagt, ohne böse zu sein. Ich finde es eigentlich traurig, wenn ich mich überhaupt rechtfertigen muss, wenn ich gehen möchte. Ich hab z.B. einen Schlafrhythmus der so ist, dass ich meist deutlich vor 0 Uhr richtig müde werde und daher heim möchte. Wobei das dann meist akzeptiert wird, wenn ich das so sage. Und ich mich immer auch gefragt habe: was hat denn er andere davon, wenn ich noch hier bleibe und hundemüde am Tisch hänge oder grumpy vor mich hinsäure, weil der Großteil schon so weit betrunken ist, dass ich genervt davon bin und für mich auch kein schönes Miteinander mehr möglich ist. Da hätten alle mehr davon, wenn ich ohne Drama gehe :)

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